20. Mai 2013

KW 21/2013: Lina Ben Mhenni, 22. Mai 1983

Lina Ben Mhenni

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Wenn unsereiner in ihrer aufgeklärten, demokratischen abendländischen Welt ein Blog eröffnet, dann ist der Kampf, den man antreten kann, höchstens der gegen diskriminierende Weltanschauungen, gegen die Medien oder gegen Konzerne im Namen der Nachhaltigkeit, Natürlichkeit oder globalen Fairness. Lina Ben Mhenni eröffnete ihr Blog zunächst aus rein privaten Interessen, im Zuge des arabischen Frühlings wurde es allerdings zu einem wichtigen Instrument im Kampf gegen das Regime.

Das kann ich persönlich kaum vorstellen: Wie es sein muss, mit seinem Schreiben bewusst einen Kampf gegen ein festgeschriebenes, reguliertes System anzutreten. Mit seinem Schreiben die Exekutive auf mich aufmerksam zu machen, mich in Gefahr zu schreiben – um Freiheit und Leben. Umso mehr muss ich einer jungen Frau, die entgegen allen Bedrohungen dahin geht, wo die Unterdrückung manifest wird, in die Kampf- und Krisengebiete, Respekt zollen.

13. Mai 2013

KW 20/2013: Marie Smith Jones, 14. Mai 1918

Marie Smith Jones

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Mit Marie Smith Jones starb die Sprache der Eyak aus.

Die Geschichte ihres Stammes und ihrer Sprache ist beispielhaft dafür, wie der Kolonialismus Diversität ausgerottet hat, wofür wir bis zum heutigen Tag die Konsequenzen tragen. Nicht, dass ich nicht dafür bin, dass sich die Völker der Erde über “große” Sprachen auch miteinander verständigen können. Dass allerdings die Sprachen der Minderheiten, das Urtümliche, als minderwertig oder zurückgeblieben verdrängt und unterdrückt werden, ist keine Notwendigkeit, aber leider noch heute allzu oft der Fall.

Dies steht übrigens nicht im Gegensatz zu meiner Überzeugung, dass Sprache sich verändert und mithin nicht “rein” gehalten werden kann. Wachsen und sich verändern ist der Sprache eigen – das Ausgerottet werden leider eine Bedrohung für Sprachen, der wir nicht viel entgegenzusetzen haben.

Vom Artikel über die Eyak kommt man zu dem interessanten Ritual des Potlatch, das ich aus Northern Exposure kenne – ein extrem anti-kapitalistisches Geschenkefest, in dem zu besonderen Anlässen hemmungslos und überbordend geschenkt wird. Ursprünglich beruhte die Tradition auf dem festen Vertrauen in die Reziprozität, das heißt Verluste des einen beim Potlatch wurden ausgeglichen durch das Potlatch eines anderen. Erst durch den Einzug kaukasischer Siedler und der christlichen Religion, und mit ihr paradoxerweise der kapitalistische Weltanschauung, wurde das Potlatch zu einer Karikatur seiner selbst: Abgesehen davon, dass mit den Siedlern neue Krankheiten kamen und die Anlässe sich häuften, zu denen ein Potlatch veranstaltet wurde (nämlich unter anderem zum Tode eines Häuptlings), begann die jüngere Generation in der Gier nach weltlichem Ruhm, sich okönomisch zu übernehmen, um mit besonders großartigen Potlatches besonders viel Ehre anzuhäufen. Die Reziprozität ging jedoch dabei verloren und die Eyak wurden zum traurigen Beispiel dafür, dass Schenken arm macht.

Seit den 1950er Jahren gibt es Bemühungen, das bis dahin verbotene Ritual wieder im Geiste der Vorfahren zu etablieren.

8. Mai 2013

tedescitaliano à la greco

wie die opfer von vergewaltigungen auf perfide art und weise die opfer anderer frauen – nämlich der mütter der vergewaltiger – sind, erörtern Maria und Silvia in ihrem siebten Beitrag zu Forced Entry auf Hard Sensations.

6. Mai 2013

KW 19/2013: Harriet Quimby, 11. Mai 1875

Harriet Quimby

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Harriet Quimby war die erste Frau in Amerika, die einen Flugschein erhielt, und sie war die erste Pilotin, die über den Ärmelkanal flog. Dieser Flug blieb allerdings weitgehend unbeachtet, weil zwei Tage zuvor die Titanic gesunken war.

Warum nach der Autofahrerin nicht auch mal wieder eine Pilotin – die nebenher auch als Journalistin tätig war und mehrere Drehbücher schrieb, die von David W. Griffith verfilmt wurden.

Als Frau, die Amelia Earhart inspirierte und generell den Zeitgeist des beginnenden 20. Jahrhunderts repräsentierte, geht Harriet Quimby noch immer gut als Vorbild für Frauen von heute durch: Einfach machen und nicht nach den Steinen kucken, die einem in den Weg gelegt werden. Bzw. seinen Weg einfach drüber oder drumrum machen.

Women’s History bei about.com widmet ihr eine Biographie. Eine Aviationsbegeisterte führt eine Webseite, deren genaue Aufgabe ich noch nicht ganz durchschaut habe. Außerdem ist sie vertreten bei Famous Scientists und Eyewitness to History.

29. April 2013

KW 18/2013: Bertha Benz, 3. Mai 1849

Bertha Benz

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Die entzückende junge Dame rechts ist die erste Person, die sich traute, eine Fernfahrt mit dem so genannten Automobil zu machen.

Nachdem ihr Mann Carl Benz das Auto erfunden hatte, fand es nicht so reißenden Absatz wie erhofft – die Menschen trautem dem Gefährt nicht. Also setzte sich Bertha mit ihren zwei Söhnen, ohne das Wissen ihres Mannes, in den Wagen und legte die Strecke zwischen Mannheim und Pforzheim zurück. Sie bewies damit nicht nur die Sicherheit und Bequemlichkeit der Erfindung ihres Mannes – was den Erfolg des Produktes maßgeblich beeinflußte -, sondern vor allem Pioniergeist und Entschlossenheit.

Das sollten wir im Hinterkopf behalten, wenn wir das nächste Mal “Frau am Steuer” hören (oder sagen…) – Frauen waren das erste Geschlecht am Steuer, und die Fahrt ging ohne Unfälle und Beulen ab. Außerdem bedeutet es, dass das Interesse daran, dass das Auto umweltfreundlich fährt und dass es einwandfrei funktioniert, ebenfalls genderunspezifisch sein sollte. Wenigstens den Reifen sollte jeder Mensch, der ein Auto hat, wechseln können. Und es schadet auch Männern nicht, eine Nylonstrumpfhose bei sich zu haben…

Es gibt eine eigene Webseite für die Bertha Benz Memorial Route – von touristischem Interesse – sowie eine Seite für die alljährliche (?) Bertha-Benz-Fahrt. Demgegenüber gibt es auch eine Bertha-Benz-Challenge für nachhaltiges Autofahren. Und schließlich gibt es noch den Bertha-Benz-Preis der Daimler und Benz Stiftung, der jährlich einer jungen Ingenieurin zukommt.

22. April 2013

KW 17/2013: Johanna Mestorf, 25. April 1828

Johanna Mestorf

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Johanna Mestorf war die erste (deutsche) Professorin Preußens. Außerdem nahm sie sich der Konservierung und Untersuchung des Danewerks an. Das macht sie gleich in zweifacher Hinsicht zur Grenzgängerin.

Sie prägte unter anderem auch den Begriff Moorleiche, was mich einerseits in meine Jugend entfführt, in der ich panische Angst vor dem Bild des Tollundmannes hatte, das im Wohnzimmer meiner Großtante Oma Tante Käthe hing, und vor dem Grauballe-Mann, der mich in einem Sommerurlaub in Dänemark verfolgte (sogar die verfluchten Brötchen waren nach den ledrig-schwarzen Überresten benannt!). Es bringt mich andererseits aber auch in die Klickschleife, mich über alle verzeichneten Moorleichen schlau zu machen, denn heutzutage pflege ich meine Faszination an konservierten Toten.

Johanna Mestorf ist ein Eintrag auf der Seite der Stadt Kiel und einer auf der Seite der Uni Kiel gewidmet.

18. April 2013

what’s important

zu dem zugegebenermaßen effektiven Dove-video, das gerade auf facebook die runden dreht, gibt es hier einen unglaublich treffenden und meiner meinung nach wichtigen artikel über die immanente manipulation darin.

16. April 2013

noorddütsche deern’n

vollweib auf westerland

vollweib auf westerland

pacha mama an der nordsee (mit luft- und wasser-geist)

pacha mama an der nordsee (mit luft- und wasser-geist)

beide bilder sind freundliche leihgabe von nadine.

15. April 2013

KW 16/2013: Mina Benson Hubbard, 15. April 1870

Mina Benson Hubbard

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Mina Benson Hubbard ist eine dieser Frauen, wie ich sie im Sinn hatte, als ich mir für dieses Kalenderjahr “Grenzgängerinnen” zum Thema setzte. Nachdem ihr Mann auf einer Expedition durch Labrador verhungerte und obendrein von einem Überlebenden der Expedition quasi allein verantwortlich für das Scheitern gemacht wurde, machte sich Madame Benson Hubbard mit einem anderen Überlebenden der Expedition, wohlausgestatteten Vorräten und einem eisernen Willen daran, die Expedition erneut und erfolgreich durchzuführen. Das Rennen gegen den Schmäher gewann sie mit ihrer Ankunft an der Mündung des George River um sechs Wochen.

Was an Mina Benson Hubbard und Frauen ihres Schlages erkennbar wird: Wie arbiträr und überwindbar die tradierten Rollenmodelle und die ihnen zu Grunde liegenden Klischees sind: angefangen beim Mythos vom schwachen Geschlecht, über die angeblich mangelnden Fähigkeiten bis hin zu den gesellschaftlichen Hürden für eine Frau, sich als Leiterin einer Expedition quasi allein – soll heißen: ohne Ehemann als Grund und Begleitung – in die Wildnis aufzumachen. Alles Humbug und kein Hindernis, das zu tun, was sie sich in den Kopf gesetzt hat.

Sicher gehört dazu, dass schon dem Mädchen Mina ein Selbstbewusstsein gestattet wurde, das es ihr als Frau ermöglichte, ihren Willen durchzusetzen. Wahrscheinlich begründet in der reinen Notwendigkeit, dass zu damaligen Zeiten in den weniger priviligierten Schichten der Gesellschaft auch weibliche Kinder so rasch wie möglich zu den Einkünften der Familie beitragen mussten bzw. nicht auf einen Ehemann warten konnten, um die Eltern von der finanziellen Bürde zu befreien. Einem Mädchen zu sagen, dass es dieses oder jenes nicht könne, weil es ein Mädchen ist oder es allein in der Hoffnung auf einen “guten Fang” zum reinen Ansichtsobjekt zu erziehen, widersprach schlicht den ökonomischen Bedürfnissen. (Ja, ich spiele damit darauf an, dass wir uns offenbar derzeit in einer Wohlstandsgesellschaft befinden, die es sich leisten kann, der Hälfte seiner Bevölkerung zu vermitteln, dass sie a) begrenzte Möglichkeiten der Berufswahl hat und b) Erfolg sich in der Erlangung klar umrissener Ziele in der äußeren Erscheinung bemisst. Ich erinnere mich dunkel an eine Analye, die darlegte, dass der Trend, Frauen auf die drei großen K zu beschränken, ganz klar mit der Lage der Wirtschaft verbunden ist. Von daher muss man sich fast wünschen, dass es uns in Zukunft lieber wieder etwas schlechter gehen sollte…)

Interessanterweise gibt es keinen englischen, aber einen französischen Wikipedia-Eintrag – ich nehme an, der ist franko-kanadisch. Dafür widmet die Canadian Encyclopedia ihr einen Beitrag und beim Arctic Institute of North America kann man sich ihren gescannten Eintrag im Lexikon als PDF ansehen (etwas umständlich umschrieben…).

11. April 2013

wer nie sein brot im bette aß, weiß nicht wie krümel pieksen

um three days of fun, food and sex geht es im sechsten beitrag zu Forced Entry auf Hard Sensations: Tabloid ist ein dokumentarfilm über eine britin, die einen jungen amerikanischen mormonen entführte, um ihn zu befreien (ihre version) bzw. ihn zu vergewaltigen (seine version).

ich kann mich Marias schilderung ihrer phantasie nur anschließen: das sexieste an so einem jungen, unberührten gläubigen mormonen ist doch die vorstellung, wie ihn die verlockung des fleisches einfach übermannt und alle ideologischen hürden davonspült – schuld macht sex doch erst kinky.

aber wir sollten die finger von diesen verbotenen früchten lassen. das lehrt uns der film und die besprechung von Maria und Silvia.

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