rocker

klaus lemke, deutschland 1972

die welt der rocker im deutschland der 1970er jahre ist eine männerwelt – das kann man sich ausrechnen. dementsprechend sind die frauenfiguren in „rocker“ überschaubar. ohne dem film einen vorwurf machen zu wollen – denn ich habe ihn als sensibel und liebevoll wahrgenommen – sind die frauen, die auftreten, im wesentlichen vertreterinnen zweier schablonen.

sonja, gerds ex- und ullis aktuelle freundin (oder „torte“), ist die einzige rockerbraut mit dialog. gemeinhin bevölkert die rockerbraut stumm die sozios (? soziusse?) der motorräder (oder „öfen“) der rockergang; sonja hingegen ist aus der szene ausgestiegen, arbeitet brav im kittel in einem kaufhaus und unterhält dennoch den tagedieb und kleinkriminellen ulli, der auch lederjacke trägt. als gerd wieder vor ihrer tür steht, will sie zwar definitiv nicht zurück zu ihm und in die szene, unterwirft sich den gesetzen der gruppe aber dennoch insoweit, dass sie sich in die kluft schmeißt, um ihrem ex choram publico das ende der beziehung offiziell anzumelden. doch gerd wird im clubhaus von einigen maskierten überfallen und sonja findet ihn an einen baum gebunden und verprügelt vor dem brennenden schuppen – in dieser dramatischen lage werden offenbar alte romantische gefühle wach. sonja bekommt jedoch keine chance, sich zu entscheiden: von gerd wird sie abgewiesen und ulli wird totgeschlagen. sonjas letzte szenen sind von einer vielsagenden sprachlosigkeit; ullis tod versetzt sie in einen schockzustand, der sich auch in ihrer abschließenden begegnung mit gerd, bei dem sie offenbar eigentlich unterstützung und trost sucht, nicht auflöst. ihre unfähigkeit, die hürde in der kommunikation mit gerd zu überwinden, nimmt angesichts seiner vorangegangenen verbalen und physischen drangsalierungen nicht wunder. so verläßt sonja die szene und den film stumm, die genugtuung für den mord an ulli wird dem kleinen bruder und nachwuchsrocker mark überlassen.

die andere schablone der frau in „rocker“ ist die der spießerin, die den rebellierenden männern diametral gegenüber steht. hervorstechendes beispiel ist ullis und marks ältere schwester, bei der ulli geld „organisieren“ will und vor der mark in die gesellschaft seines bruders flüchtet. tatsächlich erweckt sie den eindruck eines verbitterten, harten drachens ohne mitgefühl und verständnis für die rebellischen brüder. ich erlaube mir jedoch zu spekulieren, dass diese strenge allein versteinerte sorge ist, ein form von resignation und depression. mir tat sie jedenfalls leid, in ihrer position als repräsentantin der spießigkeit.

ein paar bordsteinschwalben und leichte mädchen gibt’s noch – die schülerin, mit der ulli auf der kneipentoilette eine erotische begegnung hat, wirkt weniger wie eine figur als wie ein accessoir, um die sexuelle freilebigkeit und gleichzeitige anonymität der großstadtszene zu attestieren. sex ja, aber bitte keine intimität.

wie gesagt: der film hat mir in seiner rauhbeinigen sensibilität sehr gefallen. nur den bechdel-test besteht er nicht.

abschließend noch ein schönes wort, dass ich aus „rocker“ gelernt habe: „pflaumenspeicher“ für ein internat für höhere töchter. ich hatte es erst als frauenknast verstanden, aber das ist ja eigentlich jacke wie hose. du klappstuhl.

PS: einen ausführlicheren text zum gesamtwerk hat mein mann geschrieben. auf der angesprochenen weltreise werde ich ihn, soweit in reichweite, versuchen zu begleiten.

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