Archive for Juli, 2012

30. Juli 2012

KW 31/2012: Gerda Taro, 1. August 1910

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Mal wieder eine Fotografin… Dieses Mal aber nicht nur wegen des schnellen Artikels mit wenig Text, sondern weil sie mich an eine der wenigen Lektüren in meinem Studium erinnert, bei der ich wirklich ein „Schuppen von den Augen“-Gefühl hatte, was politische Geschichte angeht. Aber dazu gleich.

Gerda Taro war eine Fotografin, die sich vor allem durch ihre Bildzeugnisse aus dem Spanischen Bürgerkrieg einen Namen machte und die erste (?) Kriegsreporterin, die diesem Konflikt im weiteren Sinn zum Opfer fiel (sie wurde in einem Unfall eines Krankentransportes mit einem Panzer tödlich verletzt).

Sie hat dieses eine Foto geschossen, dass (nicht nur) ich ganz besonders toll finde – ohne mich dabei für bewaffnete Konflikte aussprechen zu wollen (schon aber pro Revolution, wenn die Umstände es verlangen).

Vom Spanischen Bürgerkrieg habe ich mir erst so richtig ein Bild machen können, als ich George Orwells Homage to Catalonia (Mein Katalonien) gelesen habe. Mit Sicherheit nicht eines seiner literarisch besten Bücher, aber ein erschütternder Einblick in die zerrütteten Verhältnisse der Linken im damaligen Europa. Inklusive der Erkenntnis, dass es den Alliierten beim Krieg gegen Hitler nicht so sehr um seine Rassen- als vielmehr um die Expansionspolitik ging… das war mir bis zu dem Zeitpunkt nie so klar gewesen, dass da rein wirtschaftliche Interesse der Antrieb waren. Die im isolierten Spanien keine Rolle spielten, in dem doch auch massenweise Menschen aufgrund ihrer politischen Orientierung (oder auch ihrer Religion, von anderer Seite, dies soll nicht verschwiegen werden) umgebracht wurden. Dass der Faschist Franko noch jahrelang Kommunisten und Regimekritiker umbringen konnte, ohne dass ihm die Alliierten auch nur auf die Finger gehauen hätten, hing dann natürlich auch noch mit dem Kalten Krieg zusammen. George Orwells Desillusionierung im Spanischen Bürgerkrieg ist jedenfalls dann 1984 geschuldet. Wenige Bücher haben meine politische Meinungsbildung aber so sehr geprägt wie sein Erfahrungsbericht aus Katalonien.

Anlässlich Gerad Taros 100. Geburtstag gab es 2010 eine Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart, ein Text dazu ist noch immer bei fokussiert.com online. Eine Kurzbiografie gibt es auf der Website des International Center of Photography. Eine Erläuterung, warum Taro so lange unbekannt im Schatten ihres Kollegen und Geliebten Robert Capa blieb, bietet ein Artikel beim Telegraph. Und die Bildersuche nach Gerda Taro hat mich zu diesem ausgesprochen interessanten und differenzierten Artikel gebracht, der die Frage stellt, ob Männer und Frauen unterschiedliche Fotos machen… eine Frage, die mit vielerlei Argumenten unbeantwortet bleibt.

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23. Juli 2012

KW 30/2012: May Spils, 29. Juli 1941

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May Spils hat eine der schönsten deutschen Komödien gedreht. Mehr habe ich nicht zu sagen. Es gibt zu ihr noch eine Profilseite auf kino.de.

18. Juli 2012

The Most Unintentionally Sexist Attempt to Empower Women

ach, EU. das macht wenig hoffnung.

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18. Juli 2012

ScissorSheldon.com

sarah silverman – um bei den wichtigen punkten anzufangen: sie ist klug und witzig. sie hat eine meinung (die ich günstigerweise oft teile). und – das ist ja ebenso wichtig, um aus einer erfolgreichen, starken frau keinen pseudo-mann zu machen: sie ist attraktiv und weiß sich „feminin“ in szene zu setzen.

sie hat jetzt eine seite gestartet – ernsthaft betrachtet: um darauf hinzuweisen, wie die konservativen milliardäre in den USA ihr geld in die wahlkampagnen des republikaners mitt romney pumpen. da werden natürlich klare interessen erkennbar.

es ist ihr humor, der das ganze so unschlagbar macht und die unterstützer der unterschiedlichen parteien so klar gegeneinander stellt: sie macht einem der milliadäre ein angebot, das er eigentlich kaum ausschlagen kann…

hier auch gleich der link zur seite!

PS: hier ein kritischer text dazu. jedes ding hat zwei seiten – ich find’s trotzdem noch lustig.

16. Juli 2012

mann, konstruiert

am donnerstag, 19. juni, läuft die gender-experiment-dokumentation Man For A Day von Katarina Peters in den kinos an. Peters hat einen workshop von gender-aktivistin Diane Torr in berlin mit der kamera begleitet, in dem frauen sich, zunächst äußerlich, in männer verwandeln konnten. sicher eine interessante erfahrung, dabei gewesen zu sein. den film zu sehen, könnte daher auch interessant sein.

Diane Torr hat natürlich auch eine eigene webiste.

16. Juli 2012

KW 29/2012: Lillian Ellison, „The Fabulous Moolah“, 22. Juli 1923

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Lillian Ellison gewann die National Wrestling Association’s World Women’s Championship und erhielt daraufhin für ihre weitere Promotion den Namen „The Fabulous Moolah“. Als diese hielt sie den Championessetitel – mit kurzen Unterbrechungen – für 24 Jahre; außerdem trug sie unter anderem mit einem Besuch in der Mike Douglas Show, in der sie den Footballer Roosevelt „Rosey“ Grier über die Schulter warf, dazu bei, dass das Frauenwrestling-Verbot im Staate New York aufgehoben wurde.

Eigentlich fällt mir zu Lillian Ellison nicht viel weiteres ein, ich finde einfach nur gut, dass sie offenbar eine Frau von Format war, die sich weigerte, sexuelle Beziehungen einzugehen, um ihre Karriere zu fördern, und die mit einem Mexikaner zusammenarbeitete, den sie als Teil der Ringroutine in aller Öffentlichkeit küsste, was anscheinend Anlass für Kontroversen war.

Generell freue ich mich, wenn ich eine große Diversität an interessanten Frauen auch meinem blog anbieten kann, und eine Wrestlerin hatte ich noch nicht. Ich war überhaupt angetan, dass es eine solche weibliche Wrestling-Kultur gibt!

Sie hat natürlich einen Eintrag auf der Website der World Wrestling Entertainment Inc. und auch eine deutsche Wrestling-Website widmet ihr ein Profil. Die New York Times hat einen Nachruf auf sie geschrieben.

11. Juli 2012

dicke, hässliche nutten außerhalb der küche

meine eigene erfahrung mit computerspielen begrenzt sich ja auf Civilization IV (oder so) auf dem eMac, ICO und Shadow of the Colossus auf der PS2 und einige harmlose Wii-Spiele. passiv noch ein paar PS2- und Wii-Spiele mehr. mit MPOG, MMOG oder MMPORG habe ich überhaupt keine erfahrung.

ich kann mir aber sowohl die faszination erklären als auch vorstellen, dass das einen heidenspaß macht, sowohl männern wie frauen. allerdings, nach dem, was ich in der letzten zeit gelesen habe, ist es für frauen doch ratsam, sich bei diesen gelegenheiten zumindest als ungeschlechtlich, wenn nicht gar als männlich auszugeben. denn in der gamer-community, unterstützt durch den online disinhibition effect, ist ein rüder, unangenehm diskriminierender umgangston normalzustand, der rassistische, homophobe und vor allem sexistische äußerung, belästigungen bis hin zum stalkertum und generelle scham-/charmelosigkleit begünstigt. das reicht von verhältnismäßig harmlosen fragen wie „zeigst du mir deine titten?“ oder „willst du meinen schwanz sehen?“ über die bezichtigung, als gamerin hässlich, fett oder besonders leicht zu haben sein zu müssen, weiter über einfallslose bitten, doch lieber in der küche ein sandwich zuzubereiten,  bis hin zu konkreten, wenn auch unrealistischen vergewaltigungs- und tötungsdrohungen oder -wünschen.

es wäre erschreckend, es wäre niederschmetternd, es wäre ein anlass, am guten im menschen – vor allem im menschen online – zu zweifeln. wenn es nicht die damen von fat, ugly or slutty und Not in the Kitchen Anymore gäbe. diese onlinegamerinnen haben es sich zur aufgabe gemacht, den sexismus in der gamer-community anhand täglich offensichtlich zahlreich eintrudelnder beispiele in ihren blogs zu dokumentieren und ihre weniger intellektuell priviligierten männlichen (und zum teil auch weiblichen) gamerkollegen allein durch die macht der eigenen dummheit zu diskreditieren. diese blogs sind das beste beispiel dafür, dass schamvolles schweigen die schlechteste reaktion auf diskirminierung ist und souveränes lachen über die beschränkten denkwelten anderer die beste. wie es eine bloggerin bei fat, ugly or slutty in einem beitrag schreibt: früher hat sie mit den schlimmsten befürchtungen ihr game-postfach geöffnet – nun freut sie sich geradezu, wenn sie mal wieder eine merkwürdige nachricht erhalten hat, weil sie sie auf dem blog teilen kann, um öffentlich mit anderen darüber zu lachen.*

bei manchen einträgen in beiden blogs stockt einem der atem über das ausmaß an dummbeutelei. aber einmal herzlich darüber gelacht, und schon fällt das atmen wieder leichter.

*es ist auch auf diesem blog, dass sich ein kleiner erfolg des anprangerns abzeichnet: in einem beitrag berichtet eine bloggerin darüber, dass ein ehemaliger onlinegamer sie kontaktiert hat mit der bitte, den beitrag, der auch seinen nickname verzeichnet, zu löschen – er sei jung und dumm gewesen und wolle nicht noch nach jahren der reifung als dieser idiot im internet zu finden sein. vielleicht werden noch mehr der übeltäter eines tages die pubertät hinter sich lassen und sich für ihre (jugendliche?) dummheit schämen. wenigstens ein paar.

PS: bei Cracked.com gibt es ganz frisch auch einen artikel über die rassistischen, sexistischen und homophoben züge von videospielen: 5 Prejudices That Video Games Can’t Seem to Get Over. lesenswert.

9. Juli 2012

KW 28/2012: Aiga Rasch, 9. Juli 1941

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Meine Gefühle für Aiga Rasch sind jenseits der Worte.




Nur vier ihrer Coverkunstwerke für die drei ???. Sie hat eine eigene Website, es gibt natürlich eine ???-Fanseite und für mich als ursprüngliche ???-Leserin (!) ist diese Liste wichtig. Aufschlussreich für einige Popkulturreferenzen ist der Eintrag über die ??? beim englischen Wikipedia: Jupiter Jones ist der englische Justus Jonas.

Jetzt habe ich Lust, die Bücher alle noch mal zu lesen. Leider sind sie zum Teil einer Kellerüberschwemmung zum Opfer gefallen. (Mein Herz blutet, wenn mir das wieder einfällt.)

2. Juli 2012

KW 27/2012: Elisabeth Kübler-Ross, 8. Juli 1926

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Elisabeth Kübler-Ross hat mit ihren 198 Interviews mit Sterbenden in letzter Konsequenz nicht nur die Verhältnisse für Todkranke in Krankenhäusern generell verbessern können bzw. die Einrichtung von Hospizen initiiert, sie hat auch mit der Definition der 5 Phasen des Sterbens den Umgang mit der Erkenntnis des nahenden Todes nachvollziehbar und hilfreich für alle Beteiligten aufgeschlüsselt.

Diese Definition der psychologischen Verarbeitung ist schließlich auch anwendbar auf jede Form der Verarbeitung von Verlust und Trauer; damit könnten sie theoretisch auch für jemanden, der sich gerade in der Verarbeitung befindet, hilfreich sein. Auch im Umgang mit jemandem, der durch eine der Phasen geht, stelle ich es mir wichtig vor zu wissen, was der letzte psychische Zustand, die letzte Phase, sein kann – um vielleicht helfen zu können, diese zu erreichen, also die anderen, die vorangehen, zu durchstehen.

Mein Interesse an Elisabeth Kübler-Ross wurde eigentlich nur dadurch geweckt, dass mir die fünf Phasen aus diversen Popkultur-Quellen bekannt sind, so etwa der Simpsons-Folge, in der Homer Kugelfisch gegessen hat:

Oder der Scrubs-Folge, in der JD mit einer Patientin zu tun hat, die durch die Phasen gehen muss – oder ist er es selbst?

Ich konnte daher nicht widerstehen, die Frau, die diese wichtige Einsicht hatte, vorzustellen. Leider hatte sie in anderer Hinsicht keine Einsicht, die ich teilen kann: Ihr Einsatz für Hospize ging nicht mit einer Pro-Sterbehilfe-Haltung einher, da sie der Ansicht gewesen zu sein scheint, das auch das lange Sterben dazu dienlich sei, „unfinished business“ abzuschließen. Dies kann ich nun so gar nicht nachvollziehen – in einem Moment, in dem der Todkranke die Phase der Akzeptanz erreicht hat, bereit ist zu gehen, aber noch weiteres körperliches Leid bis hin zu einem späten Tod vor sich hat, muss meiner Ansicht nach die Freiheit bestehen, über das eigene Leben/Sterben zu bestimmen und sich von Leid zu befreien.

Außerdem neigte sie gegen Ende ihres eigenen Lebens zu Mystizismus und Esoterik und glaubte wohl in ganz unübertragenem Sinn an Wiedergeburt; ebenso schade ist es, dass sie in diesem Glaubensrahmen das Vorwort für ein Buch schrieb, dessen Autor den Holocaust leugnet und nach deutschem Recht als Volksverhetzer gilt.

Um aber mit einer positiven Note zu enden, gebe ich noch ein Zitat von ihr wieder, dass nicht nur ich mir gerne zu Herzen nehmen darf: „In der Schweiz wurde ich nach dem Grundsatz erzogen: arbeiten, arbeiten, arbeiten. Du bist nur ein wertvoller Mensch, wenn du arbeitest. Dies ist grundfalsch. Halb arbeiten, halb tanzen. Das ist die richtige Mischung! Ich selbst habe zu wenig getanzt und zu wenig gespielt.“ (Quelle: Wikipedia) Halb arbeiten, halb tanzen!

Die Hospizbewegung Arbeitsgemeinschaft Elisabeth Kübler-Ross hat eine Website, ihr Buch Interviews mit Sterbenden kann man bei amazon bestellen.