dicke, hässliche nutten außerhalb der küche

meine eigene erfahrung mit computerspielen begrenzt sich ja auf Civilization IV (oder so) auf dem eMac, ICO und Shadow of the Colossus auf der PS2 und einige harmlose Wii-Spiele. passiv noch ein paar PS2- und Wii-Spiele mehr. mit MPOG, MMOG oder MMPORG habe ich überhaupt keine erfahrung.

ich kann mir aber sowohl die faszination erklären als auch vorstellen, dass das einen heidenspaß macht, sowohl männern wie frauen. allerdings, nach dem, was ich in der letzten zeit gelesen habe, ist es für frauen doch ratsam, sich bei diesen gelegenheiten zumindest als ungeschlechtlich, wenn nicht gar als männlich auszugeben. denn in der gamer-community, unterstützt durch den online disinhibition effect, ist ein rüder, unangenehm diskriminierender umgangston normalzustand, der rassistische, homophobe und vor allem sexistische äußerung, belästigungen bis hin zum stalkertum und generelle scham-/charmelosigkleit begünstigt. das reicht von verhältnismäßig harmlosen fragen wie „zeigst du mir deine titten?“ oder „willst du meinen schwanz sehen?“ über die bezichtigung, als gamerin hässlich, fett oder besonders leicht zu haben sein zu müssen, weiter über einfallslose bitten, doch lieber in der küche ein sandwich zuzubereiten,  bis hin zu konkreten, wenn auch unrealistischen vergewaltigungs- und tötungsdrohungen oder -wünschen.

es wäre erschreckend, es wäre niederschmetternd, es wäre ein anlass, am guten im menschen – vor allem im menschen online – zu zweifeln. wenn es nicht die damen von fat, ugly or slutty und Not in the Kitchen Anymore gäbe. diese onlinegamerinnen haben es sich zur aufgabe gemacht, den sexismus in der gamer-community anhand täglich offensichtlich zahlreich eintrudelnder beispiele in ihren blogs zu dokumentieren und ihre weniger intellektuell priviligierten männlichen (und zum teil auch weiblichen) gamerkollegen allein durch die macht der eigenen dummheit zu diskreditieren. diese blogs sind das beste beispiel dafür, dass schamvolles schweigen die schlechteste reaktion auf diskirminierung ist und souveränes lachen über die beschränkten denkwelten anderer die beste. wie es eine bloggerin bei fat, ugly or slutty in einem beitrag schreibt: früher hat sie mit den schlimmsten befürchtungen ihr game-postfach geöffnet – nun freut sie sich geradezu, wenn sie mal wieder eine merkwürdige nachricht erhalten hat, weil sie sie auf dem blog teilen kann, um öffentlich mit anderen darüber zu lachen.*

bei manchen einträgen in beiden blogs stockt einem der atem über das ausmaß an dummbeutelei. aber einmal herzlich darüber gelacht, und schon fällt das atmen wieder leichter.

*es ist auch auf diesem blog, dass sich ein kleiner erfolg des anprangerns abzeichnet: in einem beitrag berichtet eine bloggerin darüber, dass ein ehemaliger onlinegamer sie kontaktiert hat mit der bitte, den beitrag, der auch seinen nickname verzeichnet, zu löschen – er sei jung und dumm gewesen und wolle nicht noch nach jahren der reifung als dieser idiot im internet zu finden sein. vielleicht werden noch mehr der übeltäter eines tages die pubertät hinter sich lassen und sich für ihre (jugendliche?) dummheit schämen. wenigstens ein paar.

PS: bei Cracked.com gibt es ganz frisch auch einen artikel über die rassistischen, sexistischen und homophoben züge von videospielen: 5 Prejudices That Video Games Can’t Seem to Get Over. lesenswert.

2 Kommentare to “dicke, hässliche nutten außerhalb der küche”

  1. hi, bin ein Mann der seit jahren in der Gamercommunity unterwegs ist und kann Deine Erfahrung alltäglich mitverfolgen, was mir immer mehr die Lust am Spielen raubt. Meine Erfahrung ist sogar die, dass sich die Frauen aus der Gamingszene sogar teils angewidert zurückziehen, sowie auch Menschen die einfach MITEINANDER spielen wollen und das mit einem netten Umgangston. Beides ist leider extrem schwierig da heutzutage die Spiele teils so gehalten sind, dass sie genau diesen Mob bedienen wollen. (dicke Wummen, grosse Explosionen – kurzum viel Rambo-BumBum). Spiele die eine gewisse Komplexität in sich bergen zeigen aber auch das Gegenteil. Dort wird viel freundlicher miteinander umgegangen, da dort jeder Jedem helfen MUSS um überhaupt das gesamte Spielerlebnis zu haben. Wäre schön wenn es da mal eine öffentliche Bewegung geben würde, die den täglichen Rassismus, die Homophobie und den Sexismus sowie das elitäre Denken vieler Spieler anprangert. Denn sonst wird diese Gamingszene immer schlimmer.
    Obwohl wir mittlerweile zu mehreren Hundert zusammen ein Spiel spielen können, bleibt die Freundlichkeit und die Gemeinschaft auf der Strecke.
    Grüsse
    DoM

    • hallo DoM,
      danke für deinen kommentar! ich selber habe wie gesagt diese spezielle erfahrung nur aus zweiter hand. ich weiß gar nicht, ob die problematik wirklich so sehr in den spielen liegt – mein mann spielt auch gerne spiele mit dicken wummen und großen explosionen, ist aber keiner, der dann gamerinnen bilder von seinem besten stück senden wollte o.ä. (nehme ich jetzt mal an…); ich selbst würde daran wahrscheinlich auch spaß haben. ein sehr schönes gemeinschaftliches erlebnis zb. war bei uns BURNOUT REVENGE – ich könnte jetzt einen witz darüber machen, dass es mir als frau spaß gemacht hat, autos kaputt zu fahren (^_~), aber tatsächlich stehe ich damit wahrscheinlich eher alleine da unter meinen geschlechtsgenossinnen… es zeigt nur, dass KRACH-BUMM nicht notgedrungen eine männliche domäne sein muss.
      die problematik liegt meines erachtens eher erstens darin, dass nicht alle, die spaß an dicken wummen etc. haben, auch differenzieren können, dass „ballz“ zu haben nicht gleichbedeutend ist damit, andere zu bashen, eher im gegenteil. und zweitens stelle ich in letzter zeit verstärkt fest, wie uneingeschränkt der zitierte online disinhibition effect eintritt – zb. auch in einer an die 5.000 „mann“ starken FB-gruppe, die sich ums handarbeiten dreht – also: fast nur frauen, die angeblich friedliebende hälfte der menschheit, die auch noch alle ein hobby gemein haben, schaffen es dennoch, sich mit verkappten spitzen und offenen anfeindungen gegenseitig die laune zu vermiesen.
      ergo: es ist zwar ein deutlich in der gaming-community auftretendes problem, möglicherweise bedingt durch die immanente demographie – aber tatsächlich ist es es ein zutiefst menschliches phänomen. und es würde eben die anstrengung aller beteiligten benötigen, um es zu ändern, was utopisch ist, da offensichtlich manche der beteiligten ein stärkeres bedürfnis nach scheinbarer instant gratification haben als nach einem langfristig befriedigenden spiel-erlebnis…
      insofern sind diese beiden blogs umso wichtiger: when life gives you lemons, make lemonade. wenn die welt, in der wir leben, so ist, können wir wenigstens den gewinn davon haben, unsere tägliche dosis humor daraus zu pressen (und als nebeneffekt vielleicht manchem die augen öffnen)… nichtsdestotrotz finde ich, sollten gamer wie du nicht aufgeben, eine angenehmere kultur im netz einzufordern und vlt. sogar vorzuleben – jeder an seinem wirkungsort – da das netz unleugbar ein kulturzentrum der zukunft ist.
      hoffe weiter, dich als leser öfter begrüßen zu dürfen…
      grüße,
      zora

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