KW 7/2013: Beate Klarsfeld, 13. Februar 1939

Beate Klarsfeld

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Ob Beate Klarsfelds Ohrfeige gegen Bundeskanzler Kiesinger objektiv eine Sternstunde ihres Lebens ist oder eher nicht, will ich offenlassen. Jedenfalls ist es der Moment, mit dem sie in ihrer Person und ihren Überzeugungen am prominentesten in der Geschichte vertreten ist.

Ich persönlich jedoch kann diese Aktion durchaus nachvollziehen – ob nun geplant oder nicht, für die Sache, um die es ging, finde ich es eine angemessene Reaktion. Kiesinger war im Dritten Reich nicht nur in der Partei gewesen, er war in einer politischen Funktion, in der er zum Teil im Sinne der Partei Einfluss nehmen konnte und musste. Nach dem Ende des Dritten Reichs konnte er weiter eine politische Karriere verfolgen, die 21 Jahre später ihren Gipfel im Bundeskanzleramt fand. Genau zu einem Zeitpunkt, an dem die Generation der Nachkkriegskinder am Gipfel ihrer Kritik an und Empörung über die Geschichte ihrer Elterngeneration war. Die Vorstellung, dass diejenigen, die aktiv und wissend am Grauen des Holocaust und des Zweiten Weltkrieges mitgewirkt hatten, nicht nur nicht festgesetzt, im Gegenteil, sogar immer noch in politischen Ämtern tätig waren, muss wütend machen – über die Dreistigkeit der anderen und die eigene Ohnmacht. Und wenn jemand in einer Lage ist, in der Dreistigkeit dort und Ohnmacht hier zusammenkommen, mithin die Worte fehlen und die Vernunft aussetzt, dort fällt als natürliche Reaktion schon einmal eine Ohrfeige.

Ja, die Aktion war geplant, damit fällt die Entschuldigung „aus dem Affekt“ aus. Situativ, nein, ist es kein Affekt. Aber im Prinzip befand sich doch die ganze Generation in einem fortgesetzten, aber nicht auslebbaren Affekt: Wissend, aber ohne die Möglichkeit, die Lage zu ändern. Menschen behaupteten, nichts gewusst zu haben oder nichts tun zu können – nach allem, was danach zu wissen war und angesichts derjenigen, die zum Teil ihr Leben riskiert hatten, um Inseln der Menschlichkeit zu bewahren. Nachzuweisen war ihnen nicht immer etwas, aber nicht alle, die das behaupteten, konnten tatsächlich nichts gewusst haben, und diese Leute waren immer noch dabei, das Land zu regieren. Was für eine Wut! Und wohin nur damit! Wenn dann einer in einer so prominenten Position wie dem Bundeskanzleramt ist, von dem man weiß, was zu wissen ist – der bekommt dann stellvertretend für seine Generation, für sein Volk, eine Ohrfeige. Völlig zu Recht.

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