KW 45/2013: Qiu Jin, 8. November 1875

Qiu Jin

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Qui Jin gilt als Martyrerin der Revolution gegen die Quing-Dynastie und der Frauenbewegung in China. Sie hatte das Glück, in einem Haushalt aufzuwachsen, in dem sie nicht nur intellektuell, sondern auch im physischen Ausdruck gefördert wurde.

Unter ihren Errungenschaften als Revolutionärin sticht für mich – als in fernöstlicher Politik nicht Versierte – vor allem der erfolgreiche Kampf gegen die Lotosfüße hervor. Diese sind ein Beispiel für die Perversionen, die archaische Schönheitideale hervorbringen – natürlich als Leidtragende wie so oft die Frauen. Beginnend wahrscheinlich mit einer Konkubine des Kaisers Li Yu im 10. Jahrhundert, die ihre Füße zunächst nur zum Tanzen bandagierte, setzte sich die verkrüppelnde Tradition bis ins 20. Jahrhundert fort, mit Qui Jins Einsatz in organisierten Elterngruppen als entscheidende Maßnahme.

Neugierige mit starken Nerven/Magen können sich die Praxis auf Wikipedia anschauen. Das lange Elend kurz gefasst: Kleinen Mächen zwischen 4-7 wurden die Zehen außer dem großen gebrochen und unter den Fuß gebunden, ebenso wurde die Ferse mit Bandagen, die bis zu täglich gewechselt werden mussten, zum vorderen Ballen hin gebunden. Ziel war eine Fuß“größe“ von 7cm. Je kleiner die Füße, desto schöner – allerdings auch: desto weniger beweglich die Frau. Ans Haus gefesselt zu sein und sich nur in Trippelschritten vorwärtsbewegen zu können, wurden – wie sollte es anders sein – zum auserkorenen Ideal und sexuellem Merkmal. Glücklich die Frauen, die aus armen Familien stammten, in denen jeder Fuß, egal welchen Geschlechts, für die Arbeit benötigt wurde. Achja, schlecht riechen tat es auch, weshalb die Bandagen auch nachts nicht abgenommen wurden – sonst wäre der Geruch zu streng geworden. Die Füße auszupacken hätte schließlich auch die erotische Fantasie zerstört  – ein Lotusfuß sieht nur verhüllt „schön“ aus. Die schmerzliche Realität konnten meist nicht mal die Fetischisten verkraften.

Der wackelige Gang, der als Resultat der gebunden Füße als erotisierend galt, ist übrigens verwandt mit der unsicheren Balance, die hochhackige Schuhe mit sich bringen. Machen wir uns nichts vor: Auch bei uns gilt eine Frau mit festem Schritt nicht leicht als  Lustobjekt. (Daraus mache jede, was sie will.)

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