Archive for Februar, 2014

26. Februar 2014

das finstere tal

andreas prochaska, österreich/deutschland 2014

das patriarchat frisst seine kinder.

über frauenfiguren lässt sich zwar nicht sprechen – oder nur kaum, obwohl zwei frauen antrieb des plots sind. nichtsdestotrotz spreche ich eine starke empfehlung aus – nicht nur, weil der film (nicht unbekannte) fehlerhafte strukturen einer übermäßig patriarchalischen gesellschaft thematisiert, sondern weil er einfach fantastisch aussieht und eine erfrischende abwechslung zum seichten, leichten deutschsprachigen kino darstellt, wie es zu großen teilen die säle füllt. ohne seine herkunft zu verraten, stellt Das Finstere Tal einen bezug zum internationalen kino her und lässt hoffen, dass es immer wieder und weiterhin alternativen zur schweigerschen selbstbeweihräucherung geben wird.

allerdings braucht der film zuschauer, zuschauer, zuschauer. pilgert zahlreich in die kleinen kinos, in denen er läuft. es lohnt sich.

24. Februar 2014

KW 9/2014: Joanne Woodward, 27. Februar 1930

Joanne Woodward

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Erste Person überhaupt, die mit einem Stern auf dem Hollywood Walk Of Fame geehrt wurde; außerdem erste, einzige und überlebende Ehefrau von Paul Newman *seufz*. IMDb

Runner-up: Brigitte Grothum – Zu Brigitte Grothum muss ich kurz schreiben, dass ich sie zuletzt in einigen Edgar-Wallace-Filmen sah, vor allem aber in dem grandios schönen, tragischen, viel tieferen, als sein Titel vermuten ließe, Der rote Rausch. Dieser kam ursprünglich wohl nicht beim Publikum an – möglich, dass das an einer Fehlvermarktung als Wallace-Reihenbeitrag lag, oder auch daran, dass das Publikum mit einer so differenzierten Darstellung einer reißerisch verkauften Psychokiller-Geschichte nicht zurecht kam.
Klaus Kinski spielt darin den psychopathischen Frauenmörder Josef Stief, der vier Frauen erwürgt hat – alle diese Frauen trugen rote Korallenketten. Nach Jahren in einer psychiatrischen Anstalt, in der man sich nicht anders zu helfen wusste als seine psychopathischen Wesenszüge völlig schizophren abzuspalten und ihn alle Gründe für seine Gefangenschaft vergessen zu lassen, nach Jahren völlig unschuldigen Eingesperrtseins in seinen Augen also gelingt ihm die Flucht. Brigitte Grothum spielt die Landwirtin und zukünftig wohlhabende Hoferbin Katrin, die den Flüchtigen aufnimmt, im Glauben, er sei „von drüben“ – von der anderen Seite der Landesgrenze, an der sie vor 8 Jahren ihren geliebten Ehemann Martin verloren hat.
Katrin ist eine Gefangene wie Josef (der sich Martin nennt), nur in ihren eigenen Strukturen. Sie ist Gefangene der Möglichkeit, dass ihr Mann noch leben könnte und sie einen unverzeihlichen Verrat an ihrer Liebe begehen würde, wenn sie ihn für tot erklären ließe; sie ist Gefangene der Gesellschaft, die von ihr erwartet, dass sie diese Liebe loslässt und endlich – vernünftigerweise – dem Werben des gutaussehenden, kernigen, männlichen Karl nachgibt, der der wichtigste Arbeiter auf ihrem Hof ist. In der Unfreiheit unter den Erwartungen ihrer Umwelt verliebt sich Katrin in den sensiblen, gehetzten Josef/Martin; die Leere seiner Lebensgeschichte dient ihr als Projektionsfläche, seine Andersartigkeit ist die ideale Ausweichmöglichkeit für sie, sowohl das zu tun, was alle von ihr wollen – sich fortzuentwickeln, neu anzufangen – und gleichzeitig die Herrschaft über ihr eigenes Leben zu behalten, indem sie einen Mann liebt, den sie sich allein ausgesucht hat, der von außen kommt und den sie ihrem ersten Geliebten nah empfindet.
Ihre Liebe ist in all diesen unbewussten Motivationen jedoch wahrhaftig und übersteht die Erkenntnis, einem geisteskranken Mörder zu gelten – sie erkennt ihn als Opfer, wie sie selbst Opfer der Umstände ist.
Ein Rausch, dieser Film, ja, aber kein blutiger, aus niederen Beweggründen – stattdessen ein Blick auf den Umgang unserer Gesellschaft mit denen, die auf den ersten Blick eine Bedrohung darstellen und auf einen zweiten und jeden weiteren selbst Opfer sind, die unser Mitgefühl verdienen. Außerdem ein merk-würdiger Zeitzeuge der Anfangsjahre deutscher Trennung.

17. Februar 2014

KW 8/2014: Ann Sheridan, 21. Februar 1915

Ann Sheridan

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Bei Ann Sheridan geht’s mir gar nicht so sehr um die Frau als um die Möglichkeit, auf einen wunderbaren Film hinzuweisen, der mit Männer- und Frauenklischees spielt und die Unfreiheit eines gender-zugeschriebenen Lebens im bürokratischen System thematisiert: I Was A Male War Bride. IMDb

Runner-up: Margarete von Trotta

16. Februar 2014

for more diverse male characters in movies

because role reversals are always fun (and there’s candy for real and the mind’s eyes)

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12. Februar 2014

R.I.P. Shirley Temple

Shirley Temple

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Kinderstar, jüngste Oscar-Preisträgerin, Brustkrebsüberlebende, US-Botschafterin in Ghana und der Tschechoslowakei. Ein langes, erfülltes Leben ist auf natürliche Weise zu Ende gegangen. IMDb

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12. Februar 2014

unterdrückung der mehrheit

und noch ein hinweis auf etwas, das es im netz zu sehen gibt: der kurzfilm Majorité Opprimée zeigt den alltäglichen sexismus in umgekehrten gender-rollen.

zugegeben, nicht jede frau wird jeden tag überfallen und physisch-sexuell attackiert. doch die gefahr ist ohne zweifel stets präsent, und das gibt der film wieder.

an dieser stelle kann ich auch (noch?) mal auf das buch Die Töchter Egalias hinweisen, das dieses experiment konsequent literarisch durchführt – bis hin zum penishalter, den die männer ab einem bestimmen alter tragen müssen, und einer ähnlichen gender-swapped-vergewaltigungssequenz. auch wenn es in den 1970ern enstanden ist und manche gesellschaftlichen aspekte heute tatschlich nicht mehr relevant sind… die grundhaltung, was die geschlechter trennt, unterscheidet und in hierarchie bringt, hat sich bis heute, leider, noch nicht so verändert, dass dieses buch obsolet geworden ist.

11. Februar 2014

building body love, bit by bit

wer’s wegen facebook-abstinenz oder aus anderen gründen noch nicht gesehen hat, der kann sich auf der homepage des künstlers Jamie McCartney die gesammelten materialien zu seiner Wall of Vagina ansehen. oder, etwas wengier umständlich, direkt auf der seite des kunstprojekts Great Wall of Vagina.

in einer welt, in der immer mehr des weiblichen körpers der beurteilung und bearbeitung anheimfällt, ist es sehr angenehm, die große variabilität von 400 vulven zu sehen und darinzu erkennen, dass alles mögliche normal ist – unser eigener körper also wahrscheinlich auch. dabei ist es wunderbar frei von unangebrachter fetischisierung, von objektifizierung durch einen dominant männlichen blick und von exotizismus – sie sind alle unterschiedlich und ihrer einzigartigkeit schön und „normal“.

10. Februar 2014

KW 7/2014: Samira Makhmalbaf, 15. Februar 1980

Samira Makhmalbaf

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Gewinnerin des Spezialpreises der Jury in Cannes mit ihrem Film Fünf Uhr am Nachmittag; Jury-Mitglied der Cannes Filmfestspiele (meist das jüngste); vom Guardian zu einer der 40 besten Regisseure der Welt gewählt. IMDb

Runner-up: Leontine Sagan

3. Februar 2014

KW 6/2014: Jenette Goldstein, 4. Februar 1960

Jenette Goldstein

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Jenette Goldstein war die zweite durchsetzungs- und nervenstarke Frau, die die Alien-Reihe uns Filmzuschauern schenkte. Nach Weaver’s Ripley – einer ausgebildeten Astronautin und Führungspersönlichkeit – gab uns Jenette Goldstein die weibliche Soldatin, die unter den Attacken eines fremdartigen, unberechenbaren Gegners resilienter agierte als ihre männlichen Kollegen (großartige Gegenbesetzung: Bill Paxton, der unnachahmlich Großmäuligkeit mit Hosenschisserei vereinen kann). Sie ist das Latina Action Girl, das m.E. Michelle Rodriguez‚ Karriere möglich gemacht hat. More power to them. IMDb

Runner-up: Grande Dame Zsa Zsa Gabor