Archive for Januar, 2016

26. Januar 2016

sedmikrásky

vera chytilová, tschechoslowakei (damals noch) 1966

ungezogene junge leute in traumhaft strahlenden farben. die beiden maries stellen fest, dass die welt verdorben ist und beschließen, ebenfalls verdorben zu sein. „macht das was?“ „macht gar nichts!“

sie lassen sich von älteren herren zum essen, trinken und rauchen einladen und schaffen sie dann, bevor diese ihren tribut fordern können, rasch zum zug. das wird langweilig, andere ungezogenheiten müssen her. junge männer, die sich stürmisch verlieben, stammeln poesie in den telefonhörer, während die angesprochenen würste, croissants und bananen mit der schere zerteilen und lustvoll zerbeissen. große enttäuschung herrscht bei den mädchen, als der landwirt, der doch sonst nichts zu sehen bekommt als erde und pflanzen, kein bisschen interesse zeigt. gibt’s sie überhaupt noch? „uns gibt’s! uns gibt’s!“ trällern die mädchen fröhlich, weil es doch nicht die anerkennung der männer braucht. sie stürmen das aufgebaute buffet, während die oberschicht noch dem klassischen konzert lauscht, und fressen, saufen, mampfen, stampfen durch delikatessen und dekandenzen. schlimm muss es ja mit ihnen enden. wenn man ihnen eine zweite chance gäbe, würden sie sich sicher reuig zeigen…

ein wunderschöner film, bunt und anarchisch, voll von erotischem witz und verweigerung des male gaze. zu viel schönheit und anarchie für die kommunisten: nach dem prager frühling wurde der film verboten. auf der bluray von Bildstörung gibt es noch extras, die die entstehungsgeschichte und den kulturellen kontext beleuchten. ein echtes überraschungsbonbon für mich.

25. Januar 2016

KW 4/2016: Félicité de Genlis, 25. Januar 1746

genlis

Félicité de Genlis

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Félicité hat es ehrlich gesagt diese Woche ins Blog geschafft, weil ich mich kurz fassen möchte – Katharina von Bora (die Lutherin) oder Livia Drusilla wären an sich interessantere Charaktere gewesen, aber mit zu viel Lese- und Aufarbeitungszeit belastet. Ich möchte dennoch mit Nachdruck auf ihre Biografien hinweisen.

Mme. de Genlis wurde mit der Erziehung versehen, die einer Adligen gebührt, und war durch die Heirat mit einem Grafen an den französischen Hof gelangt. Dort erreichte sie die Position als Gouvernante der Kinder des Grafen de Chartres, darunter der spätere König Louis-Philippe. Sie war erzkatholisch, eine gute und einfallsreiche Lehrerin und später Sympathisantin der französischen Revolution. Sie war aber auch Autorin zahlreicher Schriften pädagogischer und historischer Natur, sowie diverser Romane und Lustspiele. Letztere, das finde ich faszinierend, zeichnen sich in ihrer „moralischen“ Natur dadurch aus, dass darin keine männlichen Protagonisten (und logischerweise demnach auch keine Liebesbeziehungen) vorkamen. Davon würde ich wohl gerne mal eines lesen.

*

Von 180 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 18 (inklusive Félicité de Genlis) Frauen:

30.1.58 v. Chr. Livia Drusilla
25.1.1408 Katharina von Hanau
28.1.1453 Simonetta Vespucci
25.1.1477 Anne de Bretagne
29.1.1499 Katharina von Bora
28.1.1504 Anna II zu Stolberg
27.1.1567 Anna Maria von Hessen-Kassel
29.1.1602 Amalie Elisabeth von Hanau-Münzenberg
27.1.1614 Anna Katharina Dorothea von Salm-Kyrburg
25.1.1723 Claire Clairon
28.1.1750 Maria Karoline Herder, geb. Flachsland
28.1.1761 Marguerite Gérard
25.1.1777 Karoline Jagemann
29.1.1780 Marianne von der Mark
26.1.1783 Helmina von Chézy
26.1.1797 Therese von Jacob
31.1.1798 Henriette von Bissing

24. Januar 2016

verlorenes mädchen

   
 

ehra steht am alten hafen in düsseldorf, gegenüber der blackbox. 

Schlagwörter:
22. Januar 2016

genderdiskurs im neandertal 

pseudo-wissenschaftliche falsche wahrheiten ausräumen, bitte.

so auch bei kleinerdrei verlinkt.

18. Januar 2016

KW 3/2016: Maria Leopoldine von Österreich, 22. Januar 1797

Maria Leopoldine von Österreich

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Das arme Poldl ist ein Beispiel dafür, wie guten, freundlichen und klugen Menschen schlimme Dinge durch die Hand von schlechten Menschen widerfahren.

Maria Leopoldine erhielt eine recht ausführliche Bildung und wurde zu Pflichtbewusstsein und Güte erzogen. Goethe widmete ihr mehrere Gedichte und ihr Schwager Napoleon Bonaparte erkannte die innige und liebevolle Bindung zwischen ihr und ihrer Schwester.

Wie zu erwarten aus politischen Gründen wurde die 20jährige im Jahr 1817 mit dem portugiesischen Kronprinzen Dom Pedro vermählt, der nach der Eroberung Portugals durch Napoleons Truppen zehn Jahre zuvor mit seinem Vater in die Kolonie Brasilien geflohen war; seit 1815 war Brasilien ein eigenes Königreich. Einige Männer aus ihrem Umfeld waren aufgrund des bekannten schlechten Charakters des Kronprinzen nicht begeistert von dieser Entscheidung, auch weil die große räumiche Distanz es unmöglich machte, sie zu unterstützen, und unwahrscheinlich, dass sie je wieder zurückkehren würde. Auf Betreiben Metternichs hin wurde jedoch die Eheschließung zunächst per Stellvertreter in Wien vollzogen, woraufhin sich die junge Kronprinzessin bald auf die dreimonatige Schiffsreise in ihre neue Heimat begab.

Die ersten fünf Jahre ihrer Ehe schienen eine vielversprechende Zukunft anzukündigen. Sie gebar dem Kronprinzen eine Tochter (zwei Kinder überlebten in dieser Zeit nicht das erste Lebensjahr), sorgte für kulturelle und wissenschaftliche Blüte im Land und beeinflusste den ungebildeten, ungehobelten Regenten positiv. Schließlich wurde sie zur Kronprinzessin gekrönt und brachte ihren Gemahl dazu, Brasilien als Königreich von Portugal, das inzwischen wieder von seinem Vater regiert wurde, unabhängig zu erklären. Gleichzeitig jedoch demütigte er sie damit, seine offizielle Geliebte zu ihrer Hofdame zu machen und die Tochter aus dieser Verbindung mit seinen ehelichen Kindern bei Hofe zu erziehen. Nichtsdestotrotz gebar sie ihm vier weitere Kinder. Als Dom Pedro 1826 den portugiesischen Thron erbte, lud er beide Frauen – die Kronprinzessin und seine Mätresse – zu einer anlässlichen Feierlichkeit, ein gemeinsames Auftreten hätte jedoch die offizielle Anerkennung der Geliebten durch die Ehefrau bedeutet. Leopoldine lehnte dies ab und machte sich ihren Mann, der schon zuvor kein mildes Wesen gezeigt hatte, endgültig zum Feind. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Leopoldines Tod Folge einer Misshandlung durch ihn war: er soll sie in den Bauch getreten und damit eine Fehlgeburt ihres letzten Kindes ausgelöst haben. Zehn Tage darauf verstarb die Kaiserin mit 29 Jahren, ohne jemals ihre Familie in Europa wiedergesehen zu haben.

 *

Von 179 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 13 (inklusive Maria Leopoldine von Österreich) Frauen:

19.1.399 Aelie Pulcheria
20.1.1292 Elisabeth Königin von Böhmen
22.1.1492 Beatrix von Baden
23.1.1572 Johanna Franziska von Chantal
23.1.1585 Maria Ward
18.1.1634 Marie-Madeleine da La Fayette
18.1.1670 Jeanne Baptiste d’Albert de Luynes
23.1.1674 Dorothea Christina von Aichelberg
21.1.1675 Franziska Sybilla Augusta von Sachsen-Lauenburg
19.1.1757 Auguste Reuß zu Ebersdorf
24.1.1776 Wilhelmine Halberstadt
18.1.1795 Anna Pawlowna

11. Januar 2016

KW 2/2016: Jakobe von Baden-Baden, 16. Januar 1558

jakobe20von20baden

Jakobe von Baden

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Als in protestantischem Hause geborene, aber katholisch erzogene Waise wurde Jakobe von Baden mit 27 in eine politisch motivierte Ehe mit Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg gedrängt – einem an psychischen Erkrankungen leidenden, wahrscheinlich impotenten Sohn Wilhems V. von Jülich-Kleve, der nur durch den Tod seines älteren Bruders zum Thronfolger wurde und vom ebenfalls an Paranoia und/oder Altersstarrsinn leidenden Vater verabscheut und vernachlässigt wurde. Ihre zum Scheitern verurteile Verbindung wurde in der Güligschen Hochzeit inmitten des Truchsessischen Krieges ausufernd gefeiert. Im Moment des Regentschaftsantritts sieben Jahre später war Johann Wilhelm bereits in seiner Tobsucht und Melancholie soweit fortgeschritten, dass er von Jakobe inhaftiert gehalten wurde. Sie selbst kam in ihrer Regentschaft aufgrund ihrer Herkunft auch nicht zu einer Entscheidung für eine der Konfessionen, außerdem nahm sie sich in Amtmann Dietrich von Hall zu Ophoven einen jüngeren Liebhaber aus niedrigem Stand; dass sie noch dazu dem Regenten keinen Nachfolger gebar, lag höchstwahrscheinlich an ihrem Gatten, der auch mit ihrer Nachfolgerin trotz ausführlicher Exorzismen (!) keine Kinder zeugte. Die Summe der Enttäuschungen, die Jakobe von Baden für die Erwartungen der Familie und der Kirche darstellte, führte zu ihrer Inhaftierung im Turm des Düsseldorfer Schlosses. Als der Versuch erfolglos blieb, ihr vor dem Kaiser den Prozess zu machen, wurde sie – wohl auf Betreiben ihrer Schwägerin Sybille – der Beweislage nach erdrosselt.

Als „Weiße Frau“ soll sie noch heute im Düsseldorfer Schlossturm spuken.

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Von 249 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 15 (inklusive Jakobe von Baden) Frauen:

14.1.1273 Johanna I.
15.1.1449 Katherina von Baden
14.1.1507 Katharina von Kastilien
13.1.1610 Maria Anna von Österreich
16.1.1622 Anna Margareta Wrangel
13.1.1672 Lucia Filippini
15.1.1714 Sidonia Hedwig Zäunemann
14.1.1751 Corona Schröter
11.1.1753 Charlotte Buff
12.1.1760 Friederike Bethmann-Unzelmann
14.1.1767 Maria Theresia von Österreich
14.1.1773 Catherine Pakeham
11.1.1778 Henriette Jügel
11.1.1793 Johanna Stegen

4. Januar 2016

KW 1/2016: Elisabetta Sirani, 8. Januar 1638

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Elisabetta Sirani

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Elisabetta Sirani war eine von den Damen, die sich vom Mangel an Möglichkeit nicht abschrecken ließen und einfach ihre eigene Möglichkeit schufen. Mit Talent und Selbstbewusstsein ausgestattet, arbeitete sie bereits 17jährig als professionelle Malerin – natürlich gingen alle ihre Einnahmen in die Familienkasse (sprich: in die Kasse des Vaters), statt wie die der anderen Mitarbeiter anteilig in ihre eigene Kasse. Um für sich selbst und ihre Mutter zu sorgen, malte und verkaufte sie unter der Hand weitere Bilder. Da sie als Frau nicht an einer regulären Kunstakademie studieren konnte, gründete sie kurzerhand eine eigene Kunstakademie, an der sie mindestens 14 andere Künstlerinnen unterrichtete und förderte. Mit 27 Jahren verstarb sie wahrscheinlich an den Folgen eines durchgebrochenen Magengeschwürs.

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Um die Überschaubarkeit weiblicher Rollenvorbilder besonders in den Jahren vor dem 19. Jahrhundert zu demonstrieren, liste ich (versuche ich zu listen) in diesem Jahr alle Frauen der Woche vor 1800, denen einen Wikipedia-Artikel gewidmet ist. Von um die 230 relevanten Personen vor 1800 sind diese 15 (inklusive Elisabetta Sirani) Frauen:

6.1.1256 Gertrud von Helfta
6.1.1412 Jeanne d’Arc
10.1.1480 Margarete von Österreich
7.1.1528 Jeanne d’Albret
7.1.1591 Dorothea von Sachsen
9.1.1624 Meishō
6.1.1655 Eleonore Magdalene von Pfalz-Neuburg
10.1.1748 Franziska von Hohenheim
7.1.1753 Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg
5.1.1762 Constanze Mozart
5.1.1763 Johanne Justine Renner
5.1.1780 Claire Élisabeth Jeanne Gravier de Vergennes
7.1.1796 Charlotte Augusta von Wales
10.1.1797 Annette von Droste-Hülshoff