Archive for Februar, 2016

29. Februar 2016

KW 9/2016: Gesche Gottfried, 6. März 1785

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Gesche Gottfried (Totenmaske)

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Wenn die Auswahl klein ist, muss man das mit „vor dem 19. Jahrhundert“ ein wenig laxer auslegen – immerhin wurde Gesche Gottfried 15, bevor das 19. Jahrhundert begann. Und der Gelegenheit, über eine Serienmörderin zu schreiben, kann ich einfach nicht widerstehen.

Die Gründe zu vermuten, warum mich Serienmörder so sehr faszinieren, überlasse ich anderen – da ich nicht damit allein stehe, eher mich in guter Gesellschaft befinde, wäre jede Diagnose meiner selbst nichts als Allgemeinplatz und Klischee (das Überschreiten sozialer Grenzen als Möglichkeit, die Abgründe der menschlichen Seele, blabla). Dass weibliche Serienmörder noch einmal besondere Aufmerksamkeit erhalten, liegt aber mit Sicherheit an dem immer noch sich haltenden Bild von „der Frau“ als einem Wesen, das dank biologischer Vorgaben hauptsächlich fürsorglich, liebend und pflegend agiert; im Gegensatz zu einer Vorstellung eines Menschen, dessen Charakter, Psyche und Geschlecht (Gender) nebeneinander existieren und sich teilweise beeinflussen, aber nicht notgedrungen letzteres die ersteren in völliger Diktatur beherrscht.

Zu Zeiten Gesche Gottfrieds galt das noch wesentlich mehr als heute. Tatsächlich spielte ihr dieses Bild der Frau als grundsätzlich Heilende, Helfende in die Hände bei ihrer killing spree, wenn es nicht sogar mit ursächlich für ihre Morde war.

Gesche Gottfried vergiftete mit Arsen zuerst ihren Ehemann (1813), dann ihre Mutter, ihre zwei Töchter im Alter von drei und sechs Jahren, ihren Vater und ihren fünfjährigen Sohn (1815), ihren Bruder (1816), ihren zweiten Ehemann (1817), ihren Verlobten (1823), ihre Freundin und einen Nachbarn (1825), ihre Vermieterin (1826), die dreijährige Tochter ihrer Freundin, die Freundin selbst und schließlich einen Gläubiger (1827). Sie wurde nach einer Haftzeit von drei Jahren öffentlich geköpft; dies war die letzte Hinrichtung, die in Bremen stattfand.

Über ihre Motive lässt sich im nachhinein kaum etwas sagen. Zur damaligen Zeit – lange vor Psychoanalyse und Profiling – blieb im Hinblick auf die Umstände ihres Lebens kein anderes in Erwägung als Habgier und Herzlosigkeit; die Ermordeten hatten sie entweder in ihrem Testament bedacht oder standen ihr vermeintlich bei der Eheschließung oder Erlangung der Erbschaften im Weg. Angesichts der Tatsache, dass sie ihren Opfern allerdings aufopferungsvollen Pflege angedeihen ließ, während sie sie vergiftete, und sie deswegen sogar den Spitznamen „Engel von Bremen“ erhielt, entsteht bei mir der Eindruck, dass sie zumindest nicht allein für die eigene monetäre Bereicherung mordete, sondern auch am Münchhausen-Stellvertretersyndrom litt. Dies diagnositziert man zwar gemeinhin bei Müttern, die ihren Kindern und/oder Schutzbefohlenen Leiden zufügen, der englische Wikipedia-Eintrag bestätigt meinen Eindruck jedoch. Und geht man davon aus, dass eine Mutter, deren drei (bis dahin gesunde) Kinder innerhalb eines Jahres an den gleichen Symptomen sterben, heute zwar unter Verdacht geriete, aber damals schlicht als Unglücksfall betrachtet wurde, erklärt sich ihr weiteres Verfahren mit ihr nahestehenden Erwachsenen: die Kinder waren ihr ausgegangen, ihr psychisches Leiden suchte sich schlicht die nächsten, vielleicht auch vielversprechendsten Opfer. Ihr finanzieller Gewinn blieb marginal, der Gewinn an sozialer Anerkennung bzw. Aufmerksamkeit war ungleich größer. Das macht ihre Taten nicht erträglicher, lässt aber sie als Täterin, die tatsächlich einem krankhaften Trieb folgte, mit etwas mitfühlenderen Augen sehen.

Soweit ich aus der Leseprobe schließen kann, ist das auch die Perspektive, die die Graphic Novel Gift von Barbara Yelin und Peer Meter einnimmt. Sieht gut aus und hat auch den Max-und-Moritz-Preis für den besten deutschen Comic verliehen bekommen.

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Von 147 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 5 (inklusive Gesche Gottfried) Frauen:

5.3.1487 Rosine von Baden
5.3.1723 Maria von Hannover
3.3.1749 Françoise Eléonore Dejean de Manville, Comtesse de Sabran
2.3.1778 Friederike von Mecklenburg-Strelitz

22. Februar 2016

KW 8/2016: Elisabeth von Luxemburg, 28. Februar 1409, und Helene Kottanerin, um 1400

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Elisabeth von Luxemburg

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Elisabeth von Luxemburg wurde 1422 13jährig mit dem 25 Jahre alten Thronanwärter Albrecht V. verheiratet (verlobt waren sie bereits seit ihrem 2. Lebensjahr). Nach den ersten zehn Jahren Ehe bekam sie ihr erstes von vier Kindern; fünf Jahre später wurde ihr Gemahl durch den Tod seines Vaters römisch-deutscher König sowie König von Ungarn, Kroatien und Böhmen. Elisabeth war im fünften Monat mit dem vierten Kind schwanger, als er 1439 während eines Feldzuges gegen die in Ungarn einfallenden Türken an der Ruhr verstarb. Entgegen dem politischen Drängen des Adels, den 15jährigen polnischen König Wladislaw III. zu heiraten – weil ein männlicher König gleich welchen Alters und Charakters für das Land im Krieg gegen die Türken „sicherer“ sei –, ergriff sie selbst die Regentschaft, um so bald als möglich ihren Sohn Ladislaus Postumus zum König zu machen. Bevor der Adel Wladislaw per Königswahl vor ihren Sohn setzen konnte, bemächtigte sich Elisabeth der Stephanskrone, die als heilig betrachtet wurde und deren Besitz den König von Ungarn legitimierte. Hierfür sandte sie ihre Kammerfrau Helene Kottannerin in die Plintenburg, aus der die Kottannerin die Insignie erfolgreich entführte und mit einer Schlittenfahrt über die gefrorene Donau (es war Februar) zu ihrer Königin brachte. Die Kottannerin schrieb darüber später in ihren Memoiren „Denkwürdigkeiten“. Elisabeth krönte ihren Sohn zum König von Ungarn, Kroatien und Böhmen und behielt die Stephanskrone auch, nachdem sie sie eigentlich hatte zurückgeben sollen, durch einen Betrug in ihrem Besitz.

In dem Bürgerkrieg, der anschließend zwischen ihr und Wladislaw entbrannte – dieser hatte sich mit einer anderen Krone aus dem Schrein des heiligen Stephan ebenfalls krönen lassen –, mangelte es ihr wohl an Geld und schlußendlich auch an Verbündeten, an politischer Entschlossenheit und Intelligenz jedoch nicht im Geringsten, was die Unterstellung des Adels an einen weiblichen Regenten gewesen war.

Nach zwei Jahren Krieg ließen sich die Parteien auf eine Vermittlung ein zugunsten des Volkes und der militärischen Geschlossenheit gegen die immer noch bedrohlichen Türken. Kurz nach der Einigung starb Elisabeth plötzlich und unerwartet, was zu dem Verdacht führte, Wladislaw habe sie vergiftet. Der Sohn, für dessen Thronfolge sie gekämpft hatte, war zu diesem Zeitpunkt zwei Jahre alt.

Wladislaw wurde dadurch zunächst als König unangefochten legitimiert; als er drei Jahre später 1445 in der Schlacht von Varna fiel, wurde Ladislaus mit 5 Jahren ebenso unangefochten König aller Länder, über die sein Vater geherrscht hatte. Er starb noch vor seinem 18. Geburtstag, wahrscheinlich an Leukämie oder der Beulenpest.

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Von 180 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 11 (inklusive Elisabeth von Luxemburg) Frauen:

28.2.1261 Margrete Aleksandersdotter
24.2.1535 Éléonore de Roye
26.2.1644 Elisabeth Lemmerhirt
25.2.1726 Wilhelmine von Hessen-Kassel
22.2.1760 Sophie von Sachsen-Hildburghausen
23.2.1762 Johanna Antoni
23.2.1766 Caroline von Humboldt
24.2.1773 Charlotte Kanitz
28.2.1775 Sophie Tieck
23.2.1800 Adelheid von Anhalt-Bernburg-Schaumburg-Hoym

15. Februar 2016

KW 7/2016: Maria I. von England, 18. Februar 1516

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Maria I. von England

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Der Versuch einer Zusammenfassung von Marias Biografie an dieser Stelle wäre Wahnwitz und unsinnig. Deshalb bitte ich Interessierte, sich den ausführlichen Text auf Wikipedia vorzunehmen, und reduziere hier auf das Allerrelevanteste: Maria I. war die erste regierende Königin aus eigenem Recht auf dem englischen Thron – und das, nachdem ihr Vater, dessen Herrschaft allein aus privaten Gründen (die sich hauptsächlich in seiner Hose befanden) extrem turbulent und für das Land verwirrend und schädlich war, sie zum Bastard hatte erklären lassen und sie von ihrem Halbbruder von der Thronfolge ausgeschlossen worden war. Dass sie je nach Konfession als „Maria die Katholische“ oder „Maria die Blutige“ bezeichnet wurde, liegt weniger an ihren eigenen Charakterschwächen als an den Wirrungen, in die England durch ihren Vater gestürzt wurde und daran, dass sie in jungen Jahren gezwungen wurde, ihren eigenen Glauben, in dem sie erzogen wurde, zu verraten. Ihre Regentschaft war nicht sehr glücklich, aber auch nicht sonderlich unglücklich, gemessen an den globalen politischen Umständen.

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Von 189 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 6 (inklusive Maria I.von England) Frauen:

21.2.1397 Isabel de Portugal
16.2.1665 Anne (Großbritannien)
19.2.1731 Catharina Elisabeth Goethe
19.2.1779 Mademoiselle Mars
15.2.1786 Maria Pawlowna

8. Februar 2016

KW 6/2016: Karoline von Günderrode, 11. Februar 1780

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Karoline von Günderrode

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Die „Sappho der Romantik“ lebte und schrieb im Kreise Clemens Brentanos und Bettina von Arnims; sie rang zeitlebens mit den Erwartungen an die Rolle der Frau in der Gesellschaft, die so gar nicht ihrem Naturell entsprachen.

Als Lyrikerin relativ erfolgreich, wenn auch von anderen Vertretern der Romantik überschattet, erlitt sie im Privatleben immer wieder Zurückweisung. Nachdem ihre erste Liebe Friedrich Carl von Savigny eine andere geheiratet hatte, verliebte sich Karoline in einen verheirateten Mann, Friedrich Creuzer, für den sie ihren Freundeskreis vernachlässigte, der sich jedoch selbst nicht in der Lage sah, seine Frau für sie zu verlassen.

Karoline von Günderrode wählte mit 26 Jahren den Freitod per Dolchstoß, nachdem ihr Geliebter die Beziehung beendet hatte.

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Von 200 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 11 (inklusive Karoline von Günderrode) Frauen:

13.2.1457 Maria von Burgund
11.2.1466 Elizabeth of York (Königin)
14.2.1640 Anna Magdalena von Pfalz-Birkenfeld-Bischweiler
11.2.1715 Margaret Cavendish Bentinck
13.2.1752 Luise von Göchhausen
9.2.1769 Susette Gontard
13.2.1772 Henriette Hendel-Schütz
12.2.1775 Louisa Adams
9.2.1777 Louise Brachmann
8.2.1794 Agnes Franz

1. Februar 2016

KW 5/2016: Nell Gwyn, 2. Februar 1650

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Nell Gwyn

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Über kaum eine Frau will ich schon so lange – eigentlich seit Beginn meiner Recherchen für dieses Blog – schreiben, wie über Nell Gwyn. Gleichzeitig fällt es mir bei kaum einer Frau sonst so schwer, über sie zu schreiben.

Es liegt nicht an ihrer Karriere. Als Tochter einer Prostituierten in einem  Armenbezirk, bekannt für seine Kneipen und Bordelle, großgeworden, gelang es ihr über die Schauspielerei – die damals eine der Prostitution nahe Tätigkeit war – sich mit großem Talent und Ehrgeiz über mehrere wohlhabende Liebhaber zur Mätresse von König Charles II. hochzuarbeiten. Sie war beim englischen Volk beliebt für ihre Authentizität und ihre scharfe Zunge, erreichte für ihre Söhne – uneheliche Kinder des Königs – Adelstitel und für sich selbst auch nach dem Tode des Königs ein gutes Auskommen.

Sie verleugnete niemals ihre Herkunft und was sie war, strebte ehrgeizig aus der Armut in eine bessere Position im Leben als ihre Mutter gehabt hatte, verlor dabei jedoch weder ihre Loyalität zu ihrer Familie noch ihre Position in der Gesellschaft aus den Augen. Der König schätzte sie – neben ihren körperlichen Vorzügen – für ihre Klugheit und politische Zurückhaltung, das Volk liebte sie für ihre Bodenständigkeit und ihren Witz.

Alles in allem klingt Nell Gwyn nach einer Frau nach meinem Geschmack. Doch gibt es dieses eine Detail, das der Bewunderung einen Wermutstropfen verleiht: dass sich Nell aller Wahrscheinlichkeit nach bereits als Kind prostitutieren musste. Die Möglichkeit, dass ihre charakterliche Stärke und ihr Witz eine Maske waren, hinter der sich ein traumatisiertes Wesen verbarg, mindert meinen Respekt nicht, im Gegenteil; doch es macht aus der geliebten Hure auch eine tragische Gestalt, von deren wahren Gemütszuständen wir nichts wissen können.

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Von 207 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 15 (inklusive Nell Gwyn) Frauen:

6.2.1347 Dorothea von Montau
2.2.1443 Elisabeth von Bayern
6.2.1452 Johanna von Portugal
2.2.1494 Bona Sforza
1.2.1566 Barbe Acarie
3.2.1567 Anna Maria von Brandenburg
6.2.1577 Beatrice Cenci
5.2.1626 Marie de Rabutin-Chantal
2.2.1688 Ulrika Eleonore
7.2.1693 Anna (Russland)
5.2.1704 Anna Christine Luise von Pfalz-Sulzbach
7.2.1708 Anna Petrowna
3.2.1761 Dorothea von Kurland
5.2.1790 Minna Apranzow