KW 22/2016: Christiane von Goethe, 1. Juni 1765

goethe-christiane-vulpius4-dpa-100_v-img__3__4__xl_-f4c197f4ebda83c772171de6efadd3b29843089f

Christiane von Goethe

Wiki deutsch Wiki englisch

Ich versuche zu vermeiden, Frauen nur über ihre Beziehungen zu berühmten Männern zu definieren. Bei einem Mann wie Goethe und einer Frau wie seiner mache ich eine Ausnahme.

Christiane Vulpius war eine Frau von niederem Stand und die noch uneheliche Beziehung zum Geheimrat Goethe wurde in Weimar mit Ächtung gestraft. Sie gebar ihm einen Sohn, noch bevor er sie offiziell zur Frau nahm – doch lebte sie mit ihrer Schwester und Tante bei ihm und führte den Haushalt. In dieser Funktion rettete sie seinen Hausstand, als die Truppen Napoleons in Weimar einmarschierten: Christiane Vulpius stellte sich ihnen im Haus entgegen und konnte die Zerstörung abwenden, bis Goethe selbst mit dem Kommandanten verhandeln konnte. Danach erst steckte er ihr endlich einen Ring an den Finger. Er begann auch, sich für sie in der Weimarer Gesellschaft einzusetzen, und Schopenhauers Mutter zeigte sich gnädig mit den Worten: „Wenn er ihr seinen Namen gibt, werden wir ihr wohl eine Tasse Tee geben können.“

Christiane war Motiv und Gegenstand einiger der schönsten Gedichte Goethes. Als sie nur 51jährig an Nierenversagen starb, war er gebrochen und wohnte nicht einmal selbst ihrer Beerdigung bei. Schillers Ehefrau blieb wohl dem Dünkel verhaftet, als sie sich anderweitig schriftlich darüber wunderte, wie er nur über „dieses Objekt“ weinen könne. Es war ihre Lebenslust, Pragmatik, auch ihr Sinn für Ästhetik, den Goethe an Christiane liebte. Ihren Grabstein zieren die Worte: „Du versuchst, o Sonne, vergebens, durch die düstren Wolken zu scheinen. Der ganze Gewinn meines Lebens ist, ihren Verlust zu beweinen.“

*

Von 107 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 9 (inklusive Christiane von Goethe) Frauen:

5.6.1420 Anna von Sachsen
31.5.1527 Agnes von Hessen
4.6.1604 Claudia de‘ Medici
2.6.1699 Marie Thérèse Rodet Geoffrin
3.6.1765 Friederike Brun
5.6.1777 Catherine Josephine Duchesnois
3.6.1779 Marie von Clausewitz
5.6.1782 Luise von Haugwitz

12 Kommentare to “KW 22/2016: Christiane von Goethe, 1. Juni 1765”

  1. Du stellst das Verhältnis von J. W. Goethe und Christiane aber reichlich positiv dar. Da gibt es auch ganz andere Interpretationen zu. So geben einige an, Goethe habe ich sich gerade nicht dafür eingesetzt, Christiane in die Gesellschaft einzuführen. Die beiden hätten am Ende ein weitgehend getrenntes Leben geführt; als Christiane schließlich schwer erkrankte, habe er sogar das Krankenzimmer gemieden (vgl. S. Damm). Es heißt, er habe sie alleine sterben lassen. Die Geschichte mit der Rettung des Hausstandes ist ebenfalls umstritten.

    • mag sein, dass ich da das lese, was ich mir wünsche. mein quelle ist in diesem fall nur wikipedia; das goethe auch ein arsch war, ziehe ich nicht in zweifel. die frage ist, ob er für die damaligen verhältnisse ein besonders großer arsch war oder vielleicht sogar verhältnismäßig un-arschig… immerhin machte er die verbindung legitim.
      ich halte es für schwer, das im nachhinein wirklich beurteilen zu können – für mich sowieso, aber ganz im allgemeinen. auch meine beziehung mag für andere von außen nicht so liebevoll und romantisch aussehen, wie sie sich anfühlt…
      ich ziehe im zweifel vor, das gute zu hoffen.🙂

  2. Wikipedia als einzige Quelle zu nutzen, ist leider fast immer problematisch… Wie „von außen“ die Beurteilung der Beziehung ist, darüber lässt sich vielleicht streiten. Goethe hat ja wohl, wie ich gelesen habe, viele Briefe verbrannt, aber manches blieb dennoch erhalten. Darauf und auf Aussagen von Zeitzeugen stützen sich die Thesen. So oder so lässt sich aber sagen: Gerade weil es schwer ist, eine Beziehung „von außen“ zu beurteilen und es zu dieser Partnerschaft ganz andere Darstellungen gibt, kann deine Präsentation als einseitig und ergänzungsbedürftig betrachtet werden. „Für die damalige Zeit un-arschig“? Ich glaube, ob du machst dir da ein falsches Bild von der Zeit. Vergleiche dazu doch einmal die Beziehung von Schiller und seiner Frau.

    • Wenn ich darauf aufmerksam machen darf: das hier ist ein reines Privatvergnügen, keine wissenschaftliche Arbeit. Mir fehlt aus unterschiedlichen Gründen die Zeit, mich jede Woche extensiv mit jeder einzelnen Frau auseinanderzusetzen, schon alleine durch die semi-intensive Recherche, welche ich denn überhaupt besprechen will.
      Meine Intention ist nicht, die letzte maßgebliche wissenschaftliche Wahrheit zu finden und in Stein zu meißeln; meine Intention ist es, die Frauen überhaupt generell sichtbar zu machen und gegebenenfalls zum Weiterlesen — oder, herzlich gerne, zu fundierten und besser recherchierten Kommentaren — einzuladen.
      In diesem Sinne freue ich mich über jede Information und jeden Kommentar, nur die Kritik an meiner Arbeitsweise ist wenn nicht unangebracht, dann doch in einem zu hohen Anspruch begründet an das, was dieses Blog leisten soll.

  3. Warum gleich so ärgerlich? Mein Kommentar war ja durchaus als Ergänzung gedacht. Jemanden sichtbar zu machen, würde für mich auch bedeuten zu versuchen, ein möglichst adäquates Bild dieser Person sichtbar zu machen.
    Es tut mir auch Leid, dass du nicht mehr Zeit für Recherchen hast (und wissen konnte ich das allemal nicht). Das ändert aber nichts an dem Fakt, dass Wikipedia als einzige Quelle mit Vorsicht zu genießen ist. Zudem formulierst du deine Thesen dafür m. E. als vergleichsweise gesichert. Und ganz so privat ist dein Vergnügen ja nicht, immerhin veröffentlichst du die Thesen hier.

  4. ich weiß nicht, ob mein letzter kommentar „ärgerlich“ gelesen werden muss – gefühlt ist er eher „defensiv“. der input-gehalt deiner kommentare ist überaus willkommen; ich lese jedoch in deinen kommentaren mindestens ebenso viel kritik an meiner „arbeitsweise“ sowie an meiner denkweise, weshalb ich darauf hinweisen wollte, unter welchen umständen und vorgaben dieses blog geführt wird. meine wahrnehmung der von mir aufgenommenen – unter keinen umständen als umfassend empfundenen oder dargestellten – informationen so zu formulieren, wie ich sie verstanden habe, ist nunmal mein vorrecht; ob die anmerkungen bei mir (mit meinen paar lesern) dringender gemacht werden müssen als dann zb. beim wikipedia-artikel? dieser wird mit sicherheit von mehr menschen als referenz herangezogen als mein blog-artikel.
    dass wikipedia nicht die wahrheit ™ ist, von diesem vorwissen gehe ich bei meinen lesern aus; dass ich hier keine wahrheiten, sondern nur selektive information „verbreite“, ebenso. ich würde auch nicht von „thesen-veröffentlichung“ sprechen, da ich an keiner stelle behaupte, an einer diskussion um christiane von goethe teilzunehmen, sondern nur als privatperson – nicht als professioneller wissenschaftler oder als geschäftsmäßig geführtes medium – über das spreche, was ich im rahmen dieses blogs für interessant erachte.
    in diesem sinne freue ich mich über produktive interaktion – ein blick auf ein paar andere artikel dieses blogs hätten vielleicht die erwartung an die leistung dieses textes der realität des vorangestellten anspruches angepasst. ich bin sicher, dass ich mit meinem worten keinen langfristigen schaden angerichtet habe, und ich ziehe auch in keiner weise in zweifel, dass andere betrachtungsweisen zu christiane von goethe fundierter und konträr sind. ich habe mir jedoch nicht nach mehrjähriger lektüre ein gegenteiliges bild von goethes beziehung zu seiner frau aus den eigenen fingern gesogen, sondern mich eben auf meine angegebene und nicht unbedingt obskure quelle verlassen. insofern sehe ich die kritik an meinem text – nicht die zusätzliche information, mind you – als etwas ungerechtfertigt an bzw. als deplaziert, siehe oben.
    ich betrachte mein blog grundsätzlich nicht als das ende einer potentiellen informationssuche, sondern im gegenteil als den anfang; wer den link zu wikipedia klickt, wird in den seltensten fällen (wenn ich aus hintergrundwissen widerspreche) eine anders dargestellte, nur ausführlichere biografie vorfinden. kommentare _prinzipiell_ wie deine sehe ich als eben genau das weiterführende, das ich mir wünsche; ich stelle aber die produktivität einer kritik in frage, die gänzlich am öffentlich erklärten anspruch des kritisierten textes vorbeigeht.

  5. Irgendwie klingt das bei dir für mich so, als hätte ich alles, was du schreibst über deine Ansprüche schon wissen müssen, bevor ich meine Kommentare geschrieben habe. Aber gibt es irgendeinen Text auf deinem Blog über dich oder deine Artikel, der mich darauf hätte vorbereiten können, dass ein Großteil meiner Kommentare nun derart stark beanstandet werden, bloß weil ich darauf hingewiesen habe, dass Wikipedia leider nicht immer verlässlich ist und ich mich zu deinen Äußerungen positioniert habe? Ich dachte, ein Blog sei auch zum Diskutieren da.
    Meine Perspektive: Ich habe auf Featurette von deinem Beitrag gelesen, klicke interessiert auf deinen Artikel, lese ihn und wirklich ganz zufällig (ich bin nämlich wahrlich auch keine Expertin auf dem Gebiet) habe ich neulich etwas über diese Frau und ihre Beziehung zu Goethe gelesen, was, wie geschildert, gänzlich anders ausfiel, als das, was du hier geschrieben hast. Dann schreibe ich dir das und erhalte eine offenbar etwas schwer zu deutende Antwort. Denn du schreibst nicht „Hey danke für die Ergänzung; das wusste ich ja gar nicht. Ich habe nur auf Wikipedia geschaut…Das mache ich immer so, weil…“ o. Ä. Vielmehr machst du irgendwelche Andeutungen, wieso es dir lieber sei, das so zu deuten, wieso es überhaupt schwer sei, auf diese Weise Beziehungen zu beurteilen und benennst nochmals deine einzige Quelle. Nun habe ich deshalb tatsächlich gedacht, du hättest dich damit auf eine (ja, öffentliche) Diskussion über die Beziehung von Christiane und Goethe mit mir eingelassen. Ich dachte auch, ich wäre durchaus sachlich auf die von dir gelieferten Argumente eingegangen, beispielsweise indem ich angemerkt habe, dass deine Darstellung aus genau den von dir genannten Gründen, nämlich dass es recht schwer sei, diese Beziehung gut zu beurteilen, „als einseitig…betrachtet werden“ KANN (und nicht etwa muss!). Das ist keine Kritik an deiner Denkweise, sondern schlicht eine Diskussion über gegebene Argumente.
    Ich kenne dich überhaupt nicht und hätte mir unmöglich zusammenreimen können, dass du schon längst weißt, wie man anständig recherchiert, aber eben keine Zeit dafür hast und dir das auch letztlich nicht so wichtig ist, weil es dir hier „nur“ um eine größere Bekanntheit der Frauen geht…Ich dachte, im Zweifel könne es niemals schaden, nochmals nett darauf hinzuweisen, dass man sich nicht allein auf eine Quelle (insb. diese) verlassen kann, schließlich gibt es genügend Leute, die das nicht wissen. Ein „Ja, ich bin mir der Problematik bewusst, aber ich mach das hier trotzdem so, weil…“ hätte auf mich entsprechend nicht so „ärgerlich“ oder „defensiv“ gewirkt.
    Verstehe ich dich richtig? Du meinst, ich hätte zunächst andere Texte von dir lesen sollen, um mir (quasi) als Vorbereitung zum Kommentieren eine angemessene Perspektive auf diesen Text zu erarbeite? Hm…
    So oder so: Es tut mir jedenfalls aufrichtig Leid, dass ich nun so viel Unmut wegen meiner Kommentare erzeugt habe:-/

  6. in meinen ersten beiden kommentaren war ich aber mitnichten verärgert, wie gesagt: allerhöchstens defensiv. an einem anderen tag hätte ich meine kommentare vielleicht anders formuliert, vielleicht ist das bei dir genauso; wie du dir vorstellst, wie meine antworten ausfallen hätten können, so stelle ich mir auch vor, dass kommentare, die darauf hinweisen sollen, dass und wo eine andere meinung als meine vertreten wird als meine, mehr mit dem hinweis auf den link oder die anderen quellen befasst sind und weniger mit aussagen über meine ansichten, vorstellungen und recherche-methoden. so, wie sie da stehen, habe ich sie jedenfalls mehr als kritik an meinem text und an meiner quelle gelesen – die ich ja durchaus gelten lasse – und weniger als hinweis auf etwas außerhalb meines textes.
    ich will dir in keinem punkt widersprechen (ich würde auch sagen, ich tue es auch nicht), und ich erwarte auch durchaus nicht, dass mehr einträge dieses blogs gelesen werden müssen – ich hatte aber eben den eindruck, dass du weniger über christiane von goethe und die anderen quellen und aussagen sprechen möchtest als darüber, was und wo ich recherchiere und wie ich die information aus meiner quelle verarbeite. mit sicherheit ist dieser dialog für keinen von uns beiden eine sternstunde unserer deeskalationsfähigkeit.
    wenn du jetzt noch den link, von dem du sprichst, posten würdest, fände ich das aber wirklich toll.🙂

  7. Ich habe meines Wissens von keinem Link gesprochen…
    Die Quelle meiner Infos, falls du das meinst: s. auch o., S. Damm = Sigrid Damm, das relevante Buch von ihr heißt: Christiane und Goethe – Eine Recherche, Suhrkamp 2005. Rezensionen und inhaltliche Zusammenfassungen findet man online.

  8. Entschuldige, ich habe das wohl selbst mit eigener Annahme ausgefüllt. Bücher sind schon seit so langer Zeit außerhalb meiner Möglichkeiten… 😂

  9. Oh, wie schade für dich! Hoffentlich findest du irgendwann einmal wieder die Zeit, auch in Büchern zu schmökern.
    Beste Grüße

  10. Der Preis, den man zahlt…

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: