05/2017: Elizabeth Blackwell, 3.2.1821

Elizabeth Blackwell

Elizabeth Blackwell

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Diese Woche in der Kategorie „Dein Liebling ist fragwürdig“ eine Frau, die viel Gutes für viele Menschen getan hat, aber aus fragwürdigen Gründen, die auch zu einigen anderen Dingen führten, die nicht so gut waren.

Auf der positiven Seite: Dieses Zitat von Elizabeth Blackwell, im Alter von 26 Jahren.

Mein Entschluss steht fest. Ich zögere nicht im geringsten bei diesem Thema; das gründliche Studium der Medizin, ich bin fest entschlossen es durchzuführen. Das Grauen und den Ekel werde ich ohne Zweifel besiegen. Ich habe stärkere Abneigungen überwunden als die, die jetzt verbleiben, und fühle mich dem Kampf voll gewachsen. Was die Meinung der Leute angeht, kümmert es mich persönlich einen Kehrricht; doch bemühe ich mich, nach meinen Grundsätzen, sie zu besänftigen und werde stets darum bemüht sein; denn ich sehe beständig, wie das höchste Gut überschattet ist von der gewaltsamen und unangenehmen Form, in der es auftritt.

Sie war die erste Studentin der Medizin in den Vereinigten Staaten – am Hobard College (damals Geneva Medical College), an dem der Dekan die 150 männlichen Studenten darüber entscheiden ließ, ob sie die junge Dame zum Studium zulassen sollten. Mit 28 Jahren schloss sie ihr Medizinstudium als erste Frau mit einem Universitätsabschluss in Medizin in den Vereinigten Staaten ab, bei der Zeugnisvergabe verneigte sich der Dekan vor ihr.

Der Verlust ihres linken Auges während ihrer folgenden europäischen Studien verhinderte, dass sie jemals Chirurgin werden konnte (sie infizierte sich mit Neugeborenenkonjunktivitis – TW Bild). Stattdessen hielt sie zunächst Vorlesungen und veröffentlichte ein Buch zur Vorbereitung junger Frauen auf die Mutterschaft. Sie eröffnete sie eine Medikamentenausgabe und vier Jahre später gemeinsam mit Marie Zakrzewska und ihrer Schwester Emily Blackwell das Krankenhaus für bedürftige Frauen und Kinder in New York; dieses besteht noch heute als das Lower Manhattan Hospital. Hier wurden auch Krankenschwestern ausgebildet, für die ein strenges moralisches Regelwerk galt, da sich das Konzept bereits einiger Kritik ausgesetzt sah.

Sie war eine Gegnerin der Sklaverei und arbeitete während des Amerikanischen Bürgerkrieges auf der Seite der Nordstaaten, gemeinsam mit Marie Zakrzewska und Dorothea Dix.

Sie war die erste eingetragene Ärztin im Register des General Medical Council in England, wo sie nach dem Sezessionskrieg ähnliche Pläne verfolgte, wie sie in New York in die Tat umgesetzt hatte. Tatsächlich war sie an der Gründung mehrerer medizinischer Bildungsinstitute für Frauen in London und vor allem des National Health Service des Vereinigten Königreiches beteiligt.

Auf der negativen Seite war ihr Ehrgeiz getrieben von einer stark christlich-moralischen Motivation. Die wissenschaftliche Seite der Medizin war weniger ihr Gebiet als der moralische Einfluss auf die Gesellschaft. Sie befürwortete Enthaltsamkeit mehr als Verhütungsmittel, war gegen Impfungen und für Eugenik. Ihr Feminismus war konservativ geprägt – zwar glaubte sie daran, dass Männer und Frauen den gleichen Geschlechtstrieb haben und gleiche Verantwortung, ihn zu bändigen, doch sah sie Frauen in der medizinischen Tätigkeit vor allem im Vorteil aufgrund ihrer „typisch weiblichen“ Merkmale. Sie legte Wert auf ihren hohen sozialen Status und strebte eine moralische Perfektion an, auch für ihre Schützlinge, die zum Scheitern verurteilt war. Mit 35 Jahren „adoptierte“ sie eine junge Irin, Kitty Barry, allerdings weniger als Tochter denn als Hausmädchen. Kittys Leben drehte sich völlig um Blackwell und ein normales, altergemäßes Sozialleben und die Verfolgung eigener Interessen wurden ihr verwehrt.

Eine Biografie von Eizabeth Blackwell ist auch auf Changing the Face of Medicine zu finden.

*

Wiki english

This week in Your fave is problematic we have a woman who has done a lot of good for a lot of people, but for problematic reasons that have led to other things that weren’t so good.

On the positive side: This quote by Elizabeth Blackwell at age 26.

My mind is fully made up. I have not the slightest hesitation on the subject; the thorough study of medicine, I am quite resolved to go through with. The horrors and disgusts I have no doubt of vanquishing. I have overcome stronger distastes than any that now remain, and feel fully equal to the contest. As to the opinion of people, I don’t care one straw personally; though I take so much pains, as a matter of policy, to propitiate it, and shall always strive to do so; for I see continually how the highest good is eclipsed by the violent or disagreeable forms which contain it.

She was the first student of medicine in the United States – at Hobard College (then Geneva Medical College), where the dean let the student body of 150 male students decide whether they should allow the young lady into their lectures. At age 28, she graduated from her studies as the first woman with a medical degree in the United States, the dean bowed to her when he conferred her degree.

The loss of her left eye during the following studies in Europe prevented her from becoming a surgeon (she accidentally infected herself with neonatal conjunctivitis – TW graphic image). Instead for the time being she held lectures and published a book for the preparation of young women for motherhood. She opened a dispensary and, four years later, along with Marie Zakrzewska and her sisteer Emily she founded the New York Infirmary for Indigent Women and Children; operating to this day as the Lower Manhatten Hospital. It was also a training facility for nurses, who had to adhere to a strict moral regiment, since the concept itself was under criticism already.

She was an abolitionist and worked with Marie Zakrzwewska and Dorothea Dix during the American Civil War.

She was the first registered female doctor in the General Medical Council’s medical register, where after the war she pursued similar plans as she had put into action in New York. In fact she was partly involved in the founding of several educational institutes for women in London and above all of the National Health Service of the UK.

On the negative side, her ambition was fueled by a strong moral motivation based in Christianity. Her realm was less the scientific side of medicine but the moral influence on society. She advocated abstention from sex rather than contraception, was anti-vaccine and pro-eugenics. Her feminism was a conservative one – she did believe men and women have the same sex drive and the same responsibility to tame it, but she saw women at an advantage in medicinal occupations because of their „typically female“ traits. She valued her high social status and strove for moral perfection, for her protégées as well, that was doomed to fail. At 35 years, she „adopted“ a young Irish woman, Kitty Barry, less though as a daughter than as a maid. Kitty’s life revolved around Blackwell and normal, age-appropriate social life and the pursuit of her own interests were denied to her.

A biography of Elizabeth Blackwell can also be found on the website Changing the Face of Medicine.

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