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10. April 2017

15/2017: Johanna Elberskirchen, 11.4.1864

johanna_elberskirchen

Johanna Elberskirchen

English below

Wiki deutsch

Johanna Elberskirchen lebte bereits vor der Jahrhundertwende offen homosexuell, studierte Medizin und Jura und war Weggenossin des Sexualreformers Magnus Hirschfeld. Sie setzte sich nicht nur für die Rechte von Frauen und Homosexuellen ein, sondern auch für das Wohl von Kindern, für Mütter und die Arbeiterklasse.

Während sie als homöopathische Medizinerin tätig war, schrieb sie auch Artikel und Bücher und gab eine Zeitung für Kinderpflege heraus. Sie hatte wenig Geduld für männliche Selbstüberschätzung, wie man ihren Zitaten entnehmen kann.

Bezugnehmend auf Paul Julius Möbius´ Werk „Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes„:

„Ich hätte auch schreiben können ‚Feminismus und Schwachsinn‘, denn die Kritik, die im Namen der Wissenschaft am Feminismus verbrochen wird, hat oft mit Wissenschaft wenig zu tun. Jedoch meine angeborene Courtoisie gegenüber dem männlichen Geschlecht verbot mir, auf den Wegen des Herrn Möbius zu wandeln. Meiner Ansicht nach sind die Herren Gelehrten, insbesondre die Herren Naturwissenschaftler und die Herren Mediziner die ungeeignetsten Leute, sich kritisch mit dem Feminismus zu befassen. Sie stehen dem Weibe zu persönlich und zu materialistisch gegenüber und beurteilen es aus einer ganz schiefen und recht beschränkten Perspektive, jedenfalls von ganz unwissenschaftlichen Gesichtspunkten aus.“ In: Feminismus und Wissenschaft. 1903, S. 3
„Nein, Herr Möbius, das Weib ist nicht schwach, nicht inferior, nicht ‚physiologisch schwachsinnig‘, aber das Weib ist krank – es leidet zu sehr unter der Herrschaft des männlichen Sexus.“ Ebenda, S. 18

Elberskirchen starb 1943, zehn Jahre nachdem ihre politische Tätigkeit durch die Nationalsozialisten unmöglich gemacht worden war. Ihre Lebensgefährtin Hildegard Moniac starb 1967 und einige Jahre später, 1975, soll Elberskirchens Urne heimlich in Moniacs Grabstätte verbracht worden sein. Im Jahr 2003 wurde das nun gemeinsame Grab mit einer offiziellen Gedenkveranstaltung unter Schutz gestellt.

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Wiki english

Johanna Elberskirchen lived openly as a homosexual before the turn of the century, studied medicine and law and was a fellow of sexual reformer Magnus Hirschfeld. She promoted not only for the rights of women and homosexuals, but for the better treatment of children, mothers and the working class.

While she worked as a homeopathic doctor, she also wrote articles and books and published a magazine on childcare. She had little patience for male hubris, as can be gleaned from her quotes.

Referring to Paul Julius Möbius‚ work „On the physiological idiocy of women“:

„I could have written ‚Feminism and Idiocy‘, because criticism, perpetrated on feminism in the name of science, often has very little to do with science. However, my innate courtoisie towards the male sex forbids me to walk on the same paths as Mister Möbius. In my view, the esteemed Scholars, especially the esteemed Natural Scientists and the esteemed Physicians, are the most unfit to concern themselves critically with feminism. They face Woman in an opinionated and materialistic manner and judge her from a completely tilted and rather parochial perspective, in any case from a wholly unscientific point of view.“ In: Feminisim and Science. 1903, p. 3

„No, Mister Möbius, women are not weak, not inferior, not ‚physiologically idiotic‘, but women are ailing – they suffer too much from the rule of the male sex.“ Ibidem, p. 18

Elberskirchen died in 1943, ten years after the National Socialst Party made it impossible for her to do political work. Her life partner Hildegard Moniac died in 1967 and a few years later, in 1975, Elberkirchen’s urn is supposed to secretly have been brought into Moniac’s burial site. In 2003 the now shared burial site was put under state’s protection in an formal memorial event.

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