Archive for ‘Kunst-art’

13. Februar 2017

07/2017: Lola Montez, 17.2.1821

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Lola Montez

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Bis aus Elizabeth Rosanna Gilbert die Lola Montez wurde, die in die Geschichte einging, verbrachte die Tochter eines schottischen Vaters und einer irischen Mutter mehrere Jahre ihrer Kindheit in Indien, dann in Schottland und England, bis sie mit 16 wiederum mit ihrem jungen englischen Ehemann nach Indien ging. Die Ehe scheiterte innerhalb der ersten fünf Jahre, und aus Elizabeth James, née Gilbert, wurde bei ihrer Ankunft in London 1843 die spanische Tänzerin Lola Montez.

Schon kurz nach ihrem Debut wurde sie als Engländerin enttarnt und floh nach Paris. Wie ein freigeistiger Tornado in Frauengestalt hinterließ sie Liebhaber mit mehr oder weniger Schaden, darunter wahrscheinlich Franz Liszt (der den freizügigen Damen offenbar zugeneigt war, mit der Duplessis verkehrte er auch), Alexandre Dumas – sowohl der Ältere wie der Jüngere (der auch mit der Duplessis verbandelt war) – und ein Zeitungsherausgeber und Theaterkritiker namens Dujarier, mit dessen Hilfe sie ihre Tänzerinnenkarriere neu startete und der später bei einem Duell um ihre Gunst erschossen wurde.

All dies lag bereits hinter ihr, als sie 1846 nach Münschen kam und dank ihrer charismatischen Auftritte die Geliebte des bayerischen Königs Ludwig I. wurde. Man kann Lola Montez nicht allein die Verantwortung für die folgenden Umbrüche zuschreiben – soziale Unzufriedenheit und die anti-revolutionäre Politik Ludwigs I. hatten die bestehende Gesellschaftsordnung bereits Jahre zuvor zermürbt. Dennoch übte sie als Mätresse des Königs einigen Einfluss aus und das unverfrorene Ausnutzen der Gunst des Königs für ihre eigene finanzielle Sicherheit und ihren sozialen Status verärgerte viele unterschiedliche Bevölkerungs- und Regierungsgruppen. So ließ sie sich vom König nicht nur zur Gräfin von Landsfeld erheben, ließ sich vertraglich Unterhalt zusichern für so lange, wie sie unverheiratet blieb, erhielt Residenzen zum Geschenk und beeinflusste den König im Sinne liberaler Politik. Ludwig wollte sie zur bayerischen Staatsbürgerin machen, was ihm gegen den Widerstand der Minister dagegen, bis hin zur völligen Auflösung des Kabinetts, gelang. Als sie Ende 1847 für ihre selbstverliebt inszenierten Auftritte in der Öffentlichkeit, mit Zigarre und Dogge, eine Studentencorps als Leibwache engagierte, kam es zu offenen Auseinandersetzungen zwischen Studenten, und Ludwig I. ließ Anfang 1848 die Universitäten zeitweise schließen. Es kam zu heftigen Protesten, die Lola schließlich zur Flucht in die Schweiz bewegten. An der im März 1848 beginnenden Märzrevolution hatte sie schon keinerlei Anteil mehr.

Lola hoffte, in der Schweiz lebend, noch einige Zeit auf eine Wiedervereinigung mit Ludwig und bezog auch noch weiterhin Unterhalt von ihm. Doch das schon abkühlende Verhältnis kam zu seinem Ende mit Ludwigs Erkenntnis, dass Lola nicht nur zu ihm intime Verbindungen gepflegt hatte, sondern auch mit Herren, die sich ihre Fürsprache beim König erhofft hatten, und vor allem mit einem der Corpsstudenten. Im folgenden Jahr 1849 ging sie wieder nach London, heiratete einen Engländer in Bigamie (ihr zweiter Mann ertrank, nachdem diese Ehe nach zwei Jahren bereits gescheitert war) und floh wiederum nach Europa und weiter in die USA. Dort konnte sie ihre Bühnenkarriere tatsächlich noch einmal aufleben lassen, indem sie sich selbst in einer Broadwayrevue (Lola Montez in Bavaria) spielte, und beide Küsten sowie eine Tour in Goldgräberstädten Australiens bespielen. Nachdem sie down under noch einmal mit ihrem down under für einen Skandal gesorgt hatte, setzte sie sich mit ihrem dritten, legitimen Ehemann in einer kalifornischen Kleinstadt zur Ruhe. In ihrer noch verbleibenden Zeit fand sie – scheinbar – zu Gott, gab Lesungen für einen protestantischen Geistlichen und kümmerte sich um „gefallene Mädchen“. Einen Monat vor ihrem 40. Geburtstag verstarb sie, wohl an den tertiären Folgen einer Syphilis (TW Bild).

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Before Elizabeth Rosanna Gilbert became the Lola Montez who went down in history, the daughter of a Scottish father and an Irisch mother spent several years of her childhood in India, then Scotland and England, until at 16 years she went back to India with her young English husband. The marriage failed within its first five years, and Elizabeth James, née Gilbert, became Lola Montez the Spanish dancer upon her arrival in London in 1843.

Shortly after her debut she was exposed as an Englishwoman and she fled to Paris. Like a free-spirited tornado in female form she left lovers behind with more or less damage, such as probably Franz Liszt (who seems to have had a disposition for promiscuous ladies, he consorted also with the lady Duplessis), Alexandre Dumas – père as well as fils (who was also an item with Duplessis) – and a newspaper editor and theatre critic by the name of Dujarier, who helped her restart her dancing career and was later shot in a duel over her favour.

All of this was already behind her when she came to Munich in 1846 and, grace of her charismatic appearances, became the mistress of the king Ludwig I. of Bavaria. She can not be made responsible for all of the following upheavals – social discontentment and the anti-revolutionary policy of Ludwig’s had eroded the established social orderfor years already. Still, she exercised quite some influence over the king as his mistress, and her blatant exploit of his favour for her own financial security and social status disgruntled various groups in the populace and the administration. For instance, she had him lift her into nobility as Countess of Landsfeld, ensured herself a contract over a maintenance for as long as she remained unmarried, reveived residences as gifts and influenced the king in favour of liberal policies. Ludwig strove to make her a Bavarian citizen, which he succeeded in against the resistance of his ministers, going so far as to disband the entire cabinet. When at the end of 1847, she recruited a student fraternity as bodyguards for her narcissistically staged public appearances with cigar and her Great Dane, it led to open altercations between students, and Ludwig I. had universities closed temporarily at the beginning of 1848. There were some vehement protests, that moved Lola to flee to Switzerland, finally. She had no share in the revolutions of 1848 starting in March that year.

Living in Switzerland, Lola held up hope for a while to be reunited with Ludwig, and she still drew a maintenance from him. The relationship had already cooled down before it ended with his discovery that she had had intimate relationships not only with him, but also with gentlemen who hoped for her advocacy towards him and notably one of the fraternity students. The following year, 1849, she went back to London, bigamously married an Englishman (her second husband drowned two years after the marriage had already failed) and again fled to Europe and further, to the United States. Indeed, she could revive her career on stage by playing herself in a Browadway revue (Lola Montez in Bavaria), and manage tours on both coasts and several gold-mining towns in Australia. After creating a scandal again down under with her own down under, she settled in a Californian town with her third, legitimate husband. For the rest of her years she – seemingly – found God, gave lectures for a protestant Reverend and took care of „fallen women“. A month short of her 40th year she died, probably due to tertiary effects of syphilis (TW graphic image).

16. Januar 2017

03/2017: zwei Künstlerinnen/two artists

Sophie Taeuber-Arp 19.1.1889 deutsch/english

Clarice Cliff 20.1.1899 english

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Sophie Taeuber-Arp

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Bühnenbild mit Marionetten, „König Hirsch“/setting for marionette play „King Stag“. Sophie Taeuber-Arp 1918

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Clarice Cliff

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Konisches Kaffeeservice/conical coffee ware. Clarice Cliff 1930

11. Januar 2017

auf nichts ist verlass / nothing is certain

weil die daten bei wikipedia nicht ordentlich geführt/verlinkt sind, habe ich einen ganzen beitrag geschrieben, links und alles, und dann festgestellt, dass die dame in diese woche gehört und nicht in die nächste. -_- deshalb gibt’s den clip jetzt einfach so, weil er so schön ist.

since the dates aren’t correctly sorted/linked on wikipedia, i wrote a whole post, links and all, only to find that this lady belongs in this week, not in the next. -_- so here’s the clip just so, because it’s so beautiful.

 

21. November 2016

KW 47/2016: Dorothea Jordan, 21. November 1761

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Dorothea Jordan

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Interessant an Dorothea Jordan ist nicht nur, dass sie wie eine andere Dame ihrer Profession, der Schauspielerei, eine langjährige Affäre mit einem König (oder zumindest zum damaligen Zeitpunkt hochrangigen Adligen) hatte. Aus ihrer Verbindung mit William, Duke of Clarence, später König Wilhelm der IV., gingen zehn Kinder hervor, die unter dem Familiennamen Fitzclarence (Fitz = Sohn von) liefen; ein späterer Nachkomme dieser nicht legitimierten Vereinigung ist unter anderem der ehemalige Britische Premier David Cameron.

Was mich viel mehr an ihr interessiert ist die Möglichkeit einer Abschweifung, da sie nämlich als Schauspielerin vor allem bekannt war für ihre Hosenrollen. Die Geschichte der Hosenrolle ist ein wunderbares Beispiel für die Willkürlichkeit und glücklicherweise auch der Vergänglichkeit von starren Geschlechterrollen.

Da es z. B. lange Zeit nicht in jedem Theater geduldet war, dass überhaupt Frauen schauspielerten, waren Frauenrollen, unter anderem bei Shakespeare, völlig selbstverständlich auch mit Männern besetzt. Dass Männer in Frauenkleidung skurril, andersartig, sexuell fragwürdig gelten, ist also eine neuere Entwicklung.
Die weibliche Hosenrolle entwickelte sich im 17. Jahrhundert nach dem Ende des Commonwealth, nachdem zunächst Frauen überhaupt auf der Bühne auftraten, um Frauen zu verkörpern. Mit der Verfestigung der Geschlechterdichotomie verloren Sängerkastraten und Männer in Frauenrollen an Akzeptanz, mit der stärkeren Sexualisierung gewann dafür die Grenzüberschreitung der Frau an Reiz. Nicht nur ersetzten die „echten“ Frauenstimmen die Soprane der Kastraten, auch das pikante Spiel mit der sexuellen Verwirrung und die Zurschaustellung sonst unsichtbarer weiblicher Körperteile in Männerkleidung festigten den Platz der Hosenrolle im Theater.

Dass die Hosenrolle in ihrem Beitrag zur Emanzipation zwiespältig betrachtet wird, hat sie mit der sex-positiven Bewegung im Feminismus gemein; ich denke da vor allem als Scheitelpunkt an die Diskussionen im Miley Cyrus‘ Auftritt bei den MTV Video Music Awards 2013 oder Kim Kardashians Selbstinszenierung auf Instagram. Eine Seite sagt, die Hosenrolle gab der Frau die Möglichkeit, sich freier als innerhalb ihres Geschlechterkorsetts im wahrsten Sinne des Wortes zu bewegen, und diese Freiheit führte zur Wahrnehmung der Unfreiheit im Kontrast. Im klar reglementierten Ausbruch läge sozusagen der Anfang des späteren, echten Ausbruchs. Die andere Seite sagt, der Knackpunkt läge vor allem in der Wahrnehmung durch den Betrachter, und die sei stärker sexualisiert und objektifizierend als jemals zuvor, Hosenrollen dienten zu nichts anderem als zur Zugänglichmachung des weiblichen Körpers für den männlichen Blick. Die Geschichte der Frau als reines Sexobjekt hätte in den Hosenrollen ihren Ursprung.

Ich persönlich nehme an, die Wahrheit liegt dazwischen bzw. ist wesentlich komplexer und von den speziellen Individuen abhängig. Die Frage, die sich für mich stellt, ist vielmehr: wie haben die Frauen in den Hosenrollen es empfunden (bzw. wie empfinden es die heutigen Frauen in der Öffentlichkeit)? Die entscheidenden Begriffe sind Mündigkeit und Wahlfreiheit. Fühlten/fühlen sich die „zur Schau gestellten“ Frauen frei und taten sie, was sie wollen – und nahmen dabei in Kauf, von bestimmten Betrachtern sexualisiert zu werden? Oder taten sie, was sie „mußten“, weil es von außen oder den Umständen diktiert wurde? Natürlich spielt auch in die „eigene Entscheidung“ eine Prägung und möglicherweise internalisierter Sexismus hinein. Doch wer kann sich wirklich freimachen von den eigenen Einflüssen, und wer kann wirklich für jemand anderen bestimmen, dass sie/er nur eine Marionette anderer ist, und was freier Wille ist? Auf welche Weise andere sie betrachten, konnten und können die Frauen nicht beeinflussen, das liegt außerhalb ihrer Kontrolle. Aber vielleicht war die Form des Auftritts, die den objektifizierenden Blick nicht verhindert, die wirklich eigene Wahl, bei der sich die Frauen frei und mündig und in control fühlten.

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Von 128 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 6 (inklusive Dorothea Jordan) Frauen:

25.11.1368 Elisabeth Achler
22.11.1532 Anna von Dänemark
22.11.1602 Élisabeth de Bourbon
27.11.1602 Chiara Margarita Cozzolani
27.11.1716 Sophie Volland

10. Oktober 2016

KW 41/2016: Anna Waser, 16. Oktober 1678 (Taufdatum)

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Anna Waser

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Anna Waser war Kind eines Züricher Amtsmannes, der dank seiner eigenen Bildung das Talent seiner Tochter erkannte und förderte. Bereits mit 14 Jahren verließ sie ihre Familie und Heimat, um in Bern bei Joseph Werner zu lernen. Sie blieb vier Jahre als einzige weibliche Schülerin bei ihm und kehrte dann zunächst nach Zürich zurück, bereits mit einem Ruhm bis über die Stadtgrenzen hinaus ausgestattet.

Drei Jahre später wurde sie von einem kunstinteressierten Adligen in ein kleines Städtchen in Hessen, Deutschland berufen: Wilhelm-Moritz von Solms-Braunfels lud sie nach Braunfels ein, wo sie als Hofmalerin ihre Karriere hätte fortsetzen können. Leider kam es anders: Ihre Mutter erkrankte und ihr Bruder, der bis dahin als Hauslehrer ebenfalls in Braunfels tätig gewesen war, ging als Feldprediger nach Holland. So musste Anna Waser nach Zürich zurückkehren, um ihre Mutter zu pflegen und den Haushalt des Vater zu übernehmen. Neben diesen „weiblichen“ Pflichten blieb ihr wenig Muße für ihre Kunst, nur kleinere Arbeiten konnte sie noch ab und an ausführen. Als auch ihre Eintragung in ein Künstlerlexikon mit Autobiographie, Selbstportrait und anderen Werken fehlschlug, verlor sie offenbar den Kampf gegen eine Depression. In einer Chronik wird über die verhinderte Künstlerin gesagt: „Mit 30 Jahren verlor sie ihre Leibs- und Gemütskräfte.“ Fünf Jahre später bereits starb sie an den Folgen eines Sturzes.

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Von 172 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 18 (inklusive Anna Waser) Frauen:

15.10.1290 Anna Premyslovna
16.10.1456 Ludmilla von Podiebrad
13.10.1498 Claude de France
11.10.1523 Eleonore von Fürstenberg
15.10.1607 Madeleine de Scudéry
13.10.1630 Sophie von der Pfalz
12.10.1664 Praskowja Fjodorowna Saltykowa
13.10.1679 Magdalena Augusta von Anhalt-Zerbst
13.10.1690 Katharina Opalińska
13.10.1710 Anna Charlotte Amalie von Nassau-Dietz-Oranien
11.10.1727 Elizabeth Griffith
11.10.1730 Hannah Lightfoot
13.10.1785 Maria Anna Amalie von Hessen-Homburg
11.10.1797 Emilie Linder
13.10.1797 Ida Pfeiffer
11.10.1798 Ida Arenhold
11.10.1799 Paula Montal Fornés

19. September 2016

KW 38/2016: Elisabeth von Adlerflycht, 23. September 1775

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Rheinpanorama von Elisabeth von Adlerflycht, 1822

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Zu Elisabeth von Adlerflycht gibt es kein Bild und nicht viel zu sagen, aber ich brauchte einfach eine Pause von den ganzen Adligen und wollte gerne etwas machen, das mir naheliegt. Das von Elisabeth von Adlerflycht erfundene Rheinpanorama ist sozusagen meine heutige Heimat, und die Darstellungsform finde ich gleichzeitig so skurril wie naheliegend, dass mich ihr Erfunden-werden-müssen amüsiert.

Elisabeth von Adlerflycht war die Tochter eines Frankfurter Malers und zeichnete auf einer Rheinfahrt im Jahr 1811 ein Panorama des Rheins zwischen Nahe und Mosel. Daraus entstand im Laufe der Zeit der im praktischen Leporelloformat herausgebrachte Rheinfahrtbegleiter.

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Von 141 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 13 (inklusive Elisabeth von Adlerflycht) Frauen:

21.9.1051 Bertha von Savoyen
21.9.1154/55 Sancha von Kastilien
21.9.1457 Hedwig Jagiellonica
22.9.1515 Anna von Kleve
21.9.1568 Salome Alt
23.9.1598 Eleonora Gonzaga
22.9.1601 Anna von Österreich
22.9.1634 Christiana von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg
22.9.1701 Anna Magdalena Bach
23.9.1740 Go-Sakuramachi
23.9.1780 Clara Anschel
25.9.1799 Luisa Cáceres de Arismendi

4. Juli 2016

KW 27/2016: Artemisia Gentileschi, 8. Juli 1593

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Artemisia Gentileschi

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Artemisia Gentileschi war die talentierte Tochter eines Barockmalers, der wie damals verbreitet von Caravaggios Stil beeinflusst war. Sie zeigte schon früh mehr Können als ihre Brüder und wurde von ihrem Vater gefördert.

Mit 18 wurde sie von einem Kollegen und Freund ihres Vaters, der sie unterrichten sollte, vergewaltigt. Da der Mann ihr versprach, sie zu heiraten – was ihre Ehre hätte retten können –, unterhielt sie weiterhin ein auch sexuelles Verhältnis zu ihm. Als sich nach mehreren Monaten herausstellte, dass ihr Vergewaltiger bereits verheiratet war und niemals vorhatte, sie zu ehelichen, zeigte ihr Vater ihn an. Im folgenden Prozess, bei dem es vornehmlich darum ging, dass er ihre Jungfräulichkeit geraubt hatte, aber auch, dass er Bilder aus dem Haus Gentileschi gestohlen habe sollte, wurden Artemisia Daumenschrauben angelegt und musste sie sich einer peinlichen gynäkologischen Untersuchung unterziehen – denn natürlich war die Glaubwürdigkeit der Überlebenden das, was am meisten zu bezweifeln war. Schließlich wurde der Täter zu acht Monaten Haft (für alle angezeigten Taten) verurteilt, von denen er allerdings keinen einzigen im Gefängnis verbrachte. Artemisias Ruf in Rom war nun angegriffen, weshalb sie nach Florenz ging, wo sie eine lange und erfolgreiche Karriere als Malerin begann.

Artemisia gilt als eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Malerin des Barock; ihre Werke sind von körperlich und seelisch starken, entschlossenen und wenig zimperlichen Frauen dominiert. Theoretisch wird das Frauenbild ihres Werkes auch auf ihre eigene Lebensgeschichte zurückgeführt – eines ihrer bekanntesten Werke, „Judith und Holofernes„, zeigt, so kann man sich vorstellen, ihre eigene Phantasie, was sie mit ihrem Vergewaltiger gerne getan hätte. Auch kann man in der Vertrautheit und engen Zusammenarbeit mehrerer Frauen auf ihren Bildern ihren Wunsch nach starker schwesterlicher Gemeinschaft lesen – ein Wunsch, der geprägt ist von dem Vertrauensbruch einer mütterlichen Freundin (Artemisias Mutter starb, als sie 12 war), die die Vergewaltigung wohl hätte verhindern oder zumindest bezeugen können, die sich aber lieber nicht einmischte (der englische Wiki-Artikel geht auf diese Details und diese Lesart ausführlicher ein).

Ein interessanter Kommentar zum Werk und der Historie Artemisias Gentileschi ist das Portmanteau „Susanna and the Elders: Restored“ von Kathleen Gilje, dem ich gerade  erst einmal als echtes Röntgenbild aufgesessen bin. Eine spannende Sache.

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Von 139 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 14 (inklusive Artemisia Gentileschi) Frauen:

7.7.1207 Elisabeth von Thüringen
5.7.1321 Johanna Plantagenet
6.7.1387 Blanka, Königin von Navarra
7.7.1528 Anna von Österreich
5.7.1532 Anna von Tecklenburg-Schwerin
5.7.1554 Elisabeth von Österreich
10.7.1640 Aphra Behn
5.7.1670 Dorothea Sophie von der Pfalz
5.7.1755 Sarah Siddons
9.7.1764 Ann Radcliffe
9.7.1766 Johanna Schopenhauer
5.7.1773 Johanna Elisabeth Bichier des Ages
8.7.1792 Therese von Sachsen-Hildburghausen

27. Juni 2016

KW 26/2016: Rose Bertin, 2. Juli 1747

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Rose Bertin

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Rose Bertin erlernte sehr früh das Handwerk der Modistin und ging als solche bereits mit 16 Jahren von Abbeville nach Paris, wo sie zunächst in einem Modegeschäft arbeitete. Mit 23 Jahren eröffnete sie ihr eigenes Geschäft „Au Grand Mogol“, mit dem sie bald beim Adel erfolgreich war und schließlich zur Modistin und Hutmacherin für Marie Antoinette wurde. Sie verdiente königliches Geld mit ihren Kreationen und verstand sich mehr als Künstlerin denn als Handwerkerin; die einfach Schneiderei war nicht ihr Metier, sie schuf die künstlerischen, pompösen Verzierungen und Aufbauten von Kleidern und Hüten. Zu ihrer erfolgreichsten Zeit nahm sie das Hundertfache des Tageslohnes eines gelernten Arbeiters mit einem ihrer Werke ein.

Die französische Revolution beendete auch ihren großen Erfolg, indem sie die meisten ihrer Kundinnen als Hinrichtungsopfer forderte, und sie sah sich durch das nahe, vertraute Verhältnis zum Adel selbst, nicht zu Unrecht, gefährdet. Rose Bertin gelang es, ihr Vermögen über die Dauer der Revolution zu bewahren und in England zu arbeiten; als sie jedoch nach Ende der Revolution ins Napoleonische Frankreich zurückkehrte, war ihre Rokoko-Kunst so gut wie überflüssig geworden – der schlichte, ungeschmückte Empire-Stil war nun maßgeblich. Sie übertrug zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihr Geschäft auf ihren Neffen und verstarb 1813 in der Nähe von Paris.

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Von 138 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 13 (inklusive Rose Bertin) Frauen:

29.6.1136 Petronella
2.7.1473 Marie von Baden
29.6.1475 Beatrice d’Este
29.6.1482 Maria von Spanien
2.7.1574 Dorothea Maria von Anhalt
3.7.1576 Anna Von Preußen
30.6.1604 Margarete Elisabeth von Leiningen-Westerburg
1.7.1627 Anna Maria von Mecklenburg
2.7.1630 Marie-Madeleine de Brinvilliers
3.7.1709 Wilhelmine von Preußen
29.6.1774 Amalie von Hessen-Homburg
28.6.1799 Amalie von Nürnberg

4. Januar 2016

KW 1/2016: Elisabetta Sirani, 8. Januar 1638

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Elisabetta Sirani

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Elisabetta Sirani war eine von den Damen, die sich vom Mangel an Möglichkeit nicht abschrecken ließen und einfach ihre eigene Möglichkeit schufen. Mit Talent und Selbstbewusstsein ausgestattet, arbeitete sie bereits 17jährig als professionelle Malerin – natürlich gingen alle ihre Einnahmen in die Familienkasse (sprich: in die Kasse des Vaters), statt wie die der anderen Mitarbeiter anteilig in ihre eigene Kasse. Um für sich selbst und ihre Mutter zu sorgen, malte und verkaufte sie unter der Hand weitere Bilder. Da sie als Frau nicht an einer regulären Kunstakademie studieren konnte, gründete sie kurzerhand eine eigene Kunstakademie, an der sie mindestens 14 andere Künstlerinnen unterrichtete und förderte. Mit 27 Jahren verstarb sie wahrscheinlich an den Folgen eines durchgebrochenen Magengeschwürs.

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Um die Überschaubarkeit weiblicher Rollenvorbilder besonders in den Jahren vor dem 19. Jahrhundert zu demonstrieren, liste ich (versuche ich zu listen) in diesem Jahr alle Frauen der Woche vor 1800, denen einen Wikipedia-Artikel gewidmet ist. Von um die 230 relevanten Personen vor 1800 sind diese 15 (inklusive Elisabetta Sirani) Frauen:

6.1.1256 Gertrud von Helfta
6.1.1412 Jeanne d’Arc
10.1.1480 Margarete von Österreich
7.1.1528 Jeanne d’Albret
7.1.1591 Dorothea von Sachsen
9.1.1624 Meishō
6.1.1655 Eleonore Magdalene von Pfalz-Neuburg
10.1.1748 Franziska von Hohenheim
7.1.1753 Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg
5.1.1762 Constanze Mozart
5.1.1763 Johanne Justine Renner
5.1.1780 Claire Élisabeth Jeanne Gravier de Vergennes
7.1.1796 Charlotte Augusta von Wales
10.1.1797 Annette von Droste-Hülshoff

14. Dezember 2015

KW 51/2015: Annemie Fontana, 14. Dezember 1925

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Annemie Fontana

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Weil ich gerade einen Run habe und man ja nicht weiß, was bis Jahresende noch dazwischenkommt, mache ich es mir diese Woche mit einer visuell ansprechenden Künsterin leicht.

Fontanas Werk umfasst Siebdrucke sowie Skulpturen aus Metall und Polyester.

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Eierblume

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Kubus

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Sirius (Escher-Wysch-Platz, Zürich)

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Durchschritt

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Stier

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Rotondo I

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Hommage à Richard Paul Lohse