Archive for ‘Lyrik-poetry’

14. November 2017

meine räume • my rooms

komm mit in den raum
in dem wir über meine selbstbefriedigung reden
er ist sehr klein
und an der tür das schild:
nymphomane psychopathin

komm mit in den raum
in dem wir über mein sexleben reden
er ist ein irrgarten
und an der tür das schild:
frigide schlampe

komm mit in den raum
in dem wir über meine monatsblutung reden
er ist sehr dunkel
und an der tür das schild:
unhygienische hysterikerin

komm mit in den raum
in dem wir über meine elternschaft reden
er ist sehr laut
und an der tür das schild:
egoistische rabenmutter

komm mit in den raum
in dem wir über meine abtreibung reden
er ist voller peitschen
und an der tür das schild:
verantwortungslose kindsmörderin

du fürchtest den moralischen totalitarismus
ich lebe darin

(addendum: dies sind nur meine räume, einer weißen cis hetero frau. es gibt noch viel mehr solcher räume, bei denen ich das glück habe, sie nicht kennen zu müssen.)

*

come along into the room
where we talk about my masturbation
it’s very small
and the sign at the door says:
nymphomaniac psychopath

come along into the room
where we talk about my sex life
it’s a maze
and the sign at the door says:
frigid slut

come along into the room
where we talk about my menstruation
it’s very dark
and the sign at the door says:
unsanitary hysteric

come along into the room
where we talk about my parenthood
it’s very loud
and the sign at the door says:
egoistic failure

come along into the room
where we talk about my abortion
it’s full of whips
and the sign at the door says:
irresponsible babykiller

you’re afraid of moral totalitarianism
i live in it

(addendum: these are only my rooms, of a white cis hetero woman. there are a lot more of these rooms which i am lucky enough not to have to enter.)

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6. November 2017

45/2017: Qiu Jin, 8.11.1875

Qiu Jin

Qiu Jin

English below

Wiki deutsch

Über Qiu Jin habe ich bereits 2013 einmal geschrieben – aber damals nur unter einem Aspekt. Deshalb bin ich heute so frei, mit veränderten Vorzeichen, sie noch einmal vorzustellen.

In einer höheren Beamtenfamilie in Xiamen großgezogen, mit einer für Mädchen außergewöhnlichen Bildung im Lesen und Schreiben, aber auch körperlichen Betätigungen wie Reiten, wurde Qiu Jin mit 21 Jahren dennoch mit einem Mann verheiratet, mit dem sie nicht glücklich werden konnte.

Nach acht Jahren und zwei Kindern brach sie aus, versetzte ihren Schmuck und ging nach Japan, um zu studieren und Lehrerin zu werden. Während des Studiums kam sie in Kontakt mit den Geheimgesellschaften, die den Sturz der mandschurischen Qing-Dynastie in China vorbereiteten. Sie reiste in den kommenden zwei Jahren zwischen Japan und China hin und her, war an der Gründung einer rein weibliche Abteilung der revolutionären Organisation beteiligt und erlernte Kampfkunst und die Herstellung von Sprengstoffen.

Sie schrieb ein Manifest über die Unterdrückung der Frauen durch die arrangierte Ehe und die Tradition der Lotusfüße – sie selbst hatte bereits aufgehört, ihre Füße zu binden. Dank des Erfolgs dieses Manifests konnte sie sich auch als Journalistin und Rednerin etablieren. Schließlich übernahm sie die Leitung einer Sportlehrer-Akademie in Shaoxing, die jedoch nur ein Deckmantel war für die Ausbildung einer revolutionären Armee, mit der die Qing-Regierung gestürzt werden sollte.

Nachdem ihr Cousin Xu Xilin En Ming, den Mandschu-Gouverneur der Provinz Anhui, ermordet hatte, wurden er und Qiu Jin verhaftet und ihr geplanter Aufstand verhindert. Ihre Schriften wurden als Beweismittel für ihre aufrührerische Tätigkeit gegen sie verwandt, sie wurde verurteilt und kurz darauf, im Alter von 32 Jahren, geköpft. Heute ist sie eine etwas an den Rand geratene chinesische Nationalheldin der Volksrepublik China.

Dass sie auch Gedichte schrieb, gerät vor diesem politischen Treiben in den Hintergrund. Hier ein Versuch meinerseits, einen ihrer Texte (Quelle: Wikipedia, siehe unten) aus dem Englisch zu übersetzen:

Sonne und Mond geben kein Licht mehr, die Erde liegt im Dunkeln;
Unserer Frauen Welt ist so tief versunken, wer kann uns helfen?
Den Schmuck verkauft für diese Reise über das Meer,
Von meiner Familie verstoßen, verlasse ich mein Heimatland.
Mit der Befreiung meiner Füße reinige ich mich vom Gift tausender Jahre,
Mit erhitztem Herzen entfache ich den Geist aller Frauen.
Jedoch, dies zarte Tuch
Ist befleckt halb mit Blut, und halb mit Tränen.

*

Wiki english

I’ve written about Qiu Jin in 2013 already – but only in German and with a specific focus. So today I’m allowing myself to present her once more under a different aspect.

Raised in the family of a well-to-do civil servant in Xiamen, with an education in literacy uncommon for girl, but also in physical activities such as hirse-riding, Qiu Jin was nonetheless given into marriage with a man with whom happiness was unobtainable.

After eight years and two children she ran away, pawned off her jewelry and went to Japan to study towards becoming a teacher. During her time at university she came in contact with the secret societies that where preparing the downfall of the Manchurian Qing dynasty in China. In the following two year she traveled between Japan and China, participated in the founding of an all-female revolutionary organisation and learned martial arts and how to manufacture explosives.

She wrote a manifesto on the oppression of women by arranged marriage and the tradition of bound feet – she herself had already stopped binding her feet. Thanks to the success of this manifesto she was able to establish herself as a journalist and orator. Finally she took the position as head mistress at an academy for gym teachers, which actually was a cover for the formation of a revolutionary army to topple the Qing government.

After her cousin Xu Xilin had assassinated En Ming, the Manchu gouverneur of the Anhui province, he and Qiu Jin were arrested and their planned uprising was thwarted. Her writings were held against her as proof of her inflammatory activities, she was sentenced and beheaded shortly after, at the age of 32. Today she is a slightly marginalised national hero of the People’s Republic of China.

The fact that she also wrote poetry is overshadowed by her political actions. Here’s a poem of hers translated to English (source: Wikipedia):

日月无光天地昏,
沉沉女界有谁援。
钗环典质浮沧海,
骨肉分离出玉门。
放足湔除千载毒,
热心唤起百花魂。
可怜一幅鲛绡帕,
半是血痕半泪痕。
Sun and moon have no light left, earth is dark;
Our women’s world is sunk so deep, who can help us?
Jewelry sold to pay this trip across the seas,
Cut off from my family I leave my native land.
Unbinding my feet I clean out a thousand years of poison,
With heated heart arouse all women’s spirits.
Alas, this delicate kerchief here
Is half stained with blood, and half with tears.

There’s a more detailed biography on Don Tow’s Website.

18. Oktober 2017

mutters abschied

wie ich schon das eine oder andere mal erwähnt habe, habe ich auch einen schwarzen hund. an manchen tagen ist er sehr groß, schwer und träge. aber wenn ich schon diesen schwarzen hund habe, kann ich wenigstens artistischen nutzen daraus ziehen. was ist die beste suicidal ideation wert, wenn man nicht darüber schreiben kann? wer ganz starke nerven hat und keine fremdscham kennt, kann sich das originaldiktat anhören.

wenn ich gehe, dann will ich es nicht leise tun
es soll nicht wie ein unfall aussehen
mit einem großen messer will ich mir den hals aufschlitzen
rot besudeln die welt
mit allem, was in mir war
auf die gewischten fliesen
auf die saubere wäsche
alles, was ich nicht sagen konnte
was keiner hören wollte

nur meinen kindern sagt ihr nichts
meine kinder beschützt ihr vor mir
sagt ihnen
mama hat sie lieb, aber sie musste gehen
es war nicht genug

 

26. August 2017

werbung

schon 2015 habe ich diesen kleinen text geschrieben, inspiriert von den interaktionen meiner beiden kinder. nach zwei jahren habe ich nun die illustration und den „verlag“ selbst übernommen. es ist sogar ein kleiner trickfilm dabei herausgekommen, weil ich lust darauf hatte.

das buch ist (übrigens auch auf englisch) bei epubli zu bekommen. (auf amazon auch, aber da fällt für mich weniger ab.) (trotzdem toll, wenn’s da gekauft wird.)

natürlich bitte gerne teilen und weitersagen. mein leben hängt nicht davon ab, aber vielleicht mein glaube an die menschheit. 😉

10. Juli 2017

28/2017: Elsa von Freytag-Loringhoven, 12.7.1874

elsa_von_freytag-loringhoven

Elsa von Freytag-Loringhoven

English below

Wiki deutsch

Elsa von Freytag-Loringhoven hatte bereits ein bewegtes romantisches Leben hinter sich, bevor sie die Mutter des Dadaismus wurde. In Swindemünde als Elsa Hildegard Plötz geboren, strebte sie offensichtlich schon immer ein freieres und künstlerisches Leben an als das ihrer einfachen Eltern. Mit 27 Jahren heiratete sie den Architekten August Endell und lebte mit ihm nach Berlin. Die Ehe öffnete sich für eine Beziehung Elsas mit Endells Freund Felix Paul Greve – das Trio lebte in Palermo zusammen, doch die Ehe überstand diese moderne Beziehungsform nicht. Die Endells ließen sich scheiden und Elsa heiratete Greve. Nachdem er in Deutschland einen Selbstmord vorgetäuscht hatte, ging er in die USA, nannte sich Frederick Philip Grove und entkam so seinen Schulden. Elsa folgte ihm und die beiden lebten eine Zeit von der Bewirtschaftung einer Farm. Dann ließ Greve auch sie sitzen und Elsa begann, als Model zu arbeiten.

Mit dieser Tätigkeit arbeitete sie sich aus dem ländlichen Kentucky bis nach New York vor, wo sie – zwar noch nicht geschieden von Grove, aber die Ehe war faktisch nicht mehr existent – schließlich ihren dritten und letzten Mann, Leopold von Freytag-Loringhoven, heiratete.

In New York avancierte sie, während sie sich finanziell mit der Arbeit in einer Zigarettendreherei über Wasser hielt, als Model, Lyrikerin und Künstlerin zur Dadaistin. Lange Zeit von der männlichen Dominanz in der Kunstszene an die Seite gedrängt, stellt sich inzwischen heraus, dass einige wichtige Werke der Ready-made Kunst eigentlich ihr Schaffen sind. Unter anderem „God„, das bisher Morton Livingstone Schamberg zugeschrieben wurde, und der Inbegriff des Ready-made, „Fountain„, von (bisher) Marcel Duchamp – von Freytag-Loringhoven hatte das Urinal mit R. Mutt unterzeichnet und ihm als Skulptur vorgestellt. Sie war in dieser Zeit auch (mindestens) befreundet mit Djuna Barnes und Peggy Guggenheim.

Ohne Zweifel von ihr ist die unten abgebildete Installation Portrait of Marcel Duchamp.

In der Hoffnung auf wirtschaftliche Besserung ging Freytag-Loringhoven kurz nach dem Ersten Weltkrieg zurück nach Berlin, wo sie jedoch in Armut und schlechter geistiger Verfassung lebte. Sie hielt sich einige Zeit mit der Hilfe von Freunden und ehemaligen LiebhaberInnen über Wasser und zog dann nach Paris, wo sich ihre Lage kurzfristig verbesserte. Dann jedoch erstickte sie in ihrer Wohnung, weil jemand die Gasleitung offen gelassen hatte.

*

Wiki english

Elsa von Freytag-Loringhoven had already lived an eventful romantic life before becoming the mother of Dada. Born in Swinemünde as Elsa Hildegard Plötz, early on she obviously strove for a more free and artistic life than the one of her parents. At 27 years she married the architect August Endell and lived in Berlin with him. The marriage opened for an affair Elsa’s with Endell’s friend Felix Paul Greve – the trio lived together in Palermo, but the marriage did not survive this modern approach to relationship. The Endells divorced and Elsa married Greve. After staging his suicide in Germany, he went to the US, called himself Frederick Philip Grove and thus escaped his debts. Elsa followed him there and the two lived off the maintenance of a farm for a while. At last, Greve left her as well and she began working as a model.

In this capacity she worked her way from rural Kentucky to New York, where – not yet divorced, but the marriage had factually ceased to exist – she married her third and final husband, Leopold von Freytag-Loringhoven.

In New York she rose as model, poet and artist, all the while supporting herself financially by working in a cigarette factory, to becoming a dadaist. For the longest time eclipsed by the male dominance in the artistic scene, it turns out that some of the most important pieces of ready-made art were her creation. Among others ‚God‚, which used to be assigned to Morton Livingstone Schamberg, and the epitome of ready-made, ‚Fountain‚ by (hitherto) Marcel Duchamp – von Freitag-Loringhoven had signed the urinal with R. Mutt and send it to him as a sculpture. She was also friends, if not more, with Djuna Barnes and Peggy Guggenheim.

There is no doubt the installation pictured below, Portrait of Marcel Duchamp, is her work.

Hoping for economic improvement, von Freytag-Loringhoven went back to Berlin shortly after World War I, where she lived however in poverty and poor mental health. She was supported by some old friends and lovers and finally moved to Paris, where her situation improved shortly. Alas, she soon died of gas suffocation in her flat because someone had left open the gas pipe.

*

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Elsa von Freytag-Loringhoven: Portrait of Marcel Duchamp

 

2. Mai 2017

Tim, I’m only breathing 

These are just thoughts
and these are just feelings
These are just clouds
and I am the sky

But Tim, I’m only breathing

These are my arms
They hold and caress
They carry and lift
They don’t work for me

These are my legs
They walk and they bend
They stand up and run
They don’t work for me

This is my body
It nurtures and gives
It works all the time
But not for me

This is my time
I spend it on life
It’s going to fast
It runs out on me

These are just thoughts
and these are just feelings
These are just clouds
and I am the sky

But Tim, I’m only breathing

6. Februar 2017

06/2017: Anne Spencer, 6.2.1882

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Anne Spencer

English below

Wiki deutsch

Anne Spencer war Teil der ersten Generation Afroamerikaner nach der Sklavenbefreiung des Sezessionskrieges; ihr Vater war zwanzig Jahre zuvor noch als Sklave geboren worden. Bis zu ihrem 11. Lebensjahr nicht im Lesen oder anderen Schulfächern unterrichtet, schrieb ihre Mutter sie auf Druck des Vaters in ein theologisches Seminar der Episkopalkirche ein. Nach sechs Jahren schloss sie die Schule als Abschlussrednerin ihres Jahrgangs ab.

Sie heiratete einen Mitschüler, zog nach Lynchburg, gebar drei Kinder und arbeitete als Lehrerin und Bibliothekarin. Sie schrieb bei ihre Gedichte auf jede verfügbare Oberfläche, doch blieb unentdeckt, bis sie 40 Jahre alt war. Als eine Abteilung des NAACP in Lynchburg gegründet werden sollte, wohnte der Repräsentant dieser Organisation James Weldon Johnson für einige Zeit bei ihr und entdeckte ihre Poesie. Er verhalf ihr zu ihrer ersten Veröffentlichung und führte sie in den Kreis der Harlem Renaissance ein, in der sie zu einer wichtigen Beitragenden wurde.

Anne Spencer schrieb bis zu ihrem Tod in hohem Alter ihre Gedichte. Eine Liste mit Seiten, auf denen einige Gedichte zu finden sind, folgt am Ende dieses Beitrags.

*

Wiki english

Anne Spencer was part of the first generation of African Americans after the emancipation following the Civil War; her father twenty years early had still been born a slave. Not educated in reading or any other school activity until she was 11, her mother enrolled her in the Virginia Seminary because of pressure from Anne’s father. Six years later she finished school as the valedictorian of her class.

She married one of her co-students, moved to Lynchburg, gave birth to three children and worked as a teacher and librarian. She wrote her poems on any available surface but remained undiscovered until she was 40 years old. When a chapter of the NAACP was planned to be founded in Lynchburg, James Weldon Johnson, a representative of the organisation, lived at her house for some tme and discovered her poetry. He helped to her first publication and introduced her to the circle of the Harlem Renaissance, to which she became an important contributor.

Anne Spencer wrote poems until her death of old age. A list of pages where some of her poems can be found can be found below.

*

The Harlem Renaissance on U.S. History

Anne Spencer’s Biography and Poems on AfroPoets, poets.org, and on African American Registry

The Anne Spencer House and Garden Museum

3. Oktober 2016

KW 40/2016: Marie de Gournay, 6. Oktober 1565

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Marie de Gournay

Wiki deutsch Wiki englisch

Als ältestes von sechs Kindern des königlichen Schatzmeisters wurde Marie de Gournay zwar der offizielle Zugang zu Bildung versagt, sie brachte sich selbst jedoch in der Bibliothek ihres Vaters Latein und Griechisch bei, soweit, dass sie später als gebildetste Frau ihrer Zeit galt.

Von Michel de Montaignes Essais begeistert, entwickelte sie erst eine Brieffreundschaft zu ihm, aus der bald ein Besuch bei ihm in Paris zustande kam, was wiederum zu einer alles außer offiziellen Adoption der jungen Frau durch den Philosophen  führte. Sie wurde zur Verwalterin seines literarischen Nachlasses und von seiner Witwe erhielt sie den Auftrag, die dritte Auflage seiner Essays zu veröffentlichen.

De Gournay fand viele Freunde und Befürworter im Adel und in wissenschaftlichen Kreisen: Justus Lipsius stellte sie in ganz Europa als gebildete Frau vor, sie schrieb für die Königinnen von Frankreich Margarete von Valois und Maria de’Medici, sowie für deren beider Mann Heinrich IV und den nachfolgenden König Ludwig XIII. Dennoch oder gerade deswegen sah sie sich auch harscher Kritik ausgesetzt – eher an ihrer Person, doch auch ihrer Arbeit, wobei letzteres auch eher Gründe vornehmlich in ihrem Geschlecht als ihrer tatsächlichen Tätigkeit hatte.

Sie übersetzte Werke mehrerer Philosophen ins Französische und schrieb selbst über Philosophie, Moral, Theologie und zum Thema der Frauenrechte, weshalb sie als eine der Mütter des Feminismus gilt. Am Höhepunkt der Hexenverbrennungen in Europa verwies sie auf die systematische Unterdrückung der Frauen durch die Verweigerung von Bildung: „Frauen sind das Geschlecht, dem man alle Güter versagt […] um ihm als einziges Glück und ausschließliche Tugend die Unwissenheit, den Anschein der Dummheit und das Dienen zu bestimmen.“

Zum Zeitpunkt ihres Todes mit 79 Jahren hatte sie 1.000 Seiten Material geschrieben – als Autodidaktin. Sie gilt heute als erste weibliche Literaturkritikerin und erste Person, die für die Gleichberechtigung von Mann und Frau argumentierte.

*

Von 114 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 7 (inklusive Gertrud von Altenberg) Frauen:

4.10.1585 Anna von Österreich-Tirol
5.10.1640 Françoise-Athénaïs de Rochechouart de Mortemart, marquise de Montespan
5.10.1658 Maria Beatrice d’Este
7.10.1675 Rosalba Carriera
9.10.1772 Mary Tighe
9.10.1791 Amalie Schoppe

23. Mai 2016

KW 21/2016: Mary Wortley Montagu, 26. Mai 1689

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Mary Wortley Montagu

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Neben einer regen schriftstellerischen Tätigkeit, unter anderem mit Berichten aus den Frauenräumen des Osmanischen Reiches als Ehefrau des englischen Botschafter in Istanbul, als Lyrikerin und Verfasserin politischer Texte, war Mary Wortley Montagu eine Pionierin des medizinischen Fortschritts. Nachdem sie ihren Bruder an die Pocken verloren  und selbst eine Erkrankung mit deutlichen kosmetischen Schäden überlebt hatte, brachte sie aus dem Osmanischen Reich die Variolation (Inoculation) mit: das gezielte Infizieren durch die Erreger eines milden Falles der Pocken. Sie ließ dies nicht nur bei ihren beiden eigenen Kindern durchführen, nachdem sie die Erfolge der Osmanen damit gesehen hatte, sondern brachte auch den englischen König George I. und dessen Tochter Caroline dazu, ihre Kinder bzw. dessen Enkel so gegen die Pocken zu immunisieren – selbstverständlich erst, nachdem die Variolation zunächst an zum Tode verurteilten Verbrechern getestet wurde. Diese waren danach nicht nur gegen die Pocken immun, sondern auch wieder auf freiem Fuß. Die Variolation blieb für etwas 50 Jahre die Methode der Wahl für die Immunisiserung, bis die Impfung, wie wir sie heute kennen, entwickelt wurde.

Zu Mary Wortley Montagus literarischer Arbeit ist noch zu sagen, dass sie, wohl zu Recht, über die bisherigen Reiseberichte aus dem Orient recht gehässig sprach – dass dort Männer ihre Fantasien auslebten, weil sie schlicht nicht wüssten, was in den ihnen unzugänglichen Orten wirklich vorging. Es zirkulierten über die Frauenbadehäuser selbstverständlich Gerüchte und Vorstellungen davon, dass in diesen reinen Frauen-Räumen sexuelle Ausschweifung und Freizügigkeit herrschte – weil Frauen allein gelassen untereinander natürlich nichts als Sex im Kopf haben können. Lady Montagu rückte das Bild mit ihren eigenen Erfahrungsberichten gerade: dass dort schlicht das soziale Leben stattfand, ohne die störenden Einflüsse der Männer. Trotzdem fanden vor allem ihre Beschreibungen der orientalischen weiblichen Körper Beachtung und wurden wiederum für die Auswertung in erotischen künstlerischen Darstellungen verwendet.

*

Von 102 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 4 (inklusive Mary Wortley Montagu) Frauen:

29.5.1627 Anne Marie Louise d’Orléans
27.5.1653 Liselotte von der Pfalz
25.5.1775 Charlotte Joachime von Spanien

8. Februar 2016

KW 6/2016: Karoline von Günderrode, 11. Februar 1780

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Karoline von Günderrode

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Die „Sappho der Romantik“ lebte und schrieb im Kreise Clemens Brentanos und Bettina von Arnims; sie rang zeitlebens mit den Erwartungen an die Rolle der Frau in der Gesellschaft, die so gar nicht ihrem Naturell entsprachen.

Als Lyrikerin relativ erfolgreich, wenn auch von anderen Vertretern der Romantik überschattet, erlitt sie im Privatleben immer wieder Zurückweisung. Nachdem ihre erste Liebe Friedrich Carl von Savigny eine andere geheiratet hatte, verliebte sich Karoline in einen verheirateten Mann, Friedrich Creuzer, für den sie ihren Freundeskreis vernachlässigte, der sich jedoch selbst nicht in der Lage sah, seine Frau für sie zu verlassen.

Karoline von Günderrode wählte mit 26 Jahren den Freitod per Dolchstoß, nachdem ihr Geliebter die Beziehung beendet hatte.

 *

Von 200 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 11 (inklusive Karoline von Günderrode) Frauen:

13.2.1457 Maria von Burgund
11.2.1466 Elizabeth of York (Königin)
14.2.1640 Anna Magdalena von Pfalz-Birkenfeld-Bischweiler
11.2.1715 Margaret Cavendish Bentinck
13.2.1752 Luise von Göchhausen
9.2.1769 Susette Gontard
13.2.1772 Henriette Hendel-Schütz
12.2.1775 Louisa Adams
9.2.1777 Louise Brachmann
8.2.1794 Agnes Franz