Archive for ‘Adel-nobility’

19. Dezember 2016

KW 51/2016: Anna von Sachsen, 23. Dezember 1544

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Anna von Sachsen

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Diese Anna von Sachsen – die Dritte in einer chronologischen Liste von 12 Frauen, die Anna von Sachsen hießen, oder Anna hießen und einen Titel „von Sachsen“ hatten – liegt mir wegen zwei Dingen am Herzen: einmal, weil ihr übel mitgespielt wurde, und zweitens, weil sich große Teile ihres Lebens in und um meine eigene Heimat herum abspielten.

Anna war körperlich deformiert, aber von der Mutter insbesondere geliebt. Durch Erbschaft von ihrem Vater Moritz von Sachsen eine der reichsten europäischen Adeligen ihrer Zeit, stellte ihr Hinken und die schiefe Schulter kein Problem dar bei der Findung eines Ehemannes. Allerdings war sie durch eine vom Verlust der Eltern belastete Kindheit und Jugend sowie ihre Intelligenz und Streitbarkeit auch eine Person, die es sich selbst und anderen leicht machte.

Der Mann, den sie schließlich heiratete, tat dies allein aus finanziellen bzw. politischen Gründen – was natürlich üblich war –, doch war ihre Familie davon überzeugt, sie hätte es auch noch besser treffen können: Wilhelm von Oranien war nicht der ranghöchste Heiratskandidat und noch dazu stark verschuldet. Dass er auch ein Feind der Habsburger und Unterstützer der protestantischen Konfession war, gab letztendlich jedoch den Ausschlag für die Entscheidung für ihn.

Anna gebar ihm fünf Kinder, obwohl die Verbindung von Zwist und Dissonanz geprägt war. Er fand sie streitsüchtig und beschwerte sich schon früh nach der Hochzeit unter anderem bei ihrem Onkel über ihre zänkische Art. Sie verfiel nach der Totgeburt des ersten Sohnes (das dritte Kind nach einer ersten tot geborenen und einer zweiten Tochter) in Depressionen und fühlte sich durch die beständigen Anfeindungen und Ermahnungen, sich gefügiger zu zeigen, sicher nicht wohler in ihrer Lage. Sie flüchtete sich in den Alkohol. Die Geburt und das Überleben des ersten männlichen Nachkommens war überschattet von der Tatsache, dass Wilhelm im Kampf gegen die Spanier schwere territoriale Verluste erlitt und sich die wirtschaftliche Lage schlecht darstellte. Er ließ sie in Dillenburg, wohin sie sich aus den Niederlanden zurückgezogen hatten, mit ihrer nicht wohlgesonnenen Schwiegermutter zurück, um wieder in den Krieg zu ziehen.

Anna fühlte sich dort jedoch so unwohl, dass sie während der nächsten Schwangerschaft ihren Hofstaat aufraffte und nach Köln zog – allerdings konnte sie ihre beiden Kinder nicht mitnehmen, weil ihre Schwiegermutter diese nach Braunfels verbracht hatte, um sie vor einer umgehenden Seuche zu schützen. Es dauerte ein Jahr und brauchte einen offenen Konflikt mit ihrer Schweigermutter, ihre Familie in Köln zusammenzubringen. Inzwischen war auch das fünfte Kind mit Wilhelm von Oranien auf die Welt gekommen. Doch waren seine Verluste inzwischen so groß, dass sich Anna dazu bemüßigt fühlte, ihr Wittum, also ihr zustehende Besitztümer durch die Ehe mit Wilhelm, einzufordern. Sie zog dafür den niederländischen Advokaten Jan Rubens hinzu, es blieben allerdings nur zwei Möglichkeiten, ihr Eigentum sicherzustellen: sich mit dem politische Gegner ihres Mannes zu einigen, der die Territotrien beschlagnahmt hatte, oder entsprechende Entschädigungen durch Wilhelms Familie, die diese nur mit großem Verlust hätten leisten können.

Ihre Hartnäckigkeit besiegelte ihr Schicksal. Nach einem eintägigen Treffen 1570 in Butzbach kamen Anna und Wilhelm noch einmal für längere Zeit im selben Jahr an ihrem Hof in Siegen zusammen – nach diesem Treffen war Anna erneut schwanger. Ihr Mann jedoch plante bereits, sich ihrer zu entledigen, und beschuldigte kurzerhand ihren Anwalt, eine Affäre mit ihr zu haben. Nachdem er inhaftiert worden war, gestand er unter Folter selbstverständlich alles, was Wilhelm hören wollte, und Anna wurde mit der Androhung seiner Hinrichtung dazu erpresst, ihre Schuld einzugestehen. Das Kind, das sie kurz darauf gebar, wurde von Wilhelm nicht anerkannt und erhielt den Namen „von Diez“, Anna unterzeichnete ihre Scheidung und stand nun ohne jeglichen Unterhalt da.

Ihre eigene Verwandtschaft und die ihres Mannes wollten sie als Ehebrecherin inhaftieren. Dann allerdings wurde klar, dass Wilhelm bereits neue Heiratspläne schmiedete, und ihre Verwandtschaft fühlte sich nun betrogen. Sie forderten, dass Wilhelm ihr entweder eines der Besitztümer, das ihr Wittum hätte werden sollen, übergab – sie hätte schließlich nicht bewiesenermaßen oder wenn, dann nicht als erste von beiden Ehebruch begangen – oder sie solle zumindest nach Sachsen überführt werden. Wilhelm war letzteres nur recht, und ihre Umsiedelung nach Dresden wurde geplant. Als Anna, inzwischen auch von ihrem jüngsten Kind getrennt, dies erfuhr, beging sie einen Selbstmord versucht, der mißglückte; sie wurde mit Gewalt nach Sachsen verfrachtet und dort in einer Kammer mit Versorgungsschlitz eingemauert. Zwei Jahre später, mit 33, starb sie an einer Erkrankung und wurde namenlos neben ihren Verwandten im Meißener Dom beerdigt.

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Von 172 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 14 (inklusive Anna von Sachsen) Frauen:

25.12.1281 Alice de Lacy
25.12.1424 Margarethe von Schottland
25.12.1461 Christina von Sachsen
25.12.1505 Christina von Sachsen
25.12.1584 Margarete von Österreich
22.12.1670 Anna Sophie von Sachsen-Gotha-Altenburg
19.12.1671 Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth
25.12.1719 Marie Elisabeth von Ahlefeldt
25.12.1720 Anna Maria Mozart
25.12.1742 Charlotte von Stein
25.12.1771 Dorothy Wordsworth
19.12.1778 Marie Thérèse Charlotte de Bourbon
24.12.1784 Helena Pawlowna Romanowa

14. November 2016

KW 46/2016: Johanna I. von Kastilien, 14. November 1479

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Johanna die Wahnsinnige

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Johanna I. von Kastilien, genannt „die Wahnsinnige“, war die spanische Königin, mit deren Regentschaft Aragòn und Kastilien zu dem spanischen Reich vereint wurden, aus dem der heutige Staat entstand.

Sie war Tochter des Königs Ferdinand II. von Aragòn und Isabella I. von Kastilien, beide genannt „der resp. die Katholische“. Johanna war das dritte Kind, nach einem Sohn und einer Tochter der beiden, und hatte somit bei ihrer Geburt kaum Aussicht auf den Thron. Sie war eine stille Person, die eine umfassende Bildung genoss und sich bereits früh von der strengen Religiösität ihrer Eltern distanzierte. Dies machte sie vor allem ihrer Mutter suspekt, doch auch generell war sie in ihrer Ernsthaftigkeit und Sensibilität eine Außenseiterin.

Ihre mit 14 Jahren geschlossene Ehe mit dem Habsburger Philipp Erzherzog von Österreich, genannt „der Schöne“, diente urspünglich vor allem dem territorialen Einschluss Frankreichs mit habsburgischen Herrschaftsgebieten – mit der Eheschließung bildeten Spanien und Österreich eine Allianz gegen die erstarkende französische Macht. Nach zeitgenössischen Berichten verliebten sich die beiden jedoch bei ihrer ersten Begegnung gleich heftig ineinander. Johanna war bereits per Stellvertreterhochzeit mit Philipp in Valladolid vermählt worden; sie begegneten sich erstmals einige Monate später in Flandern, wo sie unverzüglich die offizielle Trauung vollzogen. Aus dieser Ehe sollten in neun Jahren sechs Kinder hervorgehen.

In den drei folgenden Jahren rückte Johanna durch Todesfälle in ihrer Familie unerwartet in der Thronfolge auf den vordersten Platz. Zuerst starb ihr Bruder, Johann von Aragòn und Kastilien, und kurz darauf wurde dessen Kind mit Margarete von Österreich, in der Thronfolge nächster Anwärter, tot geboren. Dann verstarb ihre ältere Schwester Isabella von Spanien bei der Geburt ihres Sohnes, Miguel da Paz, der schließlich auch keine zwei Jahre alt wurde. Plötzlich waren Johanna und ihr habsburgischer Mann die ersten Thronanwärter.

Isabella hatte Johanna trotz ihrer Differenzen über den Katholizismus testamentarisch als Nachfolgerin in der Regentschaft eingesetzt – jedoch mit der Klausel: so sie ihre Pflichten als Königin erfüllen will und kann. Als die spanische Königin 1504 starb, Johanna war 25, ernannte ihr Vater sie zwar zur Königin, hielt aber die Regentschaft inne und begann eine Kampagne bei den Cortes, dem spanischen Parlament, Johanna als ungeeignet für den Thron zu erklären. Als Begründung galt ihr „ungesundes“ Verhalten als Ehefrau: nicht nur zeigte sie starke Gefühle für den rein politisch gewählten Gatten, sie war auch für die Zeit ungewöhnlich eifersüchtig und akzeptierte es nicht, wie üblich, dass ihr Mann Mätressen und Nebenfrauen hatte. Sie versuchte sogar, ihn ganz von anderen Frauen fernzuhalten.

Ihr Mann Philipp derweil war ebensowenig bereit, von seinem ehelichen Anspruch auf die spanische Krone zurückzutreten. Bei der Übereinkunft von Salamanca einigten sich der Vater und der Ehemann auf einen Vertrag, nach dem Philipp als König anerkannt wurde, Ferdinand aber als Gouverneur weiterhin die spanischen Reiche regieren durfte, so lange sich Philipp und Johanna außer Landes befanden. Ferdinand heiratete Germaine de Foix, die Nichte des französischen Königs Ludwig XII., in dem Versuch, eine Einigung mit Frankreich zu erreichen, die ihn in als spanischen König stärken sollte. Er hegte auch die Hoffnung, die wesentlich jüngere Frau möge ihm einen Erben gebären, der Johanna in der Erbfolge zurücksetzen könnte. Seine Position in Spanien schwächte dies; zudem gelang es Johanna und vor allem Philipp, in dem sich andeutenden Krieg um den Thron den Großteil des kastilischen Adels hinter sich zu einen. Anstelle eines offenen Konfliktes wurde 1506 der Vertrag von Villafáfila geschlossen, mit dem geregelt wurde, dass Ferdinand auf die kastilische Regentschaft verzichtete. Allerdings unterzeichnete er kurz nach dem Vertrag heimlich auch gleich ein Dokument, das besagte, er habe den Vertrag wider Willen geschlossen, somit sei er im Prinzip nichtig.

Johanna und Philipp waren nun anerkannte Königin und König von Kastilien. Für Johanna bedeutete das jedoch nur, dass nun ihr eigener Ehemann die Kampagne gegen sie fortsetzte und sie als nicht zurechnungsfähig darstellte, um alleiniger Regent zu werden, wohl auf der gleichen Basis wie ihr Vater zuvor. Er scheiterte zwar damit, da sich die höchsten Adeligen von Kastilien für die ihnen geborene Königin aussprachen. Doch starb Philipp bereits kurze Zeit nach dem Vertragsschluss, im September 1506.

Nun machte sich für ihren Vater sowohl seine eigene Intrige wie Johannas Ablehnung des Katholizismus bezahlt. Entgegen ihrer ausgesprochenen Willigkeit, die Regentschaft über Kastilien zu übernehmen, schmiedeten Ferdinand und ein Erzbischof, dem ihr Mangel an Religiösität ein Dorn im Auge war, eine Intrige, den König von Aragòn auch auf dem kastilischen Thron zu reinstallieren. Nur mit der Weigerung, die Cortes einzuberufen – die Ferdinand als König legitimieren sollte – konnte Johanna die Regentschaft innebehalten.

Als ihr Vater im August 1507 nach Kastilien zurückkehrte, nachdem er in Neapel eine Verbindung Neapels mit Aragòn angestrebt hatte, kamen mehrere Dinge zusammen, die Johannas Schicksal besiegelten. Zum ersten war es ihr nicht gelungen, die finanziellen und politischen Mittel zu gewinnen, ihren Anspruch auf den Thron zu verteidigen. Hunger und die Pest geißelten das Land und schürten die Unruhe und Zweifel an ihrer Regierungsfähigkeit. Des weiteren wollte Johanna dem Wunsch ihres geliebten verstorbenen Ehemannes nachkommen und ihn in Granada beerdigen lassen – ihrem Vater gelang es, dies lange zu verhindern, weshalb Johanna mit dem Leichnam ihres Gatten durch Kastilien zog. Vor allem aufgrund dieser Episode wird ihr Wahnsinn historisch belegt angesehen. Angeblich soll sie den Sarg regelmäßig geöffnet haben, um sich zu versichern, Philipp schlafe nur. Tatsächlich war es ihre eheliche Pflicht, den Leichnam einmalig zu identifizieren. Es steht zur Debatte, dass diese Fakten in der Intrigenkampagne und der Geschichtsschreibung der Sieger zu den krankhaften Verwirrungen verdreht wurden, die Johanna ihren Beinamen gaben.

In jedem Fall überschrieb sie, mit einem letzten Aufbäumen, die Regierungsgeschäfte ihrem Vater, wenn auch ihre Signatur weiterhin als Königin unter all seinen Dokumenten gesetzt wurde. Nach einem letzten Ränkespiel um eine mögliche eheliche Verbindung des spanischen mit dem englischen Königshaus setzte Ferdinand seine Tochter 1509 im Palast in Tordesillas fest, wo sie den Rest ihres Lebens in faktischer Gefangenschaft verbrachte.

Ferdinand starb, ohne einen weiteren männlichen Erben, in dem Wissen, dass der „habsburgische“ Enkel den spanischen Thron übernehmen würde. Dieser Sohn Johannas, Karl V., setzte fort, was sein Großvater und Vater begonnen hatten: nach Ferdinands Tod ließ er sich als Regent von Johanna einsetzen. Dies gelang ihm, da beide Reiche de facto in der Hand der Handlanger seines Großvaters waren – Aragòn fiel zunächst an Alfons, Erzbischof von Saragossa, ein außerehelicher Sohn Ferdinands, Kastilien verblieb unter dem faktischen Regime des Kardinals Cisneros, der mit diesem gegen Johannas Thronbesteigung intrigiert hatte. Da Johanna seit Jahren ohnmächtig und für wahnsinnig erklärt in Arrest lebte, konnte ihr Sohn mit der Unterstützung seiner Schwester sämtliche Regierungsgeschäfte nach Art seines Großvaters an sich nehmen. Er hielt Johanna weiterhin in Tordesillas fest. Hätte sie jemals offiziell den Verstand wiedererlangt, wäre sie von den Cortes als Regentin eingesetzt worden und Karl hätte erst nach ihrem Tod den Thron besteigen können; um dies zu verhindern, hielt er bis zu ihrem Lebensende an ihrer Geistesgestörtheit fest. Unter oft gewalttätiger Aufsicht verblieb sie bis zu ihrem Tod mit 75 Jahren allein im Namen, doch völlig machtlos, die „wahnsinnige“ spanische Königin.

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Von 140 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 14 (inklusive Johanna I. von Kastilien) Frauen:

16.11.1457 Beatrix von Aragón
15.11.1498 Eleonore von Kastilien
14.11.1501 Anna von Oldenburg
18.11.1567 Anna von Sachsen
19.11.1597 Elisabeth Charlotte von der Pfalz
15.11.1609 Henrietta Maria von Frankreich
20.11.1627 Charlotte von Hessen-Kassel
20.11.1656 Eleonore Charlotte von Württemberg-Mömpelgard
20.11.1727 Maria Josefa von Harrach
19.11.1769 Elise Bürger
19.11.1779 Luise Charlotte zu Mecklenburg
20.11.1784 Marianne von Willemer
17.11.1788 Elisa von Ahlefeldt

17. Oktober 2016

KW 42/2016: Constantia von Cosel, 17. Oktober 1680

Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden;

Constantia von Cosel

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Constantia von Brockdorff war die Tochter eines Ritters und einer Bürgerlichen, die dank des Standes ihres Vaters eine gute Bildung erhielt und mit 14 Jahren Hofdame der Tochter des Schleswiger Herzogs wurde. Zunächst blieb sie mit ihrer Dame an deren heimatlichen Hof Schloss Gottorf, dann begleitete sie diese nach Wolfenbüttel an die Welfen-Residenz. Sie lernte hier ihren zukünftigen Mann Adolph Magnus von Hoym kennen, wurde jedoch zunächst schwanger (wahrscheinlich vom jüngeren Sohn des Welfen-Herzogs) und gebar 22jährig ein Kind; nach der Geburt kehrte sie – ohne Kind – zunächst in ihr Elternhaus zurück.

Ein Jahr später heiratete sie von Hoym. Der zwölf Jahre ältere Mann erfuhr wahrscheinlich erst im Laufe des folgenden ersten Ehejahres von ihrer Vorgeschichte und strebte bald bereits wieder die Scheidung an. Constantia war eine forsche und extravagante Frau, er bezeichnete sie in seinem Scheidungsbestreben als „herrschsüchtig und hinterhältig“, es darf aber angenommen werden, dass ihre voreheliche Schwangerschaft mindestens eine ebenso große Rolle gespielt hat wie ihr Charakter.

Es vergingen drei Jahre, bevor die Scheidung vollzogen wurde. In dieser Zeit begegnete Constantia auf Schloss Burgscheidungen, ihrem Heimathof, August dem Starken, der trotz warnender Worte ihres baldigen Ex-Ehemannes starkes Interesse an ihr zeigte. Augusts offizielle Ehefrau hatte sich schon auf ihren Witwensitz zurückgezogen, er hatte auch bereits eine Mätresse. Sein Interesse an Constantia war jedoch so groß, dass er ihr das Versprechen gab, sie im Falle des Todes seiner Gattin zur morganatischen „Frau zur Linken“ zu machen, also sie zu ehelichen und mit einer ausreichenden finanziellen Versorgung zu versehen. Ihre Lage als Mutter eines unehelichen Kindes und geschiedene Frau war gesellschaftlich prekär genug, mit dem Dokument aus Augusts Hand wollte sie sich ihr Auskommen für die Zukunft sichern.

In den folgenden neun Jahren hatte Constantia eine sichere Position als Mätresse Augusts des Starken. Er ließ sie vom Kaiser zur Gräfin von Cosel ernennen, sie gebar ihm drei Kinder und konnte am sächsischen Hof mit entsprechendem Ansehen leben. Sie war keine sehr liebenswerte Persönlichkeit, aber klug und politisch versiert. August wollte die polnische Krone wiedererlangen und ließ sich dafür sogar zum Katholiken taufen, doch Constantia, die Protestantin und Kaisertreue, sah dies kritisch und riet ihm davon ab, unter anderem, weil die politischen Händel in Polen für August gefährlich werden konnten. Nachdem sich ihre Warnungen bewahrheitet hatten, war August von seiner gar zu klugen Mätresse nicht mehr so angetan. Außerdem hatte er sich im Zuge seines Strebens nach der Krone eine weitere, polnische Mätresse zugelegt, womit wiederum Constantia nicht zurechtkam. Ihre Eifersucht und der Unwille, sich gütlich von August dem Starken abservieren zu lassen, führte schließlich zu ihrer Verbannung nach Schloss Pillnitz. August forderte das Dokument von ihr zurück, in dem er ihr die Ehe und finanzielle Versorgung zugesichert hatte – dieses befand sich jedoch im preußischen Berlin. Um es wieder in ihre Hände zu bekommen, verstieß Constantia gegen die Verbannung und reiste nach Berlin. Offiziell galt dies als Flucht und August verhandelte, um sein Gesicht zu wahren, mit dem preußischen Hof über den Austausch der Gräfin von Cosel gegen einige preußische Deserteure. Entgegen der Regel versprach der preußische König Friedrich Wilhelm I. , die Deserteure nicht hinrichten zu lassen, sodass August dem Austausch schließlich zustimmen konnte, ohne sich zu blamieren. Constantia wurde festgenommen und nach Burg Stolpen verbannt, wo sie ihre restlichen 49 Lebensjahre verbrachte. Ihre Kinder mit August wurden am sächsischen Hof bestens versorgt und gebildet, sie selbst kehrte trotz Aufhebung ihrer Strafe nicht mehr an den Hof zurück.

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Von 140 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 4 (inklusive Constantia von Cosel) Frauen:

23.10.1550 Maria Andreae
17.10.1720 Maria Teresa Agnesi Pinottini
19.10.1775 Kamma Rahbeck

12. September 2016

KW 37/2016: Maria von Ungarn, 17. September 1505

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Maria von Ungarn

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Maria von Ungarn, auch von Habsburg, von Kastilien oder von Österreich, wurde als Einjährige mit dem noch ungeborenen Kind des Königs von Ungarn und Böhmen verlobt. Die von der „Osmanischen Bedrohung“ beeinflusste Ehepolitik der europäischen Großmächte drängte auch auf eine frühe Schließung der Ehe, sodass Maria und Ludwig Jagiello als Neunjährige bei der Wiener Doppelhochzeit vermählt wurden.

Maria verlebte dann allerdings noch prägende Jahre mit ihrer Schwester in Innsbruck, wo sie begann, sich für Musik und die Jagd zu interessieren. Mit 16 Jahren schließlich wurde sie mit ihrem 15jährigen Ehemann in Bratislava (damals Preßburg) vereint und verliebte sich wohl heftig in ihn. Auch von seiner Seite war die Beziehung glücklich – obwohl Maria nicht die Schönste gewesen zu sein scheint und für ihre Zeit unüblich forsch und burschikos auftrat. Sie beriet ihren Mann politisch, ohne die Interessen ihrer Habsburger Familie zu vergessen; dennoch war seine Regentschaft überschattet. Tatsächlich wurde Ungarn von Magnaten regiert und der junge König hatte wenig politische Handlungsmacht. Sein nationalistischer Reichsverweser Johann Zápolya hielt die Zügel in der Hand, der Konflikt zwischen ihm und der pro-habsburgischen Fraktion des ungarischen Adels schwächte das Land mehr und mehr. Als schließlich die Osmanen in Ungarn einfielen, unterließen auch Marias Brüder ihre zuvor versprochene Hilfeleistung für ihren Schwager; in der Schlacht bei Mohács kamen die meisten politischen und religiösen Führungspersonen des Landes um, auch Ludwig starb in der Konsequenz dieser Schlacht.

Maria hatte danach in Ungarn keine Macht mehr. Zápolya als Verwalter des osmanischen Sultans, ihre habsburger Verwandtschaft sowie der osmanische Sultan selbst teilten sich die Gebiete untereinander. Maria konnte sich weiteren Heiratsvorschlägen widersetzen und wurde als Witwe mit politischer Erfahrung zur Statthalterin der Niederlande.

In den 25 Jahren, die sie diese Position innehatte, vereinte sie die bisher separaten 17 Provinzen zu einem zentral regierten Gebiet und verteidigte dieses erfolgreich gegen französische Truppen sowie gegen ihren Schwager, der sie als Gegner schlicht aufgrund ihres Geschlechts unterschätzte. Sie förderte Handwerk und Kunst und brachte die Niederlande zu ihrem wirtschaftlichen und kulturellen Höhepunkt. Als ihr Bruder Karl V. 1556 abdankte, legte auch sie ihre Krone ab und zog sich mit ihren Geschwistern auf das Altenteil in Spanien zurück, wo sie zwei Jahre später verstarb.

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Von 187 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 9 (inklusive Maria von Ungarn) Frauen:

16.9. 16 Drusilla (Schwester des Caligula)
14.9.1485 Anna von Mecklenburg
18.9.1587 Francesca Caccini
15.9.1666 Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg
13.9.1683 Maria Victoria von Savoyen
16.9.1715 Charlotte Thouret
13.9.1752 Benedikte Naubert
13.9.1775 Laura Secord

1. August 2016

KW 31/2016: Kōgyoku, 7. August 594

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Kōgyoku

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Als Takara no himemiko (Prinzessin Takara) geboren, regierte Kōgyoku als 35. und 37. Tenno im Japan des 7. Jahrhunderts. Das erste Mal kam sie auf den Thron als Witwe des 34. Tenno, nach drei Jahren wurde sie von ihrem eigenen Sohn in einem Staatsstreich abgesetzt. Ihr Bruder Karu wurde japanischer Kaiser unter dem Namen Kōtoku, verstarb jedoch nach vier jahren Regierungszeit. Als der Thron wieder frei wurde, war zwar eigentlich ihr Sohn Naka no Ōe der Erbberechtigte, Takara nahm jedoch zunächst wieder die Regierung an sich, dieses Mal unter dem Namen Saimei. Sie regierte noch einmal 6 Jahre lang, gegen Ende ihrer Regierungszeit trat Japan in einen Konflikt mit Korea ein. Kōgyoku starb mit 67 Jahren, ihr Sohn wurde anschließend Kaiser Tenji.

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Von 229 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 33 (inklusive Kōgyoku) Frauen:
4.8.1469 Margarete von Sachsen
4.8.1470 Lucrezia di Lorenzo de’Medici
5.8.1581 Hedwig von Dänemark
4.8.1586 Dorothea von Ahlefeldt
1.8.1589 Alexandrine von Taxis
7.8.1600 Eleonore Marie von Anhalt-Bernburg
2.8.1612 Saskia von Uylenburgh
6.8.1619 (getauft) Barbara Strozzi
1.8.1627 Luise Christine von Savoyen-Carignan
6.8.1644 Louise de La Vallière
3.8.1662 Sophia Henriette von Waldeck
4.8.1666 Franziska Barbara
6.8.1666 Marie Sophie von der Pfalz
2.8.1684 Sophia von Sachsen-Weißenfels
4.8.1696 Maria Anna von Bayern
2.8.1704 Maria Caroline Charlotte von Ingenheim
3.8.1713 Elisabeth Albertine von Sachsen-Hildburghausen
5.8.1715 Charlotte Sophie Bentinck
7.8.1734 Maria Anna von Bayern
3.8.1735 Juliane Charlotte Friederike Grimm
3.8.1739 Dominika von Gillern
7.8.1751 Wilhelmine von Preußen
5.8.1756 Maria Gottliebin Kummer
7.8.1760 Anna Margaretha Zwanziger
4.8.1765 Rose Lacombe
1.8.1776 Francesca Scanagatta
7.8.1776 Amalie von Nassau-Weilburg
2.8.1780 Marie-Anne Gaboury
7.8.1783 Amalia von Großbritannien, Irland und Schottland
3.8.1795 Anne Bignan
3.8.1796 Anna Lühring
1.8.1799 Sophie de Ségur

18. Juli 2016

KW 29/2016: Caroline Mathilde, 22. Juli 1751

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Caroline Mathilde

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Caroline Mathilde zählt wieder einmal zu den Damen, deren persönliches Schicksal durch die politischen Umstände bestimmt wurde. Als jüngste Tochter des vor ihrer Geburt verstorbenen Prince of Wales Friedrich Ludwig von Hannover war sie an sich keine interessante Partie auf dem europäischen Adels-Heiratsmarkt. Sie war ein offenes, natürliches und gebildetes Mädchen, das wenig in der Öffentlichkeit erschien.

Dann starb der dänisch-norwegische König Friedrich V. und sein 17jähriger, an einer geistigen oder seelischen Störung leidender Sohn Christian VII. bestieg den Thron. Ob dieser an einer sozialen Störung auf dem autistischen Spektrum litt oder an Schizophrenie, ist nicht sicher; in jedem Fall wurde seine Vorbelastung verschlimmert durch den frühen Tod der Mutter und die folgende lieblose Kindheit mit Vater und Stiefmutter. Der junge König wurde mit seiner 13jährigen englischen Cousine verheiratet – und sie mit ihm –, um das englisch-dänisch-norwegische Verhältnis zu festigen und, armes Mädchen, seine Ausschweifungen einzugrenzen.

Christian liebte seine Frau nicht nur nicht, er machte keinen Hehl daraus, dass er sie verabscheute, und zog es vor, mit seiner Mätresse durch die Bordelle zu ziehen. Nichtsdestotrotz, von den politischen Machthabern hinter dem unfähigen König beschworen, entstand nach drei Jahren ein Kind aus der Bindung, der dänisch norwegische Kronprinz Friedrich (VI.). Statt sie als Mutter seines Thronfolgers jedoch wertzuschätzen, isolierte er sie noch mehr, indem er ihre Kammerzofe Louise von Plessen entließ, die ihn für sein Verhalten gegenüber seiner Frau gerügt hatte, und für eine Europareise am Hof zurückließ.

Auf dieser Europareise allerdings lernte er den Arzt Johann Friedrich Struensee kennen, der als einer der wenigen in der Lage war, mit dem launischen und ungezügelten König umzugehen. Der Arzt gewann sein Vertrauen und kehrte mit dem König an den Hof zurück, wo er zum Leibarzt des Königs wurde und, nach anfänglichem Misstrauen der jungen Mutter gegen einen Verbündeten ihres Mannes, auch der Königin näher kam. Unter anderem eine erfolgreiche Impfung gegen die Pocken, die er am kleinen Kronprinzen vornahm, gewann die inzwischen 18jährige Königin für den Arzt.

Aus der professionellen wurde bald eine persönliche Beziehung, die der gehörnte König jedoch möglicherweise nicht nur duldete, sondern sogar förderte – schließlich war der Arzt sein Freund und seine Frau ihm nur lästig. Caroline Mathilde gewann durch die Beziehung zu Struensee an Selbstvertrauen; schon zuvor war sie mit ihrer ungezwungen Art, durch Kopenhagen zu spazieren, statt mit der Kutsche zu reisen, aufgefallen. Nun wurde sie in Männerkleidung im Herrensitz reitend auf Ausflügen mit dem Arzt gesichtet, was zu dieser Zeit selbsverständlich Skandalmaterial war. Wann genau die Intimität zwischen Arzt und Patientin die Grenze zu Liebhaber und Geliebter überschritt, ist nicht mehr zu sagen. In jedem Fall gilt es als sicher, dass Caroline Mathildes zweites Kind, die Tochter Louise Augusta, Struensees Tochter war, obwohl Christian sie als sein Kind anerkannte.

Vor dem Hintergrund Christians immer deutlicher werdender Unzurechnungsfähigkeit wurde Caroline Mathilde, inzwischen 21 Jahre alt, auch als Regentin wichtiger und selbstsicherer. Zudem vertraute der König Struensee sein eigenes Regierungsgeschäft an, sodass die beiden Liebenden bald als Königin und Schattenkanzler das Heft in der Hand hatten. Dies gefiel einigen im adligen Umkreis des Hofes nicht, vor allem, da Struensee geradezu zwanghaft zahlreiche Reformen im Sinne der Aufklärung anstieß. So wurde der Stiefmutter des Königs ein Dokument zugespielt, dass ein Komplott Struensees mit Caroline Mathilde nahelegte, den König zu beseitigen, um endlich mit voller Autorität reigieren zu können. Daraufhin wurde Struensee verhaftet, Caroline Mathilde in Schutzhaft genommen und das Scheidungsverfahren von König Christian eingeleitet. Möglicherweise wußte der König nichts davon, die Königin selbst durfte nicht aussagen; nach weniger als vier Wochen wurde Caroline Mathilde von König Christian geschieden, ihre beiden Kinder jedoch wurden weiterhin als legitime Nachfolger anerkannt. Ihr Sohn Friedrich wurde später als Nachfolger Christians König von Dänemark-Norwegen.

Struensee unterzeichnete ein Geständnis, in dem er eine Beziehung zur Königin zugab. Caroline Mathilde unterzeichnet ein vorgeschriebenes Geständnis ebenfalls, im Glauben, sein Leben damit retten zu können – Struensee wurde einige Zeit später zum Tode verurteilt und hingerichtet. Caroline Mathilde wurde schlußendlich nach Celle exiliert und sah ihre beiden Kinder – der Sohn zu dem Zeitpunkt 4, die Tochter ein Jahr alt – niemals wieder. In Celle adoptierte sie eine Halbwaise, um sie über den Schmerz des Verlustes hinwegzutrösten. Sie starb 24jährig an Scharlach, den sie sich wohl am Krankenbett ihrer Adoptivtochter zugezogen hatte.

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Von 115 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 20 (inklusive Caroline Mathilde) Frauen:

22.7.1210 Johanna von England
24.7.1242 Christina von Stommeln
24.7.1468 Katharina von Sachsen
23.7.1503 Anna von Böhmen und Ungarn
22.7.1535 Katharina Stenbock
23.7.1549 Anna Elisabeth von der Pfalz
24.7.1561 Anna Maria von der Pfalz
22.7.1647 Margareta Maria Alacoque
23.7.1647 Luise Marie von der Pfalz
23.7.1648 Anna Henriette von Pfalz-Simmern
24.7.1720 Luise Ulrike von Preußen
23.7.1721 Anna Dorothea Therbusch
23.7.1722 Anne-Catherine de Ligniville Helvétius
18.7.1724 Maria Antonia von Bayern
24.7.1727 Maria Anna Sagar
21.7.1732 Amalie von Sachsen-Hildburghausen
24.7.1738 Betje Wolff
24.7.1766 Julie von Voß
21.7.1774 Louise Pauli

11. Juli 2016

KW 28/2016: Charlotte von Preußen, Alexandra Fjodorowna, 13. Juli 1798

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Charlotte von Preußen, Alexandra Fjodorowna

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Charlotte von Preußen wurde durch Heirat mit dem Großfürst Nikolaus von Russland, dem Bruder des Kaisers Alexanders I., zunächst zur Großfürstin und später, als ihr Schwager ohne lebende Nachkommen verstarb, Kaiserin von Russland. Bei der Hochzeit mit einem Mitglied der russisch-orthodoxen kaiserlichen Familie nahm sie auch die russisch-orthodoxe Religion und den Namen Alexandra Fjodorowna an.

Ungewöhnlich an ihr und ihrer Beziehung ist, dass sich die beiden, die auch eine politische Verbindung eingehen sollten, glücklicherweise auch ineinander verliebten. Zeit ihres Lebens war Charlotte/Alexandra ihrem Ehemann liebevoll zugetan – es war auch gar nicht ihr Ehrgeiz gewesen, Kaiserin zu werden. Die beiden lebten eher bescheiden mit ihren vier Kindern, bis Alexander I. ohne Nachkommen verstarb und Nikolaus I. zum Kaiser gemacht wurde.

Als Kaiserin schenkte sie ihrem Mann noch drei weitere Kinder, doch dann wurde ihr aufgrund ihres Gesundheitszustandes unter anderem der Sex untersagt. Ihr Mann nahm sich eine Geliebte, mit der Charlotte/Alexandra auch nach seinem Tod noch befreundet blieb. Als Charlotte/Alexandra starb, soll sie gerufen haben: „Niki, ich komme zu dir!“

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Von 106 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 6 (inklusive Charlottte von Preußen) Frauen:

17.7.1512 Sibylle von Jülich-Kleve-Berg
12.7.1532 Mechthild von Bayern
17.7.1584 Agnes von Brandenburg
13.7.1764 Maria Catharina Tismar
13.7.1776 Amalie Christiane von Baden

6. Juni 2016

KW 23/2016: Juliane von Hessen-Philippsthal, 8. Juni 1761

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Juliane von Hessen Philippsthal

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Eine in allen Belangen traurige Woche, auch und ganz besonders in der Auswahl an wegweisenden Frauen, die vor dem 19. Jahrhundert geboren wurden… Auf gerade einmal sechs beläuft sich ihre Zahl, alle davon vor allem durch ihre Adelsfamilien und die Eheschließungen mit Regenten bzw. anderen Adeligen nennenswert.

Juliane von Hessen-Philippsthal ist immerhin für zwei Dinge erwähnenswert. Erstens ließ sie sich nicht so einfach die Regierungsgeschäfte entreißen, als ihr Mann Philipp II. Ernst von Schaumburg-Lippe verstarb und sie mit ihrem unmündigen Sohn zurückließ. Wilhelm von Hessen-Kassel wollte sich ihr Lehen unter den Nagel reißen (als „heimgefallenes Lehen“, was vermutlich so viel bedeutet wie „gerade ist kein ernstzunehmender Regent da“), sie schaltete den Reichshofrat ein und bekam militärische Unterstützung aus Hannover und Preußen.

Vor ihrem Tod führte sie ihr Lehen mit klugem Kopf, unter anderem war sie eine entscheidende Mitwirkende bei der Einführung der Pockenschutzimpfung (siehe Mary Wortley Montagu). Sie verstarb an einer schweren Erkältung, bevor ihr Sohn mündig wurde und die Regierung übernehmen konnte.

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Von 97 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 6 (inklusive Juliane von Hessen-Philippsthal) Frauen:

8.6.1318 Eleonore von England (Geldern)
11.6.1527 Anna Sophia von Preußen
12.6.1561 Anna von Württemberg
12.6.1653 Amalia von Kurland
10.6.1711 Amelia Sophie von Großbritannien, Irland und Hannover

2. Mai 2016

KW 18/2016: Katharina II. Die Große, 2. Mai 1729

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Katharina II. Die Große

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Katharinas Karriere als „Die Große“ begann, als die 16jährige Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst mit dem Neffen der russischen Zarin Elisabeth, Peter Fjodorowitsch, verheiratet wurde, der später Zar Peter III. wurde. Kaum in Moskau angekommen, konvertierte sie, die bereits eifrig Russisch gelernt hatte, zum orthodoxen Glauben und wurde Jekaterina Alexejewna – zum Ärger ihrer Mutter. Ob es zunächst nur Pflichtbewusstsein war, zu dem sie als Adelige erzogen wurde, den Anforderungen an die Frau eines Zaren gerecht zu werden – in jedem Fall zeigte Katharina II. bald Ehrgeiz, strategisches Talent und Ausdauer. Nach 17 Jahren Ehe mit zwei (wahrscheinlich und einem definitiv unehelichen) Kindern und dem Antreten Peters III. als Zar nach dem Tod seiner Tante führte sie mit Hilfe des Militärs und diverser Adliger einen Staatsstreich aus und stürzte ihren Mann vom Thron; bald darauf wurde dieser umgebracht, womit sie jedoch nicht in Verbindung gebracht wird.

In den 34 Jahren ihrer Regentschaft als Zarin konnte sie einige Erfolge verbuchen – die Ausweitung der Territorien im Süden und Westen Russlands, die Annektion der Krim (der Blick zurück in die Geschichte erklärt einiges in der Gegenwart), 20 Jahre Frieden mit Schweden nach 2 Jahren Krieg mit schweren Verlusten auf beiden Seiten, die Einführung von Papiergeld, das noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts verwendet wurde. Manche ihrer ehrgeizigen Pläne scheiterten aber wohl an ihrer Modernität, an der Zähigkeit, mit der sich große Umwälzungen nur betreiben lassen, und an Katharinas eigenem Gesinnungswechsel: viele Ideen der französischen Aufklärung übernahm sie, pflegte Brieffreundschaft mit Voltaire und nahm Diderot schützend bei sich auf, doch nach der französischen Revolution erkannte sie das für die herrschenden Verhältnisse gefährliche Potential dieser Ideen und verwarf ihre eigenen aufklärerischen Gedanken.

Sie nahm den Adel in den Regionen ihres riesigen Reiches in die Pflicht bei der Regierung, teilte das Land in Distrikte und führte eine dezentralisierte Bürokratie ein; sie wollte Russland modernisieren und das russische zu einem „neuen Volk“ machen, indem sie Bildung für alle (außer Leibeigenen und Juden) zugänglich machen wollte. Leider scheiterten viele dieser Pläne an eben der dezentralisierten Bürokratie, die sie zur Erneuerung des Landes installiert hatte.

Wie an ihrer passionslosen Konvertierung vom Christentum in die Orthodoxie sichtbar wird, nahm sie eine eher pragmatische Haltung zur Religion ein. Sie versuchte, die drei Religionen Christentum, Orthodoxe und Islam gleichberechtigt und liberal zu behandeln, vor allem, um den Frieden in den östlichen Gebieten zu wahren – diese Vesuche scheiterten oft an der wesentlich emotionaleren Haltung des Volkes zur Religion. Die Juden hatten es auch hier grundsätzlich schwerer – auf finanzielle Dienstleistungen beschränkt, waren sie beim Volk unbeliebt und wurden schließlich von Katharina II. ganz zu Ausländern erklärt, was ihnen jegliche Gleichberechtigung im russischen Reich entzog.

Was immer ihre politischen Errungenschaften jedoch waren, was zunächst hauptsächlich von ihr im Gedächtnis blieb waren die vielen, oft jüngeren Liebhaber die sie sich nahm. Bei einem männlichen Herrscher dieses Ranges wäre das natürlich nicht mehr als eine Randnotiz – bei einer Frau jedoch wird eine frei und ungehindert ausgelebte Libido zum Hauptmerkmal und Anzeichen ihrer generellen Devianz. Die Entschlusskraft, ihren Mann vom Thron zu stoßen und selbst die Regentschaft zu übernehmen, der politische Wille, die Intelligenz, die Voltaire in ihr bewunderte, die Freiheit, ihr Privatleben nach ihrer Lust zu gestalten – Abartigkeiten in einer Frau, die in der Ansicht ihrer männlichen Zeitgenossen ohne zu zögern mit Perversion und Maßlosigkeit gleichzusetzen waren. Denn es war und ist immer gängige Praxis, Frauen über die Beschämung ihrer Sexualität in ihre Schranken zu weisen.

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Von 184 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 11 (inklusive Katharina II.) Frauen:

3.5.1415 Cecily Neville
2.5.1458 Eleonore von Portugal
5.5.1487 Anna von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach
2.5.1700 Charlotte von Hanau-Lichtenberg
4.5.1744 Marianna von Martines
7.5.1748 Olympe de Gouges
3.5.1764 Élisabeth Philippine Marie Hélène de Bourbon
5.5.1764 Therese Huber
5.5.1775 Maria Clementine Martin
6.5.1800 Amalie Haizinger

18. April 2016

KW 16/2016: Isabella I. von Kastilien, 22. April 1451

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Isabella I. von Kastilien

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Isabella I. von Kastilien ist eine spannungsreiche Figur. Die Mutter, Isabella von Portugal, vom Stiefsohn Heinrich IV. von Kastilien nach dem Tod ihres Mannes Johann II. von Kastilien vom Hof verjagt, litt unter Depressionen und vernachlässigte ihre Kinder; ihr noch dreizehnjähriger Sohn stieß den Halbbruder zwar vom Thron, verstarb aber kurz darauf.  Heinrich IV., wieder König, wollte seine Halbschwester gewinnbringend verheiraten, jedoch verstarben zwei der Kandidaten, gegen einen weiteren setzte sich die Jugendliche zur Wehr – nachdem Heinrich sie als seine Thronfolgerin akzeptiert hatte, weil ihm selbst außer einer umstrittenen Tochter (möglicherweise nicht von ihm) keine Nachkommen geboren wurden. Die Halbgeschwister einigten sich auf einen Konsensvertrag, der keinem der beiden gestattete, Isabella an jemanden zu verheiraten ohne die Zustimmung des jeweils anderen. Bevor sie 18jährig einem von Heinrich vorgeschlagenen Kandidaten zustimmen musste, erwählte sie sich selbst den zukünftigen König von Aragon, Ferdinand II., zum Ehemann. Nicht nur, weil er große Teile der spanischen Halbinsel beherrschen würde und mit dieser Ehe die beiden Reiche Kastilien und Aragon verbunden würden, was geografisch nahelag, sondern auch, weil er ihren Vorstellungen eines Mannes und Königs entsprach, schlug Isabella selbst ihm, ungewöhnlich emanzipiert für diese Zeit, die Heirat vor. Ferdinand nahm an und die beiden schloßen hinter dem Rücken ihres Halbbruders heimlich den Bund der Ehe.

Isabella I. wurde in ihrer Regentschaft die spanische Königin, die Christoph Kolumbus‘ „Entdeckung“ (aus europäischer Sicht) des amerikanischen Kontinents möglich machte; sie rettete Spanien damit aus einer finanziellen Krise, die aus den dominierenden Seerechten Portugals nach dem Krieg gegen Spanien entstand. Sie hatte sich durch die Sicherung der Thronfolge ihrer Tochter sowie durch die Geburt eines männlichen Thronfolgers bereits sicher als Regentin etabliert, auch durch die Niederschlagung eines Aufstandes mit  persönlichem Einreiten in die rebellierende Stadt Segovia als willens- und kampfstarke Führungspersönlichkeit gezeigt. Nun setzte sie dringend nötige Reformen durch, die dem Staat Sicherheit und Ressourcen wiederbrachten.

Allerdings ist Isabella I. von Kastilien in diesem Zuge auch die Initiatorin der Spanischen Inquisition, von der zunächst die Conversos (auch Marranen = Schweine) betroffen waren: zum Christentum konvertierte sephardische Juden, die verdächtigt wurden, unter dem Anschein des Katholizismus weiterhin ihre „heidnische“ Religion zu pflegen. Mit dieser juden- und islamfeindlichen Religionspolitik ging die Reconquista, die Rückeroberung der maurischen Gebiete Spaniens durch Christen, einher. Unter der Politik Isabellas I. wurde die sephardische und muslimische Bevölkerung Spaniens brutal dezimiert. Die Unmöglichkeit, der Spanischen Inquistion zu entkommen, die mit ihren Catch-22-Methoden jeden zermalmte, der in die Machinerie geriet, ist auch dank Monty Python sprichwörtlich geworden.

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Von 209 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 21 (inklusive Isabella I. von Kastilien) Frauen:

18.4.1115 Gertrud von Sachsen
22.4.1444 Elizabeth of York
23.4.1464 Jeanne de Valois
18.4.1480 Lucrezia Borgia
24.4.1492 Sabina von Bayern
20.4.1516 Sophia von Alvensleben
23.4.1522 Caterina de‘ Ricci
23.4.1532 Anna Maria von Braunschweig-Calenberg-Göttingen
20.4.1586 Rosa von Lima
22.4.1635 Laura Martinozzi
22.4.1640 Soror Mariana Alcoforado
19.4.1666 Sarah Kemble Knight
21.4.1673 Wilhelmine Amalie von Braunschweig-Lüneburg
22.4.1696 Antoinette Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel
22.4.1738 Anna Elisabeth Luise von Brandenburg-Schwedt
19.4.1752 Friederike Brion
21.4.1755 Maria Johanna von Aachen
22.4.1766 Anne Louise Germaine de Staël
24.4.1777 Maria Klementine von Österreich
22.4. 1780 Henriette von Nassau-Weilburg