Archive for ‘Frauenrechte-women’s rights’

10. April 2017

15/2017: Johanna Elberskirchen, 11.4.1864

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Johanna Elberskirchen

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Johanna Elberskirchen lebte bereits vor der Jahrhundertwende offen homosexuell, studierte Medizin und Jura und war Weggenossin des Sexualreformers Magnus Hirschfeld. Sie setzte sich nicht nur für die Rechte von Frauen und Homosexuellen ein, sondern auch für das Wohl von Kindern, für Mütter und die Arbeiterklasse.

Während sie als homöopathische Medizinerin tätig war, schrieb sie auch Artikel und Bücher und gab eine Zeitung für Kinderpflege heraus. Sie hatte wenig Geduld für männliche Selbstüberschätzung, wie man ihren Zitaten entnehmen kann.

Bezugnehmend auf Paul Julius Möbius‚ Werk „Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes„:

„Ich hätte auch schreiben können ‚Feminismus und Schwachsinn‘, denn die Kritik, die im Namen der Wissenschaft am Feminismus verbrochen wird, hat oft mit Wissenschaft wenig zu tun. Jedoch meine angeborene Courtoisie gegenüber dem männlichen Geschlecht verbot mir, auf den Wegen des Herrn Möbius zu wandeln. Meiner Ansicht nach sind die Herren Gelehrten, insbesondre die Herren Naturwissenschaftler und die Herren Mediziner die ungeeignetsten Leute, sich kritisch mit dem Feminismus zu befassen. Sie stehen dem Weibe zu persönlich und zu materialistisch gegenüber und beurteilen es aus einer ganz schiefen und recht beschränkten Perspektive, jedenfalls von ganz unwissenschaftlichen Gesichtspunkten aus.“ In: Feminismus und Wissenschaft. 1903, S. 3
„Nein, Herr Möbius, das Weib ist nicht schwach, nicht inferior, nicht ‚physiologisch schwachsinnig‘, aber das Weib ist krank – es leidet zu sehr unter der Herrschaft des männlichen Sexus.“ Ebenda, S. 18

Elberskirchen starb 1943, zehn Jahre nachdem ihre politische Tätigkeit durch die Nationalsozialisten unmöglich gemacht worden war. Ihre Lebensgefährtin Hildegard Moniac starb 1967 und einige Jahre später, 1975, soll Elberskirchens Urne heimlich in Moniacs Grabstätte verbracht worden sein. Im Jahr 2003 wurde das nun gemeinsame Grab mit einer offiziellen Gedenkveranstaltung unter Schutz gestellt.

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Johanna Elberskirchen lived openly as a homosexual before the turn of the century, studied medicine and law and was a fellow of sexual reformer Magnus Hirschfeld. She promoted not only for the rights of women and homosexuals, but for the better treatment of children, mothers and the working class.

While she worked as a homeopathic doctor, she also wrote articles and books and published a magazine on childcare. She had little patience for male hubris, as can be gleaned from her quotes.

Referring to Paul Julius Möbius‚ work „On the physiological idiocy of women“:

„I could have written ‚Feminism and Idiocy‘, because criticism, perpetrated on feminism in the name of science, often has very little to do with science. However, my innate courtoisie towards the male sex forbids me to walk on the same paths as Mister Möbius. In my view, the esteemed Scholars, especially the esteemed Natural Scientists and the esteemed Physicians, are the most unfit to concern themselves critically with feminism. They face Woman in an opinionated and materialistic manner and judge her from a completely tilted and rather parochial perspective, in any case from a wholly unscientific point of view.“ In: Feminisim and Science. 1903, p. 3

„No, Mister Möbius, women are not weak, not inferior, not ‚physiologically idiotic‘, but women are ailing – they suffer too much from the rule of the male sex.“ Ibidem, p. 18

Elberskirchen died in 1943, ten years after the National Socialst Party made it impossible for her to do political work. Her life partner Hildegard Moniac died in 1967 and a few years later, in 1975, Elberkirchen’s urn is supposed to secretly have been brought into Moniac’s burial site. In 2003 the now shared burial site was put under state’s protection in an formal memorial event.

3. April 2017

14/2017: Flora Tristan, 7.4.1803

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Flora Tristan

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Die Tochter eines peruanischen Adligen und einer Französin, in Paris geboren, kam nur in den ersten vier Jahren ihres Lebens in den Genuss eines aristokratischen Lebensstiles. Nachdem ihr Vater starb, verblieb sie mit der Mutter in einfachsten Verhältnissen und musste mit 15 Jahren in einer Graveurwerkstatt arbeiten. Drei Jahre später heiratete sie aus „Vernunftgründen“, also aus wirtschaftlicher Not, ihren Arbeitgeber, André Chazal. Dieser entpuppte sich als brutaler und skrupelloser Gewalttäter; als sie ihn vier Jahre später verließ, hatte sie allerdings unter dem napoleonischen Code civil kein Recht auf eine Scheidung, und so war sie es, die sich in den folgenden Jahren mit ihren drei Kindern vor dem rachedurstigen Ehemann und der Justiz verborgen halten musste. Ihre zwei Söhne starben in dieser Zeit, die Tochter Aline (die später Mutter von Paul Gauguin werden sollte) konnte sie mit einer Tätigkeit als Reisebegleiterin ernähren.

Zu ihrem 30. Geburtstag schließlich nahm Tristan mit ihrer Tochter die Reise nach Peru auf, wo sie in Arequipa, der Geburtsstadt ihres Vaters, auf eine Vereinigung mit dieser Seite ihrer Familie hoffte. In dem von der frisch erlangten Unabhängigkeit bewegten Land lebte sie in der aristokratischen Welt ihrer Familie, strebte jedoch aufgrund ihrer eigenen Lebensgeschichte immer wieder nach den Begegnungen mit dem Gegensatz, mit den Sklaven, den Armen und Arbeitern. Wenn sie jemals eine Chance auf ihr Erbe gehabt hatte, verspielte sie es sich mit ihrer Solidarität mit den Unterdrückten endgültig. So musste sie zwar unverrichteter Dinge nach Frankreich zurückkehren, doch aus ihren Erfahrungen entstand ihr erstes Buch „Pérégrinations d’une paria“, in etwa „Wanderungen einer Ausgestoßenen„.

Bevor Tristan sich jedoch ganz ihrer schriftstellerischen und politischen Ambition widmen konnte, musste sie zunächst noch eine familiäre Tragödie überstehen: Ihr Mann begann wiederum, sie zu verfolgen. Er entführte die gemeinsame Tochter und bekam zunächst auch das Sorgerecht zugesprochen – Aline schrieb ihrer Mutter jedoch heimlich und erzählte von inzestuösen Übergriffen. Tristan verklagte ihren Mann und erhielt selbst das Sorgerecht, doch gewalttätige Ehemänner nehmen Kontrollverlust nicht einfach hin. In diesem Fall griff  der Mann zur Waffe und schoss auf die Mutter seiner Kinder – sie überlebte den Anschlag, doch litt zeitlebens an den Folgen einer Schussverletzung in der Schulter. Immerhin war der Sadist enttarnt und wurde zu Deportation und 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt; Tristan wurde endlich rechtskräftig geschieden.

In den letzten sechs Jahren ihres Lebens schrieb Tristan weitere vier Bücher und mehrere Reiseberichte und Reportagen. Sie führte die Gedanken anderer utopischer Sozialisten wie Charles Fourier (mit dem sie persönlich bekannt war) und Henri de Saint-Simon zusammen mit der Idee, dass die Befreiung der Arbeiterklassen nicht ohne die Gleichberechtigung der Frau zu erreichen sei. Sie führte die Idee einer Arbeiterunion ein, in der die Arbeiter sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam Interessen verfolgen; dabei betonte sie immer die Notwendigkeit, die Frauen den Männer gleichwertig zu betrachten. Ihr Glaube, dass die Emanzipation der Frau den Klassenkampf erleichtern und beschleunigen würde, legte unter anderem die Basis für die Bewegung des Feminismus. 40 Jahre vor Friedrich Engels verglich sie die Beziehung zwischen Frau und Familie mit der zwischen Bourgeoisie und Proletariat: „Selbst der unterdrückteste Mann findet noch jemand, den er unterdrücken kann, seine Frau: sie ist das Proletariat des Proletariats.“ Doch angesichts der Veränderungen, die die französische Revolution im vergangenen Jahrhundert mit sich gebracht hatte, sah sie der Zukunft hoffnungsvoll entgegen: „Was mit dem Proletariat geschehen ist, darüber muss man sich einig sein, ist ein gutes Omen für Frauen, wenn ihr ‚1789‚ ausgeläutet wird.“

Ihre politische Arbeit wurde von der konservativen Presse mit Hohn verfolgt, bei ihren Vortragsreisen durch Frankreich, um die Arbeiter zu organisieren, wurde sie bespitzelt und gegängelt. Mit 41 Jahren starb sie an Typhus (TW Bild).

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The daughter of a Peruvian aristocrat and a Frenchwoman, born in Paris, the had the pleasure of an aristocratic lifesyle for the first four years of her life only. After her father died, she remained in narrow circumstances with her mother and had to take up work in an engraver’s shop at 15 years old. Three years later she married her employer, André Chazal, out of convenience, meaning economic necessecity. Her husband turned out to be a brutal and ruthless thug; when she left him four years later, under the Napoleonic Code she nonetheless was not entitled to a divorce, and so it was her who with her three kids had to stay in hiding from the revengeful husband and the law in the following years. Her two sons died during that time, the daughter Aline (who later gave birth to Paul Gauguin) was fed through Tristan’s work as a travel companion.

For her 30th birthday at last, Tristan along with her daughter took upon herself the journey to Peru , where she hoped to be reunited with her paternal family in Arequipa, her father’s birthtown. In the country that was moved by its recently achieved independence, she lived in the aristocratic world of her family, but because of her own history, she frequently sought out the encounter with the opposite, the slaves, the poor and the workers. If she had ever had any chance on her inheritance, she gambled it away with her solidarity with the oppressed. Thus she had to return to France without having achieved her goal, but from her experiences she wrote her first book, „Peregrinations of a paria“.

Before Tristan could fully devote herself to her literary and political work, she had to weather one more familial tragedy: Her husband took it up yet again to haunt her. He abducted their daughter and was granted custody to begin with – yet, Aline secretly corresponded with her mother and told of incestuous assaults. Tristan sued her husband and was granted custody in turn, but abusive husband don’t take kindly to loss of control. In this case, her husband went for the gun and shot at the mother of his children – she survived the attack, but suffered from the consequences of a gunshot to her shoulder for the rest of her life. For all that, the sadist was exposed and sentenced to deportation and 20 years of hard labour; Tristan was after all lawfully divorced.

In the last six years o her life, Tristan wrote four more books and several travelougues and commentaries. She combined the thoughts of other Utopian Socialists such as Charles Fourier (with whom she was personally acquainted) and Henri de Saint-Simon with the idea that the liberation of the working classes was not achievable without equality for women. She introduced the idea of a workers‘ union, in which the workers would support each other and prosecuted shared interests; meanwhile stressing the necessity of viewing women as equals to men. Her belief that the emancipation of women would facilitate and expedite the class struggle laid the basics of feminism. 40 years earlier than Friedrich Engels, she compared the relationship between woman and family with the one between bourgeoisie and proletariat: „The most oppressed man finds a being to oppress, his wife: she is the proletarian of the proletarian.“ Still, in view of the changes that the French Revolution had brought upon, she looked forward with hope: „What happened to the proletariat, it must be agreed, is a good omen for women when their ‚1789‚ rings out.“

Her political work was mocked by the conservative press, during her lectures given throughout France to move the workers to unionise she was spied on and harassed. She died of typhus (TW graphic images) with 41 years of age.

20. März 2017

12/2017: Matilda Joslyn Gage, 24.3.1826

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Matilda Joslyn Gage

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Matilda Joslyn Gage war eine amerikanische Frauenrechtlerin, die mehrere Bücher zu den umgebenden Themen der Frauenbewegung veröffentlichte, etwa zur Trennung von Staat und Kirche und zu den Rechten der amerikanischen Ureinwohner. Ihre liberalen und inklusiven Ansichten verbreitete sie unter anderem auch in ihrer Zeitschrift The National Citizen and Ballot Box.

Als sich 1890 die zwei größten, konservativ-christlich motivierten Frauenrechtsorganisationen NWSA und AWSA zu NAWSA zusammenschlossen, waren sie geeint in dem Bestreben, das Frauenwahlrecht zu erlangen, weil die weibliche Mäßigung die Politik beeinflussen und christliche Werte einbringen sollte. Gage war weder mit der einseitigen Priorität des Frauenwahlrechts noch mit dem Wunsch nach christlicher Einflussnahme einverstanden und gründete die Woman’s National Liberal Union.

Matilda Joslyn Gage hatte stets mehr als Frauenwahlrecht im Blick, ihre Ziele waren grundsätzlicherer und umfassender Natur. Für ihren Einsatz für die Rechte der Haudenosaunee, bei denen sie gelebt hatte und deren Gesellschaftsform sie als Beispiel für ein Matriachat studiert hatte, wurde sie in deren Rat der Mütter aufgenommen.

In ihrem Essay Die Frau als Erfinderin (1870) beschrieb sie einen Effekt, der 1993 von der Wissenschaftshistorikerin Margaret W. Rossiter nach ihr benannt wurde: dass die Erkenntnisse und Errungenschaften von Frauen in Wissenschaft und Forschung entweder an den Rand gedrängt, heruntergespielt und/oder im Laufe der Zeit männlichen Kollegen zugeschrieben werden. Bekannteste Beispiele hierfür sind Marie Curie, Lise Meitner und Rosalind Franklin.

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Matilda Joslyn Gage was an American suffragette who published several books on the surrounding topics of the women’s movement, e.g. on the separation of church and state and on the rights of Native Americans. She spread her liberal and inclusive opinion in her paper The National Citizen and Ballot Box, among other publications.

When in 1890 two of the largest women’s rights organisations with conservative Christian motivations, the NWSA and the AWSA, merged to form the NAWSA, they were united in their effort for women’s right to vote because the feminine temperance was supposed to influence politics and install Christian values. Gage did not agree with the singular priority of voting rights nor with the desire for Christian influence, and founded the Woman’s National Liberal Union.

Matilda Joslyn Gage always had her sights on more than voting rights, her goals were of a more fundamental and global nature. For her support of the Haudenosaunee’s struggle, with whom she had lived to study their society as an example of the matriarchy, she was admitted to their Council of Matrons.

In her essay Woman as Inventor (1870) she described an effect that in 1993 was named after her by science historian Margaret W. Rossiter: how discoveries and achievements of women in science and research are either marginalised, downplayed and/or attributed to their male colleagues over time. Wellknown examples for this are Marie Curie, Lise Meitner and Rosalind Franklin. *

The Gage Home – The Matilda Joslyn Gage Foundation

 

13. März 2017

11/2017: Emilie Kempin-Spyri, 18.3.1853

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Emilie Kempin-Spyri

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Als die Nichte der Heidi-Autorin Johanna Spyri im Jahr 1887 als erste Frau in der Schweiz zur Doktorin der Rechte promovierte, galten Frauen dort leider noch nicht als Bürger – der Begriff „Schweizer“, der die Inhaber von Aktivbürgerrechten beschrieb, meinte nur die Männer. Emilie Kempin-Spyris Vorschlag, dass das generische Maskulinum auch die weibliche Bevölkerung umfassen sollte, wurde als „ebenso neu wie kühn“ abgelehnt. Sie konnte also in ihrer Heimat weder als Anwältin praktizieren noch an der Universität dozieren, daher wanderte sie nach New York aus. Dort arbeitete sie nicht nur als Anwältin, sondern gründete auch eine Rechtsschule für Frauen.

Ihr Mann litt jedoch unter starkem Heimweh und kehrte mit den gemeinsamen Kindern nach Zürich zurück, Emilie folgte ihm bald darauf. Sie konnte aber in der Kanzlei ihres Mannes nur beratend tätig sein, sie stellte also erneut ein Habilitationsgesuch an die Universität. Es wurde ihr daraufhin lediglich gestattet, einige Stunden in der Woche zu unterrichten, gegen ein so geringes Gehalt, dass es nicht zum Leben reichen konnte. Unter diesen Umständen und aufgrund der scheiternden Ehe schrieb sie sich zunächst als Hörerin an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität ein, nach einigen Jahren zog sie ganz nach Berlin und unterrichtete dort. Kurz darauf allerdings musste sie den ständigen Kampf um die Anerkennung als Juristin ganz aufgeben; sie wurde in eine Heilanstalt eingewiesen und später entmündigt. Mit 48 Jahren starb sie verarmt in einer psychiatrischen Anstalt an Gebärmutterkrebs.

Immerhin führten ihre Bemühungen dazu, dass noch zu ihren Lebzeiten in Zürich das Anwaltsgesetz hinsichtlich der Arbeitsrechte für Frauen reformiert wurde – sie hatte selbst nichts mehr davon und erst im Jahr 1923 war diese Reformation bundesweit umgesetzt.

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When the niece of Heidi-author Johanna Spyri graduated as the first woman in Switzerland to be a doctor of law, unfortunately women did not count as citizens there yet – the words „Swiss citizen“, describing the proprietors of active citizen’s rights, only meant „men“. Emilie Kempin Spyri’s proposal that the generic masculinum (masculine versions of words referring to persons of all genders) should include women was rejected as „as novel as audacious“. She therefore could neither practice as a lawyer nor teach at university, so she emigratd to New York. There she not only worked as a lawyer but founded a law school for women.

Her husband though suffered from severe homesickness and returned to Zurich with their kids, Emilie followed him soon after. Alas, in his law firm she could only function as a councellor, so she petitioned for habilitation at the university again. She was then only allowed to teach a few hours per week, for a salary that was less than a living. Under these circumstances and with her marriage failing, she enrolled at Friedrich-Wilhelm-University in Berlin as a student at first, a few years later she moved to Berlin completely to teach there. Shortly after she had to give up her constant struggle for acceptance as a lawyer; she was committed to a sanatorium and later placed under disability. At 48 years old she died, impoverished in a psychiatric institute, of uterine cancer.

At least her efforts led to a reform of the attorney’s statute in Zurich during her lifetime in regards of women’s right to work – she did not profit of that herself and it was only in 1923 that this reform was carried out in the whole of Switzerland.

Emilie Kempin-Spyri – film

6. März 2017

a day without a woman

wer seine solidarität mit den frauen in den USA bzw. mit allen frauen der welt und ihrer noch immer benachteiligten lage in vielen aspekten des lebens zeigen möchte, kann am mittwoch, den 8. märz, am Day Without A Woman mitmachen. nicht arbeiten, nicht einkaufen oder wenn, dann bei lokalen, von frauen geführten kleinunternehmen, oder als zeichen der gedanklichen teilnahme, etwas rotes tragen.

ich werde nach möglichkeit alles drei tun.

20. Februar 2017

08/2017: Lydia Becker, 24.2.1827

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Lydia Becker

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Die englische Nachfahrin deutscher Einwanderer (ihr Großvater war Thüringer) in pflegte im privaten Unterricht zu Hause ihre Leidenschaft für die Biologie und Astronomie. Sie veröffentlichte mit 37 Jahren ein Buch, „Botanik für Anfänger“, und stand in regem Kontakt mit Charles Darwin. Erste Schritte in die Suffragetten-Bewegung machte sie bereits mit der Gründung einer Ladies‘ Literary Society in Manchester; auch in ihrem besonderen Interesse an zwei- oder wechselgeschlechtlichen Pflanzen lässt sich ihre Haltung zur „natürlichen Rangordnung der Geschlechter“ erkennen.

1866 begann sie sich nach einer Versammlung der National Association for the Advancement of Social Science für die Erringung des Stimmrechts der Frauen zu begeistern. Mit der Gründung des Committees „Manchester National Society for Women’s Suffrage“ war sie eine der ersten, die die politische Frauenbewegung in Gang setzte. Einige Monate später wusste sie einen administrativen Fehler für ihre Ziele zu nutzen: eine verwitwete Ladeninhaberin war fälschlicherweise im Wählerregister eingetragen worden. Becker holte die Dame ab und begleitete sie zur Wahlstation, wo der eingetragenen Wählerin die Stimmabgabe gestattet wurde. Aus diesem Fall wusste Becker ein Exempel zu statuieren, sie begann damit den Kampf um das Frauenwahlrecht, wenn auch zunächst mit einigen Niederlagen.

Becker gründete das Women’s Suffrage Journal mit ihrer Freundin Jessie Boucherett und beeindruckte bei einem Auftritt in Manchester die junge Emmeline Pankhurst. Sie setzte sich für den Rest ihres Lebens für gleichberechtigte, nicht geschlechtsspezifische Bildung und das Frauenwahlrecht ein, bis zu ihrem Tod an Diphterie (TW Bild) 1890. Erst 1928 errangen ihre Mitstreiterinnen und Nachfolgerinnen das allgemeine Frauenwahlrecht in Großbritannien.

Link: Frauenwahlrecht in Deutschland

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The British descendant of German immigrants (her grandfather was a Thuringian) cultivated her passion for biology and astronomy in homeschooling. At 37 years old, she published a book, „Botany for Novices“, and was in brisk correspondence with Charles Darwin. She took her first steps in the direction of the Suffragettes with the founding of a Ladies‘ Literary Society in Manchester; her special interest in bisexual and hermaphroditic plants also reflects her stance on a „natural hierarchy of sexes“.

In 1866, after a meeting of the National Association for the Advancement of Social Science, she became enthusiastic for the voting rights for women. Founding the Manchester Women’s Suffrage Committee, she was one of the first to set in motion the women’s political movement. Some months later she was able to use a slip-up in administration for her goals: a widowed shop owner had been wrongly entered in the voters‘ register. Becker picked the lady up to accompany her to the polling station, where the registered female was granted her vote. Out of this case Becker knew to make a case, she advanced the struggle for women’s voting rights, though with several defeats in the early years.

Becker along with her friend Jessie Boucherett founded the Women’s Suffrage Journal and impressed the young Emmeline Packhurst during an appearance in Manchester. For the rest of her life, she fought for equal opportunity, non-gendered education and women’s right to vote, until her death of diphtheria (TW images) in 1890. In 1928 only her combattantes and followers won the case for general voting rights for women.

Link: Woman Suffrage Memorabilia

 

23. Januar 2017

04/2017: Marguerite Durand, 24.1.1864

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Marguerite Durand

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Eigentlich Schauspielerin und Mitglied der Comédie-Français, gab Marguerite Durand mit 24 Jahren für die Ehe mit einem politisch engagierten Anwalt ihre Karriere auf. Als die Ehe nach nur drei Jahren wieder geschieden wurde, nahm Marguerite zumindest als Gewinn mit, dass sie nun eine völlig neue Karriere im politischen Journalismus antreten konnte.

Für ihren ersten Arbeitgeber, Le Figaro, sollte sie als quasi kritische Stimme von innen einen Artikel über den Internationalen Feministinnen-Kongress 1891 schreiben. Stattdessen nahm sie von diesem Auftrag soviel mit, dass sie im Folgejahr selbst die feministische Tageszeitung La Fronde gründete. Die Zeitung wurde alleine von Frauen betrieben und setzte sich für die Gleichberechtigung der Frauen in den unterschiedlichsten Bereichen ein.

1900 organisierte Durand den Kongress für die Rechte der Frauen auf der Weltausstellung, später half sie vor allem den Rechten arbeitender Frauen mit der Gründung mehrerer Gewerkschaften.

Besondere Bekanntheit in Europa allerdings errang die Feministin mit ihrem Einsatz für die Gründung eines Haustierfriedhofs in Paris, auf dem ihr eigener zahmer Löwe namens Tiger beerdigt wurde. Mit ihrem Zeitungsarchiv, das sie im Lauf ihres Lebens aufgebaut hatte, wurde 1932 Marguerite-Durand-Bibliothek gegründet, die noch heute eine wichtige Quelle zum Thema Feminismus darstellt.

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Starting as an actress and member of the Comédie Français, Marguerite Durand gave up her career at the age of 24 for the marriage to a young lawyer with political ambitions. When the marriage was divorced only three years later, Maguerite had at least gained the possibility to start a completely new career in political journalism.

For her first employer, Le Figaro, she was supposed to write an article on the International Feminist Congress, basically as the critical voice from within. Instead she took away so much from this commission that she founded the daily feminist newspaper La Fronde in the following year. The newspaper was solely run by women and advocated the equality of women in a variety of areas.

In 1900, Durand set up the Congress for the Rights of Women at the World’s Fair in Paris, later she supported mainly the rights of working women by helping to organise several trade unions.

However, the feminist gained the largest publicity with her efforts to found a pet cemetery in Paris, where her own tame lion by the name of Tiger was laid to rest. With her archive of newspapers, which she had accumulated over the course of her life, the Bibliothèque Marguerite Durand was founded, an important source on the topic of feminism to this day.

3. Oktober 2016

KW 40/2016: Marie de Gournay, 6. Oktober 1565

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Marie de Gournay

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Als ältestes von sechs Kindern des königlichen Schatzmeisters wurde Marie de Gournay zwar der offizielle Zugang zu Bildung versagt, sie brachte sich selbst jedoch in der Bibliothek ihres Vaters Latein und Griechisch bei, soweit, dass sie später als gebildetste Frau ihrer Zeit galt.

Von Michel de Montaignes Essais begeistert, entwickelte sie erst eine Brieffreundschaft zu ihm, aus der bald ein Besuch bei ihm in Paris zustande kam, was wiederum zu einer alles außer offiziellen Adoption der jungen Frau durch den Philosophen  führte. Sie wurde zur Verwalterin seines literarischen Nachlasses und von seiner Witwe erhielt sie den Auftrag, die dritte Auflage seiner Essays zu veröffentlichen.

De Gournay fand viele Freunde und Befürworter im Adel und in wissenschaftlichen Kreisen: Justus Lipsius stellte sie in ganz Europa als gebildete Frau vor, sie schrieb für die Königinnen von Frankreich Margarete von Valois und Maria de’Medici, sowie für deren beider Mann Heinrich IV und den nachfolgenden König Ludwig XIII. Dennoch oder gerade deswegen sah sie sich auch harscher Kritik ausgesetzt – eher an ihrer Person, doch auch ihrer Arbeit, wobei letzteres auch eher Gründe vornehmlich in ihrem Geschlecht als ihrer tatsächlichen Tätigkeit hatte.

Sie übersetzte Werke mehrerer Philosophen ins Französische und schrieb selbst über Philosophie, Moral, Theologie und zum Thema der Frauenrechte, weshalb sie als eine der Mütter des Feminismus gilt. Am Höhepunkt der Hexenverbrennungen in Europa verwies sie auf die systematische Unterdrückung der Frauen durch die Verweigerung von Bildung: „Frauen sind das Geschlecht, dem man alle Güter versagt […] um ihm als einziges Glück und ausschließliche Tugend die Unwissenheit, den Anschein der Dummheit und das Dienen zu bestimmen.“

Zum Zeitpunkt ihres Todes mit 79 Jahren hatte sie 1.000 Seiten Material geschrieben – als Autodidaktin. Sie gilt heute als erste weibliche Literaturkritikerin und erste Person, die für die Gleichberechtigung von Mann und Frau argumentierte.

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Von 114 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 7 (inklusive Gertrud von Altenberg) Frauen:

4.10.1585 Anna von Österreich-Tirol
5.10.1640 Françoise-Athénaïs de Rochechouart de Mortemart, marquise de Montespan
5.10.1658 Maria Beatrice d’Este
7.10.1675 Rosalba Carriera
9.10.1772 Mary Tighe
9.10.1791 Amalie Schoppe

8. August 2016

KW 32/2016: Théroigne de Méricourt, 13. August 1762

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Théroigne de Méricourt

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Théroigne de Méricourt ist ein bisschen das Gegenmodell zu Charlotte Corday; zumindest stand sie politisch die meiste Zeit auf der anderen Seite.

Nach einem recht bewegten jungen Leben in Frankreich und England, während dessen sie einige Tätigkeiten erlernte und eine hochdotierte Schenkung eines abgewiesenen Freiers entgegennahm, kam sie 1785 nach Paris und wurde unter aktiver Teilnahme in die Wirren der französischen Revolution verstrickt. Sie schloss sich den Jakobinern an, entgegen mancher Behauptungen jedoch nahm sie nach eigenen Angaben weder am Sturm auf die Bastille noch am Marsch nach Versailles mit den Poissarden teil. Statt dessen lebte sie in Versailles, wo sie eine politische Gesellschaft, den „Klub der Menschenrechte“, gründete und sich in Männer-Reiterkleidung zeigte. Allein dies und ihre Unterstützung für gemischt-geschlechtliche und weibliche Patriotenvereine ließen sie in der damaligen Zeit fragwürdig und „lose“ erscheinen. Die Presse hetzte gegen sie und streute Gerüchte, außerdem wurde schließlich ein Haftbefehl gegen sie erlassen, sodass sie 1790 in ihre Heimat Lüttich floh; dort wurde sie von der kaiserlichen österreichischen Polizei festgenommen und ein Jahr in Kufstein in Tirol inhaftiert gehalten. Der Gefängnisaufenthalt hatte verheerende Auswirkungen auf ihre körperliche und geistige Gesundheit, unter denen sie den Rest ihres Lebens litt. Als klar wurde, dass sie mitnichten eine der Anführerinnen der Revolution war, entließ man sie nach Wien, wo sie ein weiteres Jahr lebte, bevor sie 1792 nach Paris zurückkehrte.

Während dieses zweiten Aufenthaltes in Paris wurde sie wegen ihrer Hafterfahrung als Heldin der Revolution gefeiert und war nun tatsächlich am Tuilleriensturm beteiligt. Sie erhielt die Bürgerkrone und sprach vor der Nationalversammlung und der Versammlung der Jakobiner von ihrer Zeit im Gefängnis. In dieser Zeit wurde sie als „Amazone der französischen Revolution“ bekannt, weil sie lautstark für das Recht der Frauen auf Bewaffnung eintrat. Sie näherte sich allerdings politisch stärker den Girondisten an, was ihr zum Verhängnis wurde: Am 15. Mai 1793 wurde sie von mehreren Frauen der Sansculotten-Bewegung (die den Jakobinern nahestanden) angegriffen, entkleidet und von Schlägen schwer am Kopf verletzt. Es war der Jakobiner Jean-Paul Marat, der ihr zu Hilfe eilte und zunächst das Leben rettete. Doch dieser Anschlag bedeutete das Ende ihrer politischen Aktivität, da sie nun unter Schmerzen und den seelischen Folgen der Attacke litt. Ihr Verhalten wurde unberechenbar und im September des Folgejahres, 1794, wurde sie in eine Anstalt eingeliefert, in der sie die letzten 23 Jahre ihres Lebens verbrachte.

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Von 216 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 34 (inklusive Théroigne de Méricourt) Frauen:

10.8.1439 Anne of York
14.8.1473 Margaret Pole, 8. Countess of Salisbury
10.8.1520 Madeleine von Frankreich
10.8.1549 Katharina von Brandenburg-Küstrin
12.8.1566 Isabella Clara Eugenia von Spanien
11.8.1582 Sabina Catharina
12.8.1591 Luise von Marillac
10.8.1597 Charlotte Louise von Hanau-Münzenberg
12.8.1629 Isabella Clara von Österreich
8.8.1646 Eleonore Charlotte von Sachsen-Lauenburg
12.8.1646 Luise Elisabeth von Kurland
12.8.1651 Margarita Theresa von Spanien
10.8.1658 Susanna Maria von Sandrart
11.8.1660 Henrietta Wentworth, 6. Baroness Wentworth
11.8.1667 Anna Maria Luisa de’Medici
9.8.1669 Jewdokija Fjodorowna Lopuchina
12.8.1674 Maria von Lothringen
12.8.1676 Dorothea Friederike von Brandenburg-Ansbach
12.8.1704 Karoline von Nassau-Saarbrücken
11.8.1706 Marie-Auguste von Thurn und Taxis
14.8.1727 Anne Henriette de Bourbon
14.8.1727 Marie Louise Élisabeth de Bourbon
11.8.1730 Charlotte Amalie von Hessen-Philippsthal
11.8.1737 Augusta von Hannover
9.8.1738 Anna Pestalozzi
13.8.1743 Marie Elisabeth von Österreich
13.8.1752 Maria Karolina von Österreich
11.8.1763 Louise Eleonore zu Hohenlohe-Langenburg
9.8.1764 Caroline Auguste Fischer
12.8.1767 Friederike Leisching
14.8.1767 Christine Englerth
8.8.1768 Elisabeth Eleonore Bernhardi
13.8.1781 Betty Gleim
13.8.1792 Adelheid von Sachsen-Meiningen

9. Mai 2016

KW 19/2016: Maria Amoretti, 12. Mai 1756

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Maria Amoretti

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Kurz und knackig ist auch mal schön: Maria Amoretti wurde zunächst wegen ihres Geschlechtes an der Universität von Turin abgewiesen, studierte dann Jura an der Universität von Pavia  und schloss dort mit 21 Jahren als erste Frau Italiens mit Promotion ab. Sie verstarb bereits mit 31 Jahren, hinterließ aber eine Arbeit über die gesetzliche Regelung von Mitgiften, die von ihrem Verwandten Carlo Amoretti posthum veröffentlicht wurde.

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Von 190 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 12 (inklusive Maria Amoretti) Frauen:

11.5.1366 Anne von Böhmen
9.5.1427 Françoise d’Amboise
15.5.1450 Cimburga von Baden
14.5.1553 Margarete von Valois
14.5.1606 Agnes von Hessen-Kassel
10.5.1714 Sophie Charlotte Ackermann
13.5.1717 Maria Theresia
13.5.1742 Maria Christina von Österreich
10.5.1752 Amalie von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld-Bischweiler
12.5.1774 Friederike von Reden
13.5.1791 Emilie von Reichenbach-Lessonitz