Archive for ‘Mathematik-mathematics’

8. Mai 2017

19/2017: Inge Lehmann, 13.5.1888

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Inge Lehmann

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Inge Lehmann brauchte, wohl aufgrund äußerer und innerer Umstände, eine lange Zeit, um zu ihrer Berufung als Seismologin zu finden. Sie studierte ausgedehnt und von Phasen der beruflichen Tätigkeit unterbrochen Mathematik; die Schwierigkeiten, die einer Frau in einem männlich dominierten Umfeld begegnen, dürften nicht unerheblich zu ihren seelischen Problemen beigetragen haben, die sie vom Studium in die einträgliche und unauffällige Arbeit bei Versicherungsgesellschaften trieben.

Nachdem sie schließlich ihr Studium der Mathematik abgeschlossen hatte, arbeitete sie in der Geodäsie, wohin es sie durch die Arbeit mit dem Geodäten Nørlund verschlagen hatte.

Ihre Erkenntnis, dass der Erdkern nicht vollständig flüssig sei, sondern einen festen inneren Kern haben muss, veröffentlichte sie 1936 mit 48 Jahren in einem Artikel mit der Überschrift P‘ – denn sie war anhand des Studiums der P-Wellen auf Seismogrammen zu dieser Erkenntnis gekommen. Dies wurde recht bald von anderen Wissenschaftlern akzeptiert, fand aber erst weitere Verbreitung, nachdem die These 1971 mithilfe von Computern berechnet und bestätigt werden konnte.

Der Zweite Weltkrieg und einige persönliche Enttäuschungen führten zu einem unruhigen späteren Lebenslauf, immerhin jedoch führte dieser jedoch zur Entdeckung einer weiteren Diskontinuität, die dann auch nach Inge Lehmann benannt wurde.

Lieblingszitat:

Sie sollten wissen, mit wie vielen inkompetenten Männern ich konkurrieren musste – vergeblich.

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Inge Lehmann needed a long time, assumably due to inner and outer circumstances, to find her calling as a seismologist. Her study of math was prolinged and disrupted by times of working a job; the difficulties a woman meets in a male dominated field will  have been a negligible contribution to her mental helath issues, which drove her from her studies into a profitable and inconspicuous job at insurance companies.

After finishing her degreein math she worked in geodesy, to which she was brouht by her work with the geodesist Nørlund.

She published her finding that earth’s core is not completely liquid, but with a solid inner core, in 1936 at age 48 in an article headlined P‘ – because it was was her study of P-waves on seismograms that led her to it. Other scientists accepted it quite quickly, but it only found wider distribution after the theory was calculated and proven with the help of computers in 1971.

World War II and several personal disappointments led to a restless course of life later on, at least though it brought her to the discovery of another discontinuity which sure enough was named after Inge Lehmann.

Favourite quote:

You should know how many incompetent men I had to compete with – in vain.

12. Dezember 2016

KW 50/2016: Émilie du Châtelet, 17. Dezember 1706

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Émilie du Châtelet

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Die Tochter eines Angestellten am Hof König Ludwigs XIV. erhielt eine klassische Bildung und bewegte sich schon in ihrer Jugend in adligen und intellektuellen Kreisen. Ihre Verheiratung mit einem 12 Jahre älteren Adligen in ihrem 18. Lebensjahr war gängige Praxis zu ihrer Zeit und bedeutete für Émilie nur, dass sie diesen Teil des Lebens, der von Frauen erwartet wurde, rasch abwickeln konnte, um sich ihren wahren Interessen zu widmen. Sie lebte fünf Jahre mit ihrem Mann in dessen Gouverneursbezirk und gebar ihm dort drei Kinder. Nachdem sie ihre ehelichen Pflichten erfüllt hatte, kehrte sie nach Paris zurück und lebte von da an als unabhängige Frau. Finanziell abgesichert vom Vater ihrer Kinder, moralisch im Rahmen der erwarteten Diskretion unbehelligt, pflegte sie ein paar kurzfristige Affären und ihr Interesse an der Philosophie und Physik, die zu diesem Zeitpunkt noch eng miteinander verwandt waren; manchmal war beides ein und dasselbe.

Nachdem sie Verbindungen mit zwei Mathematikern eingegangen und beendet hatte, lernte sie Voltaire kennen (einen Philosophen, der Frauen viel zu verdanken hatte und sie zu schätzen wusste). Kurz darauf musste er Paris aufgrund eines gegen ihn erlassenen Haftbefehls verlassen (die Autoritäten stießen sich an seiner Kritik der herrschenden Zustände) und Émilie bot ihm an, sich auf ein altes, kleines Schlösschen im Besitz ihres Mannes in Cirey zurückzuziehen. Als klar wurde, dass Voltaire nicht so bald würde zurückkehren können, verlegte auch Émilie ihren Lebensmittelpunkt in die Champagne und lebte, forschte und schrieb dort an der Seite ihres Freundes. Sie brachte die gesellschaftliche Sicherheit und die Immobilie, Voltaire das finanzielle Vermögen in die Verbindung ein und gemeinsam machten sie aus dem Schlösschen in Cirey ein Liebesnest mit Forschungsstation, Bibliothek und Theater, in dem Stücke aus seiner Feder gespeilt wurden.

Émilies Lebenswerk war es, Newtons Philosophiae Naturalis Principia Mathematica aus dem Latein ins Französische zu übersetzen. Anfänglich in Zusammenarbeit mit dem Mathematiker Alexis-Claude Clairaut, später im Alleingang legte sie nicht nur durch die sprachliche Zugänglichkeit den Grundstein dafür, dass Newtons Physikphilosophie in Europa bekannt wurde, sie übertrug auch seine mathematische Argumentation in die gängigere Form, wie sie Leibniz entwickelt hatte.

Auch in anderen Gebieten der Aufklärung war Émilie du Châtelet tätig. Sie schrieb eine Abhandlung über die Natur des Feuers, als Bewerbung um einen Preis, den die Akademie der Wissenschaften ausschrieb – sie gewann den Preis zwar ebensowenig wie Voltaire, der sich parallel bemühte, doch wurde ihre Abhandlung auf Kosten der Akademie gedruckt. Sie beschäftigte sich mit dem Thema der kinetischen Energie, mit der Physik, den weiterführenden Themen der Metaphysik (etwa mit der „denkenden Materie“ oder der Frage, wie das Böse in die Welt kam) und der Religionskritik im Sinne der Aufklärung. Ach mit der Frage nach dem Glück beschäftigte sie sich, ihre Auffassung kann am ehesten als epikuräische verstanden werden: dass das Glück vor allem durch das richtige Maß entsteht, der Dinge, die man genießt und derer, die fordern. Besonders für Frauen – denen der Zugang zu Bildung und einem unabhängigen Leben nicht so selbstverständlich war wie Männern – sah sie das Glück in der Gelehrsamkeit.

Den Begriff des Feminismus gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht, doch auch, wenn sich Émilie du Châtelet an die Konventionen hielt: die Art, wie sie die größtmögliche Freiheit und Unabhängigkeit lebte, die Frauen geboten wurde, ihr Forscherdrang, ihre Intelligenz und ihr kritischer Geist, vor allem aber die Weigerung, sich wegen ihres Geschlechts daran hindern zu lassen, ihr persönliches Glück zu verfolgen, macht sie zu einer frühen Vorreiterin des Feminismus, in jedem Fall zu einem Vorbild.

Als Voltaire wieder in Gnade am französischen Hof kam, lebte sie einige Zeit mit ihm in Versailles. Dann ging sie noch einige Zeit in Lothringen, wo sie nochmals eine andere Affäre einging – von dieser wurde sie schwanger, überzeugte jedoch unterstützt vom ehemaligen und aktuellen Geliebten ihren Ehemann, das Kind sei von ihm. Sie arbeitete ununterbrochen, um vor der Niederkunft ihre Übersetzung Newtons fertigzustellen. Noch in der Nacht der Niederkunft muss sie am Schreibtisch gesessen haben; diese Geburt jedoch bedeutete ihr Ende. Sie starb 43jährig am Kindbettfieber, ihre jüngste Tochter wurde ebenfalls keine zwei Jahre alt.

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Von 136 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 12 (inklusive Émilie du Châtelet) Frauen:

15.12.1485 Katharina von Aragòn
12.12.1574 Anna von Dänemark
17.12.1626 Christina von Schweden
17.12.1638 Anna Sophia von Hessen-Darmstadt
12.12.1716 Leopoldine Marie von Anhalt-Dessau
18.12.1718 Anna Leopoldowna
17.12.1734 Maria I. von Portugal
12.12.1761 Marie Tussaud
16.12.1775 Jane Austen
13.12.1779 Sophie Barat
12.12.1791 Marie-Louise von Österreich

16. Mai 2016

KW 20/2016: Maria Gaetana Agnesi, 16. Mai 1718

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Maria Gaetana Agnesi

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Maria Gaetana Agnesi ist ein Musterbeispiel dafür, dass Erfolg subjektiv ist und sich nicht unbedingt daran bemisst, alles zu tun, was man könnte.

Das Wunderkind Maria Gaetana, Tochter eines Textilkaufmanns/Mathematikprofessors (möglicherweise), war das älteste von insgesamt 21 Geschwistern und Halbgeschwistern. Sie hielt mit neun Jahren eine einstündige Abhandlung in lateinischer Sprache über die Rechte der Frau auf Bildung, sprach mit elf Jahren bereits sieben Sprachen und studierte mit 14 Ballistik und Geometrie. Ihr ehrgeiziger Vater gründete einen Bildungszirkel, in dem sie 15jährig regelmäßig philosophische Fragen diskutierte – diskutieren musste, obwohl sie kränklich und sehr schüchtern war. Nachdem eine strenge „Reit- und Tanzkur“ keinen Erfolg in ihrer Genesung von einer unbekannten Krankheit brachten, wurde es ihr erlaubt, kürzer zu treten. Als die Mutter starb, zog sie sich gerne in den Haushalt und die Erziehung ihrer Geschwister zurück. Der Vater heiratete noch zwei weitere Male und zeugte immer weitere Geschwister; er gestatte Maria Gaetana nicht, in ein Kloster zu gehen, respektierte ihre Wünsche aber soweit, dass sie sich von den gesellschaftlichen Auftritten zurückziehen un dder Forschung widmen durfte.

Mit 30 Jahren veröffentlichte sie ihre Grundlagen der Analysis, in denen sie unter anderem die Versiera der Agnesi diskutierte. Sie wurde daraufhin von Papst Benedikt XIV. zur Professorin an der Universität von Bologna berufen, unterrichtete dort jedoch nie, anders als ihre Zeitgenossin Laura Bassi. Stattdessen nutzte sie vier Jahre später die durch den Tod des Vaters gewonnene seelische Freiheit, sich von allen wissenschaftlichen Profilierungen abzuwenden und sich ganz ihrem geistlichen Streben zuzuwenden. Sie verfolgte nun ein Religionsstudium und wurde Wohltäterin für Arme und Kranke. Sie eröffnete eine Unterkunft für Obdachlose und mit 53 Jahren schließlich ein Seniorenheim für Frauen, in dem sie ein Leben ähnlich der dort arbeitenden Nonnen führte. Dieses Heim unterstand ihr bis zu ihrem Tod mit 81 Jahren.

Obwohl ihr alle Türen zu einem berühmten, angesehenen und vielleicht sogar reichen Leben offen standen, fang Maria Gaetana Agnesi ihr Glück im Bescheidenen, darin, anderen zu helfen. Der wirklich Erfolg kam für sie erst, als sie sich von den Erwartungen des Vaters gänzlich lösen konnte und ihren eigenen Vorstellungen folgen konnte.

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Von 109 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 9 (inklusive Maria Gaetana Agnesi) Frauen:

16.5.1696 Franziska Christine von Pfalz-Sulzbach
20.5.1754 Elisa von der Recke
20.5.1770 Anna Emilie von Anhalt-Köthen-Pleß
19.5.1771 Rahel Varnhagen von Ense
18.5.1777 Auguste Charlotte von Kielmannsegge
21.5.1780 Elizabeth Fry
21.5.1788 Katharina Pawlowna
21.5.1799 Mary Anning

9. April 2016

try to talk your way out of this, hollywood 

ugh. numbers confirming what so many have been saying for so long.

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3. August 2015

KW 32/2015: Shirley Ann Jackson, 5. August 1946

Shirley Ann Jackson

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Von der Forschungsarbeit und deren Erkenntnissen von Shirley Ann Jackson verstehe ich leider ausgesprochen wenig (was ich nicht auf mein Geschlecht schiebe, sondern auf eine stärkere Neigung zum Geisteswissenschaftlichen… wenn überhaupt, dann auf die leider gegenderten Lehrmethoden meiner STEM-Lehrer…).

Was ich aber verstehe, sind die Titel und Positionen, die sie als afro-amerikanische Frau innehat: erste afro-amerikanische Doktorin am MIT, zweite afro-amerikanische Doktorin in den Vereinigten Staaten, erste Frau, erster Mensch afro-amerikansicher Herkunft mit der Präsidentschaft über das Rensselaer Polytechnic Institute.

14. August 2014

Mathematikerin!!

Mit Maryam Mirzakhani ist gerade der ersten Frau (und der ersten Person aus dem Iran) die Field’s Medal verliehen worden.

Something’s moving.

18. März 2013

KW 12/2013: Emmy Noether, 23. März 1882

Emmy Noether

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Über Emmy Noehter zu schreiben, finde ich ebenso schwer wie notwendig. Schwer, weil ich wirklich nichts von dem Bereich der Mathematik verstehe, für den sie wichtig ist – und das ist keine Koketterie, ich weiß, dass ich mehr Mathematik verstehe und beherrsche als ich damals in der Schule glaubte (glauben gemacht wurde), allein schon wegen des Strickens. Nein, als es zu Algebra kam, hatte ich Mathematik als Fach aufgegeben, war nur noch körperlich anwesend, und müsste demzufolge einige Jahre Unterrich nachholen, um überhaupt zu begreifen, worüber Emmy Noether beim Frühstück nachgedacht hat.

Wichtig aber deswegen, weil sie nach heutiger allgemeiner Erkenntnis einer der wichtigesten Mathematiker überhaupt war – und die wichtigeste Mathematikerin mithin sowieso.

Von den Hindernissen und Fallstricken, die ihr als Frau (zunächst) und als Jüdin (später) in den Weg gelegt und gehängt wurden, unbeeindruckt, verfolgte sie ihr Interesse und ihr Talent für ihr Fach stetig, erfolgreich und von Männern anerkannt,  unterstützt und protégiert, deren Namen heute noch immer bekannter sind als ihrer: Albert Einstein, David HIlbert und Felix Stein (ja, ich kenne ihn nicht, aber ich bin ja auch sonst nicht auf dem Gebiet der Mathematik heimisch…!). Einstein sagte über sie, sie sei “ das bedeutendste kreative mathematische Genie seit der Einführung der höheren Bildung für Frauen“ gewesen. Mit dem Noether Theorem brachte sie zwei Gebiete der Mathematik und Physik zusammen in einer Erkenntnis, auf der – so habe ich es zumindest verstanden – unser gesamtes Verständnis der physikalischen Welt beruht. (Korrigiert mich, wenn ich Unsinn rede.) Grund genug, dass sie mehr Leuten als den Mathematikern bekannt gemacht wird.

Kleine Anekdote am Rande, die mir besonders gefällt: David Hilbert plädierte dafür, sie zur Habilitation zuzulassen, mit dem Argument „eine Fakultät sei doch keine Badeanstalt“ – eine der schönsten Formulierungen dafür, wann das Geschlecht eines Menschen gegebenenfalls eine Rolle spielen könnte und wann es dies in keiner Weise tut oder tun sollte.

Für die Interessenten am Noether Theorem – die mehr von der Materie an sich verstehen – hier ein paar „einfache Ausführungen“: von John Baez und auf scienceblogs.de. Schöne Texte über die Person Emmy Noether mit ein paar mehr Details und Zitaten einmal bei der NY Times und einmal auf Zeit Online.