Archive for ‘Biologie’

20. Februar 2017

08/2017: Lydia Becker, 24.2.1827

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Lydia Becker

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Die englische Nachfahrin deutscher Einwanderer (ihr Großvater war Thüringer) in pflegte im privaten Unterricht zu Hause ihre Leidenschaft für die Biologie und Astronomie. Sie veröffentlichte mit 37 Jahren ein Buch, „Botanik für Anfänger“, und stand in regem Kontakt mit Charles Darwin. Erste Schritte in die Suffragetten-Bewegung machte sie bereits mit der Gründung einer Ladies‘ Literary Society in Manchester; auch in ihrem besonderen Interesse an zwei- oder wechselgeschlechtlichen Pflanzen lässt sich ihre Haltung zur „natürlichen Rangordnung der Geschlechter“ erkennen.

1866 begann sie sich nach einer Versammlung der National Association for the Advancement of Social Science für die Erringung des Stimmrechts der Frauen zu begeistern. Mit der Gründung des Committees „Manchester National Society for Women’s Suffrage“ war sie eine der ersten, die die politische Frauenbewegung in Gang setzte. Einige Monate später wusste sie einen administrativen Fehler für ihre Ziele zu nutzen: eine verwitwete Ladeninhaberin war fälschlicherweise im Wählerregister eingetragen worden. Becker holte die Dame ab und begleitete sie zur Wahlstation, wo der eingetragenen Wählerin die Stimmabgabe gestattet wurde. Aus diesem Fall wusste Becker ein Exempel zu statuieren, sie begann damit den Kampf um das Frauenwahlrecht, wenn auch zunächst mit einigen Niederlagen.

Becker gründete das Women’s Suffrage Journal mit ihrer Freundin Jessie Boucherett und beeindruckte bei einem Auftritt in Manchester die junge Emmeline Pankhurst. Sie setzte sich für den Rest ihres Lebens für gleichberechtigte, nicht geschlechtsspezifische Bildung und das Frauenwahlrecht ein, bis zu ihrem Tod an Diphterie (TW Bild) 1890. Erst 1928 errangen ihre Mitstreiterinnen und Nachfolgerinnen das allgemeine Frauenwahlrecht in Großbritannien.

Link: Frauenwahlrecht in Deutschland

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The British descendant of German immigrants (her grandfather was a Thuringian) cultivated her passion for biology and astronomy in homeschooling. At 37 years old, she published a book, „Botany for Novices“, and was in brisk correspondence with Charles Darwin. She took her first steps in the direction of the Suffragettes with the founding of a Ladies‘ Literary Society in Manchester; her special interest in bisexual and hermaphroditic plants also reflects her stance on a „natural hierarchy of sexes“.

In 1866, after a meeting of the National Association for the Advancement of Social Science, she became enthusiastic for the voting rights for women. Founding the Manchester Women’s Suffrage Committee, she was one of the first to set in motion the women’s political movement. Some months later she was able to use a slip-up in administration for her goals: a widowed shop owner had been wrongly entered in the voters‘ register. Becker picked the lady up to accompany her to the polling station, where the registered female was granted her vote. Out of this case Becker knew to make a case, she advanced the struggle for women’s voting rights, though with several defeats in the early years.

Becker along with her friend Jessie Boucherett founded the Women’s Suffrage Journal and impressed the young Emmeline Packhurst during an appearance in Manchester. For the rest of her life, she fought for equal opportunity, non-gendered education and women’s right to vote, until her death of diphtheria (TW images) in 1890. In 1928 only her combattantes and followers won the case for general voting rights for women.

Link: Woman Suffrage Memorabilia

 

28. März 2016

KW 13/2016: Maria Sybilla Merian, 2. April 1647

Maria Merian, German naturalist

Maria Sybilla Merian

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Die „Mutter der Entomologie“ hatte ihre künstlerische Ausbildung und Karriere vor allem ihrem Stiefvater zu verdanken. Sie wurde als Tochter des Kupferstechers und Verlegers Matthäus Merian dem Älteren und seiner zweiten Frau Johanna Catharina Sybilla geboren; als sie drei Jahre alt war, starb ihr Vater, der bei ihrer Geburt bereits 53 Jahre alt gewesen war. Die Mutter heiratete erneut, dieses Mal den Blumenmaler Jacob Marrel, der zu Maria Sybillas Glück ihr Talent erkannte und ungeachtet der weniger fortschrittlichen Ambitionen der Mutter sie unterrichtete bzw. unterrichten ließ und förderte. Neben ihrem Erfolg als Kupferstecherin und Malerin frönte sie ihrem zugleich wissenschaftlichen wie ästhetischen Interesse an Insekten und Pflanzen.

Mit 18 heiratete sie ihren ehemaligen Lehrer Johann Andreas Graff. Das Paar ließ sich in Nürnberg nieder und arbeitete künstlerisch und kaufmännisch, im Handel mit Malerutensilien. Maria Sybilla musste hier mit eingeschränkten Möglichkeiten – es war Frauen nicht erlaubt, mit Öl auf Leinwand zu malen – zum gemeinsamen Einkommen beitragen. Sie betätigte sich im Handel sowie in Stickerei, Stoffmalerei und dem Unterricht höherer Töchter. Schließlich brachte sie ihr erstes Buch heraus, das eigentlich als Andachtsbuch gedacht war: Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung. In der Kontemplation der niedersten Tiere sollten die Leser die Schönheit und Kraft von Gottes Schöpfung erfahren. Heute gilt das Buch als erster Beitrag zur Entomologie.

Nach 20 Jahren Ehe – Maria Sybilla war 38 – trennte sie sich von ihrem Mann und zog mit ihrer Mutter und ihren beiden Töchtern in eine Labadisten-Kolonie in den Niederlanden; weniger aus eigener religiöser Motivation als um Abstand vom vorherigen Leben zu gewinnen. Sie bildete sich fort und verfolgte weiterhin ihre Forschungen zu Insekten. Nachdem ihr dort lebender Stiefbruder und ihre Mutter gestorben waren, zog sie 6 Jahre später mit ihren beiden Töchtern nach Amsterdam und begann, ihre Reise nach Surinam vorzubereiten. Die Idee hierzu kam ihr durch die Besuche im Botanischen Garten der Stadt, in dem die Vielfalt der südamerikanischen Insektenwelt zwar angedeutet, aber nicht in ihrer vollen Entwicklungsbandbreite dargestellt wurde.

Mit 52 Jahren schließlich machte sie Nägel mit Köpfen, veräußerte ihr Hab und Gut und ließ ihre beiden Töchter für den Fall ihres Todes testamentarisch als Universalerben einsetzen. Dann reiste sie per Schiff mit ihrer jüngeren Tochter Dorothea Maria nach Surinam, wo sie zwei Jahre lang zunächst von der Hauptstadt Paramarimbo, dann von einer weiter außerhalb gelegenen Labadistenkolonie aus Exkursionen in den Urwald unternahm, bei denen sie zahlreiche Insektenarten in unterschiedlichen Stadien zeichnete und sammelte. Von Malaria geschwächt reiste sie mit ihrer Tochter zurück nach Amsterdam, wo ihre Sammlung und Forschungsergebnisse zwar im allgemeinen begrüßt wurden, die Erträge aus Drucken jedoch nicht so weit gingen, dass sie ihren Unterhalt davon bestreiten konnte. Sie musste bis zum Ende ihres Lebens Malunterricht geben und mit Malutensilien und Tierpräparaten Handel betreiben. Als sie 69jährig starb, war sie so arm, dass sie in einem namenlosen Armengrab beerdigt wurde.

Ihre Beobachtungen und Bebilderungen legten den Grundstein zur Insektenforschung, die heute nicht nur biologisch, sondern auch kriminalistisch von Interesse ist.

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Von 187 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 17 (inklusive Maria Sybilla Merian) Frauen:

31.3.1360 Philippa of Lancaster
28.3.1515 Teresa von Ávila
2.4.1545 Elisabeth von Valois
2.4.1587 Virginia Centurione Bracelli
29.3.1590 Agnes Magdalene von Anhalt-Dessau
2.4.1602 María von Ágreda
1.4.1607 Marie Eleonore von Brandenburg
2.4.1614 Jahanara Begum
2.4.1619 Anna Sophia von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld
1.4.1624 Marija Iljinitschna Miloslawskaja
30.3.1697 Faustina Bordoni
31.3.1718 Maria Anna Viktoria von Spanien
2.4.1735 Ernestine Christine Reiske
2.4.1788 Wilhelmine Reichard
3.4.1795 Anna Schödl
30.3.1798 Luise Hensel

26. August 2013

KW 34/2013: Lina Stern, 26. August 1878

Lina Stern

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Lina Stern war 1939 die erste Frau, die in die russische Akademie der Wissenschaft aufgenommen wurde. Als Grenzgängerin qualifiziert sie aber vor allem damit, dass sie sich in ihrer Forschung vor allem mit der Blut-Hirn-Schranke befasste.

22. Juli 2013

KW 30/2013: Jeanne Baret, 27. Juli 1740

Jeanne Baret

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Geschichten von Frauen, die sich in alten Zeiten als Männer verkleidet haben und so erfolgreich eine Karriere verfolgten, gibt es einige. Sie klingen immer alle irgendwie nach Märchen; heutzutage sind solche Geschichten meist nur Anlass für günstig produzierte Fernsehfilme, alte Witze über die achso typischen männlichen und weiblichen Verhaltensweisen aufzuwärmen, um am Ende doch wieder jeden glücklich in seiner Normrolle zu platzieren.

Jeanne Baret verkleidete sich als Mann, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen und ging als erste Frau in Männermontur auf Weltreise. Keiner der Mitreisenden – außer ihrem Dienstherren Commerçon, der wohl sowieso ihr Liebhaber war – bemerkte es. Stattdessen brauchte es die „unzivilisierten“ Tahitianer um zu bemerken, dass es sich um eine Frau handelte. Jeanne Baret unterstützte ihren Dienstherren bei seinen Expeditionen und Forschungen und ersetzte ihn später sogar im Krankheitsfall. Sie leistete alle Arbeit, als sei sie der Mann, als der sie sich verkleidete.

Wie üblich beim Matilda-Effekt (über den ich im Artikel über Rosalind Franklin erfuhr) wurde ihr Beitrag zu Geschichte der Naturforschung lange und vollständig unterschlagen. Gottseidank finden sich imme rnoch unbenannte Spezies auf unserem Planeten, sodass 2012 endlich eine Pflanze nach ihr benannt wurde.

27. Mai 2013

KW 22/2013: Rachel Carson, 27. Mai 1907

Rachel Carson

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Rachel Carsons Buch The Silent Spring (Der stumme Frühling) gilt als Anfangspunkt für die (amerikanische) Umweltbewegung, da sie sich als Erste mit den damals noch nur vermuteten Folgen der aggressiven Schädlingsbekämpfung mit DDT auseinandersetzte.

Rachel Carson legte sich dabei mit der Chemie-Branche an, die natürlich großes Interesse am weitreichenden und häufigen Einsatz ihrer Pestizide hatte. Als Frau schlug ihr dabei wie üblich noch viel stärkere Skepsis entgegen als es bei einem Mann der Fall gewesen wäre – Hysterie war dabei der Hauptvorwurf, der zum Teil sogar mit ihrem fehlenden Ehemann begründet wurde. Those were the days.

Am Ende ihres Lebens hatte Rachel Carson zwar die Aufmerksamkeit und Anerkennung erreicht, die ihr und ihrem Thema zukam, doch leider standen die meisten Auszeichnungen und Vorträge bereits im Schatten ihrer Krebserkrankung. Es ist ein Glück, dass sie eine so unermüdliche und souveräne Wissenschaftlerin war, dass es ihr vor ihrem Tode gelang, das öffentliche Bewusstsein dafür zu wecken, dass der unbedachte Einsatz chemischer Mittel in der Natur nicht nur unwiderrufliche Schäden in Flora und Faune hinterlässt, sondern auch den Menschen sterbenskrank macht. Das heutige Umweltbewusstsein wäre noch weniger weit ohne sie.

Selbstverständlich gibt es eine eigene Website über sie. An der Chatham University gibt es ein Rachel Carson Institute, das sich mit den von ihr gestellten Fragen und Aufgaben befasst. Das Silent Spring Institute hingegen fragt, ob Carsons Krebs ebenfalls von den kritisierten Chemikalien ausgelöst worden war und erforscht die Zusammenhänge von Umwelt- bzw. Chemie-Einflüssen auf Brustkrebs im Speziellen.