23. Oktober 2017

43/2017: Marianne North, 24.10.1830

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Marianne North

English below

Wiki deutsch

Marianne North reiste dank eines beträchtlichen Erbes in der zweiten Hälfte ihres Lebens durch die ganze Welt und zeichnete Blumen und Pflanzen. Ihr Werk ist deshalb so maßgeblich, weil sie vor der Erfindung der Fotografie detailreich die Artenvielfalt dokumentierte, die sich schon seit ihrer Lebenszeit im Schwinden befindet.

*

Wiki english

Marianne North traveled the world in the second half of her life, thanks to a considerable inheritance, and drew flowers and plants. Her work is of significance as  before the invention of photography, she documented ecological diversity that was already in the decline during her own lifetime.

Marianne North botanische Kunst botanic Art

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18. Oktober 2017

mutters abschied

wie ich schon das eine oder andere mal erwähnt habe, habe ich auch einen schwarzen hund. an manchen tagen ist er sehr groß, schwer und träge. aber wenn ich schon diesen schwarzen hund habe, kann ich wenigstens artistischen nutzen daraus ziehen. was ist die beste suicidal ideation wert, wenn man nicht darüber schreiben kann? wer ganz starke nerven hat und keine fremdscham kennt, kann sich das originaldiktat anhören.

wenn ich gehe, dann will ich es nicht leise tun
es soll nicht wie ein unfall aussehen
mit einem großen messer will ich mir den hals aufschlitzen
rot besudeln die welt
mit allem, was in mir war
auf die gewischten fliesen
auf die saubere wäsche
alles, was ich nicht sagen konnte
was keiner hören wollte

nur meinen kindern sagt ihr nichts
meine kinder beschützt ihr vor mir
sagt ihnen
mama hat sie lieb, aber sie musste gehen
es war nicht genug

 

18. Oktober 2017

Liebster, die Zweite

Ich bin vor laaaaanger Zeit schon einmal nominiert worden für den Liebster Award. Jetzt hat es mich noch einmal erwischt – schon das zweite Stöckchen in dieser Woche! Volker hat mich netterweise nominiert und natürlich mache ich noch einmal mit!

Mein Lieblingsblog

Meinem Reader nach zu urteilen, ist das wohl Remember it for later, das Filmtagebuch meines Mannes. Nicht nur kann ich dort nachlesen, was er von den Filmen hält, die wir zusammen schauen – als Eltern kommt man ja nur sporadisch zu Gesprächen außerhalb von „Was gibt’s zum Abendessen?“ und „Ich habe den Windeleimer geleert, kannst du die Küche wischen?“ – ich lese auch gerne seine Texte zu Filmen, die ich gar nicht sehen möchte.

Fun Facts über mich

Zehn zufällige Fakten über mich:
• Ich weiß nicht, was für eine natürlich Haarfarbe ich inzwischen habe. Ich färbe mit Henna, seit ich 15 war; damals war ich relativ hellblond.
• Ich trage einen Fahrradhelm von Nutcase, weil ich im Falle eines Unfalls die größtmögliche Chance haben möchte, weiterhin mit dem Kopf arbeiten zu können.
• Die Dusche zu putzen macht mich aggressiv-depressiv. Ich muss zu viel Zeit aufwenden mit einem zu unbefriedigenden Ergebnis. Ich fange dann an, mich darüber zu ärgern, dass das etwas ist, was mich beschäftigt – statt meines Outfits für den nächsten TV-Auftritt.
• Anschließend daran vielleicht: Ja, ich habe eigentlich einen gewissen Ehrgeiz. Ich hatte schon immer den Wunsch, mehr Menschen zu erreichen aka ein größeres Publikum zu haben, und mehr Spuren in der Welt zu hinterlassen, als meine Gene und Moralvorstellungen an meine Kinder weiterzugeben. Ja, ich bin eine Rampensau.
• Mein schwarzer Hund heißt Anpassungsstörung. Ich bin in einer depressiven Phase zwar funktional, aber suizidale Gedanken sind leider regelmäßige Besucher in meinem Kopf. Erfolgserlebnisse – so banal wie verdientes Geld oder ein paar Stunden zielgerichteter Tätigkeit – können mir helfen, ich sollte mir auch viel mehr Zeit nehmen für Yoga und Meditation. Alas…
• Mein Alltag ist durchgetaktet. 6:30 aufstehen, 7:00 Frühstück, 8:15 Kind 1 zur Schule, 8:30 Kind 2 im Kindergarten, dann etwa 9:00-14:00, 15:00 arbeiten, danach ist mindestens ein Kind wieder um mich herum mit sozialen und pädagogischen Verpflichtungen, bis abends gegen 20:30, 21:00 noch mal Wäsche dran ist, 21:30 dann Couch und Film mit dem Ehemann.
• Ich spiele Candy Crush zum Einschlafen.
• Ich liebe Lakritz, fast so sehr wie Schokolade.
• Ich habe Hans Bemmanns „Stein und Flöte“ inzwischen fünf oder sechs Mal gelesen bzw. zuletzt als Hörbuch verzuzelt. Die Perspektive und Weisheit haut mich jedesmal um, jedes Mal habe ich darin Rat und Hilfe für meine derzeitige Lage gefunden.
• Mein nächtliches Sodbrennen ist nach der Geburt meines zweiten Kindes fast vollständig verschwunden. Möglicherweise ist sich mein Magen in der Schwangerschaft so sehr selbst auf den Keks gegangen, dass er sich jetzt einfach nicht mehr so aufregen mag. Oder ich bin einfach komplett vernarbt und taub.

Fragen beantworten

  1. Welches Land würdest Du gerne einmal bereisen?
    Japan.
  2. Warum trägst Du die Kleidung, die du trägst?
    Weil sie möglichst bequem ist und gleichzeitig meine Persönlichkeit zum Ausdruck bringt.
  3. Nachteule oder Frühaufstehen?
    Nachteule. Selbst mit dem ständigen Frühaufstehen mit Kindern schaffe ich es nicht vor 23:30 ins Bett.
  4. Wo siehst Du Autos in 30 Jahren?
    Vollkommen auf alternative Brennstoffe/Elektrizität umgestellt, voll automatisiert, und hoffentlich quantitativ auf die Hälfte reduziert.
  5. Brauchen wir Raumfahrt oder nicht?
    Schwierige Frage – ich finde z. B. Tanztheater ganz schlimm, aber manche Menschen brauchen es als ihre Form der Kultur. Ich kann der Meinung, wir sollten doch erstmal unsere Probleme hier am Boden lösen, durchaus Verständnis entgegenbringen – gleichzeitig ist die Forschung für die Raumfahrt auch eine Forschung für die Menschen, für bessere Technologien etc. Außerdem ist es schon einfach eine zutiefst menschliche Frage, was denn wohl da draußen los ist.
  6. Welche Puddingsorte wählst Du?
    Schokolade.
  7. Kirk, Picard, Sisko, Archer, Janeway oder Lorca?
    Picard.
  8. Wenn Du mit einer gelehrten Person der menschlichen Geschichte einen gemütlichen Nachmittag mit einer Unterhaltung verbringen könntest, wer wäre das?
    Irgendeine von den Damen, die ich in meinem Blog vorgestellt habe. Sibylle Merian z.B. oder Laura Bassi.
  9. Welches Naturphänomen begeistert Dich am meisten?
    ??? Dass Kinder laufen und sprechen lernen?
  10. Was ist der ausgefallenste Ort an dem Du schon einmal gewesen bist?
    Im ecudorianischen Urwald.
  11. Was rätst Du anderen Bloggern?
    Wenn ihr schreibt, weil es euch eine innere Notwendigkeit ist, dann folgt einfach eurem Bauch. Wenn ihr mehr wollt, dann feilt an euren Texten und beschäftigt euch mit SEO.

Meine Fragen an die Nominierten

  1. Welches ist dein liebster eigener Blog-Artikel?
  2. Wenn du nicht dieses Blog führen würdest – welches andere Thema würde dich so sehr interessieren, dass du darüber bloggen könntest?
  3. Unliebsame Kommentare – löschen, unkommentiert veröffentlichen, reagieren?
  4. Welche Bilder hängen in deinem Zuhause?
  5. Auf dem Klo lesen? Wenn ja, was?
  6. Schreibst du noch von Hand – und was?
  7. Was darf nie in deinem Kühlschrank fehlen?
  8. Welche Tradition findest du obsolet?
  9. Wofür hättest du gerne mehr Zeit?
  10. Die Zeit naht – Weihnachtsbaum schon zum 1. Advent oder erst am Heiligen Abend?
  11. Was ist in diesem Jahr passiert, womit du am 1. Januar 2017 niemals gerechnet hättest – eher persönlich als in der Weltgeschichte?

Die Nominierten

Nun habe ich gerade auch den Mystery Blogger Award mitgemacht. Jetzt muss ich kreativ werden…

Die Filme, die ich rief

Hypnosemaschinen

Immer abgelenkt

Spreemieze

Funxton

Dr. Who

Freue mich, wenn ihr mitmacht. Wenn nicht, auch okay. 🙂

17. Oktober 2017

Mystery Blogger Award

Ela von 365 Tage im Leben hat mir was man wohl ein Stöckchen nennt zugeworfen – ein Rundbrief, mit dem sich Blogger vorstellen, verlinken und Aufmerksamkeit generieren für ihr eigenes Blog und das anderer. Posts außerhalb des Kalenders sind bei mir ja leider rar geworden, daher nutze ich diese Gelegenheit tatsächlich mal wieder! Vielen Dank dafür, Ela!

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About The Mystery Blogger Award/ Über den Mystery Award

This is an award for amazing bloggers with ingenious posts. Their blog not only captivates, it inspires and motivates. They are one of the best out there, and they deserve every recognition they get. This award is also for bloggers who find fun and inspiration in blogging and they do it with so much love and passion.

Dies ist eine Auszeichnung für erstaunliche Blogger mit genialen Beiträgen. Ihr Blog fasziniert nicht nur, er inspiriert und motiviert. Sie sind einer der besten da draußen, und sie verdienen jede Anerkennung, die sie bekommen. Diese Auszeichnung ist auch für Blogger, die Spaß und Inspiration im Bloggen finden und sie tun es mit so viel Liebe und Leidenschaft.

Okoto Enigma is the creator of the award. To motivate the Blogger please do visit her blog.

The Rules of the Award

  • Put the award logo/image on your blog.
    Stelle das Logo in dein Blog.
  • List the rules.
    Liste die Regeln auf.
  • Thank whoever nominated you and provide a link to their blog.
    Danke der Person, die dich nominiert hat, und füge einen Link zu ihrem Blog bei.
  • Mention the creator of the award and provide a link as well.
    Nenne die Urheberin des Awards und füge ebenfalls einen Link bei.
  • Tell your readers 3 things about yourself.
    Erzähle den Lesern drei Dinge über dich.
  • You have to nominate 10 – 20 people.
    Nominiere 10 bis 20 Personen.
  • Notify your nominees by commenting on their blog.
    Informiere die Nominierten, indem du in ihrem Blog kommentierst.
  • Ask your nominees any 5 questions of your choice; with one weird or funny question (specify)
    Stelle den Nominierten fünf Fragen deiner Wahl; eine davon sollte seltsam oder lustig sein.
  • Share a link to your best post(s).
    Teile einen Link zu deinen besten Posts.

Three Things About Myself:

• Ich trinke morgens und nachmittags Kaffee, am liebsten schwarz oder als Latte Macchiato (dann auch gerne mit Schokosirup), Tees (möglichst interessante, belebende, positiv stimmende Kräutertee-Geschmacksrichtungen wie Schoko Chai, Lakritztee von Cupper etc.) und abends einen aus losen Blättern aufgebrühten schwarzen Tee – wenig Tee, 5 Minuten gezogen, aus der Glaskanne vom Stövchen. Das hilft mir mit meinem niedrigen Blutdruck beim Runterkommen und Einschlafen. Und jetzt wisst ihr sogar schon zwei Sachen von mir.

• Ich habe Neue deutsche Literatur und Medienwissenschaft und Anglistik an der Philipps-Universität Marburg studiert und nach dem Studium eigentlich gehofft, Romane zu schreiben. Leider kam mir die Notwendigkeit, Geld verdienen zu müssen, dazwischen… dann die erschöpfende Arbeit in der Werbung… dann die Kinder…

• Ich trage so gut wie nie Make-up, weil es mich in meiner Körperwahrnehmung stört, aber fühle mich nackt, wenn ich keinen Schmuck trage – und wenn ich richtig außer Haus bin, gehört ein nach Farbe abgestimmtes Parfum auch mit zum Outfit.

Fünf Fragen von 365 Tage und meine Antworten:

  • Welcher große Traum ist in deinem Leben noch offen?
    • Einen Roman zu schreiben. Die German Gothic Pulp-Novelle, die ich mit Mitte 20 angefangen habe, liegt immer noch rum, nur weiß ich nicht, ob ich nicht inzwischen zu alt dafür bin.
  • Gibt es einen (lebenden oder verstorbenen) Menschen, den du aus tiefster Seele bewunderst oder gar verehrst?
    • Viele! Von meinem Vater abgesehen, gehören dazu Astrid Lindgren und Hans Bemmann, und natürlich jede Menge der Frauen, die ich in meinem Blog vorstelle.
  • Bei welchem Buch hast du dich zuletzt ganz schrecklich gelangweilt?
    • Ich habe schon seit ewigen Zeiten kein Buch mehr gelesen; der letzte Versuch, als mein Jüngster noch gestillt wurde, war Walter Moers‘ Das Labyrinth der Träumenden Bücher. Ich kam damit nicht recht voran, weiß aber nicht, ob das an meiner Situation oder an dem Buch lag – jedenfalls spürte ich beim Lesen eine gewisse Ungeduld, doch nun mal endlich zu Potte zu kommen, und das Lesezeichen ist immer noch drin.
  • Hast du eine Lieblingsserie und falls ja, welche und warum?
    • Wenn man von Star Trek TNG absieht (meine erste „Muss jede Folge sehen“-Serie) müsste ich wohl C.S.I. Las Vegas nennen – habe ich damals 2000 immer Mittwoch abends bei VOX geschaut und arbeite heute noch daran, mich durch die letzten 5-6 Staffeln durchzukucken. Wobei mir Grissom fehlt.
  • Wenn weder Geld noch Zeit ein Problem wären, welche Reise würdest du dann gerne unternehmen?
    • Nach Hawaii. Wobei es so viele Orte auf der Welt gibt, die sehenswert wären, die ich alle nie sehen werde, dass ich mich selten mit dieser Überlegung aufhalte. Ich könnte mir auch vorstellen, meine ganzen Internet-Freundinnen von den Punky Moms in UK und US zu besuchen…

 Meine Fragen an die Nominierten:

• Wie gehst du vor, wenn du einen Blogpost schreiben willst – wie findest du das Thema, wie bringst du dich in die richtige Verfassung, wo schreibst du am besten etc.?

• Was tust du zur Selbstpflege (mental, nicht hygienisch! :D)?

• Welches Lebensmittel oder Getränk liebst du, das andere hassen oder von dem du weißt, dass du es nicht lieben solltest?

• Welchen Film hast du zuletzt gesehen?

• Ananas auf Pizza – ja oder nein?

Dies sind meine nominierten Blogs:

Auf Zehenspitzen

Die Springerin

500 Wörter die Woche

Volkers Raumfahrt

NotJanina

Ich bin leider chronisch miserabel im Blog-von-anderen lesen – nicht, weil sie mich nicht interessieren würden, sondern weil ich zwischen dem Anspruch an mich selbst, „freie“ Zeit möglichst effizient zu nutzen, und dem faktischen Zeitmangel mit beruflichen Zielen, Familie und Schlafbedürfnis einfach nicht mehr so viel zum Lesen komme wie ich mir das wünschen würde. An alle Blogger, die mich schon mal auf ihrem Blog gesehen haben, und auch die, die mich noch nie bei sich gesehen haben: ich finde es super, dass ihr schreibt. Ich würde euch gerne besser kennen und besser netzwerken.

Mein best-besuchter Blog-Artikel ist lustigerweise der zu Marie Marcks. Da müssen einfach die richtigen Keywords zusammengefunden haben, es ist nämlich mit Sicherheit nicht mein bester Artikel.

 

 

16. Oktober 2017

42/2017: Lotte Lenya, 18.10.1898

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Lotte Lenya

English below

Wiki deutsch

Muss man kennen.

*

Wiki english

You oughta know her.

 

 

9. Oktober 2017

41/2017: Mary Kingsley, 13.10.1862

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Mary Kingsley

English below

Wiki deutsch

Mary Kingsley wuchs in eher unglücklichen Verhältnissen auf: Sie war das Ergebnis einer unstandesgemäßen Affäre eines Arztes mit seiner Köchin, die vier Tage vor Marys Geburt mit einer Eheschließung amtlich gemacht wurde. Es folgte ihr noch ein Bruder, doch ihre Mutter und sie wurden von der Familie ihres Vater nicht akzeptiert.

Mary Kingsley lernte autodidaktisch mit der Bibliothek ihres Vaters, der fast nie zu Hause war, und pflegte ihre kranke Mutter; eine weitere Bildung oder soziale Kontakte blieben ihr zunächst fast gänzlich verwehrt. Nur Deutschunterricht erhielt sie, damit sie ihrem Vater bei seinem Hobby, der Ethnologie, unterstützen konnte. Erst mit 26 Jahren trat sie nach einem Umzug von Islington nach Cambridge in der Gesellschaft um ihren Vater in Erscheinung, indem sie die kranke Mutter als Gastgeberin vertrat. Vier Jahre später verlor sie innerhalb kürzester Zeit beide Eltern und war schlagartig wohlhabend und frei von Pflichten, Zwängen und Beschränkungen.

Sofort begann sie, ihr Leben in völlig andere Bahnen zu lenken – sie machte eine Ausbildung zur Krankenpflegerin in Kaiserswerth und reiste dann, inspiriert von ihrer bisherigen Lektüre und eventuell dem Hobby ihres Vaters, nach Westafrika.

In der Folge wurde aus ihr eine erfolgreiche und berühmte Reiseautorin; ihre Rolle in der Geschichte der Kolonialismus und auch des Feminismus ist zwiespältig. Sie sah sich in keiner Weise als Frauenrechtlerin, sondern war von der generellen Überlegenheit „des Mannes“ überzeugt, ebenso von der Überlegenheit der „Weißen“ über die Afrikaner. Dennoch ließ sie sich von der Erwartung an die Frau als solche nicht an ihrer Reisetätigkeit und ihrem kolonialpolitischen Auftritt hindern. Sie wurde eine lautstarke Fürsprecherin für die Einwohner Afrikas, brachte ein wesentlich differenzierteres Bild der „Wilden“ zurück in ihre Heimat als es bisher galt, und verteidigte die „unzivilisierten“ kulturellen Praktiken der afrikanischen Stämme gegen die Missionsarbeit der Kirche. Trotz kontroverser Überzeugungen waren ihre Reiseberichte erfolgreich, dank eines bildreichen und lakonisch selbstironischen Stils, der ihre gewagten Thesen mit Humor vermittelte.

Bei Ausbruch des zweiten Burenkrieges in Südafrika sagte sie eine Reise nach Westafrika ab, reiste nach Kapstadt und arbeitete dort als Krankenschwester. Sie starb ebenda 37jährig an Typhus (Warnung: Bildmaterial).

*

Wiki english

Mary Kingsley grew up in rather unhappy circumstances: She was the result of an unbefitting affair of doctor with his cook, which was made official by marriage four days before her birth. A brother followed later in the marriage, but she and her mother were never accepted by her father’s family.

Mary Kingsley taught herself autodidactically with the help of her father’s library, while he was almost never home and she nursed her invalid mother; further education or social interactions were almost completely denied to her. She only received German lessons so she could support her father in his pastime, ethnology. At last at 26 years old, she made an appearance in society surrounding her father after a move from Islington to Cambridge, where she replaced her ill mother as a hostess. Four years later she lost both parents in a very short time and was precipitously wealthy and free of duties and constraints.

At once she began steering her life into an utterly different path – she trained as a nurse in Kaiserswert by Duesseldorf and then, inspired by her former reading and maybe her father’s pastime, travelled to West Africa.

In the following years she became a successful and popular author of travelogues; her role in the history of colonialism and feminism is ambivalent. In no respect did she see herself as a womens‘ rights activist, but was convinced of the general superiority of „man“, much the same the superiority of the „whites“ over Africans. Still, she did not let herself be constricted by the expectations towards women in her travels and her appearance in colonial politics. She turned out a vocal advocate for the African population, brought back home with her a far more differentiated image of the „savages“ as was common and defended the „uncivilised“ cultural practices of the African tribes against the Church’s missionary work. Despite her controversial convictions, her travelogues were successful, thanks to a flowery and laconically self-depricating style which conveyed her daring presumptions with humour.

When the Second Boer War broke out in South Africa, she cancelled a trip to West Africa, went to Capetown and worked as a nurse there. She died of typhus (CW: graphic images) near Capetown at the age of 37.

2. Oktober 2017

40/2017: Florence B. Seibert, 6.10.1897

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Florence B. Seibert

English below

Wiki deutsch

Auf Florence B. Seibert geht das noch heute von der Weltgesundheitsorganisation als Standardtest anerkannte Diagnosemittel für Tuberkuloseinfektion zurück.

Das 1890 von Robert Koch gefundene und 1907 von Clemens von Pirquet als Tuberkulose-Haut-Test eingeführte Tuberkulin ließ sich nicht rein heranzüchten und führte daher unverhältnismäßig häufig zu falsch-negativen Ergebnissen. Seibert, als Assistentin von Esmond R. Long an der University of Chicago und der University of Pennsylvania tätig, verbesserte die Qualität des Proteinextraktes mit Ammoniumsulfat und veränderten Filtern über einige Jahre mehrfach, bis sie schließlich 1940 eine Charge des Stoffes herstellte, der unter der Bezeichnung PPD-S heute noch als internationaler Referenzstandard für das Diagnosemittel verwendet wird.

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Wiki english

Florence B. Seibert developed the means of diagnosing tuberculosis that is still today recognised by the WHO as a standardised test.

The form of tuberculin discovered by Robert Koch in 1890 and introduced as a skin test by Clemens von Pirquet in 1907 could not be cultured with pure results and led to a disproportionate number of false negatives. Seibert, working as an assistant to Esmond R. Long at the University of Chicago and the University of Pennsylvania, improved the quality of the purified proteins several times over a few years by use of ammonium sulfate and different filters, until in 1940 she finally generated a batch of the protein isolate which is still the international standard reference for the diagnostic substance.

25. September 2017

39/2017: Charlotte Wolff, 30.9.1897

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Charlotte Wolff

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Charlotte Wolff war eine jüdische Medizinerin, die sich auch mit Psychologie befasste. Schon im Studium lebte sie offen homosexuell und trug bevorzugt Männerkleidung. 1938 wurde sie stellvertretende Direktorin am Rudolf-Virchow-Krankenhaus in Berlin, ein Jahr später konnte sie diese Position aufgrund der Verfolgung durch die Nazis nicht mehr halten.

Sie lebte zunächst in Frankreich, dann in England und arbeitete als Chirologin, unter anderem für Thomas Mann und Aldous Huxley. Sie legte die deutsche Staatsbürgerschaft ab und nannte sich, nachdem sie Jahre später die britische angenommen hatte, „internationale Jüdin mit britischem Pass“.

In den 1960er Jahren war sie dann die erste, die sich sexualwissenschaftlich mit der Homosexualität der Frau auseinandersetzte. Sie veröffentlichte die Ergebnisse ihrer empirischen Studie zum Lesbianismus 1971 und zur Bisexualität 1977. Es waren diese Forschungen, die dazu führten, dass sie 1978 zum ersten Mal seit seit ihrer Vertreibung deutschen Boden betrat. Ihr letztes und wichtigstes Werk war eine Biografie des Sexualforschers Magnus Hirschfeld.

Sie starb mit 89 Jahren in London.

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Wiki english

Charlotte Wolff was a Jewish doctor who also worked in psychology. Even during her time at university she lived her homosexuality openly and preferred men’s clothing. In 1938 she was appointed deputy director at the Rudolf-Virchow-hospital in Berlin, a year later she already could not hold that position due to prosecution by the Nazis.

She lived in France at first, then in England and worked as a chirologist, for Thomas Mann and Aldous Huxley among others. She gave up her German citizenship and called herself, after taking on the British citizenship, an „international Jew with a British passport“.

During the 1960s she was the first to adress homosexuality of women as a field of sexology. She published the findings of her empirical studes on lesbianism in 1971 and on bisexuality in 1977. It was this research that led to her putting foot on German soil again for the first time after her expulsion in 1978. Her last and most important work was the biography of sexologist Magnus Hirschfeld.

She died in London at the age of 89.

 

18. September 2017

38/2017: Hedwig Dohm, 20.9.1831

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Hedwig Dohm

English below

Wiki deutsch

Hedwig Dohm war eine self-made woman. Nachdem sie zunächst nur die für Mädchen dieser Zeit typische geringe Schulausbildung genießen konnte, um mit 15 Jahren gänzlich auf den Haushalt im Elternhaus beschränkt zu werden, besuchte sie drei Jahre später ein Lehrerinnenseminar und heiratete mit 22 Jahren den intellektuellen Satiriker Ernst Dohm.

In der Ehe gebar sie zunächst fünf Kinder und nahm dann, als das jüngste „aus dem Gröbsten heraus“ war, ihre schriftstellerische Tätigkeit auf. In kürzester Zeit machte sie sich mit vier Essays in den frühen 1870ern zu einer bekannten Vertreterin des frühen Feminismus – sie wollte nicht nur im Kleinen die Verhältnisse für einzelne Personengruppen verbessern, sie wollte grundsätzlich die Rolle der Frau in der Gesellschaft verändern. Dazu gehörte, schon 1873 das Frauenwahlrecht zu fordern und das Recht auf die gleiche Bildung und Erwerbstätigkeit wie die Männer, um die Frauen aus der wirtschaftlichen Abhängigkeit in der Ehe zu lösen.

Nach dem ersten Aufruhr beschränkte sie sich in der Folge auf Lustspiele und, nach dem Tod ihres Mannes, Novellen und Romane. Mit dem Erstarken des Feminismus in den 1880er Jahren wurde auch Hedwig Dohm wieder zu diesem Thema aktiv – sie beteiligte sich rege an der politischen Debatte in der Gesellschaft, forderte das Studienrecht für Frauen und gehörte zu den ersten, die die Begründung der traditionellen Geschlechterrollen in der „Natur“ in Frage stellte. Während des Ersten Weltkrieges bekannte sie sich vollständig zum Pazifismus.

Sie erlebte in ihrem letzten Lebensjahr erlebte sie noch die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland, bevor sie mit 87 Jahren in Berlin starb.

Auf der Seite Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bildern findet man eine Kostprobe ihres scharfzüngigen Witzes und ihrer fortschrittlichen Denkweise, im Pamphlet „Was die Pastoren von den Frauen denken“ von 1872.

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Wiki english

Hedwig Dohm was a self-made woman. After she was only allowed the typical restricted education for girl in those days, to be reduced to household chores in her family home at age 15, she visited a teachers‘ seminar three years later and married the intellctual satirist Ernst Dohm at age 22.

In this marriage she started out with giving birth to five children and then, when the youngest was „out of the woods“, picked up writing. In a short time she made herself one of the most notorious icon of early feminism over the first half of the 1870s – she not only wanted to improve the conditions for certain peer groups, she wanted to fundamentally change the role of women in society. That meant demanding the right to vote in 1873 already as well as the same rights to education and employment as men, to free women from economic dependence in marriage.

After the first uproar, she consequently limited herself to plays and, after her husband’s death, short stories and novels. With the rise of feminism in the 1880s, Hedwig Dohm became active on that behalf again – she participated briskly in the political debate in society, demanded the right to university studies for women and was one of the first to question the foundation of the traditional gender roles in „nature“. During the First World War she avowed herself completely to pacifism.

She saw women’s suffrage come into action in Germany during her last year, before dying in Berlin at age 87.

On the website German History in Documents and Images a sample of her sharp wit and progressive thinking can be found, in the pamphlet „What The Pastors Think Of Women“ from 1872.

11. September 2017

37/2017: Miriam Benjamin, 16.9.1861

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Miriam Benjamin

English below

{kein deutsches Wiki}

Miriam Benjamin war die frei geborene Tochter eines jüdischen Vaters und einer afro-amerikanischen Mutter in Charleston. Sie besuchte die weiterführende Schule in Boston und wurde zunächst Lehrerin.

Mit 27 Jahren erhielt sie dann in Washington D.C. das Patent für den „Gong-und-Signal-Stuhl für Hotels“ – ein Sitzmöbel mit Kingelknopf und Licht, der es dem Hotelgast ermöglichte, einen Kellner oder Pagen zu seinem Platz zu rufen, ohne winken, klatschen oder rufen zu müssen. Für das Hotel bedeutete dies, dass sie ihre Kosten reduzieren konnten, da durch das klare System weniger Angestellte benötigt wurden. Die Erfindung wurde vom Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten übernommen und ist noch heute in seiner weiterentwickelten Form jedem bekannt, der schon mal mit einem Flugzeug geflogen ist: aus dem Stuhl mit Gong und Signal wurde der Knopf, mit dem man die Flugbegleiter zum Platz rufen kann.

Miriam Benjamin besuchte daraufhin die Universität, zunächst um Medizin zu studieren. Als sie eine Prüfung zum Staatsdienst bestand, wendete sie sich dem Jurastudium zu und wurde schließlich Anwältin für Patentrecht. Als solche arbeitete sie in Boston mit ihrem Bruder zusammen, der ebenfalls als Patentanwalt und Erfinder tätig war. Sie starb dort 1947.

Afro-amerikanische Frauen erleiden den Matilda-Effekt potenziert, da sie nicht nur wegen ihres Geschlechts, sondern auch wegen ihrer Hautfarbe marginalisiert werden. Unten ein Link zu einer Liste mit immerhin fünf afro-amerikanischen Frauen, die als Gründerin oder Erfinderin in der Geschichte viel sichtbarer sein sollten. Außerdem ein etwas ausführlicherer Artikel zu Miriam Benjamin auf Thoughtco.

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Wiki english

Miriam Benjamin was the free born daughter of a Jewish father and an Afro-American mother in Charleston, SC. She went to highschool in Boston and worked as a teacher to begin with.

At age 27 she obtained a patent in Washington D.C. for the Gong and Signal Chair for Hotels – a seat with a bell button and a light, which enabled a hotel guest to call for a bellhop or a waiter to their place without having to wave, clap or call. For hotels this meant reduced costs, since less employees were needed thanks to the simple system. The invention was adapted by the United States House of Representatives and in its advanced form is still today known to anyone who has ever flown in an airplane: the chair with a gong and a signal became the button with which flight attendants are called to the seat.

Miriam Benjamin went on to university, at first to study medicine. When she passed a civil service examination, she turned to studying law and became a solicitor of patents. As such she worked in Boston with her brother, who was also working as an attorney fror patents and an inventor. She died there in 1947.

Afro-American women endure the Matilda effect in potentiated form, since they are marginalised for their gender and the colour of their skin. Below a link to a list of as many as five Afro-American women who should be more visible in history as founders and inventors. Also a more detailed article on Miriam Benjamin on Thoughtco.

5 Black Women Founders and Inventors You Should Know

The Life and Inventions of Miriam Benjamin