Posts tagged ‘1920er’

2. November 2015

KW 45/2015: Erika Abels d’Albert, 3. November 1896

Erika Abels d’Albert

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In meinem Wunsch, die Frauen sichtbar zu machen, die in der Geschichte gewirkt und unter den Massen berühmter Männer unsichtbar geworden sind, helfen mir natürlich eigentlich diejenigen Figuren, über die möglichst viel bekannt ist. Je klarer ein Profil zu zeichnen ist, desto deutlicher scheint es hervor.

Gleichzeitig sind natürlich die Frauen, von denen wir wenig wissen können, nur, dass es sie gab und sie in irgendeiner Form einen Abdruck hinterlassen haben, in ihrer mysteriösen Ungreifbarkeit spannend und wecken die Neugier. Je weniger diese befriedigt werden kann, desto nachhaltiger ihre Faszination – wie ein Rätsel, das man nicht lösen kann und zu dem man deshalb immer wieder zurückkehren muss.

Erika Abels d’Albert war eine Künstlerin, die in den 1920er Jahren arbeitete und ausstellte. Von ihren Werken sind heute noch drei in gesicherter Originalität in Museen vorhanden – Fotos davon sucht man im Netz vergeblich.

Um einen höheren Bekanntheitsgrad für sie bemüht ist eine Webseite, auf der auf einen Blick alle sieben (!) von ihr existenten Fotografien zu sehen sind. Ich würde mich freuen, wenn sich in Zukunft mehr einfinden würde. Vor allem von ihr entworfene Mode würde mich interessieren.

27. Januar 2014

KW 5/2014: Ossi Oswalda, 2. Februar 1897

Ossi Oswalda

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Unter anderem eine regular in Lubitsch’s deutschen Stummfilmen, galt als die deutsche Mary Pickford – mit ihrem burschikosen Backfisch-Charme Ikone der deutschen Frau in den 20er. IMDb

Runner-up: Sherilyn Fenn

12. August 2013

KW 33/2013: Gladys Bentley, 12. August 1907

Gladys Bentley

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Die Wilden 20er haben in mancher Hinsicht einen Geist der unbegrenzten Möglichkeiten vorgelebt, der zum Teil fortschrittlicher war als die Sexuelle Revolution der 60er. Dies gilt nicht nur für die USA, sondern auch für Deutschland und Europa – auch hier war die Emanzipation der Frau als finanziell und sexuell selbstbestimmtes Wesen schon weit gereift. Die wirtschaftliche Lage nach dem Ersten Weltkrieg zwang die Gesellschaften auf beiden Seiten des Atlantik dazu, die verfügbare Bevölkerung mit Privilegien wie beruflicher Tätigkeit  auszustatten – und aus der wirtschaftlichen Eigenständigkeit erwuchs ein Selbstbewusstsein der Frauen, das dazu führte, dass manche straffen moralischen Regeln (die zumeist aus patriarchalisch-christlichen Werten erwachsen waren) über Bord geworfen wurden.

Das heißt nicht, dass alles ohne Schwierigkeiten machbar war – aber es gab einen Rahmen, in dem sich ausprobiert werden konnte. Eine lebendige, aktive Musik- und Künstlerszene, in der auch „Randgruppen“ und anders orientierte Lebensstile akzeptiert waren. Gladys Bentley trat in dieser Szene als drag king, als Frau in Männerkleidung, in Homosexuellen-Bars auf und flirtete während ihrer Auftritte hemmungslos mit dem weiblichen Publikum. Es gabe auch Anfeindungen gegen sie, doch überwog – zu dieser Zeit – offenbar der Spaß und die Akzeptanz innerhalb ihrer peer group. Zu dieser Zeit hatte sie musikalisch und äußerlich mehr gemein mit Louis Armstrong als mit Josephine Baker.

Schnellvorlauf 30 Jahre später: In der McCarthy-Ära gibt Gladys Bentley dem sozialen Druck nach, trägt Frauenkleider und behauptet mit Hilfe der Einnahme von weiblichen Hormonen ihre Homosexualität „besiegt“ zu haben. Ihren Mutterwitz hat sie darüber nicht verloeren.

28. Mai 2012

KW 22/2012: Lotte Reiniger, 2. Juni 1899

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Lotte Reinigers bekanntestes Werk ist „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ (1926), man sollte aber auch nicht übersehen, dass sie zu Beginn ihrer Karriere in Kontakt stand zu Komponisten wie Kurt Weill und Literaten wie Bertolt Brecht – das heißt, Teil einer intellektuellen, künstlerischen Szene war, der der Aufgang des Dritten Reiches und der Zweite Weltkrieg ein abruptes Ende setzte.

Immer wieder, wenn ich die Mode und die Kunst der 1920er Jahre betrachte, schmerzt mich die Vorstellung, wieviel eleganter und schöner alles heute sein könnte, wenn dieser Wahnsinn nicht passiert wäre. (Man lege mir dies bitte nicht als Trivialisierung aus, selbstverständlich hatte der Faschismus wesentlich grässlichere und entscheidendere Konsequenzen als Volksmusik und Veronika Ferres, Ballermann und Birkenstocks!) Mit Sicherheit wäre der deutsche Film – und mit ihm die deutsche Trickfilmsparte – reichhaltiger, interessanter und in positivem Sinne in einer Tradition verwurzelt als es derzeit der Fall ist, wo sich durch alle Lebensbereiche die kulturelle Erschütterung des Holocausts zieht sowie die Konsequenzen der nachfolgenden Notwendigkeit, alles ganz und gar anders zu machen als in den vergangenen 15 Jahren. So sehr ich ein Fan der Ludwigsburger Schule bin, ist es doch nicht zu übersehen, dass der deutsche Trickfilm ebenso wie sein großer Bruder Spielfilm – bis auf wenige, liebens- und lobenswerte Ausnahmen – das ist, was ein ehemaliger Professor der Marburger Medienwissenschaft als „Zweites Kino“  bezeichnete: Kino, das in allem außer der Finanzierungs- und Produktionsstandorte den gleichmacherischen Hollywood-Prinzipien für Inhalt und Form folgt, quasi kolonialisiertes Kino. Dies steht im Gegensatz zu Hollywoods Produktionsmonopol als „Erstem Kino“ sowie zum „Dritten Kino“, das von Grund auf den ursprünglichen Aspekten – Erzählweise, Thema, Stil – der heimischen Kultur verpflichtet ist, wie z.B. ein Film wie „Rocker„. Dass dies in Deutschland der Fall ist, liegt natürlich an dem starken kulturellen Einfluss der amerikanischen Besatzungsmacht. In vielerlei Hinsicht kann man diesen Einfluss als gewinnbringend sehen, doch meines Erachtens funktionieren manche Aspekte einfach nicht oder nur mit dem Gefühl, einer aufgesetzten amerikanischen Leitkultur zu folgen… Selbstverständlich wären manche Details unserer deutschen Kultur auch dann gruselig und furchtbar, wenn es Hitler nicht gegeben hätte, so wie auch nicht alles übel ist, was wir dem kulturellen Einfluss der Besatzungsmächte zu verdanken haben. Aber ich schweife ab.

Ich hätte diese Woche auch über Marilyn Monroe schreiben können, aber Lotte Reiniger war meinem Herzen einfach näher. Schon bevor ich arbeitsbedingt mal das ITFS besuchen durfte, war Animationsfilm ein besonderes Steckenpferd von mir, und so konnte ich natürlich am Geburtstag der Mutter des deutschen Animationsfilmes nicht vorübergehen.

Es gibt eine eigene Lotte Reiniger Website mit unter anderem einer Biographie in Selbstzeugnissen sowie ausführlichen Informationen zu Reinigers Filmen (Entstehungsgeschichten und Aktuelleres wie DVDs und Verleihrechte) sowie Literatur über sie. Das Animation World Network widmet ihr einen Artikel, das Stadtmuseum Tübingen eine Dauerausstellung und natürlich gibt es bei youtube einiges zu sehen (dies nur als Anregung zum Weitersuchen).