Posts tagged ‘abtreibung’

14. November 2017

meine räume • my rooms

komm mit in den raum
in dem wir über meine selbstbefriedigung reden
er ist sehr klein
und an der tür das schild:
nymphomane psychopathin

komm mit in den raum
in dem wir über mein sexleben reden
er ist ein irrgarten
und an der tür das schild:
frigide schlampe

komm mit in den raum
in dem wir über meine monatsblutung reden
er ist sehr dunkel
und an der tür das schild:
unhygienische hysterikerin

komm mit in den raum
in dem wir über meine elternschaft reden
er ist sehr laut
und an der tür das schild:
egoistische rabenmutter

komm mit in den raum
in dem wir über meine abtreibung reden
er ist voller peitschen
und an der tür das schild:
verantwortungslose kindsmörderin

du fürchtest den moralischen totalitarismus
ich lebe darin

(addendum: dies sind nur meine räume, einer weißen cis hetero frau. es gibt noch viel mehr solcher räume, bei denen ich das glück habe, sie nicht kennen zu müssen.)

*

come along into the room
where we talk about my masturbation
it’s very small
and the sign at the door says:
nymphomaniac psychopath

come along into the room
where we talk about my sex life
it’s a maze
and the sign at the door says:
frigid slut

come along into the room
where we talk about my menstruation
it’s very dark
and the sign at the door says:
unsanitary hysteric

come along into the room
where we talk about my parenthood
it’s very loud
and the sign at the door says:
egoistic failure

come along into the room
where we talk about my abortion
it’s full of whips
and the sign at the door says:
irresponsible babykiller

you’re afraid of moral totalitarianism
i live in it

(addendum: these are only my rooms, of a white cis hetero woman. there are a lot more of these rooms which i am lucky enough not to have to enter.)

Advertisements
17. September 2012

KW 38/2012: Elisabeth Selbert, 22. September 1896

Wiki deutsch Wiki englisch

Elisabeth Selberts Sternstunde war es ohne Zweifel und Konkurrenz, 1949 den Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ als Artikel 3 des Grundgesetz für die BRD durchzusetzen. Aus der Verfassung der Weimarer Republik sollte ursprünglich der Satz „Männer und Frauen haben die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten“ übernommen werden. Elisabeth Selbert gelang es in gemeinschaftlicher Arbeit mit den anderen Müttern des Grundgesetzes (Friederike Nadig, Helene Weber und Helene Wessel) und – wie ich gerüchteweise einem anderen Blog entnommen habe – mittels eines Radioaufrufes an die Frauen Deutschlands – den entscheidenden Wortlaut gegen die Väter des Grundgesetzes zu verteidigen.

Der Gleichberechtigung, die dieser Satz gesetzlich festschrieb, stand noch bis 1957 der Gehorsamsparagraph entgegen, der dadurch, dass dem Mann in der Ehe das alleinige Entscheidungsrecht zugebilligt wurde, auch verhinderte, dass Ehefauen ohne die schriftliche Einverständniserklärung ihres Gatten eine Stelle antreten oder ein eigenes Konto eröffnen konnten. Der Widerspruch zwischen Artikel 3 und dem Gehorsamsparagraphen blieb in den Jahren zwischen 1949 und 1957 unaufgelöst, sodass in dieser Zeit eigentlich ein gesetzloser Zustand herrschte. (Ich nehme an, dies bedeutet, wenn sich Frauen gegen diese Abhängigkeit in der Ehe juristisch wehrten, war es absolut von der Haltung und dem Wohlwollen des Richters abhängig, welche Spielräume ihr gewährt wurden.) 1957 trat dann ein Gesetzesentwurf von 1952 (!) in Kraft.

Neben dem langen Weg der Entwicklung, den die gesetzliche Grundlage zum Mutterschutz, zur Empfängnisverhütung und zum eingeschränkt legalen Schwangerschaftsabbruch (§218) hinter sich bringen musste, gibt es zwei Stationen in der gesetzlichen Gleichberechtigung von Männern und Frauen, bei denen mir immer wieder die Kinnlade und der Glaube an die Menschheit herunterfällt:

1977 – in meinem Geburtsjahr – trat das Erste Gesetz zur Reform des Ehe- und Familienrechts in Kraft. Dieses regelte neuerdings (!), dass die Frau nicht mehr nur dann arbeiten durfte, wenn sie dafür ihre „hausfraulichen Pflichten“ nicht vernachlässigte, sondern dass die Vereinbarung den Eheleuten überlassen bleibt und die Haushaltsführung dem finanziellen Unterhalt gleichgestellt ist.

1997, das lasse man sich auf der Zunge zergehen: vor 15 Jahren erst, wurde die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt. Bis dahin galt: den ehelichen Beischlaf darf sich der Mann mit Gewalt erzwingen und seine Ehefrau hat keine strafrechtlichen Mittel, ihn davon abzuhalten bzw. dafür zur Verantwortung zu ziehen. Kein Wunder, dass manche Frauen lieber nicht heiraten wollten!

Eine interessante und gut gegliederte Chronik der gesetzlichen Gleichberechtigung in Deutschland findet man hier. Einen Rückblick zum 60. Geburtstag des Grundgesetzes mit Fokus auf Elisabeth Selbert kann man bei youtube sehen (3sat-Beitrag von 2009).

5. Juni 2012

if abortion is murder

ein bild, das gerade bei facebook umgeht und – an sich – zu recht geliket wird, wird in diesem wohlformulierten artikel auf mädchenmannschaft.net durchdacht und diskutiert.