Posts tagged ‘brasilien’

5. Februar 2018

02/2018

1. Februar 1972: Leymah Gbowee

Leymah Gbowee war 17 Jahre alt, als in ihrer Heimat der Erste liberianische Bürgerkrieg ausbrach. Zunächst arbeitete sie als Sozialarbeiterin mit Kindern und Jugendlichen in der Hauptstadt Monrovia. Von ihrer folgenden Tätigkeit beim Gesundheitsministerium stieg sie auf zur Programm-Koordinatorin bei der Aktion „Women in Peacebuilding“; in dieser Funktion organisierte sie die gewaltfreien Proteste der Bewegung Women of Liberia Mass Action for Peace gegen die andauernden kriegerischen Zustände im Land. Die Frauen versammelten sich hierfür, weiß gekleidet, für gemeinsame Gebete und Gesänge.

In einem medienwirksamen Aufruf zitierte sie auch das Lysistrata-Thema und forderte die liberianischen Frauen zu einem Sex-Streik auf, bis die Männer endlich den Gewalttätigkeiten ein Ende setzen würden.

Nach dem Ende des Bürgerkrieges war Gbowee designiertes Mitglied der Wahrheit und Versöhnung in Liberia. Anschließend arbeitete sie, schließlich als Executive Director, im Women Peace and Security Network Africa.

2011 erhielt sie gemeinsam mit ihrer Landsmännin Ellen Johnson Sirleaf und Tawwakkol Karman (s.u.) den Friedensnobelpreis.

2. Februar 1929: Vera Chytilovà (honorable mention wegen meiner Sedmikrásky-Rezension)

2. Feburar 1972: Dana International

DIe israelische Sängerin wurde als Yaron Cohen geboren (assigned male at birth) und wollte schon mit 8 Jahren Sängerin werden, inspiriert von Ofra Hazas Auftritt beim Eurovision Song Context 1983. Seit ihrem 13. Lebensjahr lebt sie als transgender Frau.

Sie gewann 1998 mit dem Song „Diva“ den Eurovision Song Contest, gegen den Widerstand einiger streng religiöser Gruppen in Israel, die einen konservativeren Vertreter ihres Landes lieber gesehen hätten.

6. Februar 1979: Tawwakkol Karman

DIe Tochter des Justizministers unter dem jemenitischen Präsidenten Salih war familiär auf politisches Interesse geprägt. Bereits ihr Vater hielt nicht mit Kritik an der Regierung zurück. Karman wurde zunächst Journalistin und beschäftigte sich als solche kritisch mit Kinderehen im Jemen. Sie war Mitbegründerin und Leiterin der Vereinigung Journalistinnen ohne Ketten (Women Journalists Without Chains, WJWC), setzte sich für Frauenquoten und gegen den traditionellen Gesichtsschleier ein.

Nachdem sie der jemenitischen Regierung schon seit 2006 mit einem regiekritischen SMS-Nachrichtendienst negativ aufgefallen war, organisierte sie im Aufkommen des arabischen Frühlings Studentendemonstrationen gegen Salih. Als sie verhaftet wurde, kam es zu Massenprotesten und sie wurde rasch wieder freigesetzt, nur um später wieder inhaftiert zu werden, nachdem sie am 3. Februar den „Tag des Zorns“ ausgerufen hatte.

2011 wurde Tawwakkol Karman die erste Frau aus dem arabischen Raum und mit 32 Jahren die jüngste Frau, der der Friedensnobelpreis verliehen wurde, gemeinsam mit Leymah Gbowee und Ellen Johnson Sirleaf.

12. Februar 1905: Federica Montseny (honorable mention wegen meiner eigenen politischen Neigung)

14. Februar 1964: Patricia Acioli

Acioli war eine brasilianische Richterin, die sich besonders mit Korruption in der Polizei befasste. Sie wurde am 11. August 2011 vor ihrem Haus von zwei Männern mit mindestens 16 Schüssen ermordet.

Am 30. Januar 2013 wurden drei Polizisten zu jeweils über zwanzig Jahren Haft für die Tat verurteilt; sie hatten Ermittlungen gegen sich selbst verhindern wollen.

19. Februar 1986: Marta

Die fünfmalige Weltfußballerin (2006-2010) begann mit 14 Jahren gegen den Willen ihrer Familie mit dem Spielen. Mit 18 wechselte sie von einem Verein in Rio de Janeiro zu Umeå in Schweden. Dort spielte sie von 2004 bis 2008, dann führte sie ihr Weg unter anderem nach Los Angeles, New York und später zurück nach Schweden. Inzwischen spielt sie für Orlando Pride.

Die flexible Stürmerin ist dribbelstark und schafft die Balance zwischen eigener Torgefährlichkeit und dem mannschaftsdienlichen Spiel.

24. Februar 1942: Gayatri Chakravorty Spivak

Die indische Sprach- und Literaturwissenschaftlerin wurde in den 1970ern bekannt durch ihre Übersetzung, aus dem Französische ins Englische, der Sprachtheorie „De la grammatologie“ von Jacques Derrida.

Sie war in Indien geboren und hatte an der Universität in Kalkutta einen Abschluss gemacht, um anschließend unter großen finanziellen Opfern in England zunächst Englische Literatur, dann Vergleichende Literaturwissenschaften zu studieren. Nachdem sie einige ihren Unterhalt als Englischlehrerin verdient hatte, wurde sie Assistant Professor in Iowa und machte gleichzeitig ihre englischen Universitätsabschlüsse zur Literatur Yeats‘.

In den 1980ern schloss sie sich dem Subaltern Studies Collective an, das sich mit der postkolonialen Welt und Perspektiven der Marginalisierten befasst. Spivak als Dekonstruktivistin kritisiert den Ethnozentrismus und arbeitet heraus, wie die Marginalisierten durch die „Wissensproduktion“ der westlichen Intellektuellen sprachlos oder ungehört und unverstanden bleiben. Sie verweist außerdem darauf, wie Privilegien im postkolonialen System die Privilegierten selbst von neuem Wissen abgehalten werden: „Unlearning one’s privileges as one’s loss.“ Kritisches Hinterfragen der eigenen Positionen und Glaubenssätze kann das Mittel sein, als Privilegierter das herrschende System zu überwinden.

Pivak prägte auch den Begriff des „strategischen Essentialismus“ mit, der die Idee bezeichnet, breit differenzierte Ziele unterschiedlicher Gruppen innerhalb einer Bewegung für ein generelles gemeinsames Ziel zeitweise hintanzustellen, um einen strategischen Vorteil aus der vereinten Schubkraft zu gewinnen.

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18. Januar 2016

KW 3/2016: Maria Leopoldine von Österreich, 22. Januar 1797

Maria Leopoldine von Österreich

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Das arme Poldl ist ein Beispiel dafür, wie guten, freundlichen und klugen Menschen schlimme Dinge durch die Hand von schlechten Menschen widerfahren.

Maria Leopoldine erhielt eine recht ausführliche Bildung und wurde zu Pflichtbewusstsein und Güte erzogen. Goethe widmete ihr mehrere Gedichte und ihr Schwager Napoleon Bonaparte erkannte die innige und liebevolle Bindung zwischen ihr und ihrer Schwester.

Wie zu erwarten aus politischen Gründen wurde die 20jährige im Jahr 1817 mit dem portugiesischen Kronprinzen Dom Pedro vermählt, der nach der Eroberung Portugals durch Napoleons Truppen zehn Jahre zuvor mit seinem Vater in die Kolonie Brasilien geflohen war; seit 1815 war Brasilien ein eigenes Königreich. Einige Männer aus ihrem Umfeld waren aufgrund des bekannten schlechten Charakters des Kronprinzen nicht begeistert von dieser Entscheidung, auch weil die große räumiche Distanz es unmöglich machte, sie zu unterstützen, und unwahrscheinlich, dass sie je wieder zurückkehren würde. Auf Betreiben Metternichs hin wurde jedoch die Eheschließung zunächst per Stellvertreter in Wien vollzogen, woraufhin sich die junge Kronprinzessin bald auf die dreimonatige Schiffsreise in ihre neue Heimat begab.

Die ersten fünf Jahre ihrer Ehe schienen eine vielversprechende Zukunft anzukündigen. Sie gebar dem Kronprinzen eine Tochter (zwei Kinder überlebten in dieser Zeit nicht das erste Lebensjahr), sorgte für kulturelle und wissenschaftliche Blüte im Land und beeinflusste den ungebildeten, ungehobelten Regenten positiv. Schließlich wurde sie zur Kronprinzessin gekrönt und brachte ihren Gemahl dazu, Brasilien als Königreich von Portugal, das inzwischen wieder von seinem Vater regiert wurde, unabhängig zu erklären. Gleichzeitig jedoch demütigte er sie damit, seine offizielle Geliebte zu ihrer Hofdame zu machen und die Tochter aus dieser Verbindung mit seinen ehelichen Kindern bei Hofe zu erziehen. Nichtsdestotrotz gebar sie ihm vier weitere Kinder. Als Dom Pedro 1826 den portugiesischen Thron erbte, lud er beide Frauen – die Kronprinzessin und seine Mätresse – zu einer anlässlichen Feierlichkeit, ein gemeinsames Auftreten hätte jedoch die offizielle Anerkennung der Geliebten durch die Ehefrau bedeutet. Leopoldine lehnte dies ab und machte sich ihren Mann, der schon zuvor kein mildes Wesen gezeigt hatte, endgültig zum Feind. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Leopoldines Tod Folge einer Misshandlung durch ihn war: er soll sie in den Bauch getreten und damit eine Fehlgeburt ihres letzten Kindes ausgelöst haben. Zehn Tage darauf verstarb die Kaiserin mit 29 Jahren, ohne jemals ihre Familie in Europa wiedergesehen zu haben.

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Von 179 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 13 (inklusive Maria Leopoldine von Österreich) Frauen:

19.1.399 Aelie Pulcheria
20.1.1292 Elisabeth Königin von Böhmen
22.1.1492 Beatrix von Baden
23.1.1572 Johanna Franziska von Chantal
23.1.1585 Maria Ward
18.1.1634 Marie-Madeleine da La Fayette
18.1.1670 Jeanne Baptiste d’Albert de Luynes
23.1.1674 Dorothea Christina von Aichelberg
21.1.1675 Franziska Sybilla Augusta von Sachsen-Lauenburg
19.1.1757 Auguste Reuß zu Ebersdorf
24.1.1776 Wilhelmine Halberstadt
18.1.1795 Anna Pawlowna