Posts tagged ‘erster weltkrieg’

24. April 2017

17/2017: Hertha Ayrton, 28.4.1854

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Hertha Ayrton

English below

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Die Tochter einfacher polnisch-jüdischer Immigranten wurde nach dem Tod ihres Vaters zu ihrer Tante in Obhut gegeben, die eine Schule in London betrieb. Dort erhielt sie ihre frühe schulische Ausbildung. Mit 16 Jahren arbeitete sie zunächst als Gouvernante, mit 20 begann sie ihr Studium der Mathematik am Girton College, nach ihrem Abschluss sechs Jahre später arbeitete sie dort auch als Lehrerin. Sie entwickelte in dieser Zeit ein Sphygmomanometer (oder auch Blutdruckgerät). Neben vielerlei sozialem Engagement bestand sie auch mit 26 Jahren eine mathematische Prüfung für Studenten der University of Cambridge, aber die vergab zu dieser Zeit keinen akademischen Grad an Frauen, nur Zertifikate. Ein Jahr später erhielt sie jedoch von der Universität London einen Bachelor of Science für eine ähnliche Prüfung.

In London entwickelte sie auch ein Instrument, mit dem man Linien in gleichlange Teile zerlegen kann, das Künstler, Architekten und Ingenieure verwenden können. Die Eintragung des Patentes wurde von den Feministinnen Louise Goldsmid und Barbara Bodichon finanziell unterstützt. Es war das erste von 26 Patenten, die Ayrton im Lauf ihres Lebens eintragen ließ.

Mit ihrem Ehemann, der zuvor ihr Lehrer gewesen war, betrieb sie Studien in der Elektrotechnik, Mathematik und Physik. Sie schrieb mehrere Publikationen unter anderem über die Bogenlampen-Technik und deren Verbesserung. 1899 wurde sie schließlich als erste Frau Mitglied der Institution of Electrical Engineers (IEE), durfte aber dennoch – aufgrund ihres Geschlechts – ihre Schrift nicht selbst bei der Royal Society vortragen, ein männlicher Kollege musste dies für sie tun.

Nach ihrem Vortrag beim International Electrical Congress in Paris 1900 festigte sich ihr Ruf als Kompetenz in der Elektrotechnik. Ihr Beispiel veranlasste die British Science Association dazu, Frauen in Kommittees unterschiedlicher Fachbereiche zuzulassen. Erst 1905 durfte sie als Frau bei der Royal Society vortragen, Mitglied in dieser Vereinigung wurde sie jedoch nie. 1906 erhielt sie die Hughes-Medaille für ihre Arbeit zu Bogenlampen, damit war sie die fünfte Person, die diese Ehrung erhielt; erst 2008 erhielt wieder eine Frau, Michele Dougherty, diesen Preis.

Während des Ersten Weltkrieges entwickete Ayrton ein lebensrettendes Instrument zur Giftgasbeseitigung, den Ayrton Fan.

Die Agnostikerin setzte sich auch für die Frauenrechte ein und benannte ihr erstes Kind nach der Feministin Barbara Bodichon – diese wurde Member of Parliament für die Labour Party und Mutter des Künstlers Michael Ayrton, der den Namen der mütterlichen Linie für seine professionelle Identität wählte. Hertha Ayrton starb mit 69 Jahren an einer Blutvergiftung.

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Wiki english

The daughter of plain Polish and Jewish immigrants, after her father’s death, was committed into the care of her aunt who ran a school in London. She received her early education there. At the age of 16 she worked as a governess, at 20 she began her studies of mathematics at Girton College, after finishing her studies she also worked as a teacher there. During that time she developed a sphygmomanometer. Besides a lot of social engagement she also passed the Mathematical Tripos at the University of Cambridge at 26 years old, but they did not hand certificates only to women, not degrees. She did receive a Bachelor’s degree from the University of London for passing a similar exam.

In London she also invented an instrument to divide lines in equally long parts, which can be used by artists, architects and engineers. The patenting of this invention was supported financially by the feminists Louise Goldsmid and Barbara Bodichon.  It was the first of 26 patents Ayrton would register in her lifetime.

With her husband, who had been her teacher before, she worked on studies in electrical engineering, mathematics and physics. She penned several publications, among others about arc lighting and its improvement. In 1899 she became the first female member of the Institution of Electrical Engineers (IEE), but – because of her gender – was not allowed to read her work at the Royal Society, a male colleague had to read it for her.

After her lecture at the International Electrical Congress in Paris 1900 her reputation as a competence in electrical enginieering was consolidated. Her example prompted the British Science Association to allow women on committees of various topics. It was in 1905 only that she could speak before the Royal Society, but she was never registered as a member. In 1906 she received the Hughes Medal for her work on arc lighting, as the fifth person awarded this honour; only in 2008 this prize was won by a woman, Michele Dougherty, again.

During World War I Ayrton developed an life-saving instrument for the dispelling of poisoned gas, the Ayrton fan.

The agnostic also advocated for women’s rights and named her first child after Barbara Bodichon – she became a Member of Parliament for the Labour Party and mother to artist Michael Ayrton, who took the name of his mother’s family for his professional identity. Hertha Ayrton died of blood poisoning at 69 years of age.

17. August 2015

KW 34/2015: Alice Schalek, 21. August 1874

Alice Schalek

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Es geht mir hier auf frauenfiguren ja nicht darum, Die Frau als das bessere menschliche Wesen darzustellen. Es geht mir hier darum, den Blick darauf zu lenken, dass Frauen ebensolche menschlichen Wesen sind wie Männer, die Großes leisten können – sich dabei in der Geschichte nur oft über größere Hürden hinwegsetzen mussten als Männer; dass Frauen das gleiche Potenzial innewohnt wie Männern, auch wenn sie eben in der Geschichtsschreibung und auch in der Gegenwart immer noch meist Nischenplätze und ihre separaten Podeste haben.

Eine spannungsreiche Figur und deswegen interessant unter dieser Prämisse ist Alice Schalek. Eine jüdische Frau, die sich als Journalistin und Kriegsberichterstatterin über die traditionellen Geschlechterrollen hinwegsetzte und – auf der anderen Seite – dabei eine Sichtweise auf den Mensch und den Krieg offenbarte, die Karl Kraus dazu veranlasste, sie eine Kriegstreiberin zu nennen. Eine Feministin, die in ihrer Anfangszeit die Emanzipation forderte, während des Krieges jedoch die Frauen selbst völlig in den Hintergrund stellte und die Männer, die im Krieg kämpften, idealisierte; nur um später wieder für die Frauenrechte einzutreten.

Die Frau als Mensch mit menschlichen Stärken und Schwächen zu sehen, sie aus der Dichotomie von „Hure und Heilige“ herauszuholen, ist ein wichtiger Schritt in der Emanzipation; statt eines schwarz-weißen Weltbildes, in dem der Feminismus ein Gegenteil vom Humanismus sei, weil er die Rollen umkehren wolle – also eine Dominanz der Frauen über die Männer anstrebe -, muss Feminismusgegnern der Wind aus den Segeln genommen werden, wenn sie meinen, mit Negativbeispielen die gesamte Bewegung diskreditieren zu können. Keine Frau ist perfekt, so wie kein Mann perfekt ist. Viele kluge Männer und Frauen haben in einem Bereich Großes und sich in anderen moralisch Fragwürdiges geleistet. Es geht nicht darum, eine Person oder ein ganzes Geschlecht idealistisch zu überhöhen, sondern Menschen egal welchen Geschlechts die gleichen Chancen zu gestatten.