Posts tagged ‘kalender’

19. April 2018

04/2018

3. April 1907: Lola Álvarez Bravo

Die Fotografin, eine der ersten Mexikos, trug zur nachrevolutionären Kulturblüte des Landes bei und war unter anderem mit Frida Kahlo und dem Dichterkreis Los Contemporáneos bekannt. Zunächst unter der Ägide ihres Mannes Manuel Álvarez Bravo, entwickelte sie bald ihren eigenen Stil, inspiriert von anderen in Mexiko tätigen Fotografen wie Tina Modotti und Edward Weston. Auch privat trennte sie sich von ihrem Mann und hatte zeitweise eine Beziehung mit María Izquierdo. Mit 37 Jahren hatte sie ihre erste allein bestrittene Ausstellung im Palacio de Bellas Artes, dem wichtigsten Kulturhaus Mexikos; sieben Jahre später eröffnete sie ihre eigene Galerie, in der Frida Kahlo 18953 ihre einzige Soloausstellung erhielt. Sie unterrichtete an der Academia San Carlos und war 1955 an Edward Steichens Fotoausstellung The Family of Man beteiligt.

LolaAlvarezBravo

Lola Alvarez Bravo

4. April 1927: Aušra Augustinavičiūtė

Die litauische Psychologin, Soziologin und Ökonomin ist die Begründerin der Sozionik, die ähnlich dem Myers-Briggs-Typenindikator die Aspekte menschlicher Persönlichkeiten in unterschiedliche Funktionen und Beziehungstypen einteilt.

Während der MBTI in den englischsprachigen Ländern verbreitet ist, ist die Sozionik das Gegenstück im russischen, slawischen und baltischen Raum. Die Sozionik erforscht, basierend auf C. G. Jungs psychologischen Typen, wie Menschen Informationen aufnehmen, verarbeiten und weitergeben. Sie teilt Eigentschaften und Neigungen des Menschen in so genannte Dichotomien, Gegensatzpaare oder Skalen, auf: Logik – Ethik, Intuition – Sensorik, Introversion – Extraversion, Rationalität – Irrationalität. Aus diesen leiten sich die acht Aspekte ab, aus deren unterscheidlichen Kombinationen in einem individuellen Charakter sich die sechszehn Typen ergeben.

Hauptkritikpunkt ist, dass ebenso wie der MBTI ein Testergebnis der Sozionik dem Barnum-Effekt unterliegt: Dass Menschen in einem ausreichend unspezifischen Text immer zutreffende Beschreibungen für sich finden.

5. April 1970: Miho Hatori

Die japanische Musikerin arbeitete bereits in ihrer Jugend in einem Plattengeschäft in Tokyo und war an der Hiphop Crew Kimidori beteiligt. Mit 22 Jahren ging sie nach New York, um Kunst zu studieren. Zunächst sang sie in der Punkband Laito Lychee, dann traf sie Yuka Honda und gründete mit ihr das Triphop-Projekt Cibo Matto, bei dem sie unter anderem auch mit Sean Lennon kooperierte. Sie war eine (oder die erste) Sprecherin der Gorillaz-Gitarristin Noodle.

17. April 1957: Jacqueline Moudeina

Die Menschenrechtsaktivistin musste 1979 ihre Heimat Tschad wegen des einsetzenden Bürgerkriegs verlassen. Sie beendete ihr Studium der Rechtswissenschaften in Brazzaville, Republik Kongo, wo sie sich auch der kongolesischen Sektion der Menschenrechtsorganisation ihres Heimatlandes, ATPDH, anschloss.

1995, nachdem das Terrorregime des Diktators Hissène Habré gestürzt worden war, kehrte sie in den Tscshad zurück und setzte sich seitdem für die Rechte von Frauen, Kindern und Minderheiten ein. Seit dem Jahr 2000 kämpft sie als Anwältin für die Opfer des Habré-Regimes: Der Politiker wird beschuldigt, für 40.000 politisch motivierte Morde vor allem an Minderheiten im Tschad verantwortlich zu sein. Da der Ex-Diktator im Senegal lebte, reichte sie entsprechende Klage beim Obersten Gerichtshof des Senegal ein und erstatte zeitgleich im Tschad Anzeige gegen seine Sicherheitsbeamten. Der Gerichtshof im Senegal sah sich als nicht zuständig an, weshalb Moudeina sich an ein Gericht in Belgien richtete – aufgrund des Weltrechtsprinzips, nach dem völkerstrafrechtlich relevanten Taten überall in der Welt verfolgt werden können. Ein belgischer Beamter nahm sich des Falles an, untersuchte die Vorwürfe und erließ schließlich einen internationalen Strafbefehl gegen Habré. Die Afrikanische Union hingegen verlangte die Verfolgung der Klage im Senegal, da „kein afrikanisches Staatsoberhaupt außerhalb Afrikas verurteilt werden sollte“. Nach weiterem Hin und Her, währenddessen sich der Senegal einer Strafverfolgung Habrés zunächst verweigerte und Moudeina wiederum in Belgien auf seinen Prozess drängte, musste sich Habré schließlich 2013 in der senegalesichen Hauptstadt Dakar für Kriegsverbrechen, Folter und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten und wurde 2016 schließlich, für Vergewaltigungen, sexuelle Sklaverei und Anordnung illegaler Tötungen, zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt.

Moudeina setzt sich weiterhin, gegen den Widerstand in ihrem Heimatland, für Menschen- und Kinderrechte ein, zum Beispiel gegen den Verkauf und die Versklavung von Kindern als Rinderhirten. Sie wurde 2001 bei einer Demonstration von einer Handgranate, die gezielt vor ihr platziert wurde, am Unterleib verletzt und trägt noch immer Granatensplitter in den Beinen, die ihre Gesundheit beeinträchtigen. Sie bestand trotz Gängeleien durch die tsschadischen Behörden immer wieder darauf, von medizinisch notwendigen Aufenthalten in Frankreich in ihre Heimat zurückzukehren; erst, als sie 2008 enthüllte, dass der Präsident Idriss Déby, Kindersoldaten in den tschadisch-sudanesischen Anteil am Dafur-Konflikt gesendet hatte, wurde die Bedrohung im eigenen Land so groß, dass sie Antrag auf Asyl in Frankreich stellte.

25. April 1956: Jaroslava Schallerová

Nennung ehrenhalber, weil die Schauspielerin die Hauptrolle im Film Valerie – Eine Woche voller Wunder spielt, einem surrealistischen Märchen um ein junges Mädchen in einer traumartigen Welt voller Ungeheuer und Sexualität.

28. April 1926: Bhanu Athaiya

Die Kostümbildnerin wirkte ihrer 41 Jahre umfassenden Karriere an 150 Filmen mit, vor allem an indischen Produktionen. 1983 gewann sie gemeinsam mit John Mollo den Oscar für bestes Kostüm, für ihre Arbeit an Richard Attenboroughs Monumentalwerk Gandhi. Sie gewann außerdem drei indische Filmpreise, unter anderem den Filmfare Award für ihr Lebenswerk.

 

 

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12. März 2018

03/2018

4. März 1913: Anna Vavak

Die in Wien lebende Tschechin wurde 1941 als ein aktives Mitglied der „Tschechoslowakischen Widerstandstruppe“ von der Gestapo verhaftet. Im Oktober 1942 wurde sie über verschiedene Stationen in das Konzentrationslager Ravensbrück verbracht, wo sie sich für die Arbeit im Rüstungsbetrieb des Siemenslager-Ravensbrück meldete. Im außerhalb des Konzentrationslagers liegenden Betrieb arbeiteten KZ-Insassinnen und Zivilisten zusammen an Fernsprech-, Radio und Meßgeräten für den Einsatz an der Front. Die Wochenarbeitszeit der KZ-Insassinnen betrug anfangs 48 Stunden und wurde später auf 62 Stunden hochgesetzt; dazu kamen ausfallende „Mahlzeiten“ im Konzentrationslager, weil der Weg hin und zurück die „Pause“ zumeist aufbrauchte. Später wurden Wohnbaracken für die dort arbeitenden KZ-Insassinnen gebaut, sodass sich die Wegzeit verkürzte (und die Arbeitszeit verlängerte).

Anna Vavak meldete sich freiwillig zur Arbeit im Betrieb, um mit den Zivilisten in Kontakt zu kommen und ihnen von den Zuständen im Konzentrationslager berichten zu können. Mit der Unterstützung anderer Arbeiterinnen erreichte sie bald die Position der Hauptanweiserin der Schreiberinnen. Das ermöglichte es ihr nicht nur, einzelnen Frauen das Leben zu retten, indem sie die Angaben über deren Produktionsquoten manipulierte, sondern machte sie zum Schutzengel anderer aktiver Sabotageakte, die die Zwangsarbeiterinnen im Betrieb vornahmen. So setzte sie ihren Widerstand gegen die Nationalsozialisten auch in der Haft weiter fort.

Anna Vavak konnte nach der Evakuierung des KZ Ravensbrück beim Todesmarsch Richtung Malchow entkommen. Sie heiratete ein Jahr nach Kriegsende einen anderen Holocaust-Überlebenden, Hans Maršálek, der später als Chronist des KZ Mauthausen tätig war. Sie starb mit 46 Jahren und wurde in Wien beerdigt.

7. März 1858: Cecilie Thoresen

Die Tochter eines norwegischen Arztes und Gutsbesitzers genoß mit ihren Brüdern gemeinsam eine private Erziehung. Sie las bereits als Jugendliche die zeitgenössische Literatur, wozu auch eine Übersetzung von John Stuart Mills Die Hörigkeit der Frau gehörte. Dennoch entschloss sie sich erst mit 20 Jahren, einen Mittelschulabschluss zu machen, um berufliche Perspektive zu gewinnen. Zunächst besuchte sie einen „Kurs für Bürodamen“ an einer Handelsschule, wo sie sich allerdings langweilte und nach acht Tagen (eigenen Angaben zufolge) die Ausbildung abbrach.

Ihr Vater setzte sich auf ihren Wunsch dafür ein, dass ihr das für ein Universitätsstudium nötige Examen ermöglicht werden sollte, das zu diesem Zeitpunkt (1880) nicht für Frauen offenstand. Das zuständige Kirchen- und Unterrichtsministerium verweigerte ihr jedoch diesen Wunsch. Als Cecilie selbst sich an den Kirchenminister wandte, leitete dieser die Anfrage an die Universität in Kristiania (heute Oslo) weiter, die einzige Universität des Landes. Doch auch hier wurde sie abgewiesen.

Thoresen ließ nicht locker und kontaktierte Hagbard Berner, einen Mitarbeiter des oppositionellen Politikers Johan Sverdrup. Dieser brachte einen privaten Gesetzesentwurf dahingehend in das norwegische Parlament, das zwar Bedenken hatte – aus der Arbeit der Frau könne nur „voller Nutzen“ gezogen werden, wenn bei Erziehung und Ausbildung Rücksicht auf ihre „natürlichen Dispositionen, ihr eigentümliches Gemütsleben sowie auf ihre Anlagen und Vorzüge“ genommen werde –, aber Mitte 1882 dann doch ein neues Gesetz beschloss, welches das Examen für das Universitätsstudium auch Frauen eröffnete. Thoresen legte noch eine Zusatzprüfung ab, da sie Mathematikunterricht nur im für Mädchen üblichen Rahmen erhalten hatte, und bestand diese mit Erfolg. Im Alter von 24 Jahren bestand sie ihr Examen als erste Frau Norwegens, und zwar in allen Fächern mit „sehr gut“. Gleich im Anschluss schrieb sie sich unter großem nationalen Aufsehen an der Universität Kristiania ein und studierte später sogar für ein Auslandsjahr in Kopenhagen.

Auch wenn sie selbst aufgrund von Heirat und der Geburt dreier Kinder ihr Studium nicht abschloss, hatte sie den Mädchen und jungen Frauen Norwegens den Bildungsweg an der Universität eröffnet. Sie engagierte sich auch im späteren Verlauf ihres Lebens für die Frauenbewegung, war an der Gründung der Norwegischen Frauenrechtsvereinigung und der Frauen-Wahlrechtsvereinigung beteiligt und auch die norwegische Sektion des Internationalen Frauenrats geht auf ihre Initiative zurück.

Den Erfolg ihrer Arbeit erlebte sie nicht mehr; sie verstarb 1911 im Alter von 53 Jahren, das Frauenwahlrecht wurde in Norwegen – als einem der ersten Länder Europas – erst 1913 eingeführt.

22. März 1913: Sabiha Gökçen

Die Tochter eines Amtsschreibers, der vom drittletzten Sultan der Türkei ins Exil verbannt worden war, konnte ihre schulische Ausbildung zunächst dank der Unterstützung ihrer Geschwister weiterführen. Mit 12 Jahren traf sie den Begründer der gerade zwei Jahre alten Republik der Türkei, Mustafa Kemal Atatürk. Der Präsident war von dem Mädchen beeindruckt, dass aus ärmlichsten Verhältnissen kam und dennoch den Ehrgeiz pflegte, die höhere Schule besuchen zu wollen. Er adoptierte Sabiha (neben elf anderen jungen Mädchen und Frauen) und förderte ihre Ausbildung.

Mit 22 Jahren begann Gökçen ihre Politinnenausbildung, mit späterer Weiterbildung in der Sowjetunion. Ein Jahr später machte sie ihren ersten Soloflug, um dann bei der türkischen Luftwaffe ihre Ausbildung zur Militärpilotin abzuschließen. Dazu gehörte auch das Fallschirmspringen – zu diesem Zeitpunkt war der Fallschirmsprung die einzige Möglichkeit, ein abstürzendes Flugzeug zu verlassen.

Sie flog ihre ersten Einsätze im letzten großen Kurdenaufstand in der Türkei; für ihre Einsätze im Korea-Krieg erhielt sie die Beförderung in den Rang eines Majors. Während und nach ihrer aktiven Zeit im Lilitärflugdienst war sie verantwortlich für die Kampfpilotenausbildung der türkischen Luftwaffe, danach flog sie in einer Kunstflugstaffel.

Nur wenige Monate vor ihrem Tod im Jahr 2001 wurde der zweite Istanbuler Flughafen nach ihr benannt. Die Pilotin, die in ihrer aktive Zeit insgesamt 22 verschiedene Flugzeugtypen flog, ist eine spannungsreiche Figur: Sie diente als Exemplar für Atatürks moderne Frauenpolitik, doch verstand sie sich und die türkische Frau an sich als Kind einer „soldatischen Nation“. Sie sprach sich gegen den politischen Islam aus, doch war sie auch daran beteiligt, Bomben auf alevitische Kurden zu werfen. Gökçen kann als reine Galleonsfigur der modernen, ethnisch türkischen Frau gesehen werden – andere Frauen konnten erst wesentlich später (in den 1990er Jahren) den Militärdienst antreten, außerdem symbolisiert sie die Unterdrückung aller türkischen Minderheiten, insbesondere der Kurden. Als drei Jahre nach ihrem Tod Vermutungen aufkamen, dass sie eventuell armenischer Abstammung sein könnte, sorgte das für große Unruhe und zum Teil klare rassistische Äußerungen in der Türkei.

27. März 1945: Anna Mae Aquash

Auch unter dem Mi’kmaq-Namen Naguset Eask, nahm Anna Mae Aquash als Mitglied des American Indian Movement (AIM) an verschiedenen Protestaktionen teil, wie der Besetzung der Mayflower II im Bostoner Hafen an Thanksgiving 1970 und der Besetzung von Wounded Knee.

Ende 1975 wurde sie vom AIM einigen Verhören unterzogen, wohl, weil man vermutete, sie spiele im Fall des Pine Ridge Shoot-outs der Polizei Informationen über den flüchtigen Tatverdächtigen Leonard Peltier zu. Im September 1975 verschwand sie; im Februar 1976 wurde ihr Leichnam auf der Pine Ridge Reservation gefunden. Zunächst wurde sie als nicht identifizierte Erfrorene unter dem Namen Jane Doe beerdigt, nur ihre Hände wurden abgetrennt und für Fingerabdruck zum FBI gesandt. Dadurch wurde sie acht Tage später als Aquash identifiziert und auf Wunsch ihrer Angehörigen, darunter ihre zwei Töchter, exhumiert. Bei der zweiten Obduktion wurde auch die Schusswunde am Kopf entdeckt, die auf eine Exekution hindeutete.

Es vergingen 27 Jahre, bevor für diesen Mord Tatverdächtige verhaftet wurden. Die Mitglieder und Führungspersonen des AIM, die vermutlich mit der Beseitigung einer vermeintlichen Informantin der Polizei in Zusammenhang stehen, beschuldigen sich gegenseitig. Ein tatsächlicher Tathergang ist bis heute ungeklärt.

25. März 1953: Souhaila Andrawes*

Die im Libanon zum christlichen Glauben der Eltern erzogene Exil-Palästinenserin wollte eigentlich Nonne werden, was im vorwiegend muslimischen Kuwait, wo sie am Ende ihrer Schulzeit lebte, so gut wie unmöglich war. Sie konnte dort auch nicht studieren und ihr Plan, nach Jerusalem zu gehen, wurde vom Sechstagekrieg 1967 durchkreuzt. So ging sie schließlich zurück in den Libanon, um dort Englische Sprache und Literatur zu studieren.

Unter dem Einfluss ihrer palästinensischen Verwandtschaft, vor allem aber durch die Begegnung mit der ersten weiblichen Flugzeugentführerin, Leila Chaled, die in der arabischen Welt als Heldin gefeiert wurde, politisierte sich die 16jährige Andrawes und fand Anschluss an die palästinensische Widerstandsbewegung. Als sie mit 22 Jahren vor dem libanesischen Bürgerkrieg nach Kuwait zurück floh, nahm sie dort bald Kontakt zur Volksfront zur Befreiung Palästinas auf. Während ihrer militärischen Ausbildung 1977 in Aden (Jemen) lernte sie den hochrangigen PFLP-Funktionär Zaki Helou und dessen deutsche Frau Monika Haas kennen, die später unter Verdacht stand, mit ihr zusammengearbeitet zu haben. Vom Jemen über Kuwait und Bagdad erreichte Andrawes schließlich Mallorca, um dort im Auftrag Wadi Haddads mit anderen militanten PFLP-Mitgliedern das Kommando Martyr Hamileh durchzuführen: die Entführung des Lufthansa-Fluges LH 181 Landshut.

Andrawes war die einzige Überlebende der „Operation Feuerzauber“, wie die Befreiung der Geiseln in Mogadishu in der Planung der GSG 9 bezeichnet wurde. Sie wurde von Schüssen in Lunge und Beine getroffen; beim Abtransport auf einer Bahre durch den Flughafen hielt sie den Fernsehkameras das Victory-Zeichen entgegen und rief: „Tötet mich, wir werden siegen!“

Sie wurde im Folgejahr in Somalia zu 20 Jahren Haft verurteilt, die sie zunächst dort antrat, doch schon Monate später wurde sie in den Irak abgeschoben. Von dort aus wurde sie mehrfach in die Tschechoslowakei gesandt, um die Spätfolgen ihrer Schussverletzungen zu behandeln. Sie konnte im Irak ihr abgebrochenes Studium fortsetzen, doch floh bald vor den israelischen Kräften, die im libanesischen Bürgerkrieg eingriffen, nach Damaskus. Dort lernte sie 1983 ihren Ehemann kennen, mit dem sie zwei Jahre später eine Tochter hatte; 1990 wurden sie aus Syrien nach Zypern ausgewiesen und fanden schließlich in Norwegen politisches Asyl.

1994, auf den Tag 17 Jahre nach der Befreiung der Landshut wurde sie von deutschen Fahndern in Oslo festgenommen und im Folgejahr nach Deutschland ausgeliefert. 1996 wurde sie in Hamburg zu 12 Jahren Haft verurteilt, für die Beteiligung an Mord, Menschenraub, Flugzeugentführung und Geiselnahme. Ein Jahr später wurde ihr erlaubt, ihre Reststrafe in Norwegen abzusitzen; bereits zwei Jare darauf wurde sie aufgrund ihres Gesundheitszustandes, beeinträchtigt von den langfristigen Schäden durch die Schussverletzungen, vorzeitig entlassen. Seitdem lebt sie mit ihrer Familie in Oslo.

*Disclaimer: Zur Erinnerung, es geht mir auf diesem Blog nicht ausschließlich um bewundernswerte Frauen, die Gutes taten/tun und die als Vorbild dienen können. Es geht mir auch darum, die volle Bandbreite persönlicher Eigenschaften abzubilden, die Frauen als menschliche Wesen innehaben können. Eine palästinensische Terroristin zu besprechen, gehört für mich deswegen ebenso dazu wie Massenmörderinnen (I und II) und KZ-Mitarbeiterinnen. Nach dem immer noch vorherrschenden Vorurteil sind Frauen friedliche, fürsorgliche Wesen, Aggressivität und Verbrechen von Frauen wird noch stets als schrecklicher, schockierender und widernatürlicher betrachtet als von Männern. Somit gehören diese aus der Norm herausragenden Frauen für mich selbstverständlich zum Themenkomplex Frauenfiguren, mit dem ich versuche, die dominierende Binarität Mann/Frau ein wenig aufzuweichen.

5. Februar 2018

02/2018

1. Februar 1972: Leymah Gbowee

Leymah Gbowee war 17 Jahre alt, als in ihrer Heimat der Erste liberianische Bürgerkrieg ausbrach. Zunächst arbeitete sie als Sozialarbeiterin mit Kindern und Jugendlichen in der Hauptstadt Monrovia. Von ihrer folgenden Tätigkeit beim Gesundheitsministerium stieg sie auf zur Programm-Koordinatorin bei der Aktion „Women in Peacebuilding“; in dieser Funktion organisierte sie die gewaltfreien Proteste der Bewegung Women of Liberia Mass Action for Peace gegen die andauernden kriegerischen Zustände im Land. Die Frauen versammelten sich hierfür, weiß gekleidet, für gemeinsame Gebete und Gesänge.

In einem medienwirksamen Aufruf zitierte sie auch das Lysistrata-Thema und forderte die liberianischen Frauen zu einem Sex-Streik auf, bis die Männer endlich den Gewalttätigkeiten ein Ende setzen würden.

Nach dem Ende des Bürgerkrieges war Gbowee designiertes Mitglied der Wahrheit und Versöhnung in Liberia. Anschließend arbeitete sie, schließlich als Executive Director, im Women Peace and Security Network Africa.

2011 erhielt sie gemeinsam mit ihrer Landsmännin Ellen Johnson Sirleaf und Tawwakkol Karman (s.u.) den Friedensnobelpreis.

2. Februar 1929: Vera Chytilovà (honorable mention wegen meiner Sedmikrásky-Rezension)

2. Feburar 1972: Dana International

DIe israelische Sängerin wurde als Yaron Cohen geboren (assigned male at birth) und wollte schon mit 8 Jahren Sängerin werden, inspiriert von Ofra Hazas Auftritt beim Eurovision Song Context 1983. Seit ihrem 13. Lebensjahr lebt sie als transgender Frau.

Sie gewann 1998 mit dem Song „Diva“ den Eurovision Song Contest, gegen den Widerstand einiger streng religiöser Gruppen in Israel, die einen konservativeren Vertreter ihres Landes lieber gesehen hätten.

6. Februar 1979: Tawwakkol Karman

DIe Tochter des Justizministers unter dem jemenitischen Präsidenten Salih war familiär auf politisches Interesse geprägt. Bereits ihr Vater hielt nicht mit Kritik an der Regierung zurück. Karman wurde zunächst Journalistin und beschäftigte sich als solche kritisch mit Kinderehen im Jemen. Sie war Mitbegründerin und Leiterin der Vereinigung Journalistinnen ohne Ketten (Women Journalists Without Chains, WJWC), setzte sich für Frauenquoten und gegen den traditionellen Gesichtsschleier ein.

Nachdem sie der jemenitischen Regierung schon seit 2006 mit einem regiekritischen SMS-Nachrichtendienst negativ aufgefallen war, organisierte sie im Aufkommen des arabischen Frühlings Studentendemonstrationen gegen Salih. Als sie verhaftet wurde, kam es zu Massenprotesten und sie wurde rasch wieder freigesetzt, nur um später wieder inhaftiert zu werden, nachdem sie am 3. Februar den „Tag des Zorns“ ausgerufen hatte.

2011 wurde Tawwakkol Karman die erste Frau aus dem arabischen Raum und mit 32 Jahren die jüngste Frau, der der Friedensnobelpreis verliehen wurde, gemeinsam mit Leymah Gbowee und Ellen Johnson Sirleaf.

12. Februar 1905: Federica Montseny (honorable mention wegen meiner eigenen politischen Neigung)

14. Februar 1964: Patricia Acioli

Acioli war eine brasilianische Richterin, die sich besonders mit Korruption in der Polizei befasste. Sie wurde am 11. August 2011 vor ihrem Haus von zwei Männern mit mindestens 16 Schüssen ermordet.

Am 30. Januar 2013 wurden drei Polizisten zu jeweils über zwanzig Jahren Haft für die Tat verurteilt; sie hatten Ermittlungen gegen sich selbst verhindern wollen.

19. Februar 1986: Marta

Die fünfmalige Weltfußballerin (2006-2010) begann mit 14 Jahren gegen den Willen ihrer Familie mit dem Spielen. Mit 18 wechselte sie von einem Verein in Rio de Janeiro zu Umeå in Schweden. Dort spielte sie von 2004 bis 2008, dann führte sie ihr Weg unter anderem nach Los Angeles, New York und später zurück nach Schweden. Inzwischen spielt sie für Orlando Pride.

Die flexible Stürmerin ist dribbelstark und schafft die Balance zwischen eigener Torgefährlichkeit und dem mannschaftsdienlichen Spiel.

24. Februar 1942: Gayatri Chakravorty Spivak

Die indische Sprach- und Literaturwissenschaftlerin wurde in den 1970ern bekannt durch ihre Übersetzung, aus dem Französische ins Englische, der Sprachtheorie „De la grammatologie“ von Jacques Derrida.

Sie war in Indien geboren und hatte an der Universität in Kalkutta einen Abschluss gemacht, um anschließend unter großen finanziellen Opfern in England zunächst Englische Literatur, dann Vergleichende Literaturwissenschaften zu studieren. Nachdem sie einige ihren Unterhalt als Englischlehrerin verdient hatte, wurde sie Assistant Professor in Iowa und machte gleichzeitig ihre englischen Universitätsabschlüsse zur Literatur Yeats‘.

In den 1980ern schloss sie sich dem Subaltern Studies Collective an, das sich mit der postkolonialen Welt und Perspektiven der Marginalisierten befasst. Spivak als Dekonstruktivistin kritisiert den Ethnozentrismus und arbeitet heraus, wie die Marginalisierten durch die „Wissensproduktion“ der westlichen Intellektuellen sprachlos oder ungehört und unverstanden bleiben. Sie verweist außerdem darauf, wie Privilegien im postkolonialen System die Privilegierten selbst von neuem Wissen abgehalten werden: „Unlearning one’s privileges as one’s loss.“ Kritisches Hinterfragen der eigenen Positionen und Glaubenssätze kann das Mittel sein, als Privilegierter das herrschende System zu überwinden.

Pivak prägte auch den Begriff des „strategischen Essentialismus“ mit, der die Idee bezeichnet, breit differenzierte Ziele unterschiedlicher Gruppen innerhalb einer Bewegung für ein generelles gemeinsames Ziel zeitweise hintanzustellen, um einen strategischen Vorteil aus der vereinten Schubkraft zu gewinnen.

15. Januar 2018

01/2018

1. Januar: Chertek Amyrbitowna Antschimaa-Toka

1912 geboren, war die Tuwinerin 1940 das erste weibliche Staatsoberhaupt einer Republik –  in einem südsibirischen Land, nicht einmal halb so groß wie Deutschland.

Leider war sie als solche, auch durch die Schattenregierung ihres Mannes, nur eine Marionette der Regierung der Sowjetunion, unter der die von Stalin angeordnete Säuberung des Landes von Buddhismus und Schamanismus sowie die Ausrottung der traditionellen nomadischen Lebensweise weiterbetrieben wurde. Das Land trat drei Tage nach der Sowjetunion in den Zweiten Weltkrieg ein und im Oktober 1944 als ‚autonomes Gebiet‘ in die Sowjetunion eingegliedert. Antschimaa-Toka bekleidete bis 1972 nur noch regionale Ämter. Sie verstarb 2008 in der tuwinischen Hauptstadt Kyzyl.

2. Januar: Julia Wsewolodowna Lermontowa

Die 1846 in St. Petersburg geborene Russin wollte ursprünglich Medizin studieren, musste jedoch feststellen, dass sie weder den Anblick von Skeletten noch der Armut ihrer Patienten ertrug. Ihr wissenschaftliches Interesse richtete sich daraufhin auf die Chemie. Als sie trotz beständiger Ermutigung durch ihre Lehrer nicht an der Universität akzeptiert wurde, die als die Beste für Chemie in Russland galt, bemühte sie sich um ein Studium im Ausland. Ihrer Cousine Anna Michailowna Jewreinowa war von der erfolgreichen Mathematikerin Sofja Wassiljewna Kowalewskaja Unterstützung bei einem Studium in Deutschland angeboten worden und mit der älteren, angesehenen Anstandsdame war es beiden jungen Frauen möglich, Russland zu verlassen.

Als 22jährige studierte Lermontowa in Heidelberg Chemie und untersuchte in Robert Bunsens Labor die Eigenschaften von Platinverbindungen. Von dort ging sie nach Berlin und studierte organische Chemie unter August von Hofmann. 1874, mit 25 Jahren, schrieb Lermontowa ihre Dissertation und wurde an der Universität Göttingen die erste Frau mit einem Doktorgrad der Chemie.

Im Anschluss daran kehrte sie nach Russland zurück, arbeitete an der Synthetisierung von Kohlenwasserstoffen und stellte nach ihrem Rückzug aus der Chemie auf ihren geerbten Landsitz einen Käse her, der in ganz Russland verkauft wurde. Als Soja Kowalewskaja 1891 starb, übernahm Lermontowa (teilweise) die Fürsorge für deren nun verwaiste Tochter Fufa, die zu Lermontowas Tod 1919 auch deren gesamten Besitz erbte.

4. Januar: Hamida Barmaki

Die afghanische Menschenrechtsaktivisttin wäre am 4. Januar 48 Jahre alt geworden. Die Juraprofessorin war Expertin für das afghanische Rechtssystem, das durch säkuläre und religiöse Aspekte kompliziert gestaltet ist. Sie setzte sich in ihrem Land für die Frauen- und allgemeinen Menschenrechte, vor allem der Kinder, ein, hatte mehrere öffentliche Ämter inne und arbeitete als Vertreterin des Max-Planck-Instituts für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht. 2009 wurde sie Kommissarin für Kinderrechte bei der AIHRC, der unabhängigen afghanischen Menschenrechtskommission.

Am 28. Januar 2011 wurde sie, mit ihrer gesamten Familie aus Mann und vier Kindern im Alter von 16, 14, 11 und 4 Jahren, Opfer eines Selbstmordanschlages auf einen Supermarkt in Kabul, dessen ursprüngliches Ziel bis heute ungeklärt ist.

6. Januar: Melchora Aquino

„Tadang Sora“, Alte Sora, wie Melchora Aquino im Tagalog liebevoll genannt wird, war bereits 84 Jahre alt, als 1896 der philippinische Unabhängigkeitskampf von der spanischen Kolonialmacht begann. Sie war 1812 als Tochter von Landarbeiter auf dei Welt gekommen, hatte keine Bildung erfahren und nach dem Tod ihres Mannes alleinerziehende Mutter ihrer sechs Kinder gewesen; sie trat manchmal als Sängerin auf oder sang in der Kirche zur Messe.

Ihr Sohn war aktiv im philippinischen Freiheitskampf und sie unterstützte ihn, indem sie in ihrem Haus verwundete Kameraden aufnahm und ihr Haus für die Versammlung der revolutionären Organisation zur Verfügung stellte. So wurde sie die ‚Mutter der Katipunan‚. Sie wurde auch mit 84 Jahren von den Spaniern inhaftiert und auf die Marianen-Inseln deportiert. Zwei Jahre später, als die Vereinigten Staaten die Kontrolle über die Philippinen übernahmen, wurde sie entlassen und kehrte zurück in ihren Heimatort, wo sie erst 11 Jahre später, im hohen Alter von 107 Jahren, starb. Ihre Grabstelle im Hinterhof ihres Hauses ist heute ein öffentlicher Friedhof.

17. Januar: Eri Yoshida

Die 26jährige Japanerin ist die erste Frau, die in ein japanisches Profi-Baseballteam aufgenommen wurde, und nachdem sie von den Chico Outlaws gedraftet wurde, auch die erste, die in zwei Nationen professionell Baseball spielte.

Die Pitcherin spezialisierte sich mit 16 Jahren auf einen speziellen Wurf, den Knuckleball, der wegen des Mangels an Effet besonders instabil fliegt und daher für den Batter unberechenbar ist. Leider konnte sie in ihrer Spielzeit bei den Outlaws keine Erfolge erzielen und wurde daher bereits nach einem Jahr aus dem Kader gestrichen.

24. Januar: Rokia Traoré

Zum Schluss: etwas Musik. Die malische Musikerin singt in ihrer Muttersprache Bambara oder auf Französisch, ihre Musikrichtung bezeichnet sie als „zeitgenössische Musik aus Mali“. Die Klänge bringen etwas äquatoriale Wärme in den Januar.

18. Dezember 2017

51/2017: Käthe Paulus, 22.12.1868

Käthe Paulus Fallschirmspringer parachutist

Käthe Paulus

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Als letzte Frauenfigur dieses Jahr – zwischen den Jahren mache ich Pause – eine Dame mit regionalem Bezug: Käthe Paulus, die schon als Kind hoch hinaus wollte, im rein physischem Sinn, und mit der unwahrscheinlichen Vorbildung als Schneiderin eine große Rolle in der Luftschifffahrt spielen sollte. Sie startete die Ballonfahrt, von der aus sie ihren ersten Fallschirmabsprung beging, in Krefeld (gesprungen ist sie dann über dem heutigen Wuppertaler Stadtteil Elberfeld). Leider verwitwete sie ein Jahr später auch in Krefeld, als ein Fallschirm-Ballon-Experiment mißglückte und ihr Ehemann vor ihren Augen – sie schwebte sicher mit Fallschirm herab – haltlos zur Erde stürzte; die Umwandlung eines Heißluftballons zu einem Fallschirm war nicht erfolgreich vonstatten gegangen.

Während sie selbst in vielen Jahren der Ballonfahrt und der Fallschirmsprünge sich nie mehr als einen Beinbuch zuzog, verlor sie neben dem Ehemann auch noch, kurz darauf, ihren vierjährigen Sohn an die Diphtherie. Paulus war aus der Krise nach dem Tod ihres Ehemannes gestärkt hervorgegangen und so überwand sie diese nächste Krise mit Konzentration auf ihre Arbeit und ihre öffentlichen Auftritte. Sie verkaufte sich geschickt als wagemutige, kesse Luftakrobatin und füllte die Flugfelder mit Publikum, wenn sie ihre Kunststücke in der Luft darbot.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges zog sich Paulus aus dem Luftraum zurück, übergab ihre Ballone und Fallschirme der Heeresleitung und pausierte für zwei Jahre. 1916 jedoch begann sie in ihrer Wohnung die Fertigung von Fallschirmen für das Preußische Kriegsministerium – zunächst alleine, später mit wachsender Nachfrage, mit angestellten Näherinnen. Das Zuschneiden der Seide jedoch und der anderen Stoffe, die verwandt werden mussten, als Seide knapp wurde, betrachtete sie stets als ihre eigene verantwortungsvolle Aufgabe. Sie hatte das Konzept des Paketfallschirms entwickelt, das nun den Fliegern des deutschen Heeres das Leben rettete, und erhielt dafür das Verdienstkreuz für Kriegshilfe.

Nach dem Ende des Krieges verlor sie während der Inflation ihr Vermögen und außer den Spenden ihrer Memorabilia an die deutsche Luftfahrtsammlung hörte man nichts mehr von ihr. Als sie 1935 starb, fielen die Beerdigungsfeierlichkeiten eher klein aus, wenn auch die beiden bekannten deutschen Fliegerinnen Elly Beinhorn und Hanna Reitsch anwesend waren.

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(no English Wiki)

As the last woman of this year – I will taking a break between Christmas and New Year’s – I chose a lady with regional relevance (for me): Käthe Paulus, who aimed high in a purely physical sense as a child already, and who with the improbable education as a sea,stress would play a grat role in aeronautics. She started the balloon ride, from which she did her first parachute jump, in my hometown Krefeld (the actual jump took place over Elberfeld, today a part of Wuppertal). Sadly, she was also widowed in Krefeld a year later, when a parachute-balloon-experiment went awry and her husband – with her floating downwards gently in her parachute – plunged to earth without restraints before her eyes; the transformation from hot air balloon to parachute had not been successful.

While she herself never suffered more than a broken leg in many years of balloon riding and parachuting, apart from her husband she also, shortly after, lost her four year old son to diphtheria. Paulus had emerged from the crisis after her husband’s death with newfound strength, and so she overcame this next crisis by concentrating on her work and her public appearances. She cleverly presented herself as a pert and daring aerial acrobat and filled the airfields with her audience, when she performd her stunts in the air.

With the beginning of World War I, Paulus retreated from airspace, handed over her balloons and parachutes to the ary command and paused her career for two years. In 1916 though she began manufacturing parachutes for the Prussian Ministry of War in her flat – on her own at first, she later employed seamstresses with growing demand. Tailoring of the silk and the other fabrics which had to be used, when silk became rare, she always saw as her own responsible task. She had developed the concept of the packaged parachute, which now saved the lives of German pilots, and received the Merit Cross for War Aid for this achievement.

After the end of the war she lost her whole fortune to the inflation and apart from her donating her memorabilia to the German Aviation Collection, she wasn’t heard about anymore. When she died in 1935, her funral celebration was small, even though the two well-known female pilots Elly Beinhorn and Hanna Reitsch were present.

11. Dezember 2017

50/2017: Emily Carr, 13.12.1871

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Emily Carr galt im kanadischen Impressionismus als „Mutter der modernen Kunst“. Sie entwickelte aus dem französischen Impressionismus und den Motiven der amerikanischen Ureinwohner ihren eigenen Stil, verließ die Malerei nach einiger Frustration für mehrere Jahre, um mit ihren Schwestern eine Pension zu betreiben und Bücher zu schreiben, und kehrte dann 1927 mit Macht in die Kunstszene zurück. Ihre erfolgreichste Zeit als Künstlerin erlebte sie erst mit über 50 Jahren.

Sie pflegte gute Kontakte zu mehreren Völkern der amerikanischen Ureinwohner in Kanada und wirkte als Sprachrohr für deren Kampf gegen die Verdrängung. In ihren späteren Arbeiten thematisierte sie auch den Verlust der Natur durch die Industralisierung. Sie starb 1945 an einem Herzanfall.

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Emily Carr was considered the „mother of modern art“ in Canadian impressionism. She developed her own style from the French impressionism and motives of Native Americans, quit painting for several years after some frustrations to run a boarding hous with her sisters and to write books, and returned to the art scene with full force in 1927. She reached her peak success as an artist in her 50s.

She maintained close contact to several tribes of Canadian Native Americans and acted as a spokesperson for their struggle against their suppression. In her later works she also drew on the topic of loss of nature through industrialisation. She died of a heart attack in 1945.

Emily Carr Kunst art Malerin artist painter

Emily Carr Bilder/paintings 1

Emily Carr Kunst art Malerin artist painter

Emily Carr Bilder/paintings 2

4. Dezember 2017

49/2017: Irene Lentz, 8.12.1900

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Irene Lentz begann ihre berufliche Karriere beim Film als Schauspielerin, doch bald wechselte sie das Fach und arbeitete zunächst als Modedesigner mit selbstgenähten Modellen. Durch ihre lange Beziehung, aber leider kurze Ehe (er starb weniger als ein Jahr nach der Hochzeit an Tuberkulose) mit einem Regisseur war sie noch immer dem Filmgeschäft verbunden, und so wurde sie schließlich erfolgreiche Kostümbildnerin. Sie stattete Berühmtheiten wie Marlene Dietrich, Carole Lombard und Deborah Kerr aus, für die Leinwand und für ihre öffentlichen Auftritte.

Besonders bemerkenswert ist die von ihr gestaltete Garderobe für Lana Turner in „Im Netz der Leidenschaften„, das mit avangardistischer Eleganz Turners provokante Rolle unterstrich.

1950 zog sie sich aus dem Filmgeschäft zurück, um sich ganz der Mode zu widmen. Erst zehn Jahre später ließ sie sich von ihrer Freundin Doris Day wieder zur Kostümgestaltung bewegen und begeisterte wiederum mit den Garderoben zu „Mitternachtsspitzen“ (oscarnominiert) und „Pyjama für Zwei„.

Ihr Privatleben war von Unglück geprägt – nach dem frühen Tod des ersten Ehemannes führte sie eine lange, aber unglückliche zweite Ehe, möglicherweise hatte sie eine geheime Affäre mit Gary Cooper, der ein Jahr vor ihrer Rückkehr ins Filmgeschäft verstarb. So änderte ihr erneuter Erfolg in Hollywood nichts daran, dass sie offenbar an Depressionen litt: Drei Wochen vor ihrem 61. Geburtstag bezog sie ein Zimmer im zehnten Stock des Knickerbocker Hotels in Los Angeles; dort versuchte sie zunächst, sich die Pulsadern aufzuschneiden und stürzte sich dann aus dem Fenster ihres Zimmers zu Tode.

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Irene Lentz began her professional career at the movies as an actress, but soon changed her subject and at first worked as a fashion designer with original designs. Through long relationship, alas followed by a short marriage (he died of tuberculosis less than a year after the wedding) to a director, she was still connected to the movie business, and so she ended up as a successful costume designer. She apparelled celebreties such as Marlene Dietrich, Carole Lombard and Deborah Kerr, for the screen and their public appearances.

Particularly noteworthy was the wardrobe she designed for Lana Turner in „The Postman Always Rings Twice„, which underlined Turner’s provocative role with avantgardistic elegance.

In 1950, she withdrew from the movie business to dedicate herself fully to fashion. It was only ten years later that she was persuaded by her friend Doris Day to design movie costumes, and again she thrilled with her wardrobes for „Midnight Lace“ (nominated for an Academy Award) and „Lover Come Back„.

Her private life was imbued with sorrow – after the early death of her first husband, she led a long, yet unhappy marriage, it’s possible she had a secret affair with Gary Coopr who died one year before her return to the movies. Thus her renewed success in Hollywood changed nothing about the fact that she seemed to suffer from depression: Three weeks before her 61st birthday, she checked into a room in the eleventh floor of the Knickerbocker Hotel in Los Angeles, there she tried at first to cut her wrists and then threw herself out of the window, into her death.

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Irene Filme Kostüme movie costumes

Auswahl an Kostümen von Irene / choice costumes by Irene

Lana Turner Im Netz der Leidenschaften Tehe Postman Always Rings Twice Kostüme costumes Irene

Lana Turner „Im Netz der Leidenschaften“/“The Postman Always Rings Twice“ Kostüme/costumes: Irene

Doris Day Mitternachtsspitzen Midnight Lace Kostüme costumes Irene

Doris Day „Mitternachtsspitzen“/“Midnight Lace“                                                      Kostüme/costumes: Irene

Doris Day Pyjama für Zwei Lover Come BackKostüme costumes Irene

Doris Day „Pyjama für Zwei“/“Lover Come Back“                                                       Kostüme/costumes: Irene

27. November 2017

48/2017: Susan Stebbing, 2.12.1885

Susan Stebbing

Susan Stebbing

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Die britische Philosophin der „analytischen“ Strömung schrieb kurz vor dem zweiten Weltkrieg, was heute noch wahr ist:

„Es ist heutzutage dringend notwendig, dass die Bürger einer Demokratie gut denken können. Pressefreiheit und Parlamentarismus sind nicht genug. Unsere Probleme liegen zum Teil in unserer Dummheit begründet, zum Teil auch darin, dass diese Dummheit ausgenutzt wird. Außerdem sind unsere eigenen Vorurteile und persönlichen Begehrlichkeiten ein Grund. Ein Teil unseres ineffizienten Denkens kommt von einer starken Sehnsucht, eine sichere Meinung zu komplizierte Angelegenheiten zu haben. Unglücklicherweise können nur wenige wahre Aussagen über komplizierte Probleme in einem einzelnen Satz gemacht werden. Wir verfallen schnell der Gewohnheit, knappe Aussagen zu akzeptieren, das bewahrt uns vor der Anstrengung selbst zu denken. So entsteht das, was ich eine beschränkte Denkweise nenne. (…) Wir sollten unsere Denkweise nicht unser Bewusstsein verschließen lassen und uns durch Schlagworte von der Arbeit des Denkens abhalten lassen. Vitamine sind unverzichtbar für das Wachstum unserer Körper. Das kritische Hinterfragen unseres ‚eingelegten‘ Denkens ist unverzichtbar für die Entwicklung unserer Fähigkeit zum zielgerichteten Denken.“ (Quelle: Wikipedia)

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The British philosopher of the „analytic“ generation wrote, shortly before World War II, what is still true today:

„There is an urgent need to-day for the citizens of a democracy to think well. It is not enough to have freedom of the Press and parliamentary institutions. Our difficulties are due partly to our own stupidity, partly to the exploitation of that stupidity, and partly to our own prejudices and personal desires. (…) This metaphor seems to me to be appropriate, because potted thinking is easily accepted, is concentrated in form, and has lost the vitamins essential to mental nourishment. You will notice that I have continued the metaphor by using the word ‘vitamins.’ Do not accept the metaphor too hastily: it must be expanded. Potted meat is sometimes a convenient form of food; it may be tasty, it contains some nourishment. But its nutritive value is not equivalent to that of the fresh meat from which it was potted. Also, it must have originally been made from fresh meat, and must not be allowed to grow stale. Similarly a potted belief is convenient; it can be stated briefly, sometimes also in a snappy manner likely to attract attention. A potted belief should be the outcome of a belief that is not potted. It should not be held on to when circumstances have changed and new factors have come to light. We should not allow our habits of thought to close our minds, nor rely upon catch-words to save ourselves from the labour of thinking. Vitamins are essential for the natural growth of our bodies; the critical questioning at times of our potted beliefs is necessary for the development of our capacity to think to some purpose. (source: Wikipedia)

20. November 2017

47/2017: Hetty Green, 21.11.1834

Hetty Green, Witch of Wall Street

Hetty Green

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Die in eine Quäker-Familie hineingeborene Henrietta wurde bereits mit 13 die Buchhalterin ihrer Familie; wahrscheinlich durch die häufige Krankheit ihrer Mutter bedingt interessierte sie sich unter dem Einfluss von Vater und Großvater früh für wirtschaftliche Themen.

1860 und 1865 erbte Green von verschiedenen Familienmitgliedern große Summen Geld, die sie dank ihrer Kenntnisse und Erfahrungen sehr bald gewinnbringend investierte. Nach einer Heirat und einem Aufenthalt in England (ihre Cousins hatten sie – vermutlich zu Recht – der Dokumentenfälschung angeklagt) wurde sie die erste Geschäftsfrau an der Wall Street und bekannt als „reichste Frau“ des Gilded Age.

Aufgrund ihres bemerkenswerten finanziellen Erfolges und ihres ebenso bemerkenswerten Geizes – und natürlich ihrer isolierten Position als Frau unter Männern – wurde sie „die Hexe von der Wall Street“ genannt. Sie war wohl insgesamt keine sehr liebenswerte Person, immer auf den Schutz ihres eigenen Geldes bedacht und dabei auch nicht scheu, es an menschlichen Werten mangeln zu lassen. Aber auch sich selbst gegenüber war sie hart und unnachgiebig und versagte sich sogar nötige medizinische Versorgung, weil sie sie Geld gekostet hätten.

Als sie 1916 mit 82 Jahren starb, war sie Schätzungen zufolge die reichste Frau der Welt, mit einem Vermögen, das heute zwischen 2 und 4 Milliarden US-Dollar wert wäre. Ihre beiden Kinder überlebten dank ihres Erbes und der Kenntnisse, die ihre Mutter ihnen weitergegeben hatte, die Weltwirtschaftskrise recht unbeschadet, genossen ihr wohlhabendes Dasein weit mehr als Hetty und spendeten vor allem einiges für wohltätige Zwecke und die Wissenschaft.

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Born into a family of Quakers, Henrietta became her family’s bookkeeper; probably due to her mother’s recurring illness, under the influence of her father and grandfather, she became interested in economics at a young age.

In 1860 and 1865, Green inherited large sums of money from various family members, which she soon invested with a profit due to her knowledge and experience. After marriage and temporarily living in England (her cousin had accused her of forgery, probably rightfully so) she became the first business woman on Wall Street and known to be “the richest woman of the Gilded Age”.

Because of her remarkable financial success and her just as remarkable greed – and of course her isolated position as a woman among men – she was called “the witch of Wall Street”. It seems she wasn’t the most agreeable person, always worrying about guarding of her fortune and not shying away from a lack of humanitarian values. But she was just as hard and unrelenting against herself and even denied herself necessary medical procedures, as they would cost her money.

When she died in 1916 at the age of 82, she is estimated to have been the richest woman in the world, with a fortune of 2 to 4 billion US dollars’ worth. Her two children survived the Great Depression relatively unscathed, thanks to their heritage and the knowledge her mother had passed on to them, enjoyed their riches far more than Hetty had and noteably gave large sums to charity and scientific research.

13. November 2017

46/2017: Sara Josephine Baker, 15.11.1873

Sara Josephine Baker

Sara Josephine Baker

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Sara Josephine Baker begann ihre Ausbildung zur Medizinerin mit 16 Jahren, um die Familie ernähren zu können, nachdem ihr Vater und ihr Bruder an Typhus verstorben waren. Sie wurde Schülerin von Elizabeth Blackwell und begann mit 25 Jahren ein Arztpraktikum am New England Hospital for Women and Children, das von einer anderen Protegée Blackwells, Dr. Marie Zakrzewska, gegründet worden war (women lift up women). Mit 28 Jahren bestand sie ihr Examen für den Staatsdienst und qualifizierte sich als Inspektor bei der Gesundheitsbehörde in New York. Bei den Kollegen war sie bekannt als Dr. Joe, da sie Männerkleidung trug.

Sie übernahm die Aufgabe, die Sterblichkeitsrate im schlimmsten Slum der Stadt zu senken, in Hell’s Kitchen. Dort starben wöchentlich 4.500 Personen, davon 1.500 Säuglinge. Wöchentlich. Viele davon wurden Opfer der Shigellenruhr, doch vornehmlich war die Unkenntnis der Eltern und die generelle mangelnde Hygiene das Problem. Baker, deren Interesse seit einer verhauenen Prüfung zum Thema „Das normale Kind“ sich vor allem auf die Kindergesundheit konzentrierte, führte unterschiedliche, sehr erfolgreiche Maßnahmen ein, um die Sterblichkeits- und Krankheitsrate der Kinder in Hell’s Kitchen zu senken.

Mit einigen Krankenschwestern zusammen begann sie, die Mütter in Säuglingspflege zu unterrichten: Von der richtigen Kleidung, um Überhitzung zu vermeiden, zur richtigen Ernährung bis hin zur Hygiene und der Vermeidung des Erstickens im Schlaf.

Sie gaben gute, saubere Milch aus, da die sonst erhältliche Milch oft nicht sauber oder mit Kreidewasser versetzt war, um die Profite zu erhöhen.

Außerdem entwickelte sie eine Mixtur aus Wasser, Kalziumkarbonat, Kuhmilch und Laktose, die Mütter ihren Kindern geben konnten, wenn sie arbeiten mussten, um die Familie am Leben zu erhalten (Mini-Exkurs zur Tatsache, dass Stillen-Können sowohl ein körperliches wie ein wirtschaftliches Privileg ist).

Sie verbesserte die Methode, mit der Silbernitrat gegen Augeninfekte gelagert und verabreicht wurde, wodurch sie innerhalb von zwei Jahren die Rate des Erblindens bei Säuglingen von 300 auf 3 pro Jahr senkte.

Sie sorgte dafür, dass Hebammen ausgebildet und lizensiert wurden, da ein großer Teil der Säuglingssterblichkeit vor allem auf riskante Geburtssituationen zurückzuführen war, weil Hebammen nicht immer auf dem neuesten Stand waren und zum Teil mit gefährlichen „traditionellen“ Methoden hantierten.

Nebenbei eliminierte sie Kopfläuse und Trachome vollständig aus der Population im Schulalter und richtete die (immer noch nachahmenswerte) Position der permanenten Schulärzte und -krankenschwestern ein, sodass Kinder wenn schon nicht zu Hause, dann doch in der Schule auf Infekte und gesundheitliche Mangelerscheinungen geprüft wurden.

Sie fing auch zwei Mal die berüchtigte „Typhoid Mary“ Mallon, die Köchin, die ohne eigene Symptome der Krankheit mehrere Familien mit Typhus ansteckte und für drei Todesfälle verantwortlich war.

Dank all dieser Erfolge wurde Baker eingeladen, an der New York University School of Medicine Vorlesungen zu halten. Sie willigte ein unter der Bedingung, auch selbst dort studieren zu können – daraufhin ließ die Schule das Angebot zunächst fallen. Erst, als sie keinen Mann finden konnten, der Baker in ihrem Erfahungsbereich das Wasser reichen konnte, willigten sie ein. So kam sie dazu, mit 44 Jahren noch ihren Doktor in „Volksgesundheit“ zu machen.

Als die USA 1917 in den Ersten Weltkrieg eintraten, errang Baker höchste Bekanntschaft mit dem Kommentar gegenüber einem Reporter der New York Times, dass es „sechsmal sicherer“ sei, als Soldat in den Schützengräben Frankreichs zu liegen, als als Baby in den Vereinigten Staaten geboren zu werden. Die neugewonnene Popularität ermöglichte es ihr, ein Ernährungsprogramm für Schulen einzurichten. Ein wenig bitter schmeckt jedoch die Tatsache, dass sie mit der hohen Rate an nicht-wehrfähigen jungen Männern argumentierte, um ihr Gesundheitsprogramm fördern zu lassen.

Im Laufe ihres Lebens wurden Baker verschiedene hohe Positionen in den USA, England und Frankreich angeboten. Sie lebte mit der „frauen-orientierten Frau“ I. A. R. Wylie, einer australischen Autorin, zusammen, die sie wohl auch bei der Erstellung ihrer Biografie „Fighting for Life“ half. Die beiden zogen zusammen mit einer dritten Freundin, Louise Pearce, nach New Jersey. Baker wurde die weibliche Vertreterin des Völkerbundes und schrieb über die Jahre vier Bücher, ihre eigene Biografie und 250 Artikel. Sie starb mit 72 Jahren an Krebs.

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Sara Josephine Baker started her education to become a physiscian at 16 years old, to be able to support her family after her father and her brother had died of typhoid fever. She became a pupil of Elizabeth Blackwell and at 25 years old began her internship at the New England Hospital for Women and Children, which had been founded by another protegée of Blackwell’s, Dr. Marie Zakrzewska (women lift up women). At the age of 28 years she passed her civil servant’s exam and qualified herself as an inspector at the Department of Health in New York City. Her colleagues knew her as D. Joe, because she wore men’s clothing.

She took on the task of reducing the mortality rate in Hell’s Kitchen, the worst slum of the city. In one week 4.500 people died there, of which 1.500 were newborns. Every week. Many of them were victims of dysentery, but mainly parental ignorance and general lack of hygiene were to blame. Baker, who had focused on childrens‘ health after failing an exm on the topic of „The Normal Child“, introduced various very successful measures to lower the rate of mortality and illness of children in Hell’s Kitchen.

Together with several nurses she began teaching young mothers in baby care: from the right clothing to prevent overheating and healthy nourishment to hygiene and preventing the children from suffocating in their sleep.

They handed out good, clean milk, since the available milk in stores was often contaminated or stretched with chalk water for profits.

She also developed a formula from water, Calcium carbonate, cow’s milk and lactose, which mothers could give their babies when they had to work to keep the family afloat (mini excursion into the fact that being able to breastfeed is as much a privilege of physical as of economic ability).

She improved the way silver nitrate, used to prevent eye infections in children, was stored and administered, by which brought down the rate of blindess in babies from 300 to 3 per year within two years.

She ensured that midwives received an education and were licensed, because a large portion of newborn mortality was to be attributed to high-risk birthing situations, since midwives weren’t always up to date with scientific knowledge and sometimes worked with dangerous „traditional“ methods.

As a sideline she completely eliminated head lice and trachoma from the population of school age and installed the (still exemplary) position of school doctors and school nurses, so that children if not at home, at least would get checked for infections and health deficits in school.

She also caught „Typhoid Mary“ Mallon twice, the cook who infected several families with typhoid fever without suffering symptoms of her own, and who was responsible for three deaths because of that.

As a consequence of these successes, Baker was invited to lecture at New York University School of Medicine. She agreed under the condition that she would be allowed to study there as well – whereupon the school dropped its offer. It was only after they were unable to find a man who could hold a candle to Baker’s experience in the field, that they acceeded. So she arrived at achieving her doctorate in Public Health at the age of 44 years.

When the US entered World War I in 1917, Baker received further publicity  with her commentary towards a reporter of the New York Times that it’s „six times safer to be soldier in the trenches of France than to be a baby born in the United States“. Her newly gained popularity enabled her to set up a lunch program for schools. It does leave a bitter taste, though, that she reasoned with the high rate of young men being declared 4F (unfit for military service) to have her health program sponsored.

Over the course of her life, Baker was offered various important positions in the US; England and France. She lived with „women-oriented woman“ I. A. R. Wylie, an Australian writer, who probably helped her write her biography „Fighting for Life„. The two of them moved to New Jersey with a third friend, Louise Pearce. Baker became the first female professional representative of the League of Nations and over the years wrote four books, her own biography and 250 articles. She died of cancer at the age of 72.