Posts tagged ‘literatur’

25. Oktober 2016

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13. Juni 2016

KW 24/2016: Fanny Burney, 13. Juni 1752

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Fanny Burney

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Heute ist es also mal passiert – in Erwartung großer Veränderung im Alltag habe ich mein Augenmerk zu sehr auf die Vorbereitung der kommenden Monate gelegt und darüber die nächstliegende Priorität übersehen…
Fanny Burney war eine Schriftstellerin, die im England des 18. Jahrhunderts Bildungsromane schrieb, bevor diese als solche beliebt wurden. Jane Austen war eine Bewundererin ihrer Werke und von ihr beeinflusst; während sie Zeit ihres Lebens als Autorin erfolgreich war, wurde nach ihrem Tod ihr Schaffen vom Interesse an ihrem Privatleben – das sie in Tagebüchern ausführlich beschrieb – überschattet.

Neben ihren Werken verdanken wir ihr jedoch auch eine Beschreibung einer Mastektomie ohne Narkose. 1810 stellte sich bei Fanny Burney der Verdacht auf Brustkrebs ein, und um ihr Leben zu retten, unterzog sie sich dieser Behandlung – um später eindringlich darüber zu schreiben. Es folgt meine eigene Übersetzung (Originaltext auf der englischen Wikipedia-Seite), nicht für empfindliche Gemüter:

„Ich bestieg also ungefragt das Lager – und M. Dubois legte mich auf die Matter, & legte ein Batisttuch auf mein Gesicht. Es war jedoch durchsichtig & ich sah, dadurch, dass das Lager augenblicklich umkreist war von den 7 Männern und meiner Krankenschwester. Ich weigerte mich, festgehalten zu werden; doch als ich, hell durch das Batist, den Glanz des polierten Stahls sah – schloss ich meine Augen. (…) Jedoch – als der fürchterliche Stahl in die Brust gestoßen wurde – durch Venen, Arterien, Fleisch, Nerven schneidend – benötigte ich keine Anweisungen, meine Schreie nich tzu unterdrücken. Ich begann einen Schrei, der ununterbrochen andauerte über die ganze Dauer des Schnittes – und ich wundere mich fast, dass er mir nicht noch immer in den Ohren schallt? so quälend war die Pein. Als die Wunde gemacht war und das Instrument zurückgezogen wurde, schien der Schmerz ungemildert, denn die Luft, die plötzlich in diese empfindlichen Bereich trieb, fühlte sich an wie eine Masse winziger doch scharfer und spitzer Dolche, die die Ränder der Wunde zerrissen. Ich schloß, dass die Operation vorüber sei – Oh nein! sofort wurde das fürchterliche Schneiden wieder aufgenommen – & schlimmer als je, um den Boden, das Fundament der scheußlichen Drüse zu trennen von den Bereichen, an denen sie hing – Wieder wäre jede  Beschreibung müßig – jedoch wiederum war es nicht vorüber, – Dr. Larry ruhte nur seine Hand aus, & – Oh Himmel! – dann fühlte ich das Messer an das Brustbein gebracht, um es zu abzuschaben!“

Seien wir dankbar für die Zeit, in der wir leben dürfen.

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Von 99 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 7 (inklusive Fanny Burney) Frauen:

13.6.1561 Anna Maria von Anhalt
15.6.1584 Anna Sophia von Anhalt
16.6.1644 Henrietta Anne Stuart
13.6.1672 Anna Maria Franziska von Sachsen-Lauenburg
15.6.1727 Charlotte Elisabeth Nebel
18.6.1754 Anna Maria Lenngren

8. Februar 2016

KW 6/2016: Karoline von Günderrode, 11. Februar 1780

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Karoline von Günderrode

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Die „Sappho der Romantik“ lebte und schrieb im Kreise Clemens Brentanos und Bettina von Arnims; sie rang zeitlebens mit den Erwartungen an die Rolle der Frau in der Gesellschaft, die so gar nicht ihrem Naturell entsprachen.

Als Lyrikerin relativ erfolgreich, wenn auch von anderen Vertretern der Romantik überschattet, erlitt sie im Privatleben immer wieder Zurückweisung. Nachdem ihre erste Liebe Friedrich Carl von Savigny eine andere geheiratet hatte, verliebte sich Karoline in einen verheirateten Mann, Friedrich Creuzer, für den sie ihren Freundeskreis vernachlässigte, der sich jedoch selbst nicht in der Lage sah, seine Frau für sie zu verlassen.

Karoline von Günderrode wählte mit 26 Jahren den Freitod per Dolchstoß, nachdem ihr Geliebter die Beziehung beendet hatte.

 *

Von 200 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 11 (inklusive Karoline von Günderrode) Frauen:

13.2.1457 Maria von Burgund
11.2.1466 Elizabeth of York (Königin)
14.2.1640 Anna Magdalena von Pfalz-Birkenfeld-Bischweiler
11.2.1715 Margaret Cavendish Bentinck
13.2.1752 Luise von Göchhausen
9.2.1769 Susette Gontard
13.2.1772 Henriette Hendel-Schütz
12.2.1775 Louisa Adams
9.2.1777 Louise Brachmann
8.2.1794 Agnes Franz

21. Dezember 2015

KW 52/2015: Renate Welsh, 22. Dezember 1937

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Renate Welsh

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Passend so kurz vor Weihnachten mit zwei Kindern bin ich mit Renate Welsh auf eine Kindheitserinnerung gestoßen: Das Vamperl gehörte zu meinem ersten Lesestoff. Das Vamperl ist ein kleiner Vampir, der kein Blut saugt, sondern wütenden Menschen die Galle abtrinkt. Wer bis jetzt noch kein Weihnachtsgeschenk für Kinder zwischen 7-10 hat, dem lege ich das Buch ans Herz (lehrer-online.de empfiehlt es als Unterrichtsmaterial für die 3. Klasse). Vielleicht kann damit das kommende Jahr etwas weniger toxisch gelingen… Frohes Fest!

30. November 2015

KW 49/2015: E. Marlitt, 5. Dezember 1825

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E. Marlitt

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E. Marlitt (Pseudonym, eigentlich Friederike Henriette Christiane Eugenie John) gilt als erste Bestsellerautorin der Welt. Ihre Romane, deren Handlung sich in der adligen Gesellschaftsklasse abspielte, waren bei Frauen des gehobenen Bürgertums sehr beliebt; so beliebt, dass Theodor Fontane sich in einem Brief an seine Frau darüber beschwerte, dass sie zahlreiche Auflagen und Übersetzungen erreichte, „um mich kümmert sich keine Katze“.

Ihr Roman „Reichsgräfin Gisela„von 1869 wurde 1918 das erste Mal verfilmt.

5. Oktober 2015

KW 41/2015: Agnes von Krusenstjerna, 9. Oktober 1894

Agnes von Krusenstjerna

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Wieder mal ein Eintrag auf mener Leseliste für bisher noch nicht absehbare freie Tage.

Agnes von Krusenstjerna scheint die Hauptverantwortliche für die weltbekannte schwedische Freizügigkeit in der Kunst zu sein. In den 1920er Jahren schrieb sie Romane über das Heranwachsen eines jungen Mädchen in der Adelsgesellschaft, die in ihrer Beschreibung von Geisteskrankheit und vor allem der Sexualität bahnbrechend waren. Sie löste damit die Krusenstjerna-Fehde aus, in der es zwischen liberalen Künstlern und Konservativen, unter anderem Nazi-Sympathisanten, zum Streit um die ewige Frage „Was darf die Kunst“ kam.

Detailreiche Beschreibung von Geschlechtsverkehr in der Literatur war natürlich unerhört, noch dazu von einer Frau. Vieles, auch die Anteile ihrer Romane, die sich mit Geisteskrankheit befassten, war wohl autobiografisch – sie starb mit 46 Jahren an einem Gehirntumor, der ihr schon in der Jugend Anfälle verursachte. In ihrer kurzen Lebenszeit durchstieß sie jedoch für Schweden die bisher geltenden Grenzen der Moral in der Kunst.

22. Juni 2015

KW 26/2015: Ingeborg Bachmann, 25. Juni 1926

Ingeborg Bachmann

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Zugegeben, ich habe bisher nur und das vor langer Zeit Malina von ihr gelesen. In einem meiner ersten Semester hatte ich ein Seminar zu Kunstmärchen und schrieb eine kurze Hausarbeit über das Märchen, das in Malina geschrieben wird. Den ganzen Roman hatte ich dann noch einmal als Prüfungsthema.

Ihren Geburtstag diese Woche habe jetzt zum Anlass genommen, mir eine Liste zu erstellen an Büchern von Autorinnen, die ich unbedingt lesen muss: Ingeborg Bachmanns Undine geht steht dort ganz oben.

Ingeborg Bachmann ist für mein Empfinden zu etwas wie die Gallionsfigur der deutschsprachigen Literatur – vielleicht auch nur, weil es den nach ihr benannten Preis gibt. Ihre „weibliche Empfindsamkeit“ ist ihre künstlerische Qualität, aber war auch ihr Folterknecht – schlußendlich sogar ihr Henker (ohne problematische Trennung von Max Frisch keine Barbiturat-Abhängigkeit, ohne Barbiturat-Abhängigkeit kein früher Tod durch Entzugserscheinungen). Was ich von ihrem Text erinnere, ist „typisch weiblich“, intuitiv, offen, fluid, manchmal jämmerlich, manchmal merkwürdig kraftvoll.

28. Mai 2014

R.I.P. Maya Angelou

Maya Angelou ist verstorben, und ich habe es leider nicht geschafft, für diese Woche Marilyn Monroe zu posten. Damn you wordpress-App.
Dafür habe ich es geschafft, ein Kind zu bekommen. In diesem Sinne, viele Grüße aus dem Wochenbett!

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18. Juni 2012

KW 25/2012: Octavia E. Butler, 22. Juni 1947

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Ocatvia E. Butlers Sternstunde – insofern, als diese den Beginn ihrer Karriere markierte – war es, als sie mit 12 Jahren nach Sichtung des Films Devil Girl from Mars zur Ansicht kam, dass sie Besseres schreiben könne. Und das, obwohl sie aus ärmlichen, nicht gerade bildungsnahen Verhältnissen stammte und bei ihr in der Schulzeit eine Leseschwäche diagnostiziert wurde. Mit ihren ersten Kurzgeschichten und späteren Romanzyklen begann sie auf Dauer eine ansehnliche Bibliographie zusammenzuschreiben, als die bekannteste afro-amerikanische Science-Fiction-Autorin (was an sich natürlich nicht schwer ist, wie viele davon gibt es wohl insgesamt?).

Wenn man den Inhalt von Devil Girl from Mars bei Wikipedia liest, kommt man mal wieder auf emanzipationsbedingte Kastrationsangst, was ich einen sehr guten Anlass für eine Schriftstellerkarriere finde. Dass Olivia E. Butler daraufhin Sci-Fi-Romane schrieb, die zumeist aus Perspektive ethnischer Minderheiten Gender, Geschlecht und Sexualität zum Thema hatten, lässt darauf schließen, dass der Film nur die literarische Beschäftigung mit den Themen getriggert hat, die in ihrem Leben eine Rolle spielten.

Ich habe noch nichts von ihr gelesen, aber angesichts ihrer Themen und des Lobes, das sie erhielt, bin ich jetzt durchaus interessiert – gute Fantasy und Science Fiction ist schließlich dünn genug gesät. Von Frauen für Frauen noch viel dünner.

Es gibt eine Olivia E. Butler Home Page, eine Kurzbiografie mit Beurteilung ihres Gesamtwerkes (auf Englisch) kann man bei bookrags lesen.