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31. Oktober 2016

KW 44/2016: Laura Bassi, 31. Oktober 1711

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Laura Bassi

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Laura Bassi fand ihren ersten Förderer im Hausarzt der Familie Bassi – von ihrem Vater und einem Verwandten unterrichtet, fasste sie dessen Therapieanweisungen sowohl in Latein wie Französisch zusammen. Dr. Gaetano Tacconi wurde ihr Privatlehrer und stellte sie mit 21 Jahren bei Debatten mit Medizinerkollegen auf. Auch der zukünftige Papst Benedikt XIV., damals noch Prospero Lambertini, war auf sie aufmerksam geworden und förderte ihre Bildung. Aufgrund ihrer erfolgreichen medizinischen Debatten wurde sie als Ehrenmitglied in der Bologneser Akademie aufgenommen, kurz bevor diese für Frauen ganz geschlossen wurde. Sie legte eine zweistündige öffentliche Doktorprüfung im Rathaus von Bologna ab und wurde daraufhin als Doktor der Philosophie anerkannt. Im folgenden Jahr wurde sie die erste weibliche Professorin Europas, im Fachbereich der Philosophie, der auch theoretische Physik beinhaltete. Sie durfte mit Erlaubnis des Magistrats von Bologna an der Universität unterrichten, erhielt ein Professoren-Jahresgehalt und hielt öffentlcihe Vorträge. Sie war finanziell und familiär unabhängig, spätestens seit dem Tod ihres Vaters. Als sie einen weniger profilierten Mann, den Arzt Guiseppe Verati, heiratete, wurde dies mit Misstrauen und Unmut wahrgenommen: sie hätte eine bessere Partie finden oder, noch besser, ganz unverheiratet bleiben sollen. Ihr Bild als jungfäuliche „Minerva von Bologna“ wurde mit dieser Ehe in den Augen der Öffentlichkeit beschmutzt. Sie war jedoch auch geistig und moralisch unabhängig und heiratete, wen sie wollte; mehr, sie gebar ihm acht (laut der englischen Wiki, zwölf) Kinder, von denen fünf überlebten.

In Zusammenarbeit mit ihrem Mann wandte sie sich mehr der praktischen Physik zu. Sie entwickelte einen der ersten Blitzableiter und führte in ihrem privaten Landhaus Experimente mit Elektrizität durch. Sie war eine der beiden höchstbezahlten Angestellten der Universität, stand unter den Fittichen des Papstes, unterrichtete 28 Jahre lang Physik an der Universität und privat, schrieb jedes Jahr eine Dissertation und veröffentlichte zeit ihres Lebens vier von 28 Aufsätzen, zu praktisch-physikalischen Themen wie der Schwerkraft und der Hydraulik. Sie führte Briefwechsel mit internationalen Wissenschaftlern, unter anderem Voltaire; dieser bat sie, ihn an die Universität von Bologna zu holen, die er allein wegen ihr der Londoner Universität vorzog, obwohl diese Newton hervorgebracht hatte.

Dank Papst Benedikt XIV. wurde sie auch als einzige Frau Mitglied der Benedettini, einem Kreis von Wissenschaftler mit festem Einkommen und dem Ansporn, den wissenschaftlichen Ruhm der Universität zu mehren und unzensiert zu forschen. Trotz all ihrer Meriten durfte sie nicht an der Wahl neuer Mitglieder teilnehmen und durfte Vorträge erst nach ihren männlichen Kollegen halten.

Mit 65 Jahren erhielt sie eine Professur am Instituto delle Scienze erst, nachdem diese erst ihrem – noch stets weniger profilierten – Ehemann angeboten und durch dessen Verzicht quasi an sie weitergereicht wurde. Zwei Jahre später starb sie an einem Herzanfall, dem Endpunkt ihrer lebenslangen gesundheitlichen Probleme.

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Von 137 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 14 (inklusive Laura Bassi) Frauen:

6.11.15 Agrippina die Jüngere
6.11.1537 Elisabeth Magdalene von Brandenburg
2.11.1549 Anna von Österreich
5.11.1563 Anna von Oranien-Nassau
5.11.1607 Anna Maria von Schürmann
3.11.1677 Euphrosyne Auen
4.11.1687 Catharina Christina von Ahlefeldt
2.11.1709 Anna von Großbritannien, Irland und Hannover
5.11.1711 Kitty Clive
31.10.1750 Alcipe
2.11.1755 Marie Antoinette
6.11.1784 Laure-Adelaide Abrantès
31.10.1796 Ottilie von Goethe

16. Mai 2016

KW 20/2016: Maria Gaetana Agnesi, 16. Mai 1718

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Maria Gaetana Agnesi

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Maria Gaetana Agnesi ist ein Musterbeispiel dafür, dass Erfolg subjektiv ist und sich nicht unbedingt daran bemisst, alles zu tun, was man könnte.

Das Wunderkind Maria Gaetana, Tochter eines Textilkaufmanns/Mathematikprofessors (möglicherweise), war das älteste von insgesamt 21 Geschwistern und Halbgeschwistern. Sie hielt mit neun Jahren eine einstündige Abhandlung in lateinischer Sprache über die Rechte der Frau auf Bildung, sprach mit elf Jahren bereits sieben Sprachen und studierte mit 14 Ballistik und Geometrie. Ihr ehrgeiziger Vater gründete einen Bildungszirkel, in dem sie 15jährig regelmäßig philosophische Fragen diskutierte – diskutieren musste, obwohl sie kränklich und sehr schüchtern war. Nachdem eine strenge „Reit- und Tanzkur“ keinen Erfolg in ihrer Genesung von einer unbekannten Krankheit brachten, wurde es ihr erlaubt, kürzer zu treten. Als die Mutter starb, zog sie sich gerne in den Haushalt und die Erziehung ihrer Geschwister zurück. Der Vater heiratete noch zwei weitere Male und zeugte immer weitere Geschwister; er gestatte Maria Gaetana nicht, in ein Kloster zu gehen, respektierte ihre Wünsche aber soweit, dass sie sich von den gesellschaftlichen Auftritten zurückziehen un dder Forschung widmen durfte.

Mit 30 Jahren veröffentlichte sie ihre Grundlagen der Analysis, in denen sie unter anderem die Versiera der Agnesi diskutierte. Sie wurde daraufhin von Papst Benedikt XIV. zur Professorin an der Universität von Bologna berufen, unterrichtete dort jedoch nie, anders als ihre Zeitgenossin Laura Bassi. Stattdessen nutzte sie vier Jahre später die durch den Tod des Vaters gewonnene seelische Freiheit, sich von allen wissenschaftlichen Profilierungen abzuwenden und sich ganz ihrem geistlichen Streben zuzuwenden. Sie verfolgte nun ein Religionsstudium und wurde Wohltäterin für Arme und Kranke. Sie eröffnete eine Unterkunft für Obdachlose und mit 53 Jahren schließlich ein Seniorenheim für Frauen, in dem sie ein Leben ähnlich der dort arbeitenden Nonnen führte. Dieses Heim unterstand ihr bis zu ihrem Tod mit 81 Jahren.

Obwohl ihr alle Türen zu einem berühmten, angesehenen und vielleicht sogar reichen Leben offen standen, fang Maria Gaetana Agnesi ihr Glück im Bescheidenen, darin, anderen zu helfen. Der wirklich Erfolg kam für sie erst, als sie sich von den Erwartungen des Vaters gänzlich lösen konnte und ihren eigenen Vorstellungen folgen konnte.

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Von 109 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 9 (inklusive Maria Gaetana Agnesi) Frauen:

16.5.1696 Franziska Christine von Pfalz-Sulzbach
20.5.1754 Elisa von der Recke
20.5.1770 Anna Emilie von Anhalt-Köthen-Pleß
19.5.1771 Rahel Varnhagen von Ense
18.5.1777 Auguste Charlotte von Kielmannsegge
21.5.1780 Elizabeth Fry
21.5.1788 Katharina Pawlowna
21.5.1799 Mary Anning