Posts tagged ‘Philosophie’

27. November 2017

48/2017: Susan Stebbing, 2.12.1885

Susan Stebbing

Susan Stebbing

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Die britische Philosophin der „analytischen“ Strömung schrieb kurz vor dem zweiten Weltkrieg, was heute noch wahr ist:

„Es ist heutzutage dringend notwendig, dass die Bürger einer Demokratie gut denken können. Pressefreiheit und Parlamentarismus sind nicht genug. Unsere Probleme liegen zum Teil in unserer Dummheit begründet, zum Teil auch darin, dass diese Dummheit ausgenutzt wird. Außerdem sind unsere eigenen Vorurteile und persönlichen Begehrlichkeiten ein Grund. Ein Teil unseres ineffizienten Denkens kommt von einer starken Sehnsucht, eine sichere Meinung zu komplizierte Angelegenheiten zu haben. Unglücklicherweise können nur wenige wahre Aussagen über komplizierte Probleme in einem einzelnen Satz gemacht werden. Wir verfallen schnell der Gewohnheit, knappe Aussagen zu akzeptieren, das bewahrt uns vor der Anstrengung selbst zu denken. So entsteht das, was ich eine beschränkte Denkweise nenne. (…) Wir sollten unsere Denkweise nicht unser Bewusstsein verschließen lassen und uns durch Schlagworte von der Arbeit des Denkens abhalten lassen. Vitamine sind unverzichtbar für das Wachstum unserer Körper. Das kritische Hinterfragen unseres ‚eingelegten‘ Denkens ist unverzichtbar für die Entwicklung unserer Fähigkeit zum zielgerichteten Denken.“ (Quelle: Wikipedia)

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The British philosopher of the „analytic“ generation wrote, shortly before World War II, what is still true today:

„There is an urgent need to-day for the citizens of a democracy to think well. It is not enough to have freedom of the Press and parliamentary institutions. Our difficulties are due partly to our own stupidity, partly to the exploitation of that stupidity, and partly to our own prejudices and personal desires. (…) This metaphor seems to me to be appropriate, because potted thinking is easily accepted, is concentrated in form, and has lost the vitamins essential to mental nourishment. You will notice that I have continued the metaphor by using the word ‘vitamins.’ Do not accept the metaphor too hastily: it must be expanded. Potted meat is sometimes a convenient form of food; it may be tasty, it contains some nourishment. But its nutritive value is not equivalent to that of the fresh meat from which it was potted. Also, it must have originally been made from fresh meat, and must not be allowed to grow stale. Similarly a potted belief is convenient; it can be stated briefly, sometimes also in a snappy manner likely to attract attention. A potted belief should be the outcome of a belief that is not potted. It should not be held on to when circumstances have changed and new factors have come to light. We should not allow our habits of thought to close our minds, nor rely upon catch-words to save ourselves from the labour of thinking. Vitamins are essential for the natural growth of our bodies; the critical questioning at times of our potted beliefs is necessary for the development of our capacity to think to some purpose. (source: Wikipedia)

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31. Oktober 2016

KW 44/2016: Laura Bassi, 31. Oktober 1711

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Laura Bassi

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Laura Bassi fand ihren ersten Förderer im Hausarzt der Familie Bassi – von ihrem Vater und einem Verwandten unterrichtet, fasste sie dessen Therapieanweisungen sowohl in Latein wie Französisch zusammen. Dr. Gaetano Tacconi wurde ihr Privatlehrer und stellte sie mit 21 Jahren bei Debatten mit Medizinerkollegen auf. Auch der zukünftige Papst Benedikt XIV., damals noch Prospero Lambertini, war auf sie aufmerksam geworden und förderte ihre Bildung. Aufgrund ihrer erfolgreichen medizinischen Debatten wurde sie als Ehrenmitglied in der Bologneser Akademie aufgenommen, kurz bevor diese für Frauen ganz geschlossen wurde. Sie legte eine zweistündige öffentliche Doktorprüfung im Rathaus von Bologna ab und wurde daraufhin als Doktor der Philosophie anerkannt. Im folgenden Jahr wurde sie die erste weibliche Professorin Europas, im Fachbereich der Philosophie, der auch theoretische Physik beinhaltete. Sie durfte mit Erlaubnis des Magistrats von Bologna an der Universität unterrichten, erhielt ein Professoren-Jahresgehalt und hielt öffentlcihe Vorträge. Sie war finanziell und familiär unabhängig, spätestens seit dem Tod ihres Vaters. Als sie einen weniger profilierten Mann, den Arzt Guiseppe Verati, heiratete, wurde dies mit Misstrauen und Unmut wahrgenommen: sie hätte eine bessere Partie finden oder, noch besser, ganz unverheiratet bleiben sollen. Ihr Bild als jungfäuliche „Minerva von Bologna“ wurde mit dieser Ehe in den Augen der Öffentlichkeit beschmutzt. Sie war jedoch auch geistig und moralisch unabhängig und heiratete, wen sie wollte; mehr, sie gebar ihm acht (laut der englischen Wiki, zwölf) Kinder, von denen fünf überlebten.

In Zusammenarbeit mit ihrem Mann wandte sie sich mehr der praktischen Physik zu. Sie entwickelte einen der ersten Blitzableiter und führte in ihrem privaten Landhaus Experimente mit Elektrizität durch. Sie war eine der beiden höchstbezahlten Angestellten der Universität, stand unter den Fittichen des Papstes, unterrichtete 28 Jahre lang Physik an der Universität und privat, schrieb jedes Jahr eine Dissertation und veröffentlichte zeit ihres Lebens vier von 28 Aufsätzen, zu praktisch-physikalischen Themen wie der Schwerkraft und der Hydraulik. Sie führte Briefwechsel mit internationalen Wissenschaftlern, unter anderem Voltaire; dieser bat sie, ihn an die Universität von Bologna zu holen, die er allein wegen ihr der Londoner Universität vorzog, obwohl diese Newton hervorgebracht hatte.

Dank Papst Benedikt XIV. wurde sie auch als einzige Frau Mitglied der Benedettini, einem Kreis von Wissenschaftler mit festem Einkommen und dem Ansporn, den wissenschaftlichen Ruhm der Universität zu mehren und unzensiert zu forschen. Trotz all ihrer Meriten durfte sie nicht an der Wahl neuer Mitglieder teilnehmen und durfte Vorträge erst nach ihren männlichen Kollegen halten.

Mit 65 Jahren erhielt sie eine Professur am Instituto delle Scienze erst, nachdem diese erst ihrem – noch stets weniger profilierten – Ehemann angeboten und durch dessen Verzicht quasi an sie weitergereicht wurde. Zwei Jahre später starb sie an einem Herzanfall, dem Endpunkt ihrer lebenslangen gesundheitlichen Probleme.

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Von 137 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 14 (inklusive Laura Bassi) Frauen:

6.11.15 Agrippina die Jüngere
6.11.1537 Elisabeth Magdalene von Brandenburg
2.11.1549 Anna von Österreich
5.11.1563 Anna von Oranien-Nassau
5.11.1607 Anna Maria von Schürmann
3.11.1677 Euphrosyne Auen
4.11.1687 Catharina Christina von Ahlefeldt
2.11.1709 Anna von Großbritannien, Irland und Hannover
5.11.1711 Kitty Clive
31.10.1750 Alcipe
2.11.1755 Marie Antoinette
6.11.1784 Laure-Adelaide Abrantès
31.10.1796 Ottilie von Goethe

3. Oktober 2016

KW 40/2016: Marie de Gournay, 6. Oktober 1565

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Marie de Gournay

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Als ältestes von sechs Kindern des königlichen Schatzmeisters wurde Marie de Gournay zwar der offizielle Zugang zu Bildung versagt, sie brachte sich selbst jedoch in der Bibliothek ihres Vaters Latein und Griechisch bei, soweit, dass sie später als gebildetste Frau ihrer Zeit galt.

Von Michel de Montaignes Essais begeistert, entwickelte sie erst eine Brieffreundschaft zu ihm, aus der bald ein Besuch bei ihm in Paris zustande kam, was wiederum zu einer alles außer offiziellen Adoption der jungen Frau durch den Philosophen  führte. Sie wurde zur Verwalterin seines literarischen Nachlasses und von seiner Witwe erhielt sie den Auftrag, die dritte Auflage seiner Essays zu veröffentlichen.

De Gournay fand viele Freunde und Befürworter im Adel und in wissenschaftlichen Kreisen: Justus Lipsius stellte sie in ganz Europa als gebildete Frau vor, sie schrieb für die Königinnen von Frankreich Margarete von Valois und Maria de’Medici, sowie für deren beider Mann Heinrich IV und den nachfolgenden König Ludwig XIII. Dennoch oder gerade deswegen sah sie sich auch harscher Kritik ausgesetzt – eher an ihrer Person, doch auch ihrer Arbeit, wobei letzteres auch eher Gründe vornehmlich in ihrem Geschlecht als ihrer tatsächlichen Tätigkeit hatte.

Sie übersetzte Werke mehrerer Philosophen ins Französische und schrieb selbst über Philosophie, Moral, Theologie und zum Thema der Frauenrechte, weshalb sie als eine der Mütter des Feminismus gilt. Am Höhepunkt der Hexenverbrennungen in Europa verwies sie auf die systematische Unterdrückung der Frauen durch die Verweigerung von Bildung: „Frauen sind das Geschlecht, dem man alle Güter versagt […] um ihm als einziges Glück und ausschließliche Tugend die Unwissenheit, den Anschein der Dummheit und das Dienen zu bestimmen.“

Zum Zeitpunkt ihres Todes mit 79 Jahren hatte sie 1.000 Seiten Material geschrieben – als Autodidaktin. Sie gilt heute als erste weibliche Literaturkritikerin und erste Person, die für die Gleichberechtigung von Mann und Frau argumentierte.

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Von 114 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 7 (inklusive Gertrud von Altenberg) Frauen:

4.10.1585 Anna von Österreich-Tirol
5.10.1640 Françoise-Athénaïs de Rochechouart de Mortemart, marquise de Montespan
5.10.1658 Maria Beatrice d’Este
7.10.1675 Rosalba Carriera
9.10.1772 Mary Tighe
9.10.1791 Amalie Schoppe

15. August 2016

KW 33/2016: Dorothea Schlözer, 18. August 1770

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Dorothea Schlözer

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Dorothea Schlözer vereint einige interessante Aspekte in sich. Als eine der Universitätsmamsellen aus Göttingen promovierte sie als zweite Frau Deutschlands (Dorothea Christiane Erxleben möchte ich auch gerne einmal besprechen, weiß aber noch nicht, wer sonst in der KW im November ansteht), allerdings nur rite (dh. mit der schlechtesten Note), in klassischer Literatur, Bergbau, Baukunst und Mathematik. Schon die außergewöhnliche Teilhabe an Bildung, die ihr Vater, ein Professor an der Göttinger Uni, ihr gewährte, stieß bei Zeitgenossen und -genossinnen auf Unverständnis und Ablehnung. Ihr Promotion wurde auch von großen Geistern als „Farce“ (Schiller) gesehen.

Nichtsdestotrotz fand sie einen Mann, an dessen Seite sie ihre eigenen Interessen, ja, ihre eigenen Moralvorstellungen leben konnte: Bei der Eheschließung mit Mattheus Rodde nahm sie seinen Namen an und behielt ihren eigenen, wurde so zu Frau Dr. Rodde-Schlözer und hat damit wohl den Doppelnamen in Deutschland erfunden. Außerdem führte sie in dieser frühen Zeit bald, als nämlich durch ihren aufgeklärten Salon der französische Philosoph Charles de Villers in ihr Leben trat, eine polyamouröse Beziehung. Ihr Mann nahm sie auf verscheidene diplomatische Missionen mit, und sie wiederum nahm Villers und ihre Kinder mit. So traf sie in Paris verschiedene Philosophen und Künstler, die sie auch in ihren Werken abbildeten; bei einer zweiten Paris-Reise einige Jahre später traf sie sogar die französische Kaiserin, die an ihr als Madame Docteur ein besonderes Interesse hatte.

Nach diesem Zenit ging es leider für sie steil bergab. Ihr Zweitmann Villers konnte 1806 eine Plünderung ihres Hauses in Lübeck durch französische Soldaten noch einmal abwenden, doch drei Jahre später stellte sich heraus, dass ihr Ehemann im Prinzip bankrott war. Es gelang ihr, wieder mit Hilfe Villers, das eigene Vermögen vor der Pfändung zu bewahren und mit der ganzen polyamourösen Familie nach Göttingen umzusiedeln. Ihr Ehemann litt gesundheitlich stark und wurde frühzeitig zum Pflegefall, ihr Geliebter Villers starb, kurz darauf auch zwei ihrer Kinder. Als auch die jüngste Tochter an Tuberkulose erkrankte, sollte eine Reise nach Marseille Besserung bringen, doch dort war es zum Ankunftszeitpunkt zu kühl und feucht. Inzwischen war auch Dorothea selbst erkrankt, auf dem Rückweg endete für sie in Avignon die Reise und, 55jährig, auch das Leben.

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Von 239 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 14 (inklusive Dorothea Schlözer) Frauen:

16.8.1355 Philippa Plantagenet, 5. Countess of Ulster
16.8.1573 Anna von Österreich
18.8.1575 Anna Maria von Pfalz-Neuburg
19.8.1596 Elisabeth Stuart
18.8.1611 Luisa Maria Gonzaga
20.8.1613 Sophie Elisabeth von Mecklenburg
19.8.1637 Æmilie Juliane von Barby-Mühlingen
20.8.1695 Marie Louise Élisabeth de Bourbon-Orléans
19.8.1743 Marie-Jeanne Bécu, Comtesse du Barry
20.8.1752 Friederike Caroline Luise von Hessen-Darmstadt
15.8.1776 Sophie Brentano
17.8.1786 Victoire von Sachsen-Coburg-Saalfeld
21.8.1793 Dorothea von Sagan

20. Juni 2016

KW 25/2016: Elena Lucrezia Cornaro Piscopia, 25. Juni 1646

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Elena Lucrezia Cornaro Piscopia

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Elena Lucrezia Cornaro Piscopia war die erste Frau der Welt, der ein Doktortitel verliehen wurde.
Als fünftes uneheliches Kind einer Bäuerin mit einem paduanischen Prokurator (ihre Eltern heirateten später) erhielt sie bereits früh Unterricht in Griechisch und Latein, lernte bis zu ihrem 7. Lebensjahr auch noch Hebräisch, Arabisch, Französisch und Spanisch und verdiente sich damit den Titel Oraculum Septilingue (die siebte Sprach dabei ihre Muttersprache Italienisch). Ein Freund Galileis, Carlo Rinaldi, setzte sich dafür ein, ihr einen Doktortitel in Theologie zu verleihen, doch der Bischof von Padua vertrat die – gängige – Meinung, eine Frau habe in der Kirche zu schweigen, daher könne sie folglich auch keine Lehrbefugnis erhalten. In Philosophie hingegen war die Geschlechtertrennung nicht so streng, sodass sie im Juni 1678, nachdem sie eine Stunde lang in klassischem Latein komplexe Passagen aus dem Werk Aristoteles diskutiert hatte, ihren Doktortitel der Philosophie erhielt.

Sie widmete sich in den folgenden Jahren dem Studium und dem Schreiben, verstarb jedoch 38jährig an Tuberkulose.

Ein Einschlagkrater auf der Venus heißt nach ihr „Piskopia“.

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Von 138 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 11 (inklusive Elena Lucrezia Cornaro Piscopia) Frauen:

25.6.1242 Beatrix von England
24.6.1311 Philippa von Hennegau
23.6.1456 Margarethe von Dänemark
21.6.1646 Maria Francisca Elisabeth von Savoyen
23.6.1703 Maria Leszczyńska
20.6.1754 Amalie von Hessen-Darmstadt
23.6.1763 Joséphine de Beauharnais
20.6.1786 Marceline Desbordes-Valmore
20.6.1797 Karolina Gerhardinger
23.6.1800 Charlotte Birch-Pfeiffer