Posts tagged ‘schauspielerin’

15. Mai 2017

20/2017: Arletty, 15.5.1898

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Arletty

English below

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Französische Schauspielerin, besonders bekannt für ihre Rolle der Garance in Kinder des Olymp (siehe unten). Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wegen ihrer Beziehung zu einem deutschen Offizier angefeindet und einige Jahre nicht engagiert.

Lieblingszitat:

Wenn mein Herz auch französisch ist, mein Arsch, der ist international.

*

Wiki english

French actress, best known for her role in Children of Paradise (see below). After World War II she was bashed for her affair with a German army officer and received no roles for several years.

Favourite quote:

Even if my heart is french, my ass is international.

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1. Februar 2016

KW 5/2016: Nell Gwyn, 2. Februar 1650

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Nell Gwyn

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Über kaum eine Frau will ich schon so lange – eigentlich seit Beginn meiner Recherchen für dieses Blog – schreiben, wie über Nell Gwyn. Gleichzeitig fällt es mir bei kaum einer Frau sonst so schwer, über sie zu schreiben.

Es liegt nicht an ihrer Karriere. Als Tochter einer Prostituierten in einem  Armenbezirk, bekannt für seine Kneipen und Bordelle, großgeworden, gelang es ihr über die Schauspielerei – die damals eine der Prostitution nahe Tätigkeit war – sich mit großem Talent und Ehrgeiz über mehrere wohlhabende Liebhaber zur Mätresse von König Charles II. hochzuarbeiten. Sie war beim englischen Volk beliebt für ihre Authentizität und ihre scharfe Zunge, erreichte für ihre Söhne – uneheliche Kinder des Königs – Adelstitel und für sich selbst auch nach dem Tode des Königs ein gutes Auskommen.

Sie verleugnete niemals ihre Herkunft und was sie war, strebte ehrgeizig aus der Armut in eine bessere Position im Leben als ihre Mutter gehabt hatte, verlor dabei jedoch weder ihre Loyalität zu ihrer Familie noch ihre Position in der Gesellschaft aus den Augen. Der König schätzte sie – neben ihren körperlichen Vorzügen – für ihre Klugheit und politische Zurückhaltung, das Volk liebte sie für ihre Bodenständigkeit und ihren Witz.

Alles in allem klingt Nell Gwyn nach einer Frau nach meinem Geschmack. Doch gibt es dieses eine Detail, das der Bewunderung einen Wermutstropfen verleiht: dass sich Nell aller Wahrscheinlichkeit nach bereits als Kind prostitutieren musste. Die Möglichkeit, dass ihre charakterliche Stärke und ihr Witz eine Maske waren, hinter der sich ein traumatisiertes Wesen verbarg, mindert meinen Respekt nicht, im Gegenteil; doch es macht aus der geliebten Hure auch eine tragische Gestalt, von deren wahren Gemütszuständen wir nichts wissen können.

*

Von 207 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 15 (inklusive Nell Gwyn) Frauen:

6.2.1347 Dorothea von Montau
2.2.1443 Elisabeth von Bayern
6.2.1452 Johanna von Portugal
2.2.1494 Bona Sforza
1.2.1566 Barbe Acarie
3.2.1567 Anna Maria von Brandenburg
6.2.1577 Beatrice Cenci
5.2.1626 Marie de Rabutin-Chantal
2.2.1688 Ulrika Eleonore
7.2.1693 Anna (Russland)
5.2.1704 Anna Christine Luise von Pfalz-Sulzbach
7.2.1708 Anna Petrowna
3.2.1761 Dorothea von Kurland
5.2.1790 Minna Apranzow

27. November 2012

alfie

via Thomas ein sehr interessantes interview mit tippi hedren – man schaue sich ihre zwei filme mit hitchcock an und schaudere.

15. Oktober 2012

KW 42/2012: Divine, 19. Oktober 1945

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Eigentlich hoffe ich, das niemandem erklären zu müssen, aber: Divine ist die Drag Queen, die regelmäßig in John Waters‘ Filmen mitspielte. Ich war überrascht zu erfahren, dass sie auch eine der ersten Dancefloor-Interpreten war – damals in den USA als HiNRG bezeichnet. (Ich würde mich sehr für eine Exkursion in die Entwicklung und Differenzierung dieser Musikstile interessieren, falls jemand sich damit auskennt.)

Dank Hairspray war Divine meine erste Begegnung mit einer Drag Queen. Meine Faszination mit diesen Über-Frauen ist nicht der einzige Grund, warum ich auch bereit bin, das Filmprojekt I AM DIVINE, das ihre Biographie auf die Leinwand bringen soll, bei kickstarter zu unterstützen. Wenn ihr auch dazu bereit seid, macht schnell, denn der Countdown läuft: Bis zu ihrem Geburtstag am 19. müssen $40.000,- zusammenkommen. (Wer kickstarter nicht kennt: Ihr gebt an, mit welchem Betrag ihr unterstützen wollt, und wenn sich genug Unterstützer melden und die Zielsumme theoretisch erreicht würde, wird die entsprechende Summe über die Kreditkarte abgebucht. Sollte das Projekt nicht zustande kommen, wird nicht gebucht.)

8. Oktober 2012

KW 41/2012: Liselotte Pulver, 11. Oktober 1929

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Ich weiß, ich habe den Kalender in letzter Zeit etwas stiefmütterlich betreut. Ich entschuldige mich dafür, aber meine Liebeserklärung an Bronson bei Hard Sensations hat viel Energie verlangt (zugegeben, ein bisschen ist auch meine Unfähigkeit zum konzentrierten Schreiben schuld).

Jedenfalls, diese Woche hat die liebe Lilo Geburtstag. Das feiern wir mit einem sexy table dance.

31. Mai 2012

alte frauen in schlechten filmen


mein lieber freund mark hat mir einen buchtipp weitergeleitet, der thematisch zu mir und diesem blog passt, deshalb teile ich ihn gerne – weder er noch ich haben das buch jedoch bisher gelesen, es sei dies also nicht als empfehlung, sondern als hinweis zu verstehen.

christoph dompke hat das buch alte frauen in schlechten filmen verfasst: eine textsammlung über die auftritte gealterter diven in ihren herbst-rollen. die kritiken, die auf der seite des verlages zitiert werden, sind verständlicherweise durchweg positiv, wenn in ihnen auch das anklingt, was ich ehrlicherweise befürchte vorzufinden (nichts für ungut, mark!): über nichts lachen männer, alt wie jung, so gerne wie über verblühte schönheit und frauen, die den zweck ihrer tätigkeit überlebt haben. ich selbst sehe in gealterten diven vor allem tragik: wenn das, was sie zum star machte, geschwunden ist, ringen die vieilles dames um würde und existenzberechtigung. ob man darüber wirklich komische texte schreiben kann, ohne überheblich zu klingen, weiß ich nicht. ich setze mir dieses buch mal auf die liste und werde eventuell – versprechen kann ich nichts – noch einmal mit einem „gelesen“-beitrag darauf zurückkommen.

bei Hard Sensations wurde übrigens auch, meinen erwartungen gemäß zurückhaltend, auf die neuveröffentlichung dieses buches hingewiesen.

23. Mai 2012

shit year

cam archer, usa 2010

colleen west hat liebeskummer und pensionistendepression. ob mir dieser ausgesprochene frauenfilm (regisseurin, protagonistin, besteht ohne weiteres den bechdeltest) gefallen hat, ist bei Hard Sensations nachzulesen.

20. Februar 2012

KW 8/2012: Mademoiselle Rachel, 21. Februar 1821

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Die dunkle, kleine Person mit der merkwürdigen Stimme und den schwarzen Augen, die aus der Gosse kam, begann mit der Verkörperung der Camille in Pierre Corneilles Horace 1838 ihren steilen Aufstieg an den französischen Theaterhimmel. Die großen Geister ihrer Zeit überschlugen sich mit Lobhudeleien, sie bereiste Europa, Russland und Amerika und war alles im allem die Ikone ihrer Tage.

Mit ihrer eher realistischen, reduzierten Darstellungstechnik veränderte sie damals das Selbstverständnis der Theaterwelt. In einer Zeit des Aufruhrs war sie eine aus der niedrigsten Schicht in die gehobene Gesellschaft Aufgestiegene; auch deshalb wahrscheinlich höchst beliebt beim Volk. Das Zusammentreffen der politischen Umstände mit der Annäherung der darstellenden Kunst an die Wirklichkeit weckt Assoziationen zum italienischen Neorealismus im Film der 1940er-Jahre.

Kleine Abschweifung

Solche wiederkehrenden Muster in der Geschichte finde ich faszinierend. In der französischen Februarrevolution ging es um die Erhaltung der Republik, basierend auf einer starken Arbeiter- und Bürgerschicht, versus die Rückkehr zur Monarchie. Im Italien der 1940er-Jahre ging es um Marxismus, also auch die Interessen der Arbeiter, versus Faschismus, also die Interessen einer herrschenden Elite.  Sicher beeinflussten die politischen Umstände nicht unmittelbar Mademoiselle Rachels Darstellungsweise – aber führten doch dazu, dass diese im Gegensatz zum vorherrschenden Pathos und der Neigung zum Goutrieren (?) erfolgreich war und vom Publikum bevorzugt und gefeiert wurde. Auch veränderte sich in der französischen Februarrevolution das Material möglicherweise nicht so deutlich, das im Theater dargeboten wurde*, während sich im italienischen Film der 1940er auch in den Topoi die Hinwendung zum Realismus manifestierte. Mademoiselle Rachel und dem italienischen Neorealismus ist jedenfalls im Gesamtbild gemein: eine Abkehr von Blenderei mit großartigen Gesten und Effekten, Pathos und Monumental-Willen, eine Hinwendung zum Klaren, Schlichten, Reduzierten, auch: Echteren, mit der Lebenswelt des Massenpublikums Vereinbaren.

* Hier fehlt es mir an Information, wie stark Klassiker dominierten und wie sehr auch die Themen der neuen Stücke sich mit den politischen Umwälzungen veränderten.  Allerdings sagt mein gefährliches Halbwissen, dass die französische Revolution von 1789 auch mit der Kunst-Epoche der Aufklärung einherging. Eine ähnliche kulturelle Entwicklung im Zusammenhang mit dieser Revolution zu vermuten, liegt also nah.

Ende der Abschweifung

Mehr als für ihre Bedeutung in der Kunst ist sie für mich aber als Frau interessant. Nicht nur, dass sie nicht wirklich schön war, aber durch ihre Haltung, ihre Stimme und ihren Ausdruck faszinierte. Sie war ein Mädchen aus der Unterschicht und blieb selbst in ihren erfolgreichsten Zeiten frei von der Moralbeflissenheit des Adels und der Oberschicht. Sie blieb unverheiratet, hatte viele Affären – unter anderem mit sage und schreibe drei (!) Männern aus der Napoleon-Familie – und brachte zwei uneheliche Söhne zur Welt. Vom Vater ihres ersten Sohnes gerügt ob ihrer Untreue, äußerte sie die Worte, die nicht nur mein Lieblingszitat sein dürften: „Ich bin was ich bin; ich schätze die Mieter mehr als die Besitzer.“ („I am what I am; I prefer renters to owners.“)

Es gibt nicht viel zu finden über diese vielseitige Frau; dieser eine Text auf authorama.com über sie macht jedoch einiges wett – abgesehen von einer liebevollen Unsachlichkeit (im Vergleich zu den Wikipedia-Texten) füllt er das Bild der Mademoiselle Rachel auf mit charmanten Anekdoten und der mitfühlenden Analyse ihres Charakters und ihrer einzigen wirklichen Liebesgeschichte zum unehelichen Sohn Napoleon Bonapartes.

PS.: Von ganz persönlichem Interesse ist die Tatsache, dass es eine Strickmaschine gibt, die nach ihr benannt sein soll. Die Raschelmaschine.

2. Januar 2012

KW 1/2012: Florence Lawrence, 2. Januar 1886

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Mit der Hauptrolle in dem Film Resurrection von 1909 erlangte Florence Lawrence mit 23 Jahren als erste Filmschauspielerin und als erster Darsteller im damals jungen Medium überhaupt eine Fangemeinde. Nach 107 Filmen in den Jahren zwischen 1906 und 1909 – in denen ihr Name wie damals üblich stets unerwähnt blieb – hatte sie in der Rolle des zum Verbrechen verführten Mädchens einen so hohen Wiedererkennungswert, dass begeisterte Zuschauer das Studio Biograph anschrieben, um ihren Namen zu erfahren. Auf diesen ungewöhnlichen Vorgang reagierte das Studio mit wohldurchdachter Vorsicht und betitelte sie schlicht mit The Biograph Girl. Das genügte dann auch für eine ganze Weile – bis der IMP– (später Universal-)Studiogründer Carl Laemmle sie für seinen neuesten Film The Broken Oath damit unter Vertrag lockte, dass er ihren Namen auf den Aushängeschildern der Filmtheater nennen würde.

Der Marketingfuchs Laemmle wusste dann auch daraus Kapital zu schlagen, dass sich seine Zuschauer für seine Hauptdarstellerin interessierten: er inszenierte den ersten publicity stunt der Filmgeschichte. Er ließ durch Kanäle, die nicht leicht zu ihm zurückzuverfolgen waren, verlautbaren, Florence Lawrence sei in New York City von einer Straßenbahn überfahren worden. Nachdem diese Fehlmeldung genug buzz generierte hatte (wie man das heute sagen würde), schaltete er empörte Anzeigen: We nail a lie! Darin ließ er auch gleich vermelden, Florence gehe es nicht nur gut, sondern sie drehe auch gerade einen neuen Film für ihn.

Ihr Erfolg als Darstellerin führte zu den Anfängen des Starrummels, der Marketingstrategie und PR in der Filmbranche. Vor allem aber haben es heutige Filmschauspieler ihr zu verdanken, dass sie solche zum Teil unglaublichen Summen an Gage verdienen:

Als das Kino in den Kinderschuhen steckte, verdienten die Darsteller zwar verhältnismäßig gut, aber auch gerade nur so viel, dass sie davon ein Auskommen haben konnten, kein Vergleich zu heutigen Verhältnissen. Ihre Position in der Produktionsbranche war einerseits im eigenen, doch auch im Interesse der Produzenten die eines heimlichen Helfers. Die Darsteller fürchteten um ihre Theaterengagements, sollte es öffentlich werden, dass sie mit dem Schmuddelkind der Thalia spielten; die Produzenten fürchteten – berechtigt, wie man sieht – ein Ansteigen der Gagen, sollten die Darsteller die Unabdingbarkeit ihrer Anwesenheit erkennen und demzufolge Forderungen stellen.

Florence Lawrence tat genau dies, als klar wurde, dass ihr Gesicht und später ihr Name Eintrittsgelder einbrachten. Leider konnte sie ihre Karriere nicht so vielversprechend fortführen, wie sie begonnen hatte, doch auch damit war sie Pionierin: Sie wurde die erste has-been und das erste Opfer des Syndroms des Vergangenen Ruhms. Nach einem Unfall am Set, der zu einem schweren Rückenleiden führte, mehreren gescheiterten Ehen und dem Versuch, an alte Erfolge anzuknüpfen, eröffnete sie einen Schönheitssalon, litt inzwischen jedoch an Osteomyelofibrose und nahm sich 52jährig das Leben mit Ameisengift.

Ihre Geschichte ist nicht nur in dieser Hinsicht eng verknüpft mit dem Phänomen Hollywood. Es war Carl Laemmle, der als einer der ersten mit seiner Filmproduktion an die Westküste, nach Hollywood, zog. An der Ostküste nämlich beherrschte Thomas Edison mit seinem Oligopol Motion Picture Patents Company (Edison Trust) die Filmbranche und erschwerte unabhängigen Filmemachern die Arbeit. Diese hatten durch Edison Lizensierungssystem keine Möglichkeit, mit den von ihm entwickelten Kameras zu arbeiten, und Edison übte gewaltigen Druck auf die Studios, die Verleiher und Filmtheater an der Ostküste aus, seine Gesellschaft als alleinige Macht in der Filmbranche zu akzeptieren – juristisch und, wenn nötig, auch mit Schlägertrupps. Währenddessen genoss D.W. Griffith, der 1908 an die 60 Filme mit Florence Lawrence bei Biograph Studios gedreht hatte, die Freiheit und Weitläufigkeit der Fläche, die Hollywood damals darstellte. Die Existenz des künstlerischen und klimatischen Paradieses sprach sich herum, und so wurden in Hollywood immer mehr Studios gegründet, ihre Angestellten und Darsteller mit sich ziehend. In Hollywood war nicht nur beständig schönes Wetter: Man war auch so weit wie innerhalb der Landesgrenzen möglich entfernt von Edison und seinen Schergen (außerdem war das Exil Mexiko nicht weit, sollte tatsächlich ein Gerichtsprozess angestrengt werden und zum negativen Ende kommen).

Alles, was Hollywood jetzt ist, hängt in irgendeiner Form mit Florence Lawrence zusammen. Allein das macht sie interessant; sie bringt so viele filmgeschichtliche Assoziationen auf, dass ich sie gar nicht alle aufführen kann.

Um wenigstens ein bisschen weiterzulinken: Florence auf der Seite der Biograph Company, bei Queens of Vintage, ein einminütiger Film über sie bei histori.ca und eine Kurzbiographie sowie ein Foto ihres Grabsteins (gespendet von Roddy MacDowall) bei cemeteryguide.