Posts tagged ‘schauspielerin’

19. April 2018

04/2018

3. April 1907: Lola Álvarez Bravo

Die Fotografin, eine der ersten Mexikos, trug zur nachrevolutionären Kulturblüte des Landes bei und war unter anderem mit Frida Kahlo und dem Dichterkreis Los Contemporáneos bekannt. Zunächst unter der Ägide ihres Mannes Manuel Álvarez Bravo, entwickelte sie bald ihren eigenen Stil, inspiriert von anderen in Mexiko tätigen Fotografen wie Tina Modotti und Edward Weston. Auch privat trennte sie sich von ihrem Mann und hatte zeitweise eine Beziehung mit María Izquierdo. Mit 37 Jahren hatte sie ihre erste allein bestrittene Ausstellung im Palacio de Bellas Artes, dem wichtigsten Kulturhaus Mexikos; sieben Jahre später eröffnete sie ihre eigene Galerie, in der Frida Kahlo 18953 ihre einzige Soloausstellung erhielt. Sie unterrichtete an der Academia San Carlos und war 1955 an Edward Steichens Fotoausstellung The Family of Man beteiligt.

LolaAlvarezBravo

Lola Alvarez Bravo

4. April 1927: Aušra Augustinavičiūtė

Die litauische Psychologin, Soziologin und Ökonomin ist die Begründerin der Sozionik, die ähnlich dem Myers-Briggs-Typenindikator die Aspekte menschlicher Persönlichkeiten in unterschiedliche Funktionen und Beziehungstypen einteilt.

Während der MBTI in den englischsprachigen Ländern verbreitet ist, ist die Sozionik das Gegenstück im russischen, slawischen und baltischen Raum. Die Sozionik erforscht, basierend auf C. G. Jungs psychologischen Typen, wie Menschen Informationen aufnehmen, verarbeiten und weitergeben. Sie teilt Eigentschaften und Neigungen des Menschen in so genannte Dichotomien, Gegensatzpaare oder Skalen, auf: Logik – Ethik, Intuition – Sensorik, Introversion – Extraversion, Rationalität – Irrationalität. Aus diesen leiten sich die acht Aspekte ab, aus deren unterscheidlichen Kombinationen in einem individuellen Charakter sich die sechszehn Typen ergeben.

Hauptkritikpunkt ist, dass ebenso wie der MBTI ein Testergebnis der Sozionik dem Barnum-Effekt unterliegt: Dass Menschen in einem ausreichend unspezifischen Text immer zutreffende Beschreibungen für sich finden.

5. April 1970: Miho Hatori

Die japanische Musikerin arbeitete bereits in ihrer Jugend in einem Plattengeschäft in Tokyo und war an der Hiphop Crew Kimidori beteiligt. Mit 22 Jahren ging sie nach New York, um Kunst zu studieren. Zunächst sang sie in der Punkband Laito Lychee, dann traf sie Yuka Honda und gründete mit ihr das Triphop-Projekt Cibo Matto, bei dem sie unter anderem auch mit Sean Lennon kooperierte. Sie war eine (oder die erste) Sprecherin der Gorillaz-Gitarristin Noodle.

17. April 1957: Jacqueline Moudeina

Die Menschenrechtsaktivistin musste 1979 ihre Heimat Tschad wegen des einsetzenden Bürgerkriegs verlassen. Sie beendete ihr Studium der Rechtswissenschaften in Brazzaville, Republik Kongo, wo sie sich auch der kongolesischen Sektion der Menschenrechtsorganisation ihres Heimatlandes, ATPDH, anschloss.

1995, nachdem das Terrorregime des Diktators Hissène Habré gestürzt worden war, kehrte sie in den Tscshad zurück und setzte sich seitdem für die Rechte von Frauen, Kindern und Minderheiten ein. Seit dem Jahr 2000 kämpft sie als Anwältin für die Opfer des Habré-Regimes: Der Politiker wird beschuldigt, für 40.000 politisch motivierte Morde vor allem an Minderheiten im Tschad verantwortlich zu sein. Da der Ex-Diktator im Senegal lebte, reichte sie entsprechende Klage beim Obersten Gerichtshof des Senegal ein und erstatte zeitgleich im Tschad Anzeige gegen seine Sicherheitsbeamten. Der Gerichtshof im Senegal sah sich als nicht zuständig an, weshalb Moudeina sich an ein Gericht in Belgien richtete – aufgrund des Weltrechtsprinzips, nach dem völkerstrafrechtlich relevanten Taten überall in der Welt verfolgt werden können. Ein belgischer Beamter nahm sich des Falles an, untersuchte die Vorwürfe und erließ schließlich einen internationalen Strafbefehl gegen Habré. Die Afrikanische Union hingegen verlangte die Verfolgung der Klage im Senegal, da „kein afrikanisches Staatsoberhaupt außerhalb Afrikas verurteilt werden sollte“. Nach weiterem Hin und Her, währenddessen sich der Senegal einer Strafverfolgung Habrés zunächst verweigerte und Moudeina wiederum in Belgien auf seinen Prozess drängte, musste sich Habré schließlich 2013 in der senegalesichen Hauptstadt Dakar für Kriegsverbrechen, Folter und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten und wurde 2016 schließlich, für Vergewaltigungen, sexuelle Sklaverei und Anordnung illegaler Tötungen, zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt.

Moudeina setzt sich weiterhin, gegen den Widerstand in ihrem Heimatland, für Menschen- und Kinderrechte ein, zum Beispiel gegen den Verkauf und die Versklavung von Kindern als Rinderhirten. Sie wurde 2001 bei einer Demonstration von einer Handgranate, die gezielt vor ihr platziert wurde, am Unterleib verletzt und trägt noch immer Granatensplitter in den Beinen, die ihre Gesundheit beeinträchtigen. Sie bestand trotz Gängeleien durch die tsschadischen Behörden immer wieder darauf, von medizinisch notwendigen Aufenthalten in Frankreich in ihre Heimat zurückzukehren; erst, als sie 2008 enthüllte, dass der Präsident Idriss Déby, Kindersoldaten in den tschadisch-sudanesischen Anteil am Dafur-Konflikt gesendet hatte, wurde die Bedrohung im eigenen Land so groß, dass sie Antrag auf Asyl in Frankreich stellte.

25. April 1956: Jaroslava Schallerová

Nennung ehrenhalber, weil die Schauspielerin die Hauptrolle im Film Valerie – Eine Woche voller Wunder spielt, einem surrealistischen Märchen um ein junges Mädchen in einer traumartigen Welt voller Ungeheuer und Sexualität.

28. April 1926: Bhanu Athaiya

Die Kostümbildnerin wirkte ihrer 41 Jahre umfassenden Karriere an 150 Filmen mit, vor allem an indischen Produktionen. 1983 gewann sie gemeinsam mit John Mollo den Oscar für bestes Kostüm, für ihre Arbeit an Richard Attenboroughs Monumentalwerk Gandhi. Sie gewann außerdem drei indische Filmpreise, unter anderem den Filmfare Award für ihr Lebenswerk.

 

 

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30. Oktober 2017

44/2017: Ruth Gordon, 30.10.1896

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Ruth Gordon

English below

Wiki deutsch

Ruth Gordon war nicht nur bereits in ihrer Jugend eine erfolgreiche Broadway-Schauspielerin, und nicht nur in höherem Alter unter anderem Oscar-nominierte Film-Schauspielerin – in Rosemaries Baby oder unvergessen in Harold und Maude. Sie war auch in den zwanzig Jahren zwischen diesen Schauspieler-Karrieren erfolgreiche Drehbuchautorin. Was ich immer wieder vergaß und nun nie wieder vergessen will: Sie schrieb (mit ihrem 16 Jahre jüngeren Ehemann) das Drehbuch zu Pat and Mike, meinem Lieblingsfilm mit Katherine Hepburn und Spencer Tracy. Dieser ist ein Plädoyer dafür, dass sich ehrgeizige Frauen nur an den Mann binden sollten, der erträgt, dass sie erfolgreich sind.

*

Wiki english

Ruth Gordon was not only a successful Broadway actress in her youth, and not only a successful, Academy Award nominated movie actress in her later years – in Rosemary’s Baby and unforgettable in Harold and Maude. She was also, in the twenty years between those actor’s careers, a successful screen writer. I always forgot and don’t want to forget ever again: She wrote the script (with her husband, 16 years her junior) to Pat and Mike, my favourite movie with Katherine Hepburn and Spencer Tracy. It is a plea for ambitious women to only attach themselves to men who can bear them to be successful.

15. Mai 2017

20/2017: Arletty, 15.5.1898

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Arletty

English below

Wiki deutsch

Französische Schauspielerin, besonders bekannt für ihre Rolle der Garance in Kinder des Olymp (siehe unten). Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wegen ihrer Beziehung zu einem deutschen Offizier angefeindet und einige Jahre nicht engagiert.

Lieblingszitat:

Wenn mein Herz auch französisch ist, mein Arsch, der ist international.

*

Wiki english

French actress, best known for her role in Children of Paradise (see below). After World War II she was bashed for her affair with a German army officer and received no roles for several years.

Favourite quote:

Even if my heart is french, my ass is international.

1. Februar 2016

KW 5/2016: Nell Gwyn, 2. Februar 1650

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Nell Gwyn

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Über kaum eine Frau will ich schon so lange – eigentlich seit Beginn meiner Recherchen für dieses Blog – schreiben, wie über Nell Gwyn. Gleichzeitig fällt es mir bei kaum einer Frau sonst so schwer, über sie zu schreiben.

Es liegt nicht an ihrer Karriere. Als Tochter einer Prostituierten in einem  Armenbezirk, bekannt für seine Kneipen und Bordelle, großgeworden, gelang es ihr über die Schauspielerei – die damals eine der Prostitution nahe Tätigkeit war – sich mit großem Talent und Ehrgeiz über mehrere wohlhabende Liebhaber zur Mätresse von König Charles II. hochzuarbeiten. Sie war beim englischen Volk beliebt für ihre Authentizität und ihre scharfe Zunge, erreichte für ihre Söhne – uneheliche Kinder des Königs – Adelstitel und für sich selbst auch nach dem Tode des Königs ein gutes Auskommen.

Sie verleugnete niemals ihre Herkunft und was sie war, strebte ehrgeizig aus der Armut in eine bessere Position im Leben als ihre Mutter gehabt hatte, verlor dabei jedoch weder ihre Loyalität zu ihrer Familie noch ihre Position in der Gesellschaft aus den Augen. Der König schätzte sie – neben ihren körperlichen Vorzügen – für ihre Klugheit und politische Zurückhaltung, das Volk liebte sie für ihre Bodenständigkeit und ihren Witz.

Alles in allem klingt Nell Gwyn nach einer Frau nach meinem Geschmack. Doch gibt es dieses eine Detail, das der Bewunderung einen Wermutstropfen verleiht: dass sich Nell aller Wahrscheinlichkeit nach bereits als Kind prostitutieren musste. Die Möglichkeit, dass ihre charakterliche Stärke und ihr Witz eine Maske waren, hinter der sich ein traumatisiertes Wesen verbarg, mindert meinen Respekt nicht, im Gegenteil; doch es macht aus der geliebten Hure auch eine tragische Gestalt, von deren wahren Gemütszuständen wir nichts wissen können.

*

Von 207 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 15 (inklusive Nell Gwyn) Frauen:

6.2.1347 Dorothea von Montau
2.2.1443 Elisabeth von Bayern
6.2.1452 Johanna von Portugal
2.2.1494 Bona Sforza
1.2.1566 Barbe Acarie
3.2.1567 Anna Maria von Brandenburg
6.2.1577 Beatrice Cenci
5.2.1626 Marie de Rabutin-Chantal
2.2.1688 Ulrika Eleonore
7.2.1693 Anna (Russland)
5.2.1704 Anna Christine Luise von Pfalz-Sulzbach
7.2.1708 Anna Petrowna
3.2.1761 Dorothea von Kurland
5.2.1790 Minna Apranzow

27. November 2012

alfie

via Thomas ein sehr interessantes interview mit tippi hedren – man schaue sich ihre zwei filme mit hitchcock an und schaudere.

15. Oktober 2012

KW 42/2012: Divine, 19. Oktober 1945

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Eigentlich hoffe ich, das niemandem erklären zu müssen, aber: Divine ist die Drag Queen, die regelmäßig in John Waters‘ Filmen mitspielte. Ich war überrascht zu erfahren, dass sie auch eine der ersten Dancefloor-Interpreten war – damals in den USA als HiNRG bezeichnet. (Ich würde mich sehr für eine Exkursion in die Entwicklung und Differenzierung dieser Musikstile interessieren, falls jemand sich damit auskennt.)

Dank Hairspray war Divine meine erste Begegnung mit einer Drag Queen. Meine Faszination mit diesen Über-Frauen ist nicht der einzige Grund, warum ich auch bereit bin, das Filmprojekt I AM DIVINE, das ihre Biographie auf die Leinwand bringen soll, bei kickstarter zu unterstützen. Wenn ihr auch dazu bereit seid, macht schnell, denn der Countdown läuft: Bis zu ihrem Geburtstag am 19. müssen $40.000,- zusammenkommen. (Wer kickstarter nicht kennt: Ihr gebt an, mit welchem Betrag ihr unterstützen wollt, und wenn sich genug Unterstützer melden und die Zielsumme theoretisch erreicht würde, wird die entsprechende Summe über die Kreditkarte abgebucht. Sollte das Projekt nicht zustande kommen, wird nicht gebucht.)

8. Oktober 2012

KW 41/2012: Liselotte Pulver, 11. Oktober 1929

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Ich weiß, ich habe den Kalender in letzter Zeit etwas stiefmütterlich betreut. Ich entschuldige mich dafür, aber meine Liebeserklärung an Bronson bei Hard Sensations hat viel Energie verlangt (zugegeben, ein bisschen ist auch meine Unfähigkeit zum konzentrierten Schreiben schuld).

Jedenfalls, diese Woche hat die liebe Lilo Geburtstag. Das feiern wir mit einem sexy table dance.

31. Mai 2012

alte frauen in schlechten filmen


mein lieber freund mark hat mir einen buchtipp weitergeleitet, der thematisch zu mir und diesem blog passt, deshalb teile ich ihn gerne – weder er noch ich haben das buch jedoch bisher gelesen, es sei dies also nicht als empfehlung, sondern als hinweis zu verstehen.

christoph dompke hat das buch alte frauen in schlechten filmen verfasst: eine textsammlung über die auftritte gealterter diven in ihren herbst-rollen. die kritiken, die auf der seite des verlages zitiert werden, sind verständlicherweise durchweg positiv, wenn in ihnen auch das anklingt, was ich ehrlicherweise befürchte vorzufinden (nichts für ungut, mark!): über nichts lachen männer, alt wie jung, so gerne wie über verblühte schönheit und frauen, die den zweck ihrer tätigkeit überlebt haben. ich selbst sehe in gealterten diven vor allem tragik: wenn das, was sie zum star machte, geschwunden ist, ringen die vieilles dames um würde und existenzberechtigung. ob man darüber wirklich komische texte schreiben kann, ohne überheblich zu klingen, weiß ich nicht. ich setze mir dieses buch mal auf die liste und werde eventuell – versprechen kann ich nichts – noch einmal mit einem „gelesen“-beitrag darauf zurückkommen.

bei Hard Sensations wurde übrigens auch, meinen erwartungen gemäß zurückhaltend, auf die neuveröffentlichung dieses buches hingewiesen.

23. Mai 2012

shit year

cam archer, usa 2010

colleen west hat liebeskummer und pensionistendepression. ob mir dieser ausgesprochene frauenfilm (regisseurin, protagonistin, besteht ohne weiteres den bechdeltest) gefallen hat, ist bei Hard Sensations nachzulesen.

20. Februar 2012

KW 8/2012: Mademoiselle Rachel, 21. Februar 1821

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Die dunkle, kleine Person mit der merkwürdigen Stimme und den schwarzen Augen, die aus der Gosse kam, begann mit der Verkörperung der Camille in Pierre Corneilles Horace 1838 ihren steilen Aufstieg an den französischen Theaterhimmel. Die großen Geister ihrer Zeit überschlugen sich mit Lobhudeleien, sie bereiste Europa, Russland und Amerika und war alles im allem die Ikone ihrer Tage.

Mit ihrer eher realistischen, reduzierten Darstellungstechnik veränderte sie damals das Selbstverständnis der Theaterwelt. In einer Zeit des Aufruhrs war sie eine aus der niedrigsten Schicht in die gehobene Gesellschaft Aufgestiegene; auch deshalb wahrscheinlich höchst beliebt beim Volk. Das Zusammentreffen der politischen Umstände mit der Annäherung der darstellenden Kunst an die Wirklichkeit weckt Assoziationen zum italienischen Neorealismus im Film der 1940er-Jahre.

Kleine Abschweifung

Solche wiederkehrenden Muster in der Geschichte finde ich faszinierend. In der französischen Februarrevolution ging es um die Erhaltung der Republik, basierend auf einer starken Arbeiter- und Bürgerschicht, versus die Rückkehr zur Monarchie. Im Italien der 1940er-Jahre ging es um Marxismus, also auch die Interessen der Arbeiter, versus Faschismus, also die Interessen einer herrschenden Elite.  Sicher beeinflussten die politischen Umstände nicht unmittelbar Mademoiselle Rachels Darstellungsweise – aber führten doch dazu, dass diese im Gegensatz zum vorherrschenden Pathos und der Neigung zum Goutrieren (?) erfolgreich war und vom Publikum bevorzugt und gefeiert wurde. Auch veränderte sich in der französischen Februarrevolution das Material möglicherweise nicht so deutlich, das im Theater dargeboten wurde*, während sich im italienischen Film der 1940er auch in den Topoi die Hinwendung zum Realismus manifestierte. Mademoiselle Rachel und dem italienischen Neorealismus ist jedenfalls im Gesamtbild gemein: eine Abkehr von Blenderei mit großartigen Gesten und Effekten, Pathos und Monumental-Willen, eine Hinwendung zum Klaren, Schlichten, Reduzierten, auch: Echteren, mit der Lebenswelt des Massenpublikums Vereinbaren.

* Hier fehlt es mir an Information, wie stark Klassiker dominierten und wie sehr auch die Themen der neuen Stücke sich mit den politischen Umwälzungen veränderten.  Allerdings sagt mein gefährliches Halbwissen, dass die französische Revolution von 1789 auch mit der Kunst-Epoche der Aufklärung einherging. Eine ähnliche kulturelle Entwicklung im Zusammenhang mit dieser Revolution zu vermuten, liegt also nah.

Ende der Abschweifung

Mehr als für ihre Bedeutung in der Kunst ist sie für mich aber als Frau interessant. Nicht nur, dass sie nicht wirklich schön war, aber durch ihre Haltung, ihre Stimme und ihren Ausdruck faszinierte. Sie war ein Mädchen aus der Unterschicht und blieb selbst in ihren erfolgreichsten Zeiten frei von der Moralbeflissenheit des Adels und der Oberschicht. Sie blieb unverheiratet, hatte viele Affären – unter anderem mit sage und schreibe drei (!) Männern aus der Napoleon-Familie – und brachte zwei uneheliche Söhne zur Welt. Vom Vater ihres ersten Sohnes gerügt ob ihrer Untreue, äußerte sie die Worte, die nicht nur mein Lieblingszitat sein dürften: „Ich bin was ich bin; ich schätze die Mieter mehr als die Besitzer.“ („I am what I am; I prefer renters to owners.“)

Es gibt nicht viel zu finden über diese vielseitige Frau; dieser eine Text auf authorama.com über sie macht jedoch einiges wett – abgesehen von einer liebevollen Unsachlichkeit (im Vergleich zu den Wikipedia-Texten) füllt er das Bild der Mademoiselle Rachel auf mit charmanten Anekdoten und der mitfühlenden Analyse ihres Charakters und ihrer einzigen wirklichen Liebesgeschichte zum unehelichen Sohn Napoleon Bonapartes.

PS.: Von ganz persönlichem Interesse ist die Tatsache, dass es eine Strickmaschine gibt, die nach ihr benannt sein soll. Die Raschelmaschine.